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Samstag, 17 Dezember 2011 08:57

So wird gesagt Teil 103

So wird gesagt Teil 103
Auch heute bringen wir als erstes wieder eine Geschichte aus dem Mathnawi von Molana, Rumi:

In Gartenbesitzer sah, dass drei fremde Männer unerlaubt in seinen Garten eingedrungen waren und wollte sie gerne vertreiben. Aber er war alleine und sie waren zu dritt.

Der Gärtner beobachte die drei Eindringlinge: Der eine war ein Derwisch, der zweite trug ein Gelehrtengewand und der dritte war offensichtlich ein wohlhabender Mann. Da ersann er einen Plan, wie er zwischen den drei spalten kann, damit er sie einer nach dem anderen aus seinem Garten vertreibt.

Als erstes ging er zu dem Derwisch.

Der Gärtner knüpfte ein Gespräch mit dem Derwisch an, konnte ihn beiseite ziehen und sagte, er solle doch eine Teppichmatte besorgen, damit er und seine Freunde sich darauf ausruhen könnten.

Der Derwisch verließ den Garten, um eine Matte zu holen und der Gärtner wandte sich an den Gelehrten und sagte: „Wenn wir wissen was erlaubt und was verboten ist, so weil Leute wie du es uns lehren. Du kennst das Religionsrecht gut und dein Freund gehört zu den Vornehmen. Es ist nicht richtig, dass ihr beide als angesehene Männer mit diesem Derwisch verkehrt.“

Jedenfalls redete der Gärtner so lange weiter, bis die beiden den Derwisch nicht mehr leiden mochten. Als sich der Gärtner sicher war, dass sie nichts mehr von dem Derwisch wissen wollten, lief er dem Derwisch hinterher und schlug so lange auf ihn ein, bis er davonrannte.

Der Derwisch konnte nur noch rufen: „Freunde! Euch wird es genauso ergehen.“

Aber seine ehemaligen Freunde hörten ihn gar nicht.

Der Gärtner ging und machte sich an den Aristokraten heran. Er sagte:

„Ich habe für dich ein zartes Fladenbrot gebacken und ein Essen in meiner Gartenlaube bereit gestellt. Lass diesen Gelehrten da! Geh und nimm dir von meinen Speisen und ruhe dich gut aus.“

Der Aristokrat hörte auf ihn und ging zur Gartenhütte. Und nun wandte sich der Gärtner an den Gelehrten: „O du bist ein gelehriger angesehener Mann, aber dieser Herr da behauptet nur, er stamme aus einer edlen Familie und deshalb bildet er sich auch noch etwas ein. Woher bist du so sicher, dass er aus einer guten Familie stammt?“

Da war es dem Gelehrten Recht, dass der Vornehme alleine zur Hütte gegangen war.

Nun ging der Gärtner zu dem Aristokraten und begann ihn zu beschimpfen: „Du bist ein Dieb, der einfach in meinen Garten eingebrochen ist! Hast du die Dieberei von deiner Familie geerbt? Aus welcher edlen Familie stammst du denn, du Lügner!“ Dann schlug er auf ihn ein. Der Ahnungslose fiel zu Boden und rief noch in der Hoffnung, dass der Gelehrte draußen im Garten es hört:

„Ich bin noch einmal mit dem Leben davon gekommen, aber du bist alleine geblieben. Pass auf, nun bist du an der Reihe. Auch wenn ich nicht würdig war, dein Kamerad zu sein, so war ich jedenfalls besser als dieser Gärtner!“

Als nun der Gärtner nur noch den Gelehrten vor sich hatte, begann er ihn zu tadeln: „Du nennst dich einen Gelehrten? Was für ein Gelehrter bist du denn, dass du unerlaubt in fremde Gärten eindringst? Welcher von den Großen der Religion erlaubt dir eine solches hässliches Tun?!“ Dann vertrieb er den Gelehrten unter Schlägen aus dem Garten und sagte ihm noch: „Wer seine Freunde im Stich lässt, hat nichts anderes verdient.“

Qaba sefid, Qaba sefid ast. So lautet unser heutiges Sprichwort auf Persisch.

Zwei Brüder hatten geheiratet und lebten im Haus ihres Vaters. Sie verdienten beide gut. Doch ihre Frauen rivalisierten miteinander.

Das Schicksal wendete sich und die beiden Brüder verdienten nicht mehr genug. So beschlossen sie, auf der Suche nach Arbeit in eine andere Stadt zu ziehen wo Handwerker wie sie gut bezahlt wurden. So schnürten sie ihr Bündel und verabschiedeten sich von ihren Frauen .

Die beiden Frauen blieben alleine zurück. Bald hatten sie ihren bisherigen Streit vergessen. Sie vertrieben sich die Zeit, indem sie gemeinsam kochten und aßen, sich unterhielten und sich gegenseitig trösteten.

Wie sie eines Tages zusammen saßen, sagte die eine: „Ich will einen schönen Qaba – einen schönen Obermantel - für meinen Mann nähen und ihm schenken, wenn er zurück kommt.“ Es war die Frau des älteren Bruders. Die Frau des jüngeren Bruders sagte sogleich, dass sie auch einen Qaba für ihren Mann nähen werde.

Nun hatten die beiden einen neuen Gesprächsstoff und sie unterhielten sich eifrig darüber, wie der Qaba aussehen soll und welchen Stoff sie am besten dafür kaufen. Am nächsten Tag erstanden sie auf dem Bazaar einen schönen weißen Stoff.

Die Frau des älteren Mannes schnitt alsbald den Stoff zurecht und begann mit dem Nähen. Sie wollte, dass der Obermantel besonders schön wird. Aber die Frau des jüngeren Bruders sagte: „Ach verschwende doch nicht soviel Zeit damit. Die Männer können ohnehin keinen besonderen von einem normalen Obermantel unterscheiden!“

Es vergingen Tage und Wochen und der Tag, an dem die beiden Brüder zurückkehren sollten, rückte näher. Schließlich war es fast so weit. Es waren nur noch ein paar Tage und sie würden zurückkommen.

Die Frau des älteren Bruders freute sich. Sie hatte einen wunderschönen Obermantel für ihren Gemahl genäht und den Kragen und die Ärmel sogar bestickt. Aber die Frau des jüngeren Bruders hatte noch überhaupt nichts gemacht.

Da wurde sie fleißig. Weil die Zeit knapp war, konnte sie aber nur einen ganz normalen einfachen Qaba für ihren Mann nähen. Er war sogar ein bisschen zu weit.

Als die beiden Brüder heimkehrten, begannen die beiden Frauen erneut damit, sich gegenseitig auszustechen und zu beneiden:

„Siehst du wie schön der Qaba ist, den ich genäht habe?“ sagte die eine. „Wenn mein Mann den trägt, werden die Leute ihn mit dem Qaba vergleichen, den du genäht hast und sie werden mich loben, weil ich einen besseren Geschmack habe!“

Aber die anderen sagte: „Warten wir ab.“

Die beiden Brüder waren heimgekehrt und wurden freudig begrüßt. Dankbar nahmen sie ihr Geschenk entgegen und als sie am nächsten Tag auf den Bazaar gehen wollten, zogen sie beide ihren neuen Obermantel an.

Aber niemand auf dem Bazaar bemerkte den Unterschied zwischen den beiden Kleidungsstücken.

Am Abend fragte jede der beiden Frauen ihren Mann über den neuen Qaba. Aber da stellten sie fest, dass keinem im Bazaar der neue Qaba aufgefallen war, geschweige denn dass sich jemand dazu geäußert hätte.

Denn für alle im Bazaar war nur die Arbeit dieser beiden Männer wichtig und nicht ihr Qaba. Da sagte die Frau des jüngeren Bruders zu ihrer Schwägerin: „Ich habe es dir doch gesagt: Qaba sefid Qaba sefid ast. Ein weißer Obermantel ist ein weißer Obermantel : oder Alle weißen Obermäntel sind doch gleich!“

Dieses Sprichwort benutzt man, wenn man sagen will, dass normale Leute nicht den Unterschied zwischen einer schlechten und guten Arbeit oder Ware erkennen.

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