Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Freitag, 20 Juli 2007 13:42

Attar, ein persischer Dichter (Teil 2)

K- Sie erinnern sich wahrscheinlich: Etliche der Vögel, die sich getroffen hatten, hatten dem Wiedehopf, dem Wegführer auf der Reise zu ihrem König, dem Ssimorq, ihre Ansichten oder aber Einwände bereits vorgetragen.

Nun meldete sich der Falke zu Wort, mit hochaufgerichtem Kopf und gestreckter Brust. Frei und froh darüber, dass er der Hand seines Herrn, auf der er zumeist zu hocken hatte, entkommen war, sagte er:

W- „Ich habe mich eifrig um Höflichkeit und Gehorsam meinem Herrn gegenüber bemüht. Habe gelernt, auf gute Sitten zu achten, damit ich, wenn wir unseren König erreicht haben, das Gelernte in bester Weise anwenden kann."

K- Worauf der Wiedehopf antwortete:

W- „O du, der du dich bisher um Etikette, um äußere Formen bemühtest, wie ahnungslos bist du doch deiner eigentlichen Substanz und Wertigkeit, des Edelsteins deines Seins. Doch wisse, wer in dieser Welt über ein Gebiet herrscht und sich törichterweise als dessen Herrn und König wähnt, ist nicht König!
Jener ist König, wirklicher König, der seinesgleichen nicht hat und in Treue, Güte und Weisheit waltet und schaltet."

K- Der Reiher flog heran und rief den Vögeln zu:

W- „Freunde, ich bin des Klagens müde. Mein Ort ist das einsame Meeresufer. Dort, wo niemand mich hört und mein Klagen niemanden stört."

K- Und weiter sagte der Reiher, dass es ihn nach einem Tropfen Wasser verlange, er es sich aber versage...
Daher, was könne er, der nach Wasser lechze, doch seinen Durst nicht stille, anderes tun, als sich zu winden und zu klagen...

W- „Ich bin kein Wasservogel", sagte er. „Und merkwürdig ist, dass ich zwar an den Ufern der Seen lebe, doch vor Durst sterbe...
Vor mir liegt das weite Meer, seine Wellen rollen zu mir heran, doch versage ich es mir, einen Tropfen von seinen Wassern zu trinken. Darum, weil mir das Herze bricht, wenn ich daran denke, dass dem Meer auch nur ein einziger Tropfen Wasser genommen wird..."

K- Der Wiederhopf belehrte ihn. Sagte, dass er, der Reiher, des Meeres unkundig sei. Denn es sei voller Getier, bisweilen sei sein Wasser salzig, bisweilen süß und bisweilen sei es stürmisch und schlage hohe Wogen. Wie viele Schiffe, die auf ihm schwammen, habe es hinabgezogen auf seinen Grund, und zahllose Menschen ertranken in ihm. Das heißt also, dass dem Meer gegenüber eine solch übertriebene Rücksicht, die der Reiher nehme, gar nicht zukomme...

K- Die Eule meldete sich zu Wort. Berichtete:

W- „Ich habe mein Leben in zerfallenem Gemäuer zugebracht. Denn dort bin ich zur Welt gekommen und aufgewachsen. Mein Leben ist kein frohes, in Dörfern und Siedlungen lebt es sich besser. Doch ich weiß, dass Ruinen meiner Natur mehr liegen, auch wenn es mir missfällt..."

K- Und sie erklärte:
„Die Liebe für verborgene Schätze sind es, die uns Eulen in Ruinen treiben. In der Hoffnung, dort zu finden, nach dem wir suchen. Dann erst, wenn ich gefunden habe, nach was es mich verlangt, komme ich zur Ruhe...
Das ist es, was ich möchte. Nach dem Ssimorq zu suchen, ist sinnlos. Er gehört der Welt der Fabeln und Märchen an. Ich aber suche nach einem wirklichen Schatz..."

W- Worauf der Wiedehopf entgegnete:
„Dich treibt die Sehnsucht nach einem Schatz, sagst du. Angenommen, du findest ihn, dann aber:

W- „Über deine Suche nach dem Schatz eilt dein Leben dahin. Es vergeht, ohne dass du, wenn du ihn schließlich gefunden hast, noch die Zeit hättest, dich an ihm zu freuen kannst..."

K- Der Sperling kam. Klein von Gestalt, erregt und bebend jammerte er:

W- „Ich bin ein kleiner Spatz. Furchtsam, voller Unruhe und weiß nicht, wie ich meinen Hunger stillen kann..."

K- Der Wiedehopf antwortete:

W- „O du, wie sehr klagst du, obwohl du doch dein Leben genießt."

K- Die Rede des Wiedehopfes war beendet, doch nicht die der Vögel...
Sie wandten ein, dass er, der Wiedehopf, ihr Wegführer hin zum Ssimorq, wissend und mächtig sei, sie aber seien schwach, die Reise jedoch lang und beschwerlich und sie wohl nur kaum in der Lage, den Strapazen und Schwierigkeiten standhalten zu können...

W- „Wie lange dauert es, bis dass wir den Ssimorq erreichen?", fragten sie und noch so manches andere mehr. Beispielsweise, wie sie die dichten und weniger dichten Schleier, hinter denen der Ssimorq verborgen ist, fortziehen könnten. Sie seien dessen nicht fähig...

K- Der Wiedehopf erklärte:

W- „Wie schwächlich ihr euch doch zeigt! Wie lange noch wollt ihr euch so verhalten?
Wisset, dass Liebe und Angst nicht miteinander zu vereinbaren sind.
Gleich ab dem ersten Tag, da sich der Ssimorq zeigt und die Sonne ihn erkenntlich macht, vergehen die dunklen Schatten (Schleier), die ihn verbargen. Nur noch Lichtes, Reines ist zu sehen...

K- Und weiter sagte ihnen der Wiedehopf, dass dann der Augenblick gekommen sei, da ihnen die Verbindung zwischen ihnen und dem Ssimorq bewusst werde. Und wenn sie das erkennten, wenn sie wüßten, wessen Schatten bzw. sie seien, würden sie, ob sie stürben oder lebten, beruhigt und beglückt sein..."

K- Die Vögel fragten den Wiedehopf:
„Nun, guter Wegführer, sag uns aber noch, wie und welchen Weg wir zurückzulegen haben, um zum Ssimorq kommen zu können."

Worauf er erklärte:

W- „Der wirklich Liebende und sich Sehnende fürchtet sich nicht, sein Leben für das Geliebte und Ersehnte einzusetzen. Er - ob gottesfürchtig oder nicht - ist bereit, sein Leben hinzugeben...

K- Um den Vögeln den etappenreichen Weg zum Ssimorq verständlicher zu machen, erzählte der Wiedehopf nun einige Geschichten,

W- ..., mit denen wir Sie ab dem nächsten Mal vertraut machen werden. Bis dann also...

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren