Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Dienstag, 23 Februar 2016 04:26

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (99)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (99)
  Wir möchten weiter über die Volksmärchen mit mythologischem Ursprung sprechen und werden danach ein neues Beispiel für ein iranisches Volksmärchen bringen.

 

Wir sagten, dass eigenartige Figuren und außergewöhnliche  Wesen ein wesentliches Element der mythologischen Märchen bilden und eine wichtige Rolle in diesen Erzählungen spielen. Sie haben über den Drachen und legendäre Vögel wie den Simorgh in den iranischen Märchen erfahren. Eine weitere besondere Figur in der iranischen Mythologie ist die Kuh. Zum Beispiel wird der sagenumwobene König  Fereydun, im Wald von einer Kuh großgezogen und während seines Kampfes mit dem König Zahak, Symbol des Bösen, setzt er eine Schlachtkeule ein, die mit einem Kuhkopf verziert ist. Dieselbe Schlachtkeule geht später auf Sam, den Großvater des bekannten iranischen Helden Rustam über und dient schließlich Rustam bei seinen berühmten Heldentaten.

                         

Die Kuh war in der iranischen Antike ein wichtiges Tier. Warum weiß man nicht so genau. Es ist ein Geheimnis wie die Rätsel und Geheimnisse in den  Märchen anderer Völker. Wir begegnen der Kuh in den iranischen Märchen als einen Beschützer und Helfer des Helden. Zum Beispiel in der Geschichte: Gaw-e Pischani-ye sefid – Die Kuh mit der weißen Stirn. In dieser Geschichte ernährt sich der Held mit Honig und Butter aus den Hörnern einer Kuh. In dem Märchen Mah pischani – welches wir zuvor brachten,  erschien die getötete Mutter ihrer Tochter in Form einer Kuh mit gelben Fell und verteidigte  ihr Kind vor der Stiefmutter.

                             

In der iranischen Mythologie symbolisieren Tierbilder etwas Bestimmtes. Sie  begegnen uns zum Beispiel auf Kampfflaggen. In der langen Geschichte von Samak Ayar kommen Löwen- und Drachenbilder und Falken auf den Wimpeln und Fahnen vor.  Bei Beginn eines Gefechtes geht Samak Ayar seinem Heer voran und hält eine solche Fahne mit einem Löwenbild in der Hand oder der König verschenkt Gewänder an seine Kampfhelden, auf denen  je nach Mut und Kühnheit des Kämpfers ein Drachen, Löwe oder Falke abgebildet ist. 

 

                              

Doch nun zu unserem nächsten Märchen aus dem Buch Afsanehaye Irani. Es heißt Tschaghun Dus.

 

Vor langer langer Zeit lebte ein Handelsmann, der hatte einen Sohn namens Ebrahim. Den hatte er in die Maktab geschickt, wie sich die Schulen damals nannten. Eines Tages sah Ebrahim auf dem Heimweg von der Schule die Prinzessin am Fenster des Königspalastes stehen und verliebte sich auf den ersten Blick. Verwirrt und langsamen Schrittes ging er nach Hause. Seine Mutter fragte ihn sofort: „Was ist los?! Warum bist du so blass im Gesicht?“  Ihr Sohn schwieg. Doch seine Mutter sah ihm an, dass ihm nicht wohl war und so fragte sie so lange weiter, bis ihr Ebrahim schließlich verriet, dass er sich in  die Tochter des Königs verliebt hat. Dann bat er seine Mutter, dass sie beim König vorspricht und  in seinem Auftrag einen Heiratsantrag stellt.

Die Frau sagte: „Mein Sohn! Das vergisst du am besten gleich wieder.“ Sie wusste der König würde ihren Sohn noch nicht einmal am Hofe einstellen, geschweige denn ihm seine Tochter zur Frau geben.

Da schwieg Ebrahim.

Der Vater von Ebrahim kam nach Hause und seine Frau erzählte ihm sofort von der Geschichte. Da musste der Handelsmann lachen und sagt: „Wenn der König davon erfährt, wird er nicht nur dich, mein Sohn, sondern unsere ganze Familie aus der Stadt verbannen.“

Keiner hatte also auf Ebrahim gehört. Betrübt ging er in die Maktab zurück, aber er hörte ihm Unterricht überhaupt nicht mehr zu, sondern konnte nur noch an das Mädchen denken. So verging einige Zeit, bis eines Tages der Vater von Ebrahim starb. Nun war Ebrahim doppelt so betrübt, er redete kaum noch ein Wort und aß auch nichts mehr. Morgens verließ er das Haus, lief durch die Straßen und über den Bazar und kam erst am Abend zurück.

So sehr seine Mutter mahnte: „Junge! Das ist doch kein Leben,“ und mit ihm redete, desto weniger hörte er ihr zu. Die arme Frau wusste keinen Rat mehr. Also ließ sie ihre Brüder kommen, damit sie mit Ebrahim sprechen. Aber so viel diese mit ihrem Neffen sprachen, es ging ins eine Ohr rein und zum anderen wieder raus. Sie sagten, er brauche nur zu sagen, welches Mädchen er heiraten will, sie würden sofort für ihn um seine Hand anhalten. Aber die Tochter des Königs müsse er vergessen. Die könne er niemals heiraten.

Jedoch Ebrahim war nicht einsichtig, er wollte nur die Tochter des Königs und kein anderes Mädchen.

Seine Onkel gingen und sagten, man muss ihn sich selber überlassen, irgendwann wird er es vergessen.

 

 Es vergingen mehrere Monate ohne dass es Ebrahim besser ging, im Gegenteil es ging immer mehr mit ihm bergab.

Seine Onkel machten sich Sorgen,  dass er ernsthaft krank wird. Da berieten sie miteinander und sagten: “Wir geben ihm etwas Geld damit er  eine Arbeit anfangen kann. Dann kommt er vielleicht auf andere Gedanken.“ Sie zogen den jungen Mann beiseite und sagten: „Uns lässt doch keiner in den Königspalast rein und erst recht hört doch niemand auf uns. Nimm diese 100 Toman und fang damit eine Arbeit an.“ Ebrahim sagte nichts und seine Onkel gingen.

 

Am nächsten Morgen steckte Ebrahim die 100 Toman ein und verließ das Haus. Er ging und ging bis er auf eine Kreuzung kam, wo sich viele Schaulustige um einen Mann versammelten hatten. Vor diesem Mann stand ein verschnürter Sack, in dem ein Tier sich hin und her wandte. Der Mann  spornte die Menschenmenge an, sie solle raten, was in dem Sack ist. Einer rief: „Ist es ein Drache?“

Gerade hatte Ebrahim sich wieder auf den Weg gemacht,

 als ihn jemand rief. Zuerst  stellte er sich taub und ging weiter, aber da hörte er wieder die Stimme rufen: „Hol mich hier heraus.“ Da wusste er dass ihn das Tier in dem Sack rief.

Er ging also zu dem Schaukünstler und fragte: „Wieviel kostet dieser Sack mit dem Tier?“

Der andere sagte: „100 Toman!“

Ebrahim gab ihm seine 100 Toman, nahm den Sack und öffnete ihn. Da kam ein Drache herausgesprungen. Die Leute ergriffen schreiend die Flucht. Sie dachten, der Drache würde sie gleich alle mitsamt dem, was sie besitzen, verschlucken.

Da sagte der Drachen zu Ebrahim: „Jetzt leg den Arm um mich!“ Ebrahim hatte keine Angst und legte den Arm um den Drachen. Da verwandelte sich dieser plötzlich in eine Taube und ließ sich auf der  Hand des Jünglings  nieder. Die Taube bat Ebrahim: „Nimm mich mit zu dir nach Hause!“

Ebrahim kam nach Hause und seine Mutter fragte ihn: „Nun, was hast du mit dem Geld gemacht?“ Er sagte: „Ich habe einen Drachen gekauft!“ Er setzte die Taube auf den Boden. Die Taube drehte sich einmal um sich selber und verwandelte sich wieder in einen Drachen. Dieser machte eine Runde durch den Haushof. Ebrahims Mutter bekam es mit der Angst zu tun und lief schnell zum Haus ihrer Brüder. Sie rief: „Kommt und seht euch an, was der Junge gemacht hat! Er hat einen Drachen gekauft!“

Die Onkel von Ebrahim eilten herbei und sahen Ebrahim, der in einer Ecke des Haushofes sitzt, während sein Drachen herumspaziert. Sie wagten es nicht den Hof zu betreten. Also riefen sie dem jungen Mann von weitem zu: „Hast du denn den Verstand verloren, dein Geld für dieses Viech herzugeben! Sein Atem wird dich in Asche verwandeln. Bring den Drachen raus vor die Stadt und lass ihn laufen!“ Aber Ebrahim hörte genauso wenig auf sie, wie sie auf ihn. Schließlich gaben ihm seine Onkel wieder 100 Toman, damit er damit eine richtige Arbeit für  sich beginnt. Als die Onkel von Ebrahim gegangen waren, flüsterte ihm der Drache zu, er solle sich morgen einen kleinen gelben Hund kaufen. In der und der Gasse gäbe es einen Mann, der einen solchen Welpen verkauft.  „Kauf den Hund, egal was er kostet“, sagte der Drache.

 

Also ging Ebrahim am nächsten Morgen in aller Früh aus dem Haus. In der Gasse, von der der Drache gesprochen hatte, sah  er eine Menschenmenge, die einen Mann umringte. Der Mann hielt  einen Welpen mit gelbem Fell an der Kette.  Ebrahim fragte nach dem Preis und der Mann sagte: „100 Toman.“  Ebrahim gab ihm das Geld und nahm den Hund mit nach Hause. …

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren