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Sonntag, 07 Februar 2016 05:39

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (96)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (96)
Volkstümliche Erzählungen (96)    Unsere Erläuterungen zu der Gestalt des Divs sind zu Ende und wir besprechen heute eine neue Figur  in den Volksmärchen. Außerdem haben wir ein neues Märchen für Sie aus dem Buch Afsanehaye Irani ausgesucht.

 

In den Volksmärchen mit mythologischem Ursprung kommen viele erstaunliche Wesen vor, wie zum Beispiel Drachen. Außer in den chinesischen Märchen gelten Drachen in allen Volksmärchen der Welt als böse Wesen. Früher glaubte man, dass sie die Wolken einsperren und  Dürrejahre verursachen . Der Kampf mit ihnen bedeutet also der Kampf gegen Dürre. Die Mythologieforscher betrachten den Kampf des Helden mit dem Drachen als ein altes mythologisches Bild für den Kampf um Wasser und damit das Streben nach größerem Erntesegen.  In den meisten Mythen der Welt , treten namhafte Helden  gegen den Drachen an. Auch in den iranischen Mythen  gibt es diesen Drachenkampf.

Im Persischen werden Drachen „Idschteha“ oder auch „Edschar“ oder ähnlich genannt.  In den alten iranischen Mythen ist der Drachen immer  Sinnbild des Bösen und des Dämonenhaften.  Ein Drachen wird  als riesiges beflügeltes Reptil auf vier Füßen, das Feuer speit und einen Schatz beschützt, beschrieben. Seine Flügel gleichen Adlerschwingen, die Krallen sind wie die  eines Löwens, und ihr Schwanz ist schlangenartig. In den meisten Ländern der Welt ist dies das gängige Drachenbild.

 

In vielen Märchen, ob im Iran oder in anderen Kulturen, lebt der Drachen in einer Höhle und bewacht einen Schatz oder manchmal auch eine Zauberquelle.  Will der Held der Geschichte an diese Quelle oder den Schatz gelangen, muss er erst den Drachen bezwingen.

Wenn in persischen Mythen oder Märchen der Held den Drachen tötet, kehrt wieder Segen und Frieden unter den Menschen ein. Drachen treten in vielen epischen Werken Irans, wie im Schah Nameh von Ferdowsi, auf. Alle legendären Helden Irans wie Rustam, Isfandyar, Goschtasb und Sam  siegen im Kampf mit einem Drachen.

In der persischen Volksliteratur werden die Drachen mit Sonnen- und Mondfinsternissen in Zusammenhang gebracht und es herrscht der Aberglaube, dass ein Drachen den Mund oder die Sonne zu verschlucken versucht.  Man glaubte, dass der Drache des Nachts den Mond verschluckt und die Sonne den Mond wieder befreit und den Drachen tötet.  In den späteren Märchen treten ein Mädchen anstelle des Mondes und ein Held anstelle der Sonne.  Der Held tötet den Drachen um das Mädchen im Bauch des Drachens zu retten.

              

Nun hören Sie ein neues Märchen aus dem Märchenbuch Afsanehaye Irani. Es handelt zwar nicht von Drachen aber von einem anderen iranischen Fabelwesen: dem Vogel Simorgh. 

                    

Es war einmal ein Mann. Der hatte Frau und Kinder aber er war sehr arm.  Er hatte keine Arbeit und die Hoffnung darauf verloren, eine zu finden.  Schließlich sagte seine Frau aufgebracht: „Such endlich nochmal nach Arbeit! Das kann doch nicht so weiter gehen!“

Der Mann ging in den Bazaar, aber eine Arbeit fand er nicht.  Da  schämte er sich nach Hause zurückzukehren. Seine Frau würde wieder mit ihm schimpfen. In seiner Not ging er ans Meeresufer und wollte sich ertränken. Zufällig flog gerade Simorgh an dieser Stelle vorbei und sah ihn. Er packte den Mann  und zog ihn aus dem Wasser hoch.  Da sah er, dass es ein armer Wicht ist. Er hatte Mitleid und fing einen Fisch für ihn.  

Der Mann ging in die Stadt zurück. Auf dem Heimweg kam ihm ein listiger Kerl in die Quere und sagte er werde den Fisch gegen zwei Sir Mehl umtauschen.  (Ein Sir ist ungefähr 75 g).  Der Mann freute sich und tauschte den Fisch gegen das Mehl ein. Zuhause sagte ihm seine Frau: „Das hättest du schon früher tun können.  Wenn du jeden Tag nur soviel Mehl bringst, kann ich den Hunger der Kinder stillen und werde nicht mehr nörgeln.“

An dem Abend schlief der Mann beruhigt ein. 

Am nächsten Morgen ging der Familienvater wieder auf den Bazaar um eine Arbeit zu suchen. Aber er fand keine und erneut überkam ihn Trübsal. Er ging zum Wasser um sich zu ertränken aber zum Glück flog der Simorgh gerade wieder vorbei. Er zog den Mann hoch und fing wieder einen Fisch für ihn. Da  schöpfte der Arme erneut Hoffnung. Doch  unterwegs beschwätzte ihn der hinterlistige Kerl vom Vortag erneut so sehr, dass er  bereit war, den Fisch für eine Handvoll Mehl herzugeben.

Als er das Mehl nach Hause brachte, sagte seine Frau: „Jetzt bist du ein guter Vater geworden. Wenn du jeden Abend etwas Mehl heimbringst, reicht es um die Kinder zu sättigen.“

Der Mann erzählte seiner Frau nicht, wie er an das Mehl gelangt war.

 Am dritten Tag ging er wieder hoffnungsvoll auf Arbeitssuche. Doch es gab keine Arbeit für ihn und er dachte:  Ich glaube es bleibt mir nichts anderes übrig als mich ins Meer zu werfen.“

 

  Der Simorgh sah diesen Mann  erneut ins Meer gehen und dachte:  „Hat der nichts anderes zu tun, als sich jeden Tag ins Wasser zu werfen. Was soll das? Wenn ich ihn rette, wird er morgen dasselbe tun!“

Doch als er ihn ertrinken sah, meldete sich sein Gewissen und er dachte:  „Ich bin schuld, wenn er ertrinkt, denn ich könnte ihn ja  retten.“ Schnell zog er den Ertrinkenden  aus dem Wasser und  fing wieder einen Fisch für ihn. Dann sagte er zu ihm: „Mensch!  Warum wirfst du dich jeden Tag ins Wasser? Der erste Fisch hätte dich doch von allen Sorgen befreien können!“

 

Der Mann wunderte sich: „Wieso?!  Ich habe doch nur 2 Sir Mehl dafür bekommen und auch für den zweiten nur eine Handvoll Mehl.  Was  ist das für ein Leben!!“

Der Simorgh rief: „Du Ahnungsloser! Beide Fische waren voller Gold und Silber! Auch dieser dritte! Hier, nimm ihn dir!“

                       

Der Mann drückte den dritten Fisch fest an sich und machte sich auf den Heimweg. Da kam wieder der listige Kerl auf ihn zu. Wieder bot er ihm an, den Fisch gegen eine Handvoll Mehl umzutauschen.

Der Mann aber lachte.  Da bot der andere ihm zwei Handvoll Mehl an. Wieder lachte der Mann mit dem Fisch. Soviel der andere ihm auch anbot, er war nicht zum Tausch bereit. Da versprach ihm der listige Kerl 1000 Dinar an. Aber auch die 1000 Dinar lehnte der Mann mit dem Fisch ab. Schließlich kam es zu einem kleinen Ringkampf. Da wurden sie beide  festgenommen und vor den König geführt.

 

Der König fragte: „Was ist los? Warum streitet ihr euch auf offener Straße?“

Der Mann mit dem Fisch sagte: „Ich hatte drei Fische, deren Bauch mit Gold und Silber angefüllt waren. Für den ersten  hat mir dieser Mann  2 Sir  und für den zweiten eine Handvoll Mehl gegeben und jetzt wollte er auch den dritten haben. Weil ich nicht auf ihn gehört habe, ist er handgreiflich geworden.

Der König befahl, dass die Fische herbeigeschafft werden. Als sie deren Bäuche öffneten, entdeckten sie darin lauter Edelsteine. Der König kam nicht aus dem Staunen heraus. Er sagte: „Erzähl mir wie du an diese Fische gelangt bist!“

Da erzählte der Mann alles  von A bis Z oder wie man auf gut Persisch sagt: „vom Knoblauch bis zur Zwiebel“. Er schilderte wie ihn der Simorgh  jedesmal  vor dem Ertrinken  gerettet und die drei Fische für ihn gefangen hatte. Da verlangte der König, dass der Mann  den Simorgh herbeibringt. Der arme Kerl ging bedrückt nach Hause.

Was danach passierte werden wir beim nächsten Mal erfahren.

 

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