Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Dienstag, 01 März 2016 06:02

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (101)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (101)
  Wir bieten auch heute wieder einige Ausführungen über Volksmärchen mit mythologischem Ursprung und ein Beispiel aus der Märchenwelt, nämlich die Fortsetzung von Tschaghun Dus.

 

Im mythologischen Denken galten  vier Elemente als heilig, nämlich Wind, Erde, Wasser und Feuer. Die Verehrung des Feuers in der Mythologie ist bis in die Volksmärchen hinein zu verspüren. Zum Beispiel  in dem Eskandarnameh (Alexanderbuch) von Manutscher Chan Hakim..  Im Kern geht es in Texten wie diesen um die Zeit des antiken Irans.

 

„Mehrtar Nassim (ein schlauer Fuchs) fragte den König: „Schirwan Schah- wo willst du hin?“ Er antwortete: „Zum Feuertempel.“ Nassim folgte ihm bis sie beim Feuertempel angekommen waren. Schirwan stieg vom Pferd ab.   Er küsste den Boden vor dem Tempel an sieben Stellen, als plötzlich aus dem Feuer eine Stimme zu hören war: „O Schirwan Schah: Herzlich willkommen! Wir haben dich über Alexander siegen lassen. Du kannst dich auf uns verlassen.“

Auch in dem Märchenbuch „Tausendundeine Nacht“ begegnen wir Feueranbetung, nämlich:

„Diese Stadt ist die Hauptstadt eines Landes, über die mein Vater, sein großer König, geherrscht hat.  Der König und alle seine Befehlshaber und sein Gefolge waren Feueranbeter und galten als Befolger des ehemaligen Königs der Satane, die Gott, den Einen, bekämpfen.“

Ein weiteres heiliges Element der Mythologie ist die Erde. Auch dieses Moment fand Zugang zu den Volksmärchen.

Unterdessen ist der Wind in den alten indischen und iranischen Lehren   der Gott der Großzügigkeit. Der zeitgenössische  iranische Schahnameh- Forscher und Mythologiekenner  Schahroch Maskub, sagt, dass die Anbetung dieses Gottes bis zu den Arsakiden   und Sassaniden  existierte.  

 

Der Wind tritt im Darab Nameh  von Tarsusi  mehrmals als Helfer auf.  Er unterstützt Darab gegenüber den Feinden:  „Zahak rief Houdhafa,  er solle Darab töten. Houdhafa sagte: `Der Wind lässt mich nicht.` Da kam Zahak hinzu und zog den Säbel … aber weil der Wind so stark war, konnte er nicht an Darab herankommen.“

Nun aber ist die nächste Folge von Tschughan Dus an der Reihe.

 

Sie erinnern sich: Niemand konnte Ebrahim von dem Wunsch, die Königstochter zu heiraten, abbringen.  Seine Onkel gaben ihm Geld, damit er damit ein Gewerbe betreibt, aber er kaufte dafür einen Drachen, ein Hündchen und ein Kätzchen. Zusammen mit diesen  ging Ebrahim den Weg der drei Qalandar entlang.  Der Drache wurde zu einem schönen Wanderstab und mit Hilfe dieses Wanderstabes konnte Ebrahim ein Tauschgeschäft mit den Derwischen machen und an drei Zaubergegenstände gelangen: den Ring, den Beutel und den Pferdepflock von Salomo.  Der Drache, der sich in eine Taube verwandelt  hatte, befahl den Peris, die in der Haut des Hundes und der Katze steckten, hervorzukommen. Da traten sie  in Form von zwei  dienstbereite Sklaven vor Ebrahim. Die Taube wurde zu einer schönen jungen Frau. Sie erzählte, dass sie von einem Div verwünscht worden aber nun durch den Ring von Salomo frei geworden war und zu ihrem Gemahl zurückkehren wollte. Dann gab sie ihm zwei Haare und sagte, er soll sie anzünden wenn er in Not ist.

Die junge Frau sagte Ebrahim auch noch, bevor sie sich wieder in eine Taube verwandelte und davonflog: „Wenn du die Tochter des Königs heiraten möchtest, dann musst du mit dem Ring von Salomo den Dämon Haschem Div um Hilfe bitten.“ 

Ebrahim  steckte den Ring auf die Hand, drehte ihn und sagte: „Bei dem Siegel von Prophet Salomo!“

Da öffnete sich auf einmal die Erde vor ihm und es kamen 5 männliche Divs hervor.  Der größte von ihnen  trat vor Ebrahim. Ebrahim sagte: „Geh zu dem Palast des Königs und bringe seine Tochter herbei!“

Der Div verbeugte sich und alle fünf Divs  stiegen in die Luft auf.  In Windeseile hatten sie die Heimatstadt von Ebrahim erreicht. Sie rissen den Palast aus der Erde  und kehrten mitsamt der Prinzessin zurück. Den Palast stellten sie vor den verblüfften Augen Ebrahims auf den Boden.

Ebrahim schickte die Divs weg und betrat den Palast. Dort sah er die Prinzessin schlafen.  Ebrahim betrachtete entzückt das Gesicht des Mädchens, als dieses plötzlich aufwachte und fragte: „ Was machst du in meinem Palast?“

Ebrahim sagte: „Steh auf und sieh wo du selber bist?“

Da sprang das Mädchen erschrocken auf und schaute aus dem Fenster. Sie sah, dass sie mitten in einer  Wüste war. Da überkam sie große Angst: Was sollte sie nur tun?!“

 

In der Stadt war es Morgen geworden. Die Ladenbesitzer bemerkten eine große Grube an der Stelle, wo immer der Palast der Prinzessin gestanden hatte.

   Verwirrt liefen sie zum König. 

Der König war sprachlos: Wie war so etwas möglich? Schnell befahl  er,  dass seine Herolde in der Stadt ausrufen: „Wer mir eine Nachricht von dem Palast oder meiner Tochter bringt, dem erfülle ich jeden Wunsch!“

 Die Herolde liefen bis in die Nacht mit dieser Nachricht durch die Stadt. Keiner wusste von etwas.

Bis  schließlich eine alte gehässige Frau in den Palast kam.

Die alte Frau ging zum König und sagte, er solle eine Truhe bauen lassen, die fliegen kann. Mit dieser Truhe wolle sie seine Tochter und den Palast zurückbringen. Der König ließ alle Tischler herbeikommen und gab die Truhe in Auftrag.  Die Tischler berieten miteinander und schließlich zimmerten sie eine solche Truhe und  brachten sie dem König. Die alte Frau setzte sich in die Truhe und stieg in die Luft. Sie suchte die ganze Gegend ab und flog solange weiter, bis sie schließlich den Palast von oben sah, inmitten von Geröll und Sand.

Da freute sich die Alte  und sagte sich: Das ist der Palast mit dem Mädchen…

Die Alte landete in einiger Entfernung vom Palast.  Sie machte sich  auf den Weg zum Palast. Ebrahim war gerade auf Jagd gegangen  und die beiden Sklaven hielten Wache vor dem Palast.

Sie warnten die Alte, nicht näher zu kommen. Die alte Frau zeterte, man solle sie reinlassen und die Prinzessin hörte den Lärm und schaute aus dem Fenster. Sie begriff dass diese alte Frau gekommen war, um sie zu holen.

Als die alte Frau das Mädchen sah, rief sie sofort: “Was machst du armes Mädchen her? Was ist bloß passiert? “

Das Mädchen bat die alte Frau einzutreten und die beiden Sklaven wagten nicht zu widersprechen. Kaum war die Alte mit dem Mädchen alleine, sagte sie zu ihm: „Seitdem sie dich mitsamt dem Palast entführt haben, weint  dein Vater nur noch.“

Die Alte redete so geschickt, bis sie das Vertrauen des Mädchens gewonnen hatte. Sie drückte die weinende Prinzessin an sich. Schließlich fragte sie das Mädchen: „Wie bist du bloß mit dem Palast in diese Wüste gekommen?“ Das Mädchen antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Das haben Divs oder Peris gemacht. Aber ich weiß dass Ebrahim dies wollte und dass er sich in mich verliebt hat.“

Da zeigte die Alte der Prinzessin, wie sie Ebrahim dazu bringt, dass er ihr das Geheimnis verrät. Dann kehrte sie zu ihrer Truhe  zurück. Gegen Abend kam Ebrahim mit  Wildbret zurück. Er ließ es braten und sie aßen gemeinsam zu Abend.

Die Fortsetzung der Geschichte können Sie im nächsten Teil erfahren.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren