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Freitag, 20 Juli 2007 13:42

Attar, ein persischer Dichter (Teil 3)

K- Sie erinneren sich gewiss:

Die Vögel wollten zu ihrem Herrn, dem Ssimorq. Sie waren bereit, die weite beschwerliche Reise zu ihm, zu unternehmen, und der kluge Wiedehopf sollte ihr Wegführer sein. Doch gleich zu Beginn schon wurden sie erneut von Zweifeln gepackt.
Wie nur konnten sie die weite Strecke, die vor ihnen lag und schier unendlich war, ganz zu schweigen von den zahlreichen Gefahren, jemals hinter sich bringen?

W- Sie wollten wissen, was auf sie zukam. Und so scharten sie sich wiederum um den Wiedehopf und baten ihn um noch genauere Auskunft. Und er gab sie ihnen. Anhand von Geschichten versuchte er, ihnen klar zu machen, was ihnen auf der Reise zum Ssimorq alles begegnen würde und welche Hindernisse sie zu meistern hätten...

K- Beispielsweise war es die Geschichte von Schaikh e Ssan`aan, die er ihnen erzählte und mit der ihnen so einiges klarer wurde.
Oder aber die Geschichte vom Reisigsammler und Ssultaan Mahmud,
doch wieder hüpfte einer der Vögel hervor und klagte:
„Guter Wegführer, du kennst dich aus und bist stark und willensfest. Ich aber bin nur ein kleiner unbedarfter Vogel und befürchte, auf der weiten Reise hinter dir weit zurückzubleiben und elendig umzukommen..."

Worauf der Wiedehopf antwortete:
„Du Furchtsamer, wie lange noch willst du so ängstlich und zaghaft sein?"

K- Und wieder erzählte der Hod-Hod, der Wiedehopf, den Vögeln eine Geschichte. Eine Geschichte, die ihnen Weg und Sinn des Weges veranschaulichte. Einige der Vögel nickten, sie begriffen. Doch einer war, der klagte:

W- „Guter Wegführer, ich habe viel gesündigt. Wie nur kann ich mit meiner Sündenlast vor den Ssimorq, unseren Herrn treten?"

K- Worauf der Wiedehopf erklärte:
„Hast du es denn vergessen, was ich sagte?
Niemals gib deine Zuversicht aus der Hand! Sei voller Hoffnung, denn der Ssimorq ist immer bereit, zu vergeben. Freundlicher und Gütiger als ihn gibt es niemanden sonst."

W- Und er riet ihm noch:
„ Vertraue ihm voll und ganz und vergiss nicht, dass die Tür zur Reue immer offensteht. Betrete diese Tür also, bereue aufrichtig und du wirst sehen, dass der Herr dir verzeiht..."

K- Und er erzählte ihm nun, um ihn zu ermutigen, die Geschichte von jenem Sünder, der dennoch, zum großen Erstaunen des Frommen, Zugang zum Paradiese fand:

K- Als der Wiedehopf die Geschichte beendet hatte, meldete sich ein anderer Vogel zu Wort und klagte, dass er sein eigenes Ich nicht zügeln könne. „Es stellt sich mir immer in den Weg", sagte er, „mein Ich ist mein größter Feind. Auch auf der Reise zum Ssimorq wird es mich nicht in Ruhe lassen. Es lauert mir auf, wie ein Wegelagerer...
Was kann ich tun?"

W- Worauf der Wiedehopf ihm erklärte, dass das Ich des Menschen sehr stark ist und diesen immer dirigieren wird, es sei denn, er würde es bändigen, mittels Verstand und Tugend...

K- So ging es. Die Vögel trugen dem Wiedehopf ihre Mängel vor, und er antwortete ihnen. Und jeweils, um ihnen die Augen ein wenig mehr zu öffnen, fügte er eine kleine Geschichte hinzu.


K- Einer der Vögel fragte beispielsweise:
„Guter Wegführer, wann immer ich mich besinnen möchte, um meine Fehler zu erkennen und mich zu berichtigen, meldet sich Satan zu Wort und bringt mich von meinem Vorsatz ab.
Das möchte ich zwar nicht, doch so ist es nunmal. Ich bin Satan nicht gewachsen. Was rätst du mir?"

W- Der Wiedehopf antwortete:
Solange du dich auf dein Ich stützt und dir von ihm befehlen läßt, wird auch Satan nicht von dir weichen. Zudem, auch das wisse:
Die Listen Satans haben in dir selber ihren Nährboden. Denn die Begierden deines Ichs, deine egoistischen Verlangen, sind allesamt satanischer Art...

K- Und auch hierzu erzählte der Wiedehopf eine Begebenheit, die dem Vogel weiterhalf...

K- Wie gesagt, jeder der Vögel brachte seine persönliche Schwierigkeit, die ihn an der Reise zum Ssimorq und am Eintreffen bei ihm möglicherweise hindern könnte, zur Sprache.

W- Wie jener Vogel, der von seiner starken Begierde nach Gold, nach viel Gold, Kunde gab. Ohne Gold könne er nicht froh sein, sagte er. Nur Gold bereite ihm Freude.

K- Der Wiedehopf aber klärte ihn auf und ermahnte ihn. Sagte, dass die Liebe zu dem Gold ihn von der Wahrheit, von Gott, fernhalte. Das Gold sei ihm zum Götzen geworden. Gold bete er an. Wenn er zum Ssimorq wolle, müsse er sich vom Gold alsbald lösen...

W- Ein anderer Vogel klagte, dass er zwar gern zum Ssimorq wolle, doch nur ungern seinen prächtigen Palast, in dem er lebe, verlassen würde.
Worauf der Wiedehopf ihm erklärte:
„Du trauerst um deinen Palast, in dem du wohnst?
Doch wisse, auch wenn er das Paradies auf Erden wäre, würde dieses doch vergänglich sein. Das ewige Paradies aber, mit all seiner Glückseligkeit, ist unvergänglich.
Ist es nicht besser, nach ihm zu streben statt nach einem prächtigen irdischen Leben, das nur ein flüchtiges ist und dich wie mit Ketten an sich bindet, so dass du dich nicht in der Lage siehst, nach wirklich Wertvollem, nach wirklichem Glück, zu streben?

K- Kurz, jedem Vogel, der seine Besorgnis vorbrachte, gab der Wiedehopf einen guten Rat und unterstrich seinen Rat mit einer kleinen Geschichte, die die Lösung der Schwierigkiet noch leichter und begreiflicher machte.

W- Auch, als einer der Vögel klagte, dass das Feuer irdischer Liebe ihn ergriffen habe und er sich nicht vorstellen könne, in einer solchen Situation, da er an seiner Liebe hänge, die Reise erfolgreich zurücklegen zu können,
antwortete ihm der Wiedehopf:

K- Mit anderen Worten:
Du der dich in irdischen Fesseln, in der Umklammerung irdischer Liebe verfangen hast und dichte, undurchsichtige Schleier dir die Sicht nehmen, wisse:
Befreie dich von dieser deiner Liebe, die dir zu einem Käfig, in dem du gefangen bist, geworden ist."

Und er erzählte ihm die Geschichte von dem Jammernden, der zu Schebli, einem bekannten Mystiker früherer Jahrhunderte ging und ihm klagte, dass sein Freund gestorben sei. Sein Freund, an dem er hing und ohne den er sicherlich nicht leben könne...

K- Woraufhin Schebli ihm riet, sich einen Freund zu suchen, der seiner Liebe würdiger sei. Einen Freund, der ewig sei, auf dass ihm ein solcher Kummer erspart bleibe...

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