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Samstag, 01 Juni 2013 08:15

Von Weimar bis Schiraz Teil 1

Von Weimar bis Schiraz Teil 1
Sei das Wort die Braut genanntBräutigam der Geist!Diese Hochzeit hat gekannt,wer Hafisen preist

 

In dieser Reihe möchten wir betrachten , welchen Einfluss die Dichtung des bekannten persischen Poeten Hafez, eigentlich Chaadscheh Schams od-Din Mohammad Hafez auf die Werke von Johann Wolfgang von Goethe gehabt hat.

Es ist zwar nichts absolut außergewöhnliches, dass große Dichter aus verschiedenen Ländern aufeinander gewirkt haben, doch die Art, wie Goethe Jahrhunderte nach dem Tod von Hafez mit dessen Werk bekannt und von ihm beeindruckt wurde, ist schon interessant. Die Wirkung der Hafez-Dichtung auf Goethe war derart groß, dass Goethes exzellentes Werk „Der west-östliche Diwan" daraus entstand.

Dr. Johann Christof Bürgel, Dozent an der Universität Bern sagt hierzu:
Zu den schönsten Ereignissen in der Geschichte der Weltliteratur gehört das Aufeinandertreffen der Wege dieser beiden großen Literaten, nämlich Hafez und Goethe. Goethe der Gedankenwelt des Hafez begegnete und sich auf einmalige Weise durch ihn inspirieren ließ .

Ein paar Worte zu Hafez:
Chodscheh Schams od-Din Mohammad Hafez wurde zu Beginn des 8. Jahrhunderts nach der Hidschra, um das Jahr 727 nach der Hidschra und dem Mondkalender, in der iranischen Stadt Schiraz geboren. Dies war also im 14. Jahrhundert nach Christus. In den meisten Quellen wird der Name seines Vaters mit Baha'odin genannt. Weiter heißt es in Chroniken, dass seine Vorfahren gar nicht aus Shiraz kamen, sondern aus einer Gegend nahe bei den Gebirgen von Isfahan. Sein Großvater war zur Zeit des Atabakaane Solghori von dort nach Shiraz gezogen und hatte sich in dieser Stadt niedergelassen. Der Name Shiraz hat sich durch ihre großen Dichter Saadi und Hafez in der Geschichte der Kultur Irans und der Weltkultur verewigen können. Schiraz ist eine schon sehr alte Stadt. Der Name Schiraz taucht bereits auf den Ilamischen Schrifttafeln auf, die man in Persepolis, in der Landessprache Tachte Dschamschid genannt, gefunden hat. Dies ist ein Zeichen dafür, dass diese Stadt bereits zur Zeit der Achämeniden existierte und von Bedeutung war. Schiraz muss zur Zeit des Hafez ein wichtiges Zentrum für Wissenschaft und Kunst gewesen sein. Es war in dieser Beziehung sogar über die Grenzen hinaus eine wichtige Stadt, auch wenn es politisch gesehen, eine instabile Epoche durchmachte. Shiraz erlebte damals unruhige Zeiten. Die Zeit, in der Hafez gelebt hat, fällt nämlich mit dem Einfall der Mongolen im Iran zusammen. Die Chorazm-Könige führten das Zepter. Der 7. König aus dieser Dynastie, Mohammad Chorazmschah ließ wegen seiner inkompetenten Landesführung die Voraussetzungen für den Mongoleneinfall entstehen. Er konnte den Angriff der Mongolen nicht abwehren. Ebenso wenig vermochte dies sein Sohn Dschalaleddin, so dass Changis schließlich den Iran eroberte. Überall wo die Mongolen eintrafen, schlugen sie zunächst den einzelnen Gebietsverwaltern vor, ihnen Steuern zu zahlen. Nur wenn der Verwalter einer Stadt einwilligte, so sahen sie von deren Vernichtung ab.
Die Herrscher der Provinz Fars zogen es vor, die Steuern an die Mongolen zu zahlen, und verschonten so die Stadt vor der Verheerung durch die Eindringlinge.

Zur Zeit des Hafez war das Regierungssystem so, dass eine Familiensippe über bestimmte Gebiete herrschte.
In der Provinz Fars, deren Zentrum Shiraz ist, herrschte die Familie der Indschu, in Kerman und Yazd die Mozafariyyan bzw. die Ale Mozafar und im Irak und Azarbeidschan die Ale Dschalayer. Leben und Dichtung des Hafez war mit diesen drei Herrscherfamilien verknüpft.

Das Indschu-Herrscherhaus, welches Scharaffedinne Mahmud Schah Indschu begründet hat, regierte von circa 703 bis 758 nach der Hidschra in der Provinz Fars, also circa erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Einige Herrscher aus dieser Familie waren große Freunde der Literatur und Kunst, wie zum Beispiel Schah Scheych Abu Ishaaq und Hafez weist oft auf deren Gunst hin. Auch bei den Mozafariyaan, welche von 713 bis 795 regierten, gab es Kunst und Literatur liebende Herrscher.
Zur Zeit des Hafez, wechselten die Herrscher in Shiraz dauernd. Der eine wurde gestürzt und der nächste schwang sich auf den Thron. Es waren wie gesagt, politisch völlig instabile Zeiten.

Die Regierungsstruktur im Iran zur Zeit des Hafez ähnelt in etwa der politischen Struktur, die zur Zeit Goethes in Deutschland herrscht, denn auch Deutschland war in mehrere Staaten aufgeteilt, die jeder für sich getrennt von Herrscherfamilien regiert wurden. Es ist nur natürlich, dass bei einer solchen Struktur, bei der jeder Herrscher bestrebt, dass Gebiet über das er bestimmt, auszudehnen, die Regierungen nur sehr kurzlebig sind und chaotische Verhältnisse bestehen. Hafez hat sich in seiner Dichtung oft über diese unliebsamen Zustände beklagt. Auch in Deutschland war die Situation zur Zeit Goethes instabil, und gespannt, und dies insbesondere, nachdem die Franzosen ins Land eingedrungen waren. Die instabilen Verhältnisse und Belastungen, die die Bevölkerung im Verlauf von 20 Jahren in Europa ertragen musste, riefen ihren Protest hervor. Einige sind sogar der Meinung, dass die angespannte Situation und der Druck die Bedingungen zur beschleunigten Entstehung der Romantik schufen, so dass Dichter und Denker sich in ihre Phantasiewelt zurückzogen. Goethe tat dies, indem er sich Zuflucht suchend dem Osten zuwandte.

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