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Freitag, 11 Oktober 2013 16:57

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (3)

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (3)
Das Denken des iranischen Dichter und Mystikers Dschalal ad Din Mohammad Rumi( 1207 bis 1273 n. Christus ) hat  sich über zeitliche und sprachliche Grenzen hinweggesetzt. Als er in Konya,

Türkei,  beigesetzt wurde, nahmen nicht nur Muslime, sondern auch Christen und Juden an den Trauerzeremonien teil . Er hatte schon in seinem Leben mit seinem Denken andere begeistern können und seine Dichtung fand nach seinem Tod immer mehr Verbreitung und erweckte unter den Freunden der Farsi-Literatur und unter den Orientalisten und Forschern in anderen Ländern Interesse.

Maulana ist im Westen unter dem Namen Rumi bekannt. Die Rumi-Forschung in englischsprachigen Ländern blickt bereits auf eine lange Vergangenheit zurück und hat in den letzten Jahrzehnten insbesondere in den USA auffallend rasch zugenommen.

Reynold Nicholson und Arthur John Arberry haben vor circa einem Jahrhundert wertvolle Werke über die Mystik und Lyrik in der Farsi-Sprache vorgelegt und das Mathnawi von Maulana übersetzt bzw. kommentiert .  Von den heutigen englischsprachigen Rumi-Forschern ist Professor William C. Chittick am bekanntesten .  Chittick hat zahlreiche Werke über Mystik und Religionen und ein wertvolles Werk über Maulana (Rumi)verfasst, welches  ein Verständnis der Maulana-Dichtung erleichtert.

Neben  den früheren Übersetzungen der Werke  Maulanas begegnen wir einem Buch von Coleman Barks, langjähriger Dozent für englische Literatur an der US-Universität Georgia. Coleman  überschrieb dieses Buch, welches er 1996 herausgab  mit „The Essential Rumi“. Es  enthält eine Auslese von Gedichten Maulanas in Englisch.   „The Essentail Rumi“  gelangte an die Spitze der Bestseller unter den veröffentlichen Gedichtswerken.

 

Barks kann jedoch gar kein Persisch und  er hat sein Buch aufgrund einiger  ins Englische übersetzte Werke von Maulana gestützt und die dortigen Nachdichtungen noch einmal  umgeschrieben. Er verfasste seinen Gedichtsband mit Hilfe der unveröffentlichten Übersetzungen  seines iranischen Freundes Dschawad Mo`in und angespornt von einem in Amerika ansässigen Sufi aus Sri Lanka , namens Bawa Muhaiyaddeen (1900 bis 1986)  und ist der Ansicht an eine neue Version der Maulana-Dichtung gelangt zu sein.

Coleman Barks  wollte die Maulana-Dichtung dem zeitgenössischen Geschmack und der Nachfrage auf dem US-Markt anpassen. Daher löste er die mystischen Gedanken dieses Gelehrten aus dem historischen gesellschaftlichen Rahmen in dem Maulana lebte , heraus . Zum Beispiel kann in der Version von Barks sich aus der  körperlichen Liebe eine spirituelle Liebe und die Begeisterung für Gott, die Propheten und die Freunde Gottes entwickeln. In Barks Version ist nichts von der nicht-geschlechtlichen Bedeutung der Liebe im Mathnawi zu spüren.   Er hat sich bei der Auslegung geirrt. Zum Beispiel hält er   im 8. Kapitel über die Verliebtheit , die mystische Liebe des Dichters für eine Liebe zwischen Mann und Frau.  Auch deutet er Begriffe wie „Mey“ „ٌ(Verzückung, aber auch Wein) “ Morsched (der Lenker) und Massih (welches soviel Christus bedeutet aber auch andere Bedeutungen hat)  in seiner Version von der Maulana-Dichtung nicht richtig.  Im „The Essential Rumi“   macht er zwischen dem normalen Scharab  ( Wein) keinen Unterschied zum  Scharab-e alast (dem ewigen Wein). Mit Scharab-e alast meint Maulana keinen Wein sondern die ewige Liebe zu Gott.

Barks denkt, der Hinweis Maulanas auf  Jesuslegenden beweise, dass er sich sehr mit Jesus Christus verbunden gefühlt hat, während im Mathnawi  viel häufiger die Propheten vor Jesus wie Moses, Salomo und Josef vorkommen, wobei auch dies kein Zeichen dafür ist, dass Maulana zum jüdischen Glauben geneigt hätte.  In Wirklichkeit sind alle Erzählungen im Mathnawi Erzählungen aufgrund der Islamischen Überlieferung.

 

Außerdem spricht Coleman Barks nirgendwo von Maulana und der Zeit, in der er gelebt hat. Er macht nicht spürbar, dass Maulana in einer muslimischen Gesellschaft lebte und seine Gedichte auf Persisch waren. Man könnte meinen, Maulana wäre vom Himmel herabgefallen und gehörte zu keinem Land und keiner Kultur.

Wie Coleman Barks selber sagt, hat er die Gedichte von Maulana sehr frei  in Englisch wiedergegeben und sich nicht daran gebunden gefühlt, den ursprünglichen Gedankenfluss Maulanas wiederzuspiegeln.  Barks hat viele Überzeugungen und Gedanken Maulanas nicht richtig verstanden und deshalb konnte er diese auch in seiner Nachdichtung nicht richtig wiedergeben.  Die Version Coleman Barks von den Maulana-Gedichten kann in Wahrheit keinen Einblick in die Islamische Mystik geben . Sie hat höchstens einen literarischen Reiz.

Unter den englischsprachigen Freunden der Farsi-Dichtung und Mystik  treffen wir einen Maulanaexperten an, der dem Westen und den Amerikanern solide Untersuchungen über  Dschalal ad Din Mohammad Rumi vorlegt. Es ist Dr. Franklin Dean Lewis.  Er hat sich 25 Jahre lang Kenntnisse über die Farsi-Sprache und Farsi-Literatur angeeignet  und unterrichtet seit mehr als sieben Jahren in diesem Fach. Sein Studium setzte auch die Aneignung weiteren Wissens voraus, wie die Kenntnis von der arabischen Sprache und Kultur und  den Islamwissenschaften.  Seine Doktorarbeit schrieb Franklin Dean Lewis über den großen iranischen Dichter Sana`i und die Entstehung der Ghazelendichtung auf Persisch  und wurde dafür von der Iranischen Forschungsstiftung ausgezeichnet.  Seine Artikel  „Hafiz and Rendi (Hafiz und die Freizügigkeit)  „ „Hafiz und die Musik“ sowie „Golestan-e Saadi“ sind in der Enzyklopädie Iranica erschienen.

Sein wichtigstes Werk ist „Mowlānā: diruz tā emruz, sharq tā gharb“ – „Maulana, gestern und heute, von Ost bis West“. Es erhielt den Preis des britisch-kuwaitischen Freundschaftsvereins verliehen.

 

Lewis hat in den 70iger Jahren in Kalifornien mit der Mystik von Maulana Bekanntschaft geschlossen . Er beschäftigte sich mit den Maulana-Studien von Browne, Nicholson und Arberry  und begann nach Erwerb von Kenntnissen in der Farsi-Sprache und Literatur die Werke von Maulana im Original zu lesen.  Dabei stellte er fest, dass die himmlische Botschaft dieses gottliebenden Mystikers  in der amerikanische  Kultur  auf eine profane  Stufe herabgesetzt wurde. Franklin D. Lewis entschloss sich  präzise und umfassende Forschungswerke über Maulana vorzulegen.  Seiner Meinung nach haben vorhergehende Wissenschaftler den geschichtlichen Aspekten im Leben von Maulana nicht genug Beachtung geschenkt .  Daher konzentriert sich Lewis in seiner Forschung darauf Maulana und sein Denken sowie seine Werke  vor dem Hintergrund der geschichtlichen Tatsachen zu sehen. Das Ergebnis seiner  Bemühungen ist das bereits genannte  Buch mit dem Titel: „Maulana, gestern bis heute, Osten bis Westen.“  In diesem Buch  beschreibt er auch den Einfluss Maulanas auf Denker, Schriftsteller, Künstler und Politiker in Ost und West.

Die Forschungsarbeit von Dr. Lewis kommt einem Nachschlagewerk über die geschichtliche Umgebung  Maulanas von seiner Geburt bis zu seinem Tod gleich.  In einem Teil dieses Buches stellt er die  Werke vor, die in den heutigen Massenmedien in Form von Filmen, Videostreifen oder Audiodateien von den Gedichten Maulanas angefertigt wurden. In einem anderen Abschnitt  untersucht er kritisch  einige legendären Geschichten aus dem Leben Maulanas und berichtigt sie entsprechend der Realität.

 

Aber der größte Teil seines Buches: „Maulana, gestern bis heute, Osten bis Westen, ist ausschließlich dem Dichter selbst gewidmet. Lewis schildert,  mit welchen Leuten Maulana als Kind, als junger Mann und als betagter Mensch in Kontakt kam. Es waren  Rechtsgelehrte und Asketen,  Iraner und Araber, Muslime und Christen. Lewis stellte fest,  welches Wissen Maulana wo erworben hat und in welcher Umgebung er lebte. Er untersuchte auch, welche weltlichen und materiellen und welche spirituellen und sogar welche politischen Faktoren sich auf seine Art und sein Denken ausgewirkt haben und aus ihm  den Maulana werden ließ, dem wir im Mathnawi und in den Ghazelen des Divan-e Schams begegnen.

In einem Interview zu seinem Buch sagt er, nicht nur das Interesse im Westen an Maulana sondern noch etwas anderes habe ihn zu diesem umfassenden Werk animiert , nämlich sein Entschluss, das wahre Gesicht Maulanas auf wissenschaftliche Weise und aufgrund von geschichtlichen Belegen vorzustellen. Lewis  wollte ein wissenschaftliches Werk vorlegen und  sagt:

„Das Maulana-Bild im Westen ist vermarktet worden und selbst die Wissenschaftler, die Maulana-Forschung betrieben haben, haben sich kaum mit seiner Erscheinung unter dem geschichtlichen Aspekt auseinandergesetzt.“  Lewis sagt, er habe versucht aus der Sicht der Geschichte ein realistischeres Bild von Maulana vorzulegen, und hoffe, dass sein Buch die Grundlage für die zukünftige Maulana-Forschung sein kann.

Ein neues und wichtiges Thema, welches Lewis in seinem Buch anschneidet, ist die Geschichte der Bekanntschaft des Westens mit Maulana. Diese begann vor über zweihundert Jahren mit den Reisen von Europäern in die Türkei und dem Besuch des Mausoleums von Maulana im dortigen Konya und der Sema-Zeremonie und Derwischtänze.  

 

 

 

  

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