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Mittwoch, 21 November 2012 14:54

So wird gesagt Teil 153

So wird gesagt Teil 153
Sie hören den zweiten Teil unserer Geschichte aus dem altiranischen Marzban-Nameh. Sie erinnern sich:  Ein Mann hatte einen Kater, die vor lauter Hunger krank geworden war.

In seiner armen Hütte lebte auch eine Maus. Sie hatte gedacht, wenn sie dem kranken Kater von ihren Vorräten gibt, kann sie ihm das Versprechen abnehmen, ihr nie wieder  nachzustellen. Deshalb brachte sie dem kranken schwachen Katzentier zu Fressen und nahm ihm den Schwur ab, auf immer ihre Feindschaft gegen die Maus zu beenden.

Kater und Maus schlossen ein Bündnis und die Maus versprach jeden Tag dem Kater etwas zum Essen zu bringen.  Schließlich war der Kater wieder gesund und stark.

Übrigens hatte der Kater noch einen anderen engen Freund, nämlich den Hahn.

Der Hahn wusste, dass der Kater mit der Maus ein Freundschaftsbündnis geschlossen hatte und dachte: Der Kater wird mich vergessen.  Dann werde ich alleine bleiben. Ich sollte ihn gegen die Maus bringen.." Er ging also zum Kater:

"Seit einigen Tagen macht dich diese schamlose Maus bei den Nachbarn schlecht. Sie sagt allen, das du ein untreues Wesen bist und andere drangsalierst.  Sie erzählt allen, sie habe dich vor dem Verhungern gerettet. Aber sie hätte immer Angst davor, dass du sie angreifst und sei immer in Sorge, dass du eine List gegen sie anwendest.  Jedenfalls frag mich nicht, was sie alles Schlechtes über dich geredet hat. Sie  hat die anderen so sehr gegen dich aufgehetzt, dass dir keiner helfen wird, wenn du mal in Not geraten bist. Es kann sogar sein, dass sie dich verprügeln. Es war meine Pflicht, dir das zu sagen. Ob  du mir glaubst oder nicht!" 

Der Kater  war sehr enttäuscht und verärgert: Er dachte: Der Hahn ist einer meiner ältesten Freunde und hat immer zu mir gehalten. Was er sagt, muss stimmen. Aber  er wollte gerne Gewissheit haben. Deshalb fragte er: "Wie kann ich die Maus entlarven?!"

Da sagte der Hahn: "Die Sünder erkennt man an ihrem Verhalten. Wenn du die Maus beobachtest, wirst du es ihr am Gesicht ablesen können. Sie wird ein schlechtes Gewissen haben und hin und her schauen, denn sie hat Angst, dass du von der Sache weißt und ihr etwas antust."

In dem Moment trat die Maus durch die Tür. Der Kater schaute sie wütend  an. Auf einmal hatte er vergessen, wie sehr ihm die Maus geholfen hatte und er dachte, dass sie nur Böses im Sinne gehabt hatte. Er hatte also die Worte des Hahns über die Maus geglaubt und war außer sich vor Wut.

Die Maus aber erstarrte beim Anblick des wütenden Katers und begann am ganzen Körper zu zittern . Sie geriet ins Stottern und versuchte vergeblich ihre Angst zu verbergen. Der Hahn aber gab dem Kater einen Fingerzeig um anzudeuten: Hab ich nicht gesagt, sie hat ein schlechtes Gewissen! Da tat der Kater einen Sprung und verschluckte die arme Maus.

Nach dieser lehrreichen Geschichte aus dem Marzban-Nameh hören Sie nun bitte  was es mit dem Sprichwort Aja seza-je niki badi ast? auf sich hat.

Ein Hirte brachte jeden Morgen  die Schafe, die ihm die Viehzüchter anvertraut hatten, auf die Weide und gab bis zum Abend auf sie Acht. Abends brachte er sie ihren Besitzern zurück.

An einem schönen Tag hatte er sich neben eine alte Mauer gesetzt und sein Essensbündel geöffnet. Auf der anderen Seite der Mauer hatte ein Bauer einiges Gestrüpp angezündet. Der Hirte grüßte den Bauern und lehnte sich an die Wand um auszuruhen. Kaum hatte er sein Bündel geöffnet, als er eine Schlange erblicke, die matt auf der Erde lag und auf die ein Steinbrocken herabgefallen war.  Da hört er sie jammern:  „O du guter Mann. Komm und nimm mir den Stein vom Rücken!" Der Hirte fragte: „Was machst du hier? Wie kommt dieser große Stein auf deinen Rücken?"

„Ach", sagte die Schlange: "Mein Schlangenloch war in dieser Mauer. Aber der Bauer hat ein Feuer angezündet und die Hitze ist in mein Nest hineingedrungen. Um zu fliehen  habe ich mich gegen die Wand in meinem Nest gestemmt. Aber da ist die Mauer an dieser Stelle zerbröckelt und mein Schlupfloch war zerstört . Dennoch konnte ich wenigstens fliehen und mich vor den Flammen retten. Als ich auf diese Seite der Mauer kam, ist einer der Steine locker geworden und auf mich runter gefallen. Er ist so schwer, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Ich bitte dich, tu etwas für mich und nimm ihn fort."

Der Hirte hatte Mitleid mit der Schlange. Er nahm den Stein weg. Da aber schlang sich die befreite Schlange sofort um das Bein des Hirten und zischte: " Ich danke dir, dass du mich vor dem Tod gerettest hast. Nun kannst du wählen. Soll ich dir ins Bein oder in den Nacken beißen?"

Der Hirte fragte böse überrascht: „Du willst mich beißen?! Was habe ich dir denn angetan?"

Die Schlange: "Du hast mir nichts Schlechtes angetan. Aber ich beiße nun mal die anderen. Du kannst dir aber gerne aussuchen,  an welcher Stelle ich dich beißen soll."

Der Hirte sagte: "Das ist doch egal. Ich werde auf jeden Fall an deinem giftigen Biss sterben. Ich habe dir etwas Gutes getan und nun willst du mir es mit etwas Schlechtem heimzahlen?!"

Die Schlange antwortete: "Der Lohn für Gutes ist nicht das Schlechte, aber du weißt doch:  Löwe bleibt Löwe  und   Schlangen beißen eben."

"Nein," rief der Hirte: "Ich bin anderer Meinung. Lass uns noch jemand anderen fragen. Jemand anderer soll  klären, ob Gutes mit Schlechten zu beantworten ist und eine Schlange immer beißen muss!"

Die Schlange willigt ein.

Der Hirte und die Schlange erzählten der Ziege und dem Schaf von der Geschichte. Aber diese wichen mit unpassenden Antworten aus, denn sie hatten Angst vor der Schlange. Jedenfalls waren Hirte und Schlange genauso klug wie vorher, nachdem sie die beiden gefragt hatten.  Schon wollte die Schlange zubeißen, als ein Fuchs vorbei kam. Der Hirte rief in seiner Not den Fuchs herbei und berichtete ihm alles. Schließlich sagte er: "Nun urteile du und sag: Ist Gutes mit Schlechtem zu erwidern?"

Der Fuchs dachte nach und sagte: "Ich kann das nicht glauben."

Die Schlange fragte: "Was kannst du nicht glauben?"

Der Fuchs: "Dieser Hirte ist mager und schwach. Ich glaube nicht, dass er diesen großen Stein von deinem Rücken fortnehmen konnte!"

Da sagte der Hirte: "Aber glaub mir, ich hab den Stein weggenommen!"

Der Fuchs: „Ich glaube nur, was ich mit meinen eigenenAugen gesehen habe. Wir sollten noch einmal die Szene nachbilden."

Schlange und Hirte waren einverstanden. Die Schlange ließ das Bein des Hirten los und streckte sich auf der Erde aus und der Hirte legte den großen Steinbrocken auf die Schlange. Da fragte der Fuchs: "Ist es so gewesen?"

Die Schlange bejahte.

Da sagte der Fuchs: "Nun! Es ist besser, wenn du unter diesem Stein liegen bleibst bis du stirbst. Denn Gutes darf nicht mit Schlechtem belohnt werden. Wenn du nach der Befreiung deinen Retter beißen willst, hast du dafür gesorgt, dass keiner mehr einem Notleidenden hilft!"

So fand der Hirte Rettung. Aber die Schlange blieb unter dem Stein. Hirte und Fuchs hörten nicht auf all ihr Betteln.

Daher sagt jeder der Gutes getan hat, aber mit Schlechten belohnt wurde: Ist Schlechtes der Lohn für Gutes?:Aja seza-je niki badi ast?

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