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Mittwoch, 02 Oktober 2013 08:50

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (1)

Einfluss der Gedanken und Werke von Maulana auf der Welt (1)
Maulana, genauer Dschalal ad Din Mohammad Rumi, in hiesigen Breiten auch Maulawi genannt zählt zu den größten iranischen Dichtern und Mystikern. Er hat  von 1207 bis 1273 n. Christus gelebt und konnte viele Menschen auf der Welt mit seinen  Gedanken begeistern.

Er ist ein genialer  Geist gewesen; ein begeisterter Gottes Freund der in anderen mit seiner Dichtung die Sehnsucht nach der Gottesnähe erweckte und dessen Gedichte auf der ganzen Welt bekannt wurden. Sie sind  kostbares Kulturerbe für jeden Iraner und für jeden, der die Farsi-Sprache kennt.

In der englischen Zeitung Guardian hieß es aus der Feder einer ihrer Autoren:

Es klingt unglaublich, aber die am meist verkauften Gedichte in den USA gehören keiner der Literaturgrößen dieses Landes wie Robert Frost, Walace Stevens oder Silvia Plath, oder auch einem der europäischen Poeten wie Shakespeare, Homer und Dante, sondern  erstaunlicherweise gehören sie   zu der klassischen Dichtung eines muslimischen Geistlichen namens Maulana, der vor mehreren Jahrhunderten die Gesetze des islamischen Religionsrechts lehrte.“

 

Die Werke von Maulana, insbesondere sein Mathnawi und seine Ghaselen zählen  heute zu den Meisterwerken der Menschheit. Mit seiner Poesie hat Maulana die Schranken der Zeit überwunden und  spricht heute nicht nur  die Menschen im Iran, der Region und der Islamischen Welt  sondern sogar im Westen an.

Gemäß Guardian  sind von einer modernen Nachdichtung der Werke Maulanas ins Englische, die Coleman Barks anfertigte, bereits über eine Millionen Exemplare weltweit verkauft worden. Der amerikanische Poet Coleman Barks (1937)  hat sich bei dieser Nachdichtung   auf mehrere englische Rumi-Übersetzungen gestützt.  

Die Werke und Gedanken Maulanas fanden schon zu seinen Lebzeiten Beachtung und ihre weitere Verbreitung begann bereits  kurz nach seinem Tod  in den Gebieten, in denen Farsi gesprochen wurde und die Farsi-Literatur beliebt war.  Insbesondere auf dem Indischen Subkontinent fanden sie schnell ihre Freunde.

Professor Annemarie Schimmel bestätigt, dass ein indischer Mystiker aus Kalkutta namens Ali in den türkischen Ort Konya, wo Rumi verstarb, reiste und dort mit dem Sohn  Maulanas, Sultan Walad, zusammentraf. Er nahm auf seiner Rückreise nach Indien  ein Exemplar des Mathnawis von Maulana, seinem langen Gedichtswerk mit mystischen Versen,  mit . Danach begann sich die Mathnawi-Dichtung auch in Indien zu verbreiten.  

Bu Ali Qalandar (1209 bis 1324) aus Panipat, Indien,  schrieb kurze Mathnawis in Anlehnung an den Stil und des Mathnawie Maanawi Maulanas (dem spirituellen Mathnawi). Sein Werk beinhaltet eine vereinfachte Version von Maulanas Anschauungen.

Die Dichter des indischen Subkontinenten sind über Sultan Walad  mit der  Denkweise, die dem Mathnawi seines Vaters zugrundelag, vertraut geworden.

Der  Einfluss des Mathnawis in Indien war so stark dass ein Hindu- Geschichtsschreiber im 15. Jahrhundert in den Bengalen meinte, der Heilige Brahma habe auch das Mathnawi von Maulana studiert.

 

  

Die Farsi-Sprache ist seit 1275 in Nordindien Amtssprache gewesen und der gesamte Schriftverkehr erfolgte in dieser Sprache.

Nach Ansicht von Professor Annemarie Schimmel  fand daher das Gedankengut Maulanas auf dem indischen Kontinent schnell Verbreitung und das Mathnawie und Teile des Diwan-e Schams , eines anderen Werkes von Maulana (Rumi) wurden immer bekannter in diesem Land.

In der Lyrik Indiens  aus der Zeit vom 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts begegnen wir zunehmend dem Einfluss der Denkweise Maulanas , auch in Urdu-sprachigen Werken.

 

 

Im Mogulreich , (1526 bis 1858) insbesondere ab dem  Mogulherrscher Akbar Schah und Schah Jahan beschäftigten sich viele Religionsgelehrten mit Auslegung des Mathnawis und die Tochter Schah Jahans, sie hieß  Jahanara, beauftragte mehrere Gelehrte, Kommentare  zum Mathnawi des Maulana zu verfassen.

Nach Ansicht von Annemarie Schimmel sind alle poetischen Werke die im 17. Und 18. Jahrhundert auf Farsi  geschrieben wurde,  vom Mathnawi Maulanas beeinflusst. Sie sagt, dass  sein Denken selbst in der Volksliteratur Widerhall gefunden hat.

Frau Schimmel sagt auch, dass in Sindh , im heutigen Südpakistan, welches 711 nach Christus unter muslimische Herrschaft geriet, das Mathnawi zur täglichen Lektüre gehörte. 

 

So spiegelt sich zum Beispiel  in dem größten poetischen Werk des Sindhi-Dichters  Schah Abdul Latif , (verstorben 1751)  das Denken Maulanas wieder. Annemarie Schimmel erinnert sich, dass sie,  als sie zum erstenmal in diesem Werk von Schah Abdul Latif las, plötzlich Satzabschnitte aus dem Mathnawie wiedererkannte,  insbesondere die Halbverse aus dem ersten Heft des Mathnawis wo Maulana über das Wasser spricht und es heißt, dass nicht  nur die Durstenden nach Wasser suchen sondern auch das Wasser nach den Durstenden.

 

In alten zuverlässigen Schriftquellen von Sindh steht, dass die großen Mystiker in den Muslimengebieten  alle die folgenden drei Bücher im Haus hatten, nämlich den Koran, das Mathnawi von Maulana und den Diwan von  Hafiz. Literaturforscher bestätigen, dass das Mathnawi von Maulana auch auf alle Prosawerke in Sindh und im pakistanischen Pandschab nachhaltigen Einfluss hatte.

                               

So war Iqbal Lahori ,  1877-1938 , einer der berühmtesten Dichter des indischen Subkontinents, stark von Maulana und seinem ewigen Werk, dem Mathnawi beeinflusst.  Maulana war für Iqbal Lahori  ein  großer Mystiker. 

 

Übrigens betrachtet Nicholsen, (1868 – 1945), der das Mathnawi von Maulana ins Englische übersetzt hat, den  Mathnawi Kommentar eines indischen Gelehrten, der Bahr-ul Ulum genannt wurde und 1815 in Madras , Indien, verstarb, für den besten aller Kommentare zu diesem Werk. 

In der Türkei  gibt es schon seit langem  Untersuchungen zu den Werken von Dschalal ud Din Mohammad Rumi. Seine Literatur wurde von seinem Sohn Sultan Walad in diesem Land verbreitet und hatte vor allen Dingen Wirkung auf die Intelellktuellen und Künstler  im Osmanischen Reich (1299 bis 1922). 

Maulana`s Familie  war nach dem Einfall der Mongolen aus dem iranischen Khorassan  in die Türkei ausgewandert und bis an sein Lebensende in diesem Land  verblieben. Dadurch ist es nur natürlich, dass  in der Türkei zahlreiche  Kommentare zu seinem Mathnawi  geschrieben worden sind.  Türkische und bosnische  Gelehrte und Wissenschaftler haben auf diesem Gebiete einen besonderen Beitrag geleistet. Ihnen war daran gelegen, dieses Werk auch denjenigen vorzustellen,  die kein Farsi können.   Nach der Gründung der türkischen Republik (1923) stieg das Interesse an einer Auslegung der Werke von Maulana in türkischer Sprache.

Dr. Tufiq Sobhani,  zeitgenössischer Maulana-Forscher und Übersetzer der Werke des türkischen Islamwissenschaftlers Gölpınarlı       (1900 bis 1982) -  in Farsi  sagt, dass im 12. Jahrhundert jemand namens Kamaluddin Hussain Khwarizmi in Persisch einen Kommentar zu dem Mathnawi verfasst hatte. Daraufhin haben im osmanischen Reich weitere  Sachkundige wie Ismail Anqarawi,  eventuell gestützt auf die Erläuterungen von Kamaluddin Hussain,   Mathnawie-Kommentare verfasst.

 

Als wichtiger    Maulana-Forscher  im Osmanischen Reich ist ebenso neben anderen Ahmed Sudi Bosnavi aus Foča zu nennen, der im 17. Jahrhundert nach  Christus einen Kommentar zum Mathnawi verfasste.  Weitere Mathnawie-Kommentatoren  waren  gegen Ende des Osmanischen Reiches tätig, wie Tahir Al Mawlawi,  , der um 1950 verstarb.  Sein Kommentar zum Mathnawie erschien in der Türkei in 12 Bänden.  Ein türkisch-kurdischer Forscher namens Schafiq Dschan hat unter Anwendung der  gleichen Methodik wie der von Tahir al Mawlawi, dessen Kommentar zu Ende geführt.

 

Abdülbaki Gölpınarlı (verst. 1982)  ist ein bekannter Übersetzer der Gedichte von Maulana ins Türkische.  Er übertrug das Mathnawie und den Diwan-e Schams in modernes Türkisch  und es liegen zahlreiche handschriftliche Kommentare zu diesen Werken  von ihm. Abdülbaki Gölpınarlı schrieb über 100 Bücher und beherrschte die Farsi-Sprache.

Sein Buch „Der Mehlevi-Orden  nach Maulana“ in Türkisch  ist ein Kommentar zu den Gedichten Maulanas und eine Forschungsarbeit über das Leben Rumis und die damalige Geschichte.

 

Die Werke von Maulana haben sich auch auf die zeitgenössische türkische Ghazelendichtung ausgewirkt. Yahya Kemal Beyatlı (1884 -  1958)  ist einer der großen Vertreter der klassischen türkischen Literatur.  Eines seiner kostbarsten aber fast unbekannten Werke ist Sama`Samawi – der Himmelstanz. In diesem Gedichtsband beschreibt er den spirituellen Zustand der Mawlawi-Derwische.

Der türkische Dichter Asif Chan Çelebi ließ sich bei seiner modernen surrealistischen Dichtung ebenso von den Maulana-Werken inspirieren.

Im nächsten Teil möchten wir über den Einfluss  von Maulana (Rumi)  in Europa berichten.

 

 

 

 

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