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Freitag, 20 Juli 2007 13:43

Attar, ein persischer Dichter (Teil 4)

K- Wie Sie in den letzten zwei, drei Folgen hörten, hatten sich die Vögel der Welt getroffen und waren zu dem Entschluss gekommen, nach einem geeigneten König für sich zu suchen. Der Wiedehopf kannte ihn und schlug den Vögeln vor, ihn auf dem Weg zu ihm, dem König, zu begleiten.

Allerdings, es sei ein sehr weiter und beschwerlicher Weg, doch wenn sie standhielten, würden sie letztendlich, hinter dem Berge Qaaf, ihren Herrn, den Ssimorq, erreichen und sich mit ihm vereinen...

W- Die Vögel freuten sich zunächst, doch dann begannen etliche, zu zaudern, brachten Einwände und Zweifel hervor und nicht wenige waren es, die auf die Reise verzichten wollten...

K- Der Wiedehopf beantwortete geduldig alle Fragen, erklärte und belehrte. Und sie lauschten seinen Worten. Die Nachtigall, der Papagei und auch der Pfau hatten bereits ihre Ansichten genannt und gehört, was der Wiedehopf, der Wegführer der Vögel auf der Reise zum König, dem Ssimorq, dazu meinte.
Nun meldete sich die Gans zu Wort.

W- Sie war gerade eben, noch nass, aber mit sauberem, glänzenden Gefieder, aus dem Wasser hervorgekommen, stellte sich den Vögeln vor und erklärte, dass sie die meiste Zeit im Wasser zubringe, sich reinige, auf dem Wasser die Ssadschdeh, die Niederwerfung vor dem Herrn verrichten und zu ihm beten könne...

K- Und das in völlig reinem Gewande, ebenso wie ihr Gebetsplatz, die Wasseroberfläche, rein und sauber sei... Doch da sie ein Wasservogel sei, könnte sie die weite Reise auf trockenem Lande nicht ertragen. Alle Kreatur sei von Wasser abhängig, ganz besonders aber sie, die Gans. Ganz abgesehen davon, dass sie den, nach dem sie sich sehne, gewiss nur im Wasser finden könne...

W- Der Wiedehopf antwortete:
„O du, die du mit ein wenig Wasser zufrieden bist. Wisse, dass das Wasser von dir Besitz genommen hat. Im Schoße des Wassers bist du in Schlaf gesunken und hast darüber vergessen, nach was es wirklich zu streben gilt. Glaubst du etwa, dass die paar Wassertropfen Wasser es wert sind, dass du darüber das hohe Ziel und deine Würde vergisst?

W- Die Wachtel kam herangeflogen. Froh und beschwingt. Mit rotem Schnabel, in schillerndem Gewande und mit Augen, die in sattem Rosa leuchteten. Sie erklärte:

K- „Ich habe mein ganzes bisheriges Leben zwischen Steinen zugebracht, habe viele Edelsteine, voller Pracht und Glanz gesehen. Ich liebe sie, mein Herz hängt an ihnen. Sie sind meine Freude, mehr wünsche ich mir nicht.
Eine Wachtel bin ich. Eine Wachtel, großgeworden zwischen Steinen, in der Nähe glühenden Feuers. Meine Nahrung finde ich im Kies, und zum Schlafe lege ich, mit heißem, brennendem Herzen, meinen Kopf auf einen Stein legend, nieder.

K- Der Weg zum Ssimorq ist weit und schwierig. Wie könnte ich, mit Füßen, die nur Kies und Gestein kennen, den Ssimorq je erreichen? Wie nur?!

W- Das waren die Worte der Wachtel. Worauf der Wiedehopf antwortete:
„Du, die du selber, einem Edelstein gleich - in bunten Farben schillerst, wie lange noch Vorwände?
In dein eigenes Blut hast du Füße und Schnabel getaucht und begnügst dich mit einem Stein, auf den du deinen Kopf zum Schlafe legst.
Doch wisse, auf der Suche nach dem Edelstein, dem Edelstein deines eigenen Seins, bist du erfolglos geblieben...
Weißt du denn nicht, was der wirkliche, der echte Edelstein ist?"

K- Der Adler kam. Mit weit ausgebreiteten Schwingen flog er heran.
Sagte:

W- Ich bin der Adler, ein starker mächtiger Vogel, der die Stille sucht und seine eigenen Wünsche als unwichtig einstuft. Den größten Königen der Welt habe ich zu Ansehen verholfen. Königen, die im Schirme meiner Schwingen zu Ruhm fanden und meiner bedürfen.

K- Allerdings - fügte er hinzu - wie könnte man auch die Pracht eines Vogels wie ich es bin, übersehen? Im Schirme meiner Flügel erstanden große Könige. Darum sollten sich alle um mich scharen sollten, um bei mir, durch mein Sein, zu Glück und Erfolg zu finden...
Der Wiedehopf antwortete ihm:

W- O du, der du dich in Eigendünkel verfangen hast. Nimm den Schatten deiner Schwingen hinfort von der Erde und bring dich nicht selber ins Gespött.
Hättest du doch den Königen nicht zum Throne verholfen, stattdessen aber dich selber aus den Ketten deiner Überheblichkeit befreit.
Angenommen, die Könige der Welt verdankten dir Krone und Ansehen, doch wie wird es dir morgen, am Tage des Jüngsten Gerichts, ergehen, wenn du - einst Mächtiger auf Erden - in Bedrängnis geraten wirst?!

K- Soweit heute. Bis zum nächsten Mal, Ihnen allen alles Gute...

 

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