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Mittwoch, 21 November 2012 14:51

So wird gesagt Teil 150

So wird gesagt Teil 150
Wir bringen heute wieder eine Geschichte aus dem Marzban-Nameh, d.h. sie hören die ersten Teil dieser Geschichte.

 

Und zwar hatte ein Händler einen Sklaven, mit dem er sehr zufrieden war. Er versprach daher, ihn nach der nächsten Handelsreise mit dem Schiff freizulassen und ihm soviel Geld zu geben, dass er im Leben versorgt ist. Der Sklave freute sich. Eifrig trug er die Handelsware  aufs Schiff und sie traten ihre Reise an. Nach einigen Tagen aber geriet das Schiff  in einen Sturm und  versank mitsamt seiner Ladung und den Insassen. Der Sklave hatte das Glück,  einer großen Meeresschildkröte zu begegnen. An deren Rückenschild  konnte er sich festhalten und über das Meer hinweg an eine Palmeninsel  gelangen.

Es vergingen einige Tage und der Schiffsbrüchige  hatte sich mit dem, was er an Früchten fand, ernährt und darauf gewartet, was weiter geschehen würde. Gott hatte ihn vor dem Ertrinken gerettet und er würde ihm auch jetzt helfen.

Nach einigen Tagen machte er sich schließlich  auf die Suche nach einer menschlichen Ansiedlung. Nachdem er unermüdlich ins Landesinnere gewandert war, erblickte er von weitem eine schöne Stadt.  Beim Näherkommen  sah er viele Menschen aus der Stadt herausströmen.  Er fragte einen von ihnen, was das zu bedeuten habe. Der antwortete: "Wir gehen um unseren König zu empfangen. Gott hat ihn uns geschickt."

Der Sklave war noch ganz verwundert, als plötzlich mehrere  Persönlichkeiten auf ihn zutraten und  ihm Ehre erwiesen. Sie küssten sein Hand, brachten ein edles Pferd herbei und baten ihn, es zu besteigen. Das Pferd sah paradiesisch aus.

Der Skalve bestieg es und er wurde unter dem Freudesjubel der Menge in die Stadt geführt. Sie brachten ihn in einen zauberhaften Palast und überschütteten ihn mit Goldmünzen. Dabei riefen:  "Du bist unser König und wir alle sind deiner Diener. Hoch lebe unser König.  Befiehl uns was wir tun sollen!"

Der Sklave verstand nicht, wieso Tausende von freien Menschen ausgerechnet einem Sklaven wie ihm gehorchen sollten. Er dachte: "Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen!  Ich muss mich in Acht nehmen." Dann bestieg er den Thron und  suchte seine Minister  aus. Er selber  übernahm die Macht über die Angelegenheiten des Landes und des Heeres. Einen der Persönlichkeiten machte er zu seinem höchsten Vertrauensmann.

Eines Tages als er mit diesem  alleine war, sagte er: "Ich bin von deiner Aufrichtigkeit überzeugt und habe volles Vertrauen zu dir. Aber ich bitte dich, dass du mir erklärst, wieso man mich einfach so, ohne irgendeinen Grund zum König gewählt hat!  Sie lassen mich über ihr Land regieren, ohne dass  irgendeine Mühe auf mich genommen hätte. Dabei ist  dies ein mächtiges  Land und hat ein starkes unbesiegbares Heer. Was steckt dahinter? Du musst mir die Wahrheit sagen!"                                          

Da gestand ihm sein Vertrauter wie folgt ein: "Ja! Ich weiß warum es wirklich geht! Jedes Jahr wird um diese Zeit einer zum König bestimmt. Sie holen ihn feierlich herbei und setzen ihn auf den Thron. Aber wenn er ein Jahr regiert hat, dann nehmen sie ihn gefangen und bringen ihn vor die Stadt zu einem  gruseligen See der auf dem Weg in die Wildnis liegt. Dort lassen sie ihn zurück."

Der Sklave versank ihn Gedanken. Er musste sich einen Plan zurechtlegen.

Die Fortsetzung dieser Geschichte, die wir in Anlehnung an dem Marzban-Nameh brachten, hören Sie beim nächsten Mal. Nun zu unserem Sprichwort, nämlich "Yaru ham Ahl-e Bachiyeh ast."

Ein König legte großen Wert darauf, immer die besten Gewänder zu tragen. Der  versierteste Schneider im Lande arbeitete für ihn.  Dieser Schneidermeister war jedoch schon alt und schließlich starb er. Der König bedauerte seinen Verlust. Nun musste er sich also einen neuen Schneider suchen. Sein Wezir schlug vor, in allen Städten  auszurufen, dass der König einen neuen Schneider braucht. Er versprach: "Wir werden jeden der sich vorstellt, auf die Probe stellen und den besten von allen zum Hofschneider  küren."

Die Nachricht davon, dass der König einen neuen Schneider sucht, war bald überall im Land verbreitet. Jeder der sich für einen Schneiderkünstler hielt, machte sich  auf den Weg, um sich zum angekündigten Zeitpunkt im Palast vorzustellen, in der Hoffnung, den eintragreichen Posten des Hofschneiders für sich zu bestimmen.

Am angekündigten Tag hatten sich also Schneidermeister von nahe und fern am Palast eingefunden  und jeder hatte das beste Kleidungsstück , das er bis dahin genäht hatte mitgebracht oder trug es am Leib.

Die Schneider standen in der Schlange um ihre Kunst vorzuzeigen. Unter ihnen war jemand, der weder ansehnlich gekleidet war noch ein taugliches Kleidungsstück mitgebracht hatte, das ein Zeichen für seine Kunstfertigkeit hätte sein können.  Sie alle warteten auf den Augenblick, dass der König erscheinen würde. Als es endlich soweit war, wurden die Schneider einzeln herbeigerufen und über ihre Erfahrung in diesem Handwerk befragt. Zwei Personen notierten das Resultat. Schließlich war die Reihe an jenem Mann, der sich von den anderen unterschied. Als die Leute des Königs ihn sahen, wunderten sie sich. Sie fragten ihn: "Wo bist du denn als Schneider tätig? " Er nannte seine Heimatstadt. "Und was nähst du denn? " Er: "Ich nähe Satteltaschen. Sie sind sehr gefragt. Viele bestellen eine Satteltasche für ihren Esel bei mir. Keiner kann so gut wie ich Satteltaschen nähen."

Der König geriet außer sich und schrie: "Bringt diesen dummen Kerl ins Gefängnis. Bin ich denn ein Esel, dass er wagt, sich als Schneider für die königlichen Gewänder vorzustellen?"

Da ergriffen die Wächter des Königs den armen  Satteltaschenschneider, um ihn ins Gefängnis zu schleppen.  Der hatte begriffen, was ihm bevorstand und welche Dummheit er begangen hatte. Da bat er "Majestät! Gewährt mir einen kurzen Augenblick,um mich zu entschuldigen!"

Der König ließ es zu.

Da sagte der Mann: "Ich dachte ein Schneider macht Nähte und ich als Satteltaschenschneider, näh doch auch und mache Nähte. Ich wusste, dass der König einen Schneider sucht, der Kleidung näht,  und nicht jemanden, der Satteltaschen näht. Da habe ich mir gedacht, ein König der sich in königliche Gewänder hüllt, muss auf einem Esel oder einem Maultier sitzen, das die schönsten Satteltaschen trägt. Deshalb bin ich gekommen, damit ich für euer Reittier das schönste Gewand  nähe..."

Da musste der König lachen. Er bezahlte ihm eine Belohnung und sagte: "Guter Mann! Kehr wieder in deine Stadt zurück! Ich brauche keinen Schneider der Satteltaschen für mich näht!" 

Seitdem sagt man zu jemandem, der keine Fertigkeit besitzt aber versucht , das Gegenteil zu beweisen:

Yaru ham Ahl-e Bachiyeh ast.

"Der kann auch nähen."

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