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Freitag, 20 Juli 2007 13:45

Attar, ein persischer Dichter (Teil 6)

(Schaikh e Ssan`aan 2) K- Wir begannen letztes Mal, die Geschichte des Schaikh e Ssan`aan zu erzählen. Eine Geschichte, die der Wiedehopf den Vögeln, die ihn auf der Reise zum Ssimorq, ihrem König, begleiten wollten, vortrug.

 

W- Und zwar ging es um einen sehr frommen und gelehrten Mann, der sein bisheriges Leben nichts anderes getan hatte, als Gott in aller Lauterkeit zu dienen und seine zahlreichen Schüler den Weg zu Gott zu lehren.
Nichts zählte für ihn als nur der Allmächtige Schöpfer allen Seins.

K- Dann, eines Tages, reiste er - auf einen Traum hin - mit seinen Jüngern in das Land der Römer, wo sein Blick auf ein wunderschönes christliches Mädchen fiel. Liebe für es erwachte in ihm. Er wehrte sich dagegen, klagte und jammerte, wollte Gott und seinem bisherigen Lebensweg nicht untreu sein, doch schaffte er es nicht. Seine erstaunten Jünger versuchten, ihren Lehrer und Meister zu beruhigen, zu trösten, zu ermahnen. Doch ohne Erfolg. Bekümmert zogen sie sich schließlich zurück...

W- Schaikh e Ssan`aan aber ließ sich in der Nähe des Hauses, in dem die Schöne lebte, auf dem staubigen Boden nieder.

W- Doch er litt, sehnte sich nach dem schönen Mädchen, aß nichts mehr und wurde vor lauter Liebesweh völlig kraftlos.

K- Einen Monat lang blieb er dort und sehnte sich nach dem Mädchen, das schön wie die Sonne war.
Und wurde krank. Legte sich nieder. Sein Lager aber war die bloße Erde, und sein Kissen, auf dem sein Kopf ruhte, war die Schwelle zu einer verfallenen Hütte.

W- So ging es, bis dass die schöne Christin von seiner Liebe zu ihr erfuhr. Sie ging zu ihm, zeigte sich ahnungslos und fragte ihn:

K- „O Schaikh, warum bist du nur so verwirrt und ruhelos?"

W- Worauf der Schaikh entgegnete:
„Du holdes Wesen, deinetwegen ist es, dass du mich nun so elendig siehst. Du hast mir mein Herz geraubt."

K- Und er sprach zu ihr, klagte ihr sein Liebesweh, jammerte, ohne sie nicht leben zu können und so fort, bis dass sie ihn ermahnte, er solle in sich gehen, das sei kein rechtes Verhalten für einen Mann seines Standes und Alters. Es stünde ihm mehr zu, sich auf den Tod vorzubereiten, als an sie zu denken und sich an sie zu verlieren...

W- Der Schaikh aber erklärte, dass er nicht mehr imstande sei, an anderes als an sie und seine Liebe zu ihr zu denken. Zudem aber kenne die Liebe weder Jugend noch Alter. Wen sie ergreife, der gehöre ihr, ob jung, ob alt...

K- Sie aber antwortete, dass er, wenn er es ernst meine, einiges zu tun habe, nämlich: sich von seinem Glauben abzuwenden, den Koran zu verbrennen, Wein zu trinken und noch sei einiges mehr...

W- Schaikh Ssan`aan entgegnete, Wein zu trinken, dazu sei er bereit, doch alle anderen Voraussetzungen, nein, die könne er nun wirklich nicht erfüllen.

K- Sie aber sagte, wenn er sie wirklich liebe, müsse er auf seinen Glauben, seine Religion verzichten.
Denn wer anders sei und denke als das Geliebte, dessen Liebe sei nichts weiter als ein flüchtiger Hauch...

W- Kurz, Schaikh Ssan`aan erklärte sich letztendlich einverstanden. Alles, was sie sage, wolle er tun. Das Mädchen lachte und forderte ihn auf:

K- „Gut, dann steh auf von deinem Lager und trinke ein wenig Wein, damit Leben und Bewegung in dich einkehren können."

W- Und sie brachte ihn zum „Deyr e Moqaan".
Des Schaikhs Jünger aber waren entsetzt. Was war nur mit ihrem Meister geschehen?

K- Heiterkeit, Losgelöstheit empfingen den Schaikh dort. Und nun, berauscht vom Weine geriet er in noch heftigeres Liebesfeuer. Er war außer sich, trank, ergötzte sich an dem schönen Mädchen und opferte sich und sein Ansehen seiner Liebestrunkenheit...

W- Das Feuer des Weines und das der Liebe vermischten sich. Hoch schlugen die Flammen in des Schaikhes Brust, der trank und trank...

K- Nichts mehr war in seinem Herzen als die Liebe zu dem christlichen Mädchen. Sonst nichts.
Seine Liebe zu Gott, sein Glaube, seine Religion waren dieser Liebe zum Opfer gefallen.

K- Den Christen im Lande war dies zu Ohren gekommen. Sie hatten gehört, dass sich ein Schaikh, der für seine Frömmigkeit und Enthaltsamkeit weit und breit bekannt gewesen war, ihrer Religion zugewandt hatte. Sie eilten zu ihm brachten ihn in ihre Kirche, banden ihm den Christengürtel um, und er? Er legte sein Ssufigewand ab und verbrannte es.

W- Dann aber sprach er zu dem holden Christenmädchen:
„Was du von mir verlangtest, habe ich getan. Gibt es sonst noch etwas, was ich zu tun habe? Sag es mir, damit ich auch das erfülle und du bereit wirst, dich mit mir zu vereinen..."

K- Schaikh e Ssan`aan hatte seiner Liebe zu der schönen Christin wegen alles, was ihm bisher lieb und kostbar gewesen war, von sich abgeschüttelt. Hatte seinen Glauben, seinen Weg, seine Freunde und sein Ansehen preisgegeben...
Sie aber sprach nun von der Morgengabe, die sie natürlich von ihm erwarte. Doch er sei ein Habenichts, nichts weiter als ein alter Mann ohne Geld und Gold, daher, leider...

W- Man kann sich denken, wie enttäuscht Schaikh Ssan`aan nun war. Er redete ihr ins Gewissen, wie nur könne sie sich so verhalten? Er habe doch nichts und niemanden mehr in dieser Welt als nur sie? Alles habe er ihretwegen hergegeben? Seine Freunde, seine Jünger hätten sich von ihm abgewandt...
Nein, so dürfe sie nicht sprechen. Habe sie denn nur mit gespielt?

K- Schaikh e Ssan`aan, einst geschätzt und geachtet, war unglücklich. Was nur konnte er tun?
Er klagte, sprach von seiner Liebe zu ihr, gab nicht auf, wollte nicht aufgeben, und erreichte es letztendlich, dass sie ihm vorschlug, ihre Schweine zu hüten. Ein Jahr lang. Dann, nach einem Jahr, sei sie bereit, ihr Leben mit dem seinen zu verbinden.

W- Und Schaikh e Ssan`aan widersetzte sich der Schönen nicht, sondern begann, die Schweine zu hüten...

K- Bis hierhin, heute. Das weitere dann nächstes Mal. Also, bis dann...

 

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