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Freitag, 20 Juli 2007 13:46

Attar, ein persischer Dichter (Teil 7)

K- Letztes Mal hörten sie, dass sich die Jünger Schaikh e Ssan`aans erneut auf den Weg ins römische Land gemacht hatten, um ihrem Schaikh zur Hilfe zu eilen.

W- Dort angekommen, ließen sie sich in einem stillen, einsamen Winkel nieder und flehten Gott um Hilfe an.
Vierzig Tage und Nächte lang, in aller Enthaltsamkeit. Sie fasteten und schliefen kaum...

K- Bis dass einer der Jünger eines Nachts in seinem Winkel erschöpft zusammenbrach, dann aber, noch bevor der Morgen graute, ein Windhauch, belebend und duftend, zu ihm herwehte und ihn streichelte. Sanft und wohltuend, und ihm, seinem Herzen, mit einem Male der Prophet erschien.

W- Der Jünger des Schaikhs rief erregt: „O Prophet Gottes, nimm mich bei deiner Hand..., zeig unserem Schaikh den Weg..."
Worauf der Prophet ihm antwortete:
Sei beruhigt, deinen Schaikh habe ich aus seiner Verwirrung erlöst. Den dichten Schleier, der ihm die Sicht nahm, ihn in Finsternis tauchte und ihn von Gott trennte, habe ich gerade eben entfernt. Um euren Schaikh ist es nun hell und licht..."

K- Freude erfüllte das Herz des Jüngers. Er erzählte seinen Freunden, was ihm offenbart worden war und zog mit ihnen zu dem Ort, an dem sich ihr Schaikh aufhielt...

K- Soweit hörten sie die Geschichte letztes Mal. Als die Jünger ihren Schaikh erblickten, erkannten sie, dass mit ihm eine Veränderung vorgegangen war. Seinen Christengürtel hatte er abgelegt und er schien erlöst und getröstet zu sein.

W- Als der Schaikh seine Jünger auf sich zukommen sah, hockte er sich erfreut und beschämt zugleich nieder. Tränen traten ihm in die Augen...

K- Er fühlte beglückt, wie sein Glaube, das Geheimnis seiner Religion, kraftvoll in ihn zurückkehrte.

K- Als die Jünger Schaikh e Ssan`aans sahen, in welcher Verfassung sich ihr Meister befand, eilten sie auf ihn zu. Und glücklich, ihn gefunden zu haben, dankten sie Gott...

W- In der gleichen Zeit aber hatte das schöne christliche Mädchen einen Traum. Es träumte ihm, dass ein Gesicht, ein Antlitz strahlend und schön wie die Sonne, zu ihm sprach:

K- „Erhebe dich, steh auf und geh zu deinem Schaikh. Wende dich seiner Lehre, seiner Religion zu und füge dich ihm. Du, die du ihn verführtest, sei ihm nun die Reinste und Beste...

K- Das Mädchen erwachte aus seinem Schlaf und Traum und fühlte mit einem Male ein süßes sehnsuchtsvolles Weh in sich aufsteigen. Sie wollte zu ihrem Schaikh, wollte ihn sehen, wollte bei und mit ihm sein...
Es war ihr, als sei sie in eine neue Welt eingetreten. In eine Welt, in der es Irr- und Abwege nicht gab, in einer wundersamen, tröstlichen Welt.
Freude, grenzenlose Freude und Verstehen erfüllten das Mädchen:

K- Das Mädchen bereute, was es mit dem Schaikh getan hatte. Es sah zum Himmel hoch und bat Gott um Vergebung:
„O Gott, hilf mir, ich bin ein schwaches Geschöpf und habe einen derer, die auf dem Wege zu dir wandelten, in die Irre geführt. Vergib mir, zürne mir nicht, denn was ich tat, tat ich in Torheit, weil ich es nicht besser wusste. Nimm mich bei der Hand und führe mich auf den rechten Weg..."

K- Der Schaikh hatte sich bereits auf den Heimweg gemacht, als er eine innere Stimme vernahm, die zu ihm sprach:

W- „Das Mädchen hat sich von seinem Glauben abgewandt, geh zu ihm..."

K- Schaikh e Ssan`aan erzählte seinen Jüngern von dem, was ihm die innere Stimme gesagt hatte, und so kehrten sie erfreut und erstaunt um und eilten zu dem schönen Mädchen...

W- Als das Mädchens Schaikh e Ssan`aan erblickte, sank es vor lauter Erregung ohnmächtig zu Boden.
Er eilte besorgt auf es zu, beugte sich über es, und die Tränen, die ihm übers Gesicht rannen, tropften auf das Gesicht des Mädchens.
Es schlug die Augen auf und begann, als es den Schaikh über sich sah, zu schluchzen.

K- Dann, leise, sagte sie:
„O Schaikh, ich bin beschämt und gestehe, dass ich meine Zuneigung und Liebe nicht länger verheimlichen kann. Ich bereue von ganzem Herzen und bitte dich, mir über den Islam zu erzählen, damit auch ich auf deinem Wege wandele..."

W- Und Schaikh e Ssan`aan machte sie - erfreut und geduldig - mit dem Islam vertraut...
Sie lauschte seinen Worten, nahm sie in ihrem Herzen auf, verstand nun und empfand hohe beseligende Freude, Dankbarkeit...

K- Und Liebe. Starke, drängende sehnende Liebe nach dem Höchsten und Schönsten, nach dem Quell allen Seins, nach Dem, von dem alles kommt und zu Dem alles zurückkehrt...
Und überließ sich dieser Liebe. Gab sich ihr hin. Wollte nun nur noch Ihn, dem diese Liebe galt,
löste sich von allem anderen und nahm Abschied. Von dieser Welt.
Nahm Abschied von Schaikh e Ssan`aan. Mit Worten, die nurmehr ein leiser, verwehender Hauch waren...

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