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Montag, 07 Oktober 2013 07:00

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (2)

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (2)
  Der bekannte iranische Dichter und Mystiker Dschalal ad Din Mohammad Rumi( 1207 bis 1273 n. Christus ) hat   Autoren und Denker, die nach ihm gelebt haben, beeinflusst.

Dieser Einfluss hat sogar im Laufe der Zeit zugenommen und heute, erregt die Dichtung und das Denken Rumis (die geläufigen Bezeichnungen im Iran sind Maulana und Maulawi) nach Jahrhunderten  sogar noch mehr Interesse auf der Welt. Das liegt an der Universalität seines Denkens. Maulana hegte ein hohes islamisches Denken, welches der Gott gegebenen Seelen-Natur des Menschen  (Fitrah) entspricht und daher zeitlos ist. Maulana stützt sich auf elementare Aspekte der Menschlichkeit, die nie veralten,  wie die Liebe, den Ein-Gott-Glauben und die Gerechtigkeit.

Die Europäer haben auf verschiedenen Wegen mit der iranischen Kultur und Dichtung Bekanntschaft geschlossen.

Der Westen  lernte vor circa 250 Jahren die Poesie von Maulana (Rumi) kennen. 1770 begann Sir William Jones (1746-1794)  Gedichte aus der Farsi-Sprache ins Englische zu übertragen.  Sir William Jones ist besonders durch seine Arbeiten zur indogermanischen Sprachfamilie bekannt geworden.

Durch seine Übersetzungen wurde man in Europa auf die Schönheit der Farsi-Dichtung aufmerksam. Die britischen Orientialisten  begannen sich intensiv mit dem Persischen zu beschäftigen. Edward Browne (1862 –1926) übersetzte die Einleitung zum Ersten Buch des Mathnawi. Sein Schüler Reynold A. Nicholson führte die Überarbeitung dazu durch und übersetzte und erläuterte das Mathnawi auf Englisch.  Nicholson hat einen großen Teil seines Lebens der Maulana-Dichtung gewidmet.

Unterdessen brachte der Koran-Übersetzer Arthur John Arberry (1905 –1969 ) mehrere Werke von Maulana in Englisch heraus, nämlich eine Übersetzung von „Fihi  ma Fihi“, „eine Auslese der Vierzeiler von Maulana“, „200 Episoden aus dem Mathnawie“  und „400 Ghazelen Maulanas“.

 

Wie wir schon beim letzten Mal sagten, ist auch im 21. Jahrhundert das Interesse in den englischsprachigen Ländern an der Dichtung von Maulana (Rumi) gewachsen.  Coleman Barks hat mit seiner Nachdichtung wesentlich dazu beigetragen, dass  Maulana im Westen noch bekannter geworden ist.  Aber auch verschiedene andere  Übersetzer  haben vor ihm  die Poesie von Maulana auf Englisch vorgestellt: Wie Jonathan Star, Schahrom Schiwa, Franklin Lewis,  Deepak Chopra, Kabir Helminiski und William Chittick.

Im deutschsprachigen Raum haben einige sich mit dem Denken  Maulanas auseinandergesetzt und andere seine Werke übersetzt.  Zu den ersten, die auf Maulana aufmerksam wurden, gehören der Österreicher Hammer Purgstall (1774 – 1856) und der deutsche Dichter Friedrich Rückert (1788 – 1866). Sie übersetzten   Werke von Maulana. Ihnen folgten Rumi-Forscher wie  der deutsche Orientalist Hellmut Ritter (1892 bis 1971) der Schweizer Fritz Meier (1912-1998) sowie Professor Annemarie Schimmel.

Joseph Freiherr von Hammer-Purgstallwar wohl einer der ersten, der Maulana in Europa vorstellte. Er hat wesentlich zur Verbreitung der Farsi-Literatur auf diesem Kontinent beigetragen.  Durch Hammer–Purgstall wurde der deutsche Dichter Goethe mit der Dichtung von Hafiz vertraut und erfuhr einen tiefgehenden inneren Wandel.  Hammer-Purgstall machte  Friedrich Rückert mit der Dichtung von Maulana bekannt und Rückert schloss sich den Freunden der Farsi-Dichtung  an. Rückert gab angeregt von den Ghazelen  des Maulana, 1822 einen Gedichtsband heraus. Es gilt als eines  der ersten Gedichtswerke in Deutschland, welches in Anlehnung an die  Farsi-Ghazelendichtung verfasst wurde.

Rückert bewirkte , beeinflusst von der Ghazelen-Dichtung des Schams, dem Lehrmeister Maulanas , eine Neuerung in der deutschen Lyrik.   Er nahm sich nicht nur an dem Werk Geschichte der schönen Redekünste Persiens, von Hammer-Purgstall ein Beispiel sondern auch an dem westlich-östlichen Divan von Goethe.

Professor Annemarie Schimmel sagt: „ Die ersten Teilübersetzungen des Mathnawi auf Englisch und ebenso die Mathnawi-Übersetzung  von Hammer-Purgstall und Rückert haben auch den deutschen Philosophen Hegel  auf Rumi (Maulana) aufmerksam gemacht und er hat sich bei einigen Grundbausteinen  seines Denkens  von ihm inspirieren lassen.“

Die wichtigste Phase der Verbreitung der Werke von Rumi (Maulan) in Mitteleuropa begann nach dem Ersten Weltkrieg.  Große Verdienste machte sich hierbei der deutsche Orientalist Hellmut Ritter . Aber auch Annemarie Schimmel  (1922-2003) war darum bemüht, Rumi im Westen vorzustellen. Das Buch  Shokuh-i Shams gehört zu ihren unvergänglichen Werken.

 

Zu den  französischsprachigen  Maulana-Forschern  zählen unter anderem Henri Corbin (1903 –1978),  Eva de Vitray-Meyerovitch (1909-1999), der rumänienstämmige  Mircea Eliade  1907-1986, der französische Philosoph Christian Jambet (1949) sowie Maurice Barrès (1862 –1923). Sie beschäftigten sich mit der Mystik, der Dichtung, Gedichte, Weltanschauung und Kunst Maulanas.

             

Frau Eva de Vitray-Meyerovitch ist als die bedeutendste Wissenschaftlerin in der französischsprachigen Maulana-Forschung zu betrachten. Sie hat die meisten Werke von Rumi ins Französische übersetzt und  die Maulana-Dichtung analysiert.  Diese Wissenschaftlerin verwandte 15 Jahre für die Übersetzung des Mathnawis ins Französische . Mit Hilfe eines iranischen Professors übertrug sie das Spirituelle Mathnawi ( Mathnawie Maanawi) vollständig in ihre Muttersprache. Sie übersetzte aber auch „Fihi ma Fihi“, die Vierzeiler, den Briefwechsel und eine Auslese des Divan-e Schams von Maulana.

Frau Eva de Vitray-Meyerovitch bekannte sich schließlich , beeinflusst von Maulana, zum Islam.

Der bekannte französische Iranist Henri Corbin  hat  wertvolle Untersuchungen über einige große Persönlichkeiten der iranischen Mystik und Philosophie wie Sohrevardi, Ibn-i Sina (Avicenna) , Mulla Sadra durchgeführt und wegen der engen Beziehung der Dichtung im Iran zur Philosophie und Mystik  hat er auch die Werke der großen Farsi-Dichter, darunter Hafiz, Attar und Maulana (Rumi) untersucht.  In vielen seiner Werke hat er Maulana und seine Gedichte als unausweichliche Quelle zur Kenntnis über Denken und Kultur der Iraner bezeichnet. In einem wertvollen Werk über den Islam im Iran  (En Islam Iranien: Aspects spirituels et philosophiques) hat er über Maulana gesprochen und sich darin auf das  Mathnawi bezogen.

 

Mircea Eliade  war ein großer Religionsforscher und hat ebenso Maulana und seiner Dichtung Beachtung geschenkt.  Er war darum bemüht festzustellen, welchen Platz Maulana in der Geschichte des Islams einnimmt. In seinem Werk  über die Geschichte religiöser Überzeugungen widmete er den Abschnitt eines Kapitels unter dem Titel  „Dschalal ad Din Maulana : Musik, Dichtung und  heilige Tänze“ dem Maulana. Er bezeichnet die religiösen Anschauungen des Maulana als kompliziert und persönlich geprägt, zugleich  traditionell und dennoch kühn.

Der bekannte französische Lyriker Armand Renaud (1836  - 1895)  lernte die  berühmten Dichter in der Farsi-Spreche durch Übersetzungen deren Werke ins Englische und Deutsche kennen.  In Anlehnung an die Poesie von Hafiz und Maulana hat er selber Gedichte verfasst.  Sein Gedicht  Flammende  Trunkenheit  schrieb er in Anlehnung an Ghazelen des Maulawa im Divan-e Schams.  Dies geht aus  seiner Anmerkung in der  zweiten Auflage seines „les nuits persanes“ (Persische Nächte)  hervor.

Auch in Italien und in der Tschechoslowakei  sind Gedichte von Maulana übersetzt worden.  Italienische Iranisten  haben seine Werke untersucht, wie zum Beispiel Alessandro Bausani.(1921-1988)  Bausani hat zahlreiche Werke über die Geschichte der Farsi-Literatur und Dichtung geschrieben und sich auch mit Maulana beschäftigt.  Ein weiterer italienischer Forscher auf diesem Gebiet ist Professor Riccardo Zipoli.  Er hat Denken und Werke  Maulanas mit denen anderer bekannten Farsi-Dichtern  wie Saadi und Sana`i verglichen und auf satirische Momente untersucht. Dabei stuft er  Maulanas Dichtung als ernste Literatur  ein.

Im nächsten und letzten Teil werden wir noch den Einfluss Maulanas auf amerikanisches Denken und literarisches Schaffen betrachten.

 

 

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