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Sonntag, 06 März 2016 05:22

Volkstümliche Erzählungen 102

Volkstümliche Erzählungen  102
  Unser  theoretischer Teil handelt diesmal  von der Bedeutung des Wassers in den iranischen Volksmärchen.

 

Zu den vier Daseinselementen der Mythologie, welche auch in den Volksmärchen mit mythologischen Wurzeln vorkommen, gehört das Wasser. Das Wasser nimmt  einen besonderen Platz ein.

In den alten Texten, darunter besonders in denen der Zoroaster wird Wasser als das beste Geschöpf Gottes gewürdigt.  Im antiken Iran war Anahita auch die Göttin des Wassers. Einer der schönsten Teile der Awesta, nämlich das Aban yascht  ist dieser Göttin gewidmet. Sie nahm in der zoroastrischen  Weltanschauung als himmlisch-irdische Verkörperung des Wassers einen hohen Platz ein.

Forscher der iranischen Folklore sehen zwischen allen Volksmärchen, in denen Gestalten wie Meeresfeen vorkommen, einen Zusammenhang mit dem antiken Glauben an die Heiligkeit des Wassers und die Wassergöttin Anahita. In „Tausendundeine Nacht“ kommt ein Mädchen aus dem Reich des Meeres nach Iran und heiratet den iranischen Prinzen und wird Königin von Iran.

In dem Märchen „Geschenk für die dritte Tochter“ kommt ein Handelsmann vor, der an einer Quelle sitzt. Als er seufzt, weil er das Geschenk für seine  jüngste Tochter nicht beschaffen konnte, taucht eine dunkle Gestalt aus dem Wasser auf und verspricht,  den Wunsch des Mädchens zu erfüllen unter der Bedingung,  dass  es zu den Peris in der Meereswelt mitkommt.          

In der Mythologie gehören Tiere wie das Pferd zum Element Wasser. Das Pferd kennt die Geheimnisse der Gewässer und ihre unterirdischen Wege. ,In vielen Erzählungen sowohl in Europa als auch im Fernen Osten begegnen wir Pferden, die mit ihrem Huf eine Quelle zum Hervorsprudeln bringen.  In dem großen Epos von Ferdowsi, dem Schah Nameh,  heißt es, dass Yazdegerd der Erste,  13. Sassanidenkönig an einer unbekannten unheilbaren Krankheit leidet und die Ärzte die Hoffnung auf Heilung aufgeben. Aber die Priester raten ihm zur Quelle Su zu gehen und dort zu beten.Da steigt ein weißes Pferd aus dem Meer hervor und tötet Yazdegerd , der in den Augen der Hohepriester ein Sünder war.   Dies ist eine Verbildlichung des heiligen Wertes des Wassers als Vernichter von Hässlichen und Reinigung der Welt von Ahrimanen  (bösen Geistern) …

Auch in den Volksmärchen begegnen wir Pferden, die aus dem Meer hervorsteigen und dem Helden der Erzählung helfen. In der Geschichte: Jek Katchal wa tschehel Dozd (Ein Kahlkopf und 40 Diebe)  hilft ein solches Pferd dem Katschal:

„Auf dem Rückweg sagte Katschal zu dem Seepferd: O Seepferd hilf mir, diese Diebe zu vernichten. Das Seepferd sagte: Ich sage dir Bescheid, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“   

 In einen anderen Volksmärchen haben wir über die Pferdestute erfahren, die aus dem Meer steigt: „Das Meer begann zu wogen. Dann  teilte sich das Wasser und aus ihm trat eine Pferdestute hervor – so groß wie ein Berg – und ihr folgten 39 Pferdefohlen.  Sie betraten die Wiese an der Küste um zu weiden…“

Der Glaube an die Heilkraft des Wassers geht ebenso auf die mythische Bedeutung des Wassers als etwas Heiliges zurück. Wir können dies in der langen Erzählung Darab Nameh beobachten: „Der Fromme sagte: Geht ans Meeresufer.  Wenn ihr in Rufweite weitergegangen seid, seht ihr einen Baum und unter diesem Baum ist eine Quelle.  Sie wird Quelle der Gesundheit genannt und ist durch ein Wunder des Noah entstanden.

Wer krank ist und den Körper in diese Quelle eintaucht, den wird Gott der Allmächtige heilen.“

In Tausendundeine Nacht begegnen wir einer Zauberhandlung, die ebenso an den Glauben an die Heiligkeit des Wassers erinnert. Diese Zauberei macht nämlich den Zauberbann anderer ungültig, indem sie Wasser versprühen, über dem  eine Zauberformel gesprochen wurde. Hier bewirkt die Heiligkeit des Wassers  die Aufhebung des Zauberbannes. In einer der Märchen in Tausendundeine Nacht steht: „Die Prinzessin nahm sich das Gefäß, sprach einige Wörter, die keinen Sinn ergaben und goss das Wasser über mich und sagte: O Gott. Wenn dieser Affe in Wirklichkeit ein Mensch ist, dann lass ihn wieder zu einem Menschen werden. Im gleichen Moment nahm ich wieder meine alte Gestalt an.“  

Nun aber ist wieder die Geschichte von Tschaghun Dus an der Reihe und zwar hatte Ebrahim sich in den Kopf gesetzt, die Tochter des Königs zu heiraten. Von dem Geld dass er von seinen Onkel Geld erhalten hatte,  damit er Handel betreibt, und das Mädchen vergisst, kaufte er sich  einen Drachen, einen Hund und eine Katze.  Die drei verließen die Stadt und unterwegs tauschte Ebrahim bei drei Derwischen den Drachen, der sich dreimal in einen Stock verwandelte gegen drei Zaubergegenstände von Salomo ein.

 Der Drache wurde zu einer schönen Frau und der Hund und die Katze zu Sklaven. Die schöne Frau, die von einem Div verhext worden war, gab Ebrahim zwei Haare und sagte, dass er sie anzünden soll, wenn er in Not ist. Sie sagte, er könne die Tochter des Königs herbeizaubern, wenn er den Ring des Salomos dreht. Dann verwandelte sie sich in eine Taube und flog heim.

Ebrahim drehte an dem Ring. Es erschien der Div Haschem. Er holte zusammen mit  anderen Dämonen den Palast der Königstocher in die Wüste. Im Auftrag des Königs machte sich eine alte Frau in einer fliegenden Truhe auf die Suche nach der Prinzessin. Sie fand die Königstochter und ihren Palast in der Wüste. Die Alte brachte der Prinzessin bei, wie sie Ebrahim das Geheimnis über die Entführung entlocken kann.

                                 

Als Ebrahim am Abend von der Jagd heimkehrte, sah er die alte Frau weggehen und fragte  die Prinzessin: „Wer ist sie? Was macht sie hier?“

Das Mädchen sagte: „Ach! Die Arme hat sich in der Wüste verlaufen. Lass sie heute abend hierbleiben.“ Abraham ließ die alte Frau im Palast übernachten. Sie bekam ein Abendessen und dann durfte sie in einer der Kammern schlafen gehen. An dem Abend redete die Prinzessin so lange auf Ebrahim ein, bis er das Geheimnis des Rings von Salomo preisgab. Da bat das Mädchen um den Ring. Sie schaute ihn an und legte ihn dann in die Wandnische. Dann stellte sie sich schlafend.

Kaum war Ebrahim eingeschlafen, stand sie auf, steckte den Ring an ihren Finger , drehte ihn und sprach: bei dem Siegel von Prophet Salomo. Da tat sich die Erde auf und 5 Dämone kamen hervor. Das Mädchen sagte zu Haschem, dem größten Div: „Wenn du den Palast nicht wieder an seinen Platz zurückbringst, kannst du etwas erleben.“

Haschem und die anderen Divs fürchteten  sich. Sie warfen Ebrahim aus dem Palast heraus und brachten den Palast wieder an seinen Platz in der Stadt.

Als die Ladenbesitzer am Morgen sahen, dass der Palast wieder dort stand wo er immer gestanden hatte,  eilten sie gleich zum König. Der König freute sich so sehr, dass seine Tochter heil zurück war, dass er  die ganze Stadt mit Lichtergirlanden schmücken und feiern ließ. Aber er hatte sich noch nicht von dem Schrecken erholt. Daher ließ er den Hellseher kommen und bat ihn in seinen Büchern nachzusehen und herauszufinden , wer es gewesen war, der den Palast gestohlen und wieder zurückgebracht hat. Der Hellseher sagte ihm: „Das waren die Divs und Peris. Auch wenn sie 100 Mal den Palast zurückbringen, sie können ihn immer wieder von neuem stehlen.“

Aber was war aus Ebrahim , dem Hund und der Katze geworden? Als Hund und Katze sahen, dass die Divs Ebrahim herausgeworfen und den Palast wieder weggebracht hatten,  machten sie sich auf den Weg zur Stadt. Unterwegs sahen sie einen großen Hügel, aus dem sich Mäuse eine Stadt mit lauter Mäuselöchern gebaut hatten. Die Katze sagte zum Hund: „Es hat keinen Sinn wenn wir in die Menschenstadt gehen, die Lausbuben werden uns vertreiben. Lass uns die Mäuse piesacken, damit sie nach dem Ring von Salomo suchen. Der Hund war einverstanden und die beiden begannen die Mäuse zu jagen, holten immer gleich mehrere aus ihren Löchern heraus und verschluckten sie. Einige Mäuse flohen zu ihrem König und berichteten ihm davon. Der König ließ Hund und Katze holen, damit sie Rede und Antwort stehen. 

Da erzählten im Hund und Katze haarklein – oder wie man im Persisch wörtlich sagt: Haar für Haar – Was sich zugetragen hatte. Der König der Mäuse befahl seinen Untertanen, dass sie in die Stadt der Menschen gehen, nach dem Ring suchen und ihn für den Hund und die Katze bringen.

Die Mäuse stürmten alle die Stadt und suchten jeden Winkel ab. Nur zwei Mäuse blieben zurück: Die eine humpelte und die andere war blind.

Da sagte die Maus die humpelte zu der anderen Maus, die blind  war, komm lass uns zusammen gehen. Sie machten sich auf den Weg in die Stadt.

Was dann passierte, erfahren Sie beim nächsten Mal.  

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