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Montag, 26 Oktober 2015 14:02

Eintragung des Gesamtwerkes von Saadi bei UNESCO

Eintragung des Gesamtwerkes von Saadi bei UNESCO
  Auf der 12. Sitzung des internationalen Ratsausschusses des UNESCO-Programms „Memory oft he World" (Gedächtnis der Menschheit), die vom 4. bis 6. Oktober 2015 in Abu Dhabi tagte, hat dieser unter 87 Werken aus 61 Ländern neben Al Masalik wa al Mamalik von Ibn Chordadhbeh auch  das Kulliyat-e Saadi (das Gesamtwerk Saadis) zur Registration auf der  Liste des Internationalen Dokumentenerbes ausgewählt eine erfreuliche Nachricht für jeden, der schon ein wenig mit dem Werk von Saadi vertraut ist. Saadis Gedanken gelten  wie die von anderen iranischen Größen in der Tat nicht nur als iranischer sondern als internationaler Schatz.

 

Vor Jahrhunderten berichtete bereits der bekannte Weltreisende aus Marrakesch, Battuta, von Bootsmännern im weitentfernten Westen Chinas, die  Reime von Saadi auf Persisch sangen, und heute noch werden die Dichtung und Gedanken von Saadi auf der Welt geschätzt.

Saadi ist in viele Gebiete gereist und vielen Menschen mit verschiedenen Bräuchen und Erfahrungen begegnet. In seine Heimatstadt Schiras zurückgekehrt, entschloss er sich, seine unvergänglichen Werke Bustan (Frucht- und Obstgarten) und Golestan (Rosengarten) niederzuschreiben.

Mit seinen interessanten Geschichten und schönen Reimen hat er sich verewigt. Seine Verse schmücken nicht nur seine Ruhestätte im iranischen Schiras sondern zieren Inschriften und Bücher. Die  Menschen in Ländern, wo die Farsi Sprache gesprochen oder gepflegt wird, zitieren aus seinem Werk und in anderen Ländern wurde er durch die Übersetzung seiner Dichtung bekannt.

Saadi nimmt in der klassischen Weltliteratur einen besonderen Platz ein. Er brachte Neuerungen in die Farsi-Prosa ein und zeichnete sich dadurch aus, dass er die Moral in den Mittelpunkt stellte.  Seine Prosa ist einfach und dennoch schön und anziehend.

Alle Literaturforscher sehen in Saadi einen progressiven Reformer, der über die Verbreitung von Ungerechtigkeit und Unmoral in der Gesellschaft besorgt war. Seine Werke Golestan und Bustan kann man als vollständigen Lehrgang für theoretische und praktizierbare Weisheit betrachten.  Saadi kombiniert in diesen beiden Werken gekonnt Politik, Moral und Vorkehrung. Seine Rede ist ernsthaft und vernünftig, aber nicht ohne Scherzhaftigkeit. Er selber sagt darüber, dass die bittere Arznei der Mahnung und Kritik  mit dem Nektar der Feinsinnigkeit vermischt werden muss, damit sie nicht langweilt und abgelehnt wird.

Die Europäer lernten im 17. Jahrhundert die Gedanken von Saadi kennen. Heute gibt es kaum einen Freund der Literatur auf diesem und dem amerikanischen Kontinent, der noch nicht mit einer Übersetzung der Saadi-Dichtung Bekanntschaft geschlossen hätte.

Einige haben ihn wegen seiner guten Ratschläge an Herrscher und Könige mit dem florentinischen Dichter und Philosophen  Niccolo Machiavelli verglichen. Aber Machiavelli hat die erfolgreiche Verwaltung eines Landes nicht von den guten und schlechten Handlungen ihrer Herrscher abhängig gemacht, sondern für ihn war deren Politik ausschlaggebend für Sieg und Niederlage.

Saadi hat sich jedoch aufgrund eines realistischen Denken und gestützt auf Vernunft und Moral, vor Einseitigkeit gehütet und  mutig den Königen und Mächtigen einen Spiegel vorgehalten, damit sie ihr Verhalten gewahr und vielleicht einsichtig werden. Er hat sie zu einem guten Verhalten in der Politik aufgefordert und aufgerufen, gerecht und volksfreundlich zu handeln. Saadi mahnt aber nicht nur die Herrscher, sondern er mahnt sowohl  die Reichen als auch die  Armen, die Frommen und Kaufleute, die Gottliebenden und die Trunkenen, die, welche das Jenseits dem Diesseits vorziehen und diejenigen, die das Diesseits vergöttern. Er macht sie alle auf das Wohl bzw. das Übel ihres Verhaltens aufmerksam.

Der Mensch ist zentrales Thema in dem universalen Denken Saadis: in seinem Golestan und Bustan, seiner Gedichtsammlung und seinen weisen Ratschlägen. Im Golestan spricht Saadi über den Menschen, wie er ist, und im Bustan darüber, wie er und die Gesellschaft sein sollten. Saadi ist davon überzeugt, dass der Mensch sich als erstes selber kennen muss, um dann so zu werden, wie er sein sollte. Der Golestan (Rosengarten) spiegelt den Gegenwartszustand des Menschen und seiner Gesellschaft wieder und der Bustan die ideale Gesellschaft und ideale Moral. Bei Saadi entspringt die ideale Moral der Liebe. Im Bustan beschreibt er die Welt, so wie sie sein und den Menschen wie er leben sollte. Der Bustan ist die wahre Welt Saadis in der nur vom Recht die Rede ist.

Die Universalität der Werke Saadis geht unter anderem darauf zurück,  dass darin alle Augenblicke und Geheimnisse des Lebens auf persönlicher und sozialer Ebene wiederzufinden sind. Saadis Worte sind ethische Anleitungen, die nicht altmodisch werden und immer befolgt werden können. Der englische Dichter Edwin Arnold (1832-1904) ist der Ansicht, dass Saadi nicht nur zur  alten sondern auch zur neuen Welt gehört. Er nennt Saadi in seinem Vorwort zu einer übersetzten Auslese aus dem Golestan, den Freund und guten Ratgeber aller und schreibt, dass niemand sich zu schämen und zu fürchten brauche, wenn er Saadi befolgt.

Die Sprachkünste Saadis sind für die Farsi-Kenner spürbar und im Westen konnte er mit seinen Gedanken, die weder an Ort noch an Zeit gebunden sind, seine Freunde gewinnen. Seine Vorstellung von dem universalen Ideal ist von dem Zusammenhalt der Menschen geprägt und dieser ist dadurch erreichbar, dass sich jeder Einzelne zum Guten hin ändert.

Das menschenfreundliche Denken Saadis fand nicht nur in vielen Werken großer Schriftsteller auf der Welt Widerhall, sondern auch ein Echo bei Freiheitskämpfern und Revolutionären.  Der französische Mathematiker und Politiker Lazare Carnot (1753-1823) war tief von Saadis Reimen im Golestan über die Art der Könige und die Gesinnung der Derwische beeindruckt.  Von Freiheitsliebe erfüllt schloss er sich den Revolutionären an und wegen seines Beitrages zur französischen Revolution erhielt er den Namen Grand (Großer) Carnot. Lazare Carnot war so begeistert von Saadi und seiner Denkweise, dass er zu seiner Würdigung den Vornamen seiner beiden Söhne den Namen Sadi beifügte. Auch sein Enkel erhielt den Namen Sadi. Dieser wurde 1887 französischer Staatspräsident und benannte seinen ersten Sohn ebenso mit Sadi.

Der amerikanische Philosoph und Autor Henri David Thaureau (1817-1862) gehört ebenfalls zu denen, die sich für Saadi begeisterten. Er identifizierte sich mit ihm und sagt: „Ich bin Saadi, der nach 6 Jahrhunderten wiedergekehrt ist,  und Saadi ist der Thaureau, der vor 6 Jahrhunderten unter dem Namen Saadi gelebt hat."

Sein Landsmann, der Schriftsteller Emerson, beschreibt im 19. Jahrhundert Saadi als einen Dichter, der in der Sprache aller Völker spricht und dessen Worte wie die von Homer, Dante, Shakespeare, Cervantes und  Montaigne immer frisch bleiben. Für Emerson ist das „Golestan" wie eine irdische „heilige Schrift" und sind dessen ethischen Anweisungen wie  allgemeine universale Gesetze.

Der amerikanische Schriftsteller und Staatsmann Benjamin Franklin (18. Jahrhundert) sah in dem  Bustan Saadis ein besonders wertvolles Werk. Als er  der Predigt des  bekannten englische Geistlichen Jeremy  Taylor   einen Satz aus dem Bustan entnahm, meinte er, dass es sich um einen verlorenes Zitat aus der Thora handeln müsse.

Die Würdigung Saadis auf der Welt und die Eintragung seiner kostbaren Werke bei der UNESCO ist in Wahrheit die Würdigung des Menschen und der Menschlichkeit.

Der iranische Dichter und Denker Saadi schaffte sich mit seiner feinsinnigen Rede und seinem tiefen Verständnis vom Menschen und der Menschlichkeit Freunde in aller  Welt. Was er sagt, harmonisiert mit dem Wesen des Menschen. Laut modernen Literaturtheoretikern wird etwas von den Lesern begrüßt, was dem Horizont der Erwartungen des Einzelnen und der Gesellschaft entspricht. Das heißt ein Werk wird durch den Austausch zwischen Leser und Autor erfolgreich.  Die Welt braucht Saadi heute, weil sie den Austausch zwischen den Kulturen braucht. Saadi kann zur Stillung dieses Bedürfnisses beitragen.

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