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Donnerstag, 25 Februar 2016 06:23

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (100)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (100)
  Wir werden diesmal über Pflanzen in der Mythologie und in Volksmärchen sprechen und dann die Geschichte Tschaghun Dus fortsetzen.

 

Ein weiteres wichtiges Element  in mythologischen  Märchen sind außergewöhnliche Pflanzen. Für die ersten Menschen  waren nicht nur die Tiere sondern auch Pflanzen wichtige Bestandteile ihres Lebens. In der Mythologie stellen  Pflanzen ein Symbol für Leben dar, das immer wieder erneuert wird.  Dies war vor allen Dingen in Agrargesellschaften üblich. Auch spielten Pflanzen als Totem von Volksstämmen eine Rolle. In einer der iranischen Geschichten über Hassan Katschal heißt es über einen mächtigen Baum in der Nähe des Dorfes: „Der Hellseher nahm sich das Geld und sagte: `Vor dem Dorf musst du 500 Schritte  vom  Bürgermeisterhügel aus nach links weitergehen bis du in ein ganz flaches Tal kommt, wo eine sehr mächtige Tamariske in der Mitte steht. Dieser Baum ist begnadet und heilig. Aus allen Richtungen und aus Dörfern, die mehrere Farsach entfernt liegen, kommen  die Leute herbei, um sich von diesem Baum etwas zu wünschen.  Gelobe etwas für den Baum und dann geh und trag ihm deine Bitte vor.“

Der Kampf des Rostam gegen den großen Feind der Iraner, Afrasiab gehört zu den wichtigen Erzählungen des Schahnameh von Firdausi (Firdowsi).  Den zweispaltigen Zauberpfeil, den Rostam verwendet, fertigt er mit Anleitung des Simorgh aus  dem Ast einer Tamariske an.

In dem Märchen Dochtaran-e Anar (die Töchter des Granatapfels) kommt ein schönes Mädchen aus der Frucht des Granatapfelbaumes hervor. Quasi wird in dieser Form ein alter Aberglauben an eine Pflanzengöttin wiederbelebt. Dieses Mädchen verwandelt sich in eine Taube und wird getötet. Aus einem Tropfen ihres Blutes wächst eine Platane hervor.   Die Platane wird schließlich gefällt, eine alte Frau nimmt sich ein Stück als  Brennholz mit nach Hause und aus dem Brennholz tritt wieder die Granatapfeltochter hervor und leistet der alten Frau Gesellschaft. Ähnliches passiert auch in anderen Märchen, in denen außergewöhnliche Pflanzen vorkommen.

 Im Darab Nameh von Tarsusi lesen wir: „Sie verbrachten dort die Nacht bis zum Morgen. Der Gesang aus diesem Baum hatte nachgelassen und Mehrasb begann zu suchen, woher dieser Gesang kommt. Er sah, dass die Früchte dieses Baumes wie Menschenköpfe waren:  mit einem Mund und Ohren und einem Kinn. Da pflückte Mehrasb eine Blüte von diesem Baum.  Es begann rotes Wasser von dem Ast des Baumes herabzutropfen…“

In dem Märchenbuch „Tausend und eine Nacht“ begegnen wir ebenso einem singenden Baum.  Von allen seinen Blättern erklingt eine schöne Melodie .

 

Nun aber, wollen wir die Fortsetzung des Märchens Tschaghun Dus bringen.   Sie erinnern sich: Ebrahim, Sohn eines Handelsmannes,  hatte sich in die Tochter des Königs verliebt. Seine Mutter und seine Familie versuchten ihn vergeblich von einem Heiratsantrag abzubringen. Seine Onkel gaben ihm Geld, damit er damit eine Arbeit beginnt. Mit diesem Geld kaufte der junge Mann sich einen Drachen. Seine Onkel aber rieten ihm er solle den Drachen laufenlassen. Ebrahim kaufte sich aber mit den nächsten 100 Toman, die ihm seine Onkel gaben, einen kleinen Hund. Der Drache hatte ihm gesagt, wo er diesen Hund, der ein gelbes Fell hatte, kaufen kann. Seine Mutter sah, dass ihr Sohn schon wieder sein Geld für ein Tier ausgegeben hat. Sie begann zu weinen. Als sie sich beruhigt hatte, ging sie wieder zu ihren Brüdern. Die Onkel von Ebrahim mahnten ihn und gaben ihm schließlich wieder 100 Toman.

Der Drache aber sagte zu Ebrahim: „Gehe heute auf den und den Platz . Dort bietet jemand eine kleine schwarze Katze an. Kauf sie!“ Ebrahim machte sich auf den Weg zu dem Platz. Dort sah er mehrere Leute um eine Katze herumstehen.  Er kaufte die Katze für 100 Toman. Als die Mutter ihren Sohn mit der Katze auf dem Arm zurückkommen sah, konnte sie nur noch mit dem Kopf schütteln. Ihr war klar geworden, dass kein guter Rat mehr etwas nützt. Sie ging in einen Winkel und weinte über ihr Missgeschick.

 Der Drachen aber hatte sich wieder in eine Taube verwandelt.

                                  

Die Taube sagte zu Ebrahim: „Es hat keinen Zweck in diesem Haus zu bleiben. Lass uns gehen. Mal sehen was passiert.“

Nach Sonnenaufgang verließ Ebrahim mit der Taube in der Hand das Haus. Hund und Katze liefen hinter ihm her. Sie gingen immer weiter bis sie schließlich an einer Weggabelung ankamen. Die Taube sagte: „Hier hast du den Weg der drei Qalandar (Derwische) vor dir. Ich verwandle mich in einen Wanderstock. Wenn die Derwische kommen, wird ihnen der Stock gefallen und sie werden ihn kaufen wollen. Verkauf ihn, aber nach sieben Schritte sag: Tschughan dus! Schlag diesem Derwisch auf den Kopf! Vergiss das nicht und sag es nicht zu spät!“

Ebrahim war einverstanden und die Taube drehte sich einmal um sich selber und wurde zu einem schönen Wanderstock. Kaum war Ebrahim mit dem Stock in der Hand einige Schritte weitergegangen als ein Derwisch ihm entgegenkam.  Sie unterhielten sich kurz angeregt, als der Derwisch den Stock erblickte. Der gefiel ihm so gut, dass er den Ring an seinem Finger abstreifte und Ebrahim vorschlug ihn gegen den Stock einzutauschen. Ebrahim sagte: „Was soll ich mit einem Ring? Ich habe weder eine Frau noch eine Tochter, der ich den Ring schenken könnte.“ Da sagte der Derwisch: „Mein Sohn. Das ist der Ring von Salomo. Wenn du ihn dir auf den Finger steckst und ihn drehst und sagst: beim Siegel des Propheten Salomo, werden 8 Divs mit weiteren 4 Dämonen erscheinen.

 Ebrahim tauschte den Wanderstab gegen den Ring ein. Er ging 7 Schritte weiter und sagte: „Tschughan dus! Schlag dem Qalandar auf den Kopf!“

Da wurde der Stock plötzlich zu einem Säbel und tötete den Derwisch. Dann kehrte er wieder als Stock in die Hand von Ebrahim zurück. Ebrahim und seine Begleiter setzten ihren Weg fort.  Schließlich begegneten sie dem zweiten Qalandar. Sie unterhielten sich ausgiebig als der Derwisch auf den Wanderstab aufmerksam wurde und Ebrahim bat, er Ebrahim soll ihn verkaufen. Er holte einen Beutel heraus und sagte:  „Ich gebe dir dies für den Stab.“ Ebrahim fragte, was  Besonderes an diesem Beutel sei. Der Derwisch sagte: „Dies ist der Beutel Salomos. Immer wenn du Essen brauchst, dann stecke die Hand  hinein  und du wirst jede Speise, die du dir wünschst, aus diesem Beutel herausholen. Bei dem Siegel des Salomo!“

Ebrahim verabschiedete sich und nach einigen Schritten sagte er: „Tschaghun Dus! Schlag dem Qalandar auf den Kopf!“ Wieder verwandelte sich der Stab in einen Säbel, tötete den Derwisch und kehrte  als Stock wieder in die Hand von Ebrahim zurück. Ebrahim  setzte seinen Weg fort bis er schließlich dem dritten Derwisch begegnete.

Auch dem dritten Qalandar gefiel der Wanderstab von Ebrahim. Er bot ihm dafür einen großen Pflock an, an dem man ein Pferd anbinden kann. Aber Ebrahim sagte: „Du siehst doch dass ich kein Pferd habe. Was soll ich mit diesem Pflock anfangen?“ Der Derwisch sagte: „Das ist kein Pflock, um Pferde an zu binden. Es ist der Pflock von Salomo. Wo du ihn in den Boden schlägst und sagst: beim Siegel des Propheten Salomo, wird ein riesiger wunderschöner Palast für dich gebaut.“

Ebrahim bedankte sich und tauschte seinen Stab gegen den großen Nagel ein. Er war noch keine 7 Schritte gegangen als er wieder sagte: „Tschaghun dus. Schlag dem Qalandar auf den Kopf.“ Auch diesmal wurde der Stock zu einem Säbel und tötete den armen Derwisch.  Dann kehrte er wieder als Stock zu Ebrahim zurück.

Ebrahim ging weiter und weiter bis er in eine Wüste kam. Dort gab es kein Wasser und kein Mensch war zu sehen. Der Stab verwandelte sich wieder in einen Drachen und sagte zu Ebrahim: „Es ist besser wenn du die Nacht her verbringst.“ Ebrahim war einverstanden. Er steckte die Hand in den Beutel und holte Essen heraus.

 

Als sie sich nach dem Essen schlafen legen wolle,  sagte der Drache zu Ebrahim: „Weißt du dass der kleine  Hund und das Kätzchen in Wahrheit Parizad sind, nämlich Elfenkinder?“

Dann befahl er, dass die Elfenkinder aus der Tierhaut schlüpfen. Plötzlich standen zwei rotgekleidete Sklaven, die einen Dolch trugen, dienstbereit vor Ebrahim. Dann drehte sich der Drache um sich selber und wurde zu einer wunderschönen jungen Frau.  Sie sagte:  „Ich bin vor sieben Jahren von Hischam Div verwünscht worden. Aber seine Verwünschung wurde ungültig, als du den Ring bekommen hast. Nun bin ich frei und will in das Haus meines Gemahls zurückkehren.“  Dann gab sie ihm ein paar Haare und sagte: „Wenn du in Schwierigkeiten bist, dann zünde eines dieser Haare an und ich werde zur Stelle sein. Darauf drehte sie sich um sich selber, wurde zu einer Taube und flog davon.  

 

 

 

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