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Freitag, 19 Februar 2016 14:05

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (98)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (98)
    In unserem heutigen Teil wollen wir über die Vögel in der Mythologie sprechen und dann das Märchen „Simorgh“ zu Ende bringen.

 

              

Vögel nehmen in der Mythologie einen besonderen Platz ein. Ihr Flug erinnert an die Allmacht Gottes und die Vervollkommnung.  Die Fähigkeit zu fliegen und sich vom Boden in den Himmel zu erheben  ist ein Zeichen der Überlegenheit und  der Erreichung verborgener Wahrheiten.  Diesen Gedanken finden wir auch in den Volksmärchen wieder.  In den Volksmärchen sind es oft zwei Vögel, meistens Tauben, die sich auf einem Baum setzen, unter dem der Held der Geschichte schlummert. Sie berichten dem Helden von den Ereignissen, die ihn erwarten.

Diese Szene kommt in den Volksmärchen sehr häufig vor. Zum Beispiel in der Geschichte“ein Ziegel aus Gold ein Ziegel aus Silber“ und in dem langen Märchen „Husain Kord Schabestari“. In dem Märchen Husain Kord Schabestari  steht:  In der Welt der Wirklichkeit sah der Seyyed zwei Vögel herbeikommen, die sich auf den Baum setzten, unter dem er lag. Der eine sagte zum anderen: „Kennst du die Schwester von ihm, die hier geschlafen hat?“ Da sagte der andere: „Nein“. Da sagte der erste Vogel: „Dieser Jüngling ist Mir Ismael , der Sohn von Mir Baqer, dem Zielgelsteinmacher....“

 

In dieser und ähnlichen  Geschichten spielen Vögel eine wichtige Rolle und von ihnen ist bereits im Titel des Märchens die Rede.  Wie in der Geschichte vom Vogel des Glücks:

„Sie hörten zwei Tauben auf dem Baum miteinander reden. Die eine von ihnen sagte: „Liebe Schwester!“  Die andere fragte: „Ja, was ist denn, meine Liebe?“ Da sagte die erste wieder: „Diese beiden Brüder, die unter dem Baum schlafen, haben das Fleisch des Vogels des Glückes gegessen. Der eine, der den Kopf gegessen hat wird König werden und der anderen, der Herz und Leber verspeist hat, findet jeden Abend 100 Münzen unter seinem Kopfkissen.“  

                         

Ein bekannter Vogel in den iranischen Märchen ist Simorgh.  Der Simorgh war  ein treuer Helfer des Rostam. In der Geschichte: „Der Apfelbaum und der Div“  verhilft er dem Helden zum Ziel. Und in anderen Märchen hilft er Propheten, zum Beispiel dem Salomo.

Oftmals erinnern andere Vögel an diesen Simorgh, wie zum Beispiel  ein Rabe, der in der Geschichte vom eigensinnigen Raben dem Helden Mehrak eine Feder gibt, die ihm in der Not hilft. Hier ähnelt der Rabe dem Simorgh in der Geschichte von Zal im Schah Nameh des Ferdowsi. Dort sagt der Simorgh: „Ich  gebe dir eine meiner Federn. Heb sie auf und immer wenn du in Not bist, dann lass sie durch die Luft schweben und geh in die Richtung in der sie schwebt, damit du mich findest. Dann wirst du mich sehen  und dein Leid wird vergehen.“  

 

Es folgt die Fortsetzung des Märchens Simorgh aus dem Buch Afsanehaye Irani – iranische Märchen.

 

Sie erinnern sich: Ein armer Mann, der wenig von dieser Welt besaß, hatte sich mehrmals im Meer ertränken wollen, aber der Simorgh hatte ihn jedes Mal gerettet und ihm dreimal einen Fisch geschenkt. Ein listiger Kerl hatte den ersten und zweiten  Fisch gegen ein bisschen Mehl umgetauscht aber als der Mann erfuhr, dass im Magen dieser Fische Gold und Edelsteine sind, war er nicht mehr zum Tausch bereit.  Weil sich die beiden stritten, wurden sie vor  den König gebracht. Als dieser erfuhr, dass in den Bäuchen der Fische Gold und Edelsteine sind, verlangte er den Simorgh heraus. Der Simorgh hatte Mitleid mit dem armen Mann, dem der König mit dem Tod gedroht hatte, und wollte sich ausliefern, als  der Sohn des Königs ihn jedoch wieder freiließ.  Sein Vater wollte den Prinzen deshalb töten, aber der zündete eine Feder an, die der Simorgh ihm geschenkt hatte und der Simorgh brachte den Jüngling in eine andere Stadt. Dort heiratete er heimlich die Tochter des Königs. Als der König davon erfuhr, befahl er, beide zu töten. Auch diesmal bat der Jüngling um Erlaubnis, vor seinem Tod zusammen mit seiner Gemahlin beten zu dürfen.

Der König erlaubte es und das Ehepaar ging auf das Palastdach.  Nach ihrem Gebet  zündete der Prinz die zweite Feder des Simorgh an. Sofort war der Simorgh zur Stelle.

Der Simorgh trug das junge Paar durch die Luft und setzte die beiden in einem entlegenen Wald ab.   Dann  flog er zum Meer um seine Flügel zu waschen. Als er zurückgekehrt war, breitete er beide Flügel zum Trocknen auf zwei Bergen aus.  Weil es kalt war, hatte der  Prinz Dorngestrüpp und Äste  gesammelt und ein Feuer angezündet. Die Feuerflammen loderten hoch,

 steckten den Wald in Brand  und die Flügel des Simorgh fingen Feuer. Da flog der Simorgh auf den Berg und schlug solange auf das Feuer, bis es erloschen war.  Aber dann  sagte er zu dem Prinzen,  dass er ihm nicht mehr helfen kann, weil seine Flügel verbrannt sind . Er flog davon und der Prinz und die Prinzessin blieben im Wald zurück. 

Nach einiger Zeit schenkte Gott dem jungen Paar einen Sohn.  Immer wenn der Kleine gähnte, kamen aus seinem Mund Rubinen und wenn er weinte, rollten ihm Perlen aus den Augen.  Sie nannten ihn Chamyaze La`l(Rubinengähnen) . Der Prinz sah, dass sie nicht länger ohne Nahrung und Schutz im Wald leben können. Da sagte er eines Tages zu seiner  Frau: „Bleib hier mit deinem Kind und rühr dich nicht vom Fleck damit ich einen Weg finde, wie wir hier herauskommen.“ Er gelangte schließlich ans Meer. Dort sah er jemanden, der Boote baute und bat ihn, er soll ein Boot für ihn zimmern.  Als sie auf dem Meer waren, bat er, dass er auch seine Frau und das Kind aus dem Wald holt, aber es war nicht mehr möglich umzukehren.

 

Als die Frau mit ihrem Kind  einige Tage vergeblich auf ihren Mann gewartet hatte, nahm sie es auf den Arm und lief durch den Wald bis ans Meer. Sie gab dem Zimmermann  eine Handvoll Rubinen, damit er ihr ein Boot baut.

Am anderen Ufer des Meeres lag eine große Stadt. Die Frau lief verzweifelt durch die Straßen .Sie  fand  aber keine Unterkunft. Schließlich legte sie das Kind vor eine Moschee und ging dann alleine zu dem Haus einer alten Frau und bat um eine Bleibe. Sie bot sich an, ihr den Haushalt besorgen.

                    

Am nächsten Morgen fand ein Mulla, der  zum Beten in die Moschee gekommen war, ein kleines Kind vor der Moschee .  Er brachte es nach Hause und seine  Frau wiegte das Kleine in den Schlaf. Und das Kind weinte soviel Perlen, dass der Mulla und seine Frau sich um nichts mehr zu sorgen brauchten. Der kleine Junge wuchs im Hause des Mulla auf.  Aber eines Tages sah ihn seine wahre  Mutter. Und Sie fragte ihn:

Wer bist du?

Der Junge sagte: „Ich bin der Sohn des Mulla.“

Doch die Prinzessin sagte zu ihm: „Nein, du bist mein Sohn! Schau doch in den Spiegel, dann wirst du sehen, dass du mir sehr ähnlich bist.“  Der Junge schaute die Frau an und dann  schaute in den Spiegel und dachte bei sich: „Sie hat recht. Ich sehe dieser Frau sehr ähnlich .“ Aber er ging schweigend weg.

Am nächsten Morgen sah der  Junge den Mulla im Koran lesen . Da bat er ihn, er soll ihm die Wahrheit sagen. Der Mulla erzählte ihm alles.  Ab dem Tag sammelte der Junge die Rubinen, die ihm beim Gähnen aus dem Mund fielen, ein,  und brachte sie seiner Mutter.  

 

Es verging eine längere Zeit und eines Tages sagte der Jüngling zu seiner Mutter, dass der Mulla ihn mit einem Mädchen verlobt hat und er bald heiraten wird.  Sie solle am Hochzeitstag kommen und verkünden:  „Dieser Jüngling ist mein Sohn und das ist meine  Schwiegertochter.“

In dieser Stadt gab es einen König, der manchmal eigenartige Dinge tat , aber manchmal, wenn es ihm gut ging war er sehr gerecht. 

Am Hochzeitstag  machte sich die Mutter des Bräutigams auf den Weg zum Haus des Mulla. Als sie die Braut zum Bräutigam aufs Pferd setzten, lief sie herbei, stellte sich dem Pferd in die Quere und rief: „Der Jüngling und seine Braut gehören zu mir!“

Der König, der auch zu dieser Hochzeit gekommen war, wurde plötzlich munter als er davon hörte und befahl man solle diese Frau zu ihm bringen.

Die Frau erzählte ihm von ihrem Schicksal.

 

Da stellte sich heraus, dass der König kein anderer war als der Prinz, der seine Frau und seinen Sohn im Wald zurücklassen musste. Er war in der Zwischenzeit zum König dieser Stadt geworden. Als die Frau nämlich von ihrem Schicksal erzählte erkannte er, dass es seine eigene Frau ist die vor ihm steht und der Sohn des Mulla in Wahrheit sein eigener Sohn ist. Da dankte er Gott. Er erzählte seiner Frau,  dass er später vergeblich im Wald nach ihr  gesucht hatte.  Dann schloss er  sie  und seinen Sohn in die Arme. So war die Familie nach vielen Jahren wieder vereint. Der König befahl, die Stadt mit Lichtergirlanden zu schmücken und es wurde gefeiert . Dann führte  er seine Frau und seinen Sohn und dessen Braut an der Hand in den Palast und dort  lebten sie noch viele Jahre glücklich und zufrieden miteinander.

 

 

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