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Freitag, 12 Februar 2016 04:41

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (97)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (97)
  Bevor wir das Märchen „Simorgh“ vom letzten Mal fortsetzen,  möchten wir erst weiter über die außergewöhnlichen Wesen in den mythologischen Märchen sprechen. Zu ihnen gehört auch der legendäre Vogel Simorgh.

 

Einige Volksmärchen sind direkt von Mythen abgeleitet und andere sind mit ihnen verschmolzen. In jedem Falle gilt dies aus wissenschaftlicher Sicht als  Zeichen für Erfahrungsreichtum und das Interesse der Menschen an der Übertragung der Weisheit der Vorfahren auf die nachfolgenden Generationen.   Durch die Verwandlung in Volksmärchen blieben viele Mythen erhalten.

 

  Wie wir sagten, ist ein Drachen in den meisten Mythen der Welt ein bösartiges Wesen und ein Symbol für Dürre. Oft bewacht er in einer Höhle eine Quelle.

 

Aber in den Volksmärchen leben die Drachen deshalb nicht in einem dürren Land.    Oft lässt ein Drachen die  Menschen nur an das Wasser gelangen, wenn sie ihm eine Gabe überbringen. Zum Beispiel ein junges Mädchen. Schließlich tritt aber ein Retter auf,  ob nun ein König oder ein Kampfheld, der den Drachen durch eine List oder durch ein Gefecht bezwingt um die Prinzessin oder das junge Mädchen aus seine Klauen zu befreien.  

Hören Sie aber nun die 2. Folge des Märchens vom Simorgh:

 

Sie erinnern sich: Ein  Mann, der sehr arm war, suchte nach Arbeit um seine Familie zu ernähren.  Weil er keine Arbeit fand  verlor er die Hoffnung  und  wollte er sich ins Meer werfen, als der Simorgh  ihn jedoch  rettete und ihm einen Fisch mitgab. Aber ein schlauer Kerl schwätzte ihm  den Fisch ab und gab ihm stattdessen ein wenig Mehl.  Die ganze Geschichte wiederholte sich wieder und als der Simorgh den armen Schlucker zum dritten Mal vor dem Ertrinken rettete und ihm einen Fisch gab, sagte er ihm, dass der Fisch lauter Juwelen und Gold im Bauch hat. Diesmal war der Mann  auch gegen 1000 Dinare nicht bereit den Fisch umzutauschen. Da kam es zwischen ihm und dem listigen Kerl zu einem  Streit und sie wurden vor den König gebracht.  Als der König von der Geschichte erfuhr, verlangte er den Simorgh. Die drei wertvollen Fische gab er dem armen Schlucker. Dieser kehrte trotzdem bekümmert nach Hause.   Zu Hause fragte  seine Frau gleich nach dem Mehl und sagte: „Was ist los mit dir?“

Der Mann erzählte seiner  Frau alles  und klagte: „Der König wird mich umbringen, wenn ich ihm nicht den Simorgh herbeischaffe!“  

 Die Frau  aber  beachtete sein Wehklagen nicht. Das Gold und die Juwelen hatten sie blind gemacht.

                            

In der Nacht machte der Mann kaum ein Auge zu und am frühen Morgen verließ er das Haus. Er war verzweifelt und dachte: Was soll ich nur machen?  Soll ich aus dem Land fliehen?   Schließlich dachte er, das Beste ist es, dass ich ins Meer gehe. Also warf er sich wieder ins Wasser.

Der Simorgh sah ihn aus der Luft und dachte: „Dieser Mann ist gierig und will noch mehr Gold und Edelsteine haben. Zur Hölle mit ihm!“  

Aber da sah er ihn ertrinken  und zog ihn schnell hoch.

Er fragte ihn: „Was machst du schon wieder hier?   Wenn du dich ertränken willst, dann tu es bitte woanders, wo ich dich nicht sehe!“  Aber der Mann sagte: „Ich bin nicht wegen dem Fisch hier.“  Und dann erzählte er dem Simorgh alles.

Als der Vogel das hörte, sagte er sich: Wenn ich nicht mit diesem armen Kerl gehe, dann wird der König ihn töten und wenn ich mit ihm gehe, dann werden meine beiden Küken verhungern!“

Aber schließlich willigte er ein, mit dem Mann zum Palast zu gehen.

 Der Mann ging zu Fuß und Simorgh flog über ihm durch die Luft.  Aber Simorgh  schluchzte die ganze Zeit.  

                        

Unterwegs begegneten sie dem Sohn des Königs, der auf der Jagd war.  Der Prinz fragte den Mann: „Wo willst du hin?“ Da erzählte dieser ihm von seinem Schicksal  und sagte, er habe den Simorgh überreden können, dass er mitkommt und sagte: „Der Simorgh  ist wegen seiner Küken betrübt, weil sie verhungern werden.“  

Als der Prinz die Tränen des Smiorghs sah, hatte er Mitleid und sagte zu dem Mann: „Lass ihn heimfliegen und sag meinem Vater, du hättest den Simorgh bringen wollen, aber dann hätte ich den Vogel freigelassen, damit er zu seinen Küken zurückfliegt.“

 

Der Simorgh bedankte sich bei dem Prinzen mit zwei seiner Federn und sagte:  „Immer wenn du mal in Not bist, dann zünde diese Federn an und ich werde schnell zur Stelle sein. Dann schwang er sich in die Luft. Der Prinz  spornte sein Pferd an und ritt weiter auf die Jagd, während der Mann zum Palast ging.

Als er im Palast angekommen ware, sagte er was passiert war. Aber der König wurde zornig und rief: „Mein dummer Sohn kann nicht sehen, dass ich einen Simorgh habe.  Wie will der einmal König werden?! Ich werde den Henker für ihn holen lassen, wenn er zurückkommt.“

        

Der Prinz kehrte zwei Tage später von der Jagd zurück und als er vor seinem Vater stand, rief dieser: „Warum hast du den Simorgh frei gelassen! Nun werde ich gleich den Henker holen.“

Der Prinz sagte: „Du bist mein Vater und kannst mit mir machen, was du willst. Aber erlaub mir, dass ich vor meinem Tod das Gebet verrichte!“

Der König erlaubte es  und da ging der Prinz aufs Dach des Palastes und betete  und dann zündete  er eine Feder des Simorghs an. Sofort war der Vogel zur Stelle und der Prinz sagte, dass sein Vater ihn töten will, weil er ihn, den Simorgh , freigelassen hat.

 

Da ließ Simorgh ihn auf seinen Rücken steigen. Er setzte ihn erst vor dem Tor der Nachbarstadt ab.

Der junge Mann  sah eine alte Frau und sagte zu ihr: „Ich bin hier fremd. Kannst du mir heute Nacht eine Unterkunft geben?“   Aber die alte Frau sagte,  mein Haus ist so klein wie ein Mäuseloch  und ich habe auch ein Eselsfohlen und ein Kalb und ein paar Kinder.  Da  gab der Prinz ihr einige Goldmünzen. Die alte Frau war plötzlich wie umgewandelt und sagte, ihr Haus wäre so groß, dass das Heer eines  Königs darin Platz hätte  . Der junge Mann blieb ein paar Tage in dem Haus der alten Frau.

Nachdem er gut die Stadt ausgekundschaftet hatte, fragte er sie:

„Regieren  in eurer Stadt zwei Könige?“

Die Frau sagte: „Ja! Der König und seine Tochter herrschen beide über diese armen Leute! Beide verlangen  Steuern von ihnen.“

Als der Prinz dies hörte sagte er: „Mütterchen! Tu ein gutes Werk für mich und bring mich zu der Tochter des Königs.“

„Das kann ich tun,“ sagte die alte Frau, „Aber du musst es selber wissen. Wenn du der Tochter gefällst wird nichts passieren, aber wenn ihr Vater kommt, dann wird er dich töten.“

Der Prinz sagte: „Das macht nichts. Dem Schicksal kann keiner entkommen!“

Die alte Frau sagte: „Ich bring dich unter das Bett der Prinzessin aber ich werde deine Hände mit einem Tuch zusammenbinden.  Wenn die Tochter des Königs an dir Gefallen hat, wird sie nichts sagen. Aber wenn du ihr nicht gefällst, werden ihre 40 Wächterinnen dich in Stücke zerreißen.“

Die alte Frau hatte einen Tunnel gegraben, der von ihrem Haus bis in das Gemach der  Königstochter führte. Sie brachte den jungen Mann durch den Tunnel in die Kammer der Prinzessin, band ihm die Hände  mit einem Tuch zusammen und kehrte zurück.  Die Prinzessin bemerkte den Jüngling in ihrem Gemach. Da schickte sie alle Mädchen aus ihrem Zimmer, auch die Tochter des Wezirs und sagte, sie fühle sich nicht wohl. Sie holte den Jüngling, dem die Hände zusammengebunden waren aus seinem Versteck hervor.  Als sie ihn sah, verliebte sie sich sofort in ihn, denn er war ein stattlicher junger Mann. Sie  wollte mehr über ihn erfahren. Dann gab er dem jungen Mann Frauengewänder  damit er unerkannt bleibt. Aber sie wollte nicht dass ein fremder Jüngling in ihrem Gemach ist und deshalb bat sie ihn, dass sie sich vermählen. Und so vermählten sich die beiden. Aber die Prinzessin  wusste, dass ihr Vater gegen diese Heirat sein wird und warnte den Jüngling: „Wenn mein Vater von unserer Vermählung  erfährt, wird er dir das Leben nehmen.“…

 

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