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Freitag, 20 Juli 2007 13:48

Attar, ein persischer Dichter (Teil 10)

Heute zum letzten Teil der Geschichte von den Vögeln, die zu ihrem Herrn und König, dem „Ssimorq" wollten.

Als sie - nur noch dreißig der vielen Vögel, die die Reise angetreten hatten, waren es, die geblieben waren, die übrigen hatten die Strapazen nicht überstehen können - kurz, als sie endlich nach unendlichen Mühen das Ziel erreicht hatten, schauten sie

W- ein Schloss. Strahlendschön, inmitten einer Weite unbeschreiblicher Herrlichkeit und Pracht,

K- geschmückt von Abertausenden Sonnen, Monden und Sternen,
schwebend und tanzend - gleich kleinsten Stäubchen - im Raum,

W- und allüberall Glorie und Majestät, unbeschreibbar, höher als alle Vernunft...

K- Die Vögel, zerrupft, erschöpft und nahezu federlos geworden hockten sich nieder.
Angesichts der zahllosen funkelnden Sonnen, Monde und Sterne, die im Raume - Stäubchen gleich - schwebten, schwand ihre Hoffnung hin.
Wenn Sonnen, Monde und Sterne hier, im göttlichen Empyrium, so winzig klein erscheinen, würden sie, die Vögel, wohl gar nicht wahrnehmbar sein. Niemand würde sie sehen...

W- Nach einiger Zeit jedoch erblickte sie der Hüter des Schlosses, der von den Zinnen des hohen Schlossdaches hinabsah.
Er rief ihnen zu:
„Wer seid ihr? Woher kommt ihr und was wollt ihr hier?"

K- Die Vögel blickten erstaunt hoch und antworteten wie aus einem Munde:
„Wir sind hergekommen, weil unser Herr und König der Ssimorq ist. Zu ihm wollen wir...
Ein langer und sehr mühseliger Weg war es bis hierher, viele viele Vögel, die mit uns die Reise begannen, blieben zurück. Konnten nicht weiter. Nur wir sind geblieben. Nur wir dreißig Vögel haben es geschafft, lass uns zu ihm, zu unserem König..."

K- Worauf der Schlosshüter antwortete:

W- „Ihr Vögel, wisset, wo ihr auch seid, in dieser Welt oder in jener, der Ssimorq ist immer euer Herr. Immer und ewig...
Und auch dies wisset: Hunderttausende Welten mit allem, was in ihnen ist, sind angesichts dieser Welt winzig wie kleine Ameisen. Abgesehen davon aber: Ihr seid noch nicht so weit, von eurem König empfangen werden zu können. Kehrt daher tunlichst zurück..."

K- Die Vögel waren enttäuscht. Trauer übermannte sie. Dennoch sagten sie sich:

W- „Nun ja, wenn er, der erhabene König, uns jetzt noch nicht empfängt, soll uns das nicht kränken. Wir aber lieben ihn, geben nicht auf, denn wir sehnen uns nach ihm..."

K- Der Ssimorq aber war voller Güte und Erbarmen. Dem, der für die sichtverhindernden Schleier zuständig war, gebot er, einen Schleier nach dem anderen vor den Blicken der Vögel fortzuziehen. Bis letztendlich nichts mehr war, das ihnen die Sicht nahm. Und nichts mehr war als nur noch Licht - Licht, dass durch weiteres Licht zu strahlen begann...
Licht über Licht...

W- In dieser Weise ließ der Ssimorq die dreißig Vögel zu sich kommen. In seine Nähe, eine Nähe unsagbarer Ehre, Glorie und Majestät...

K- Und er zeigte ihnen ein Schreiben und gebot ihnen, es zu lesen. Scham ergriff sie, als sie es gelesen hatten. So sehr und heftig, dass sie wurden wie Staub, wie Erde... Nichts weiter...

W- Und so wurden sie rein. Rein von allem und jedem das nicht er, der Herr, war....

K- Dann aber zog, durch das Licht ihres Herrn, das Licht der Wahrheit, neues Leben in sie ein...
Und nun schauten sie, die dreißig Vögel - nebenbei, Ssimorq bedeutet: Dreißig Vögel - ja, nun schauten sie den Ssimorq der Welt.
Und waren bass erstaunt.
Denn sie erkannten: Sie, dreißig vereinte Vögel, waren „Ssi - Morq".
Und auch ihr König und Herr: „Ssimorq"

W- Er aber, der Herr - die Wahrheit - erklärte:

W- Die Wahrheit ist ein Spiegel...

K- Und er fügte hinzu:
„Und in diesem Spiegel seht Ihr euch, dreißig Vögel, die ihr auf eurem Wege hierher viel gelitten habt. Nicht aber mich, denn Mich, Gott, euren Herrn, kann kein Auge erblicken...

„Ihr Vögel, kommt her und versinkt in der Majestät und Herrlichkeit Meines Seins. Geht in Mir auf, verliert euch in Mir, auf dass ihr euch - aufgelöst in Mir - finden möget."

K- Sie, die dreißig Vögel, traten zu Ihm, dem Herrn. Und versanken für alle Zeiten in Ihm, in Seinem Sein. Lösten sich auf im Sein des wahren, wirklichen Ssimorq - Gott.
Es war ganz so, als wären sie ein Schatten gewesen, der sich im Licht der Sonne auflöste...

W- Und nun:
Solange die Reise der dreißig Vögel währte, währte auch diese Geschichte. Doch als sie ihr Ziel erreicht hatten, war auch ihre Geschichte beendet. Weder Beginn war, noch Ende...
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