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Samstag, 30 Januar 2016 07:23

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (95)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (95)
    Wir beginnen wieder mit einigen theoretischen Ausführungen über die Volksmärchen und danach folgt der letzte Teil der Geschichte von Malek Mohammad und dem einbeinigen Div.

               

Div ist der Oberbegriff für alle böswilligen  übernatürlichen Wesen wie zum Beispiel die Bösen unter den Dschinnen. Wir sagten, dass es Dschinne gibt, denn der Koran berichtet davon und es heißt dort, dass sie vor dem Menschen erschaffen wurden. Dschinne können den Blicken des Menschen verborgen bleiben, weil sie aus Feuer bestehen. Sie können auch unter die Haut eines Menschen oder Tieres schlüpfen und haben noch zahlreiche andere außergewöhnliche Eigenschaften und Fähigkeiten. Dschinne  können etwas voraussagen und sind über die Vergangenheit im Bilde.   Es heißt, dass sie der Erbauer einiger gewaltiger Bauwerke sind.  Sie können einen Menschen besiegen aber auch von einem  Menschen  durch Zauberkräfte unterworfen werden.

 

Es bestehen also Ähnlichkeiten zwischen einem Div und Dschinn. Aber sie sind nicht dasselbe. Dennoch vermischten sich der iranische Begriff vom Div und der arabische vom Dschinn. Im  persischen Sprachraum setzte sich der Begriff Div als  allgemeiner Oberbegriff für alle bösen, übernatürlichen Wesen durch.  Ähnlich war  in einigen Erzählungen aus der frühislamischen Geschichte der Dschinn Inbegriff aller übernatürlichen üblen Wesen wie: Riesen, Nasnas  (Schreckensgestalt) , Scheytan (Satan) Iblis (Erster Satan) Dawal pa (Zwirbelbein) , der Dschinn Umm Sibiyan,  der Mütterschrecken Aal, Doppelgänger (Hamzad) und sogar der Div.    

Die Vermischung  des iranischen und arabischen Begriffsinhaltes  mag an der Ähnlichkeit zwischen Dschinn und Div liegen.  

  Aber nun möchten wir uns der Geschichte von Malek Mohammad und dem einbeinigen Div zuwenden.

 

Es war einmal ein König, der hatte sieben Söhne . Der siebte davon war von einer zweiten Frau und hieß Malek Mohammad. Die sieben Söhne waren ausgezogen,um den Papagei im goldenen Käfig zu finden. Aber die sechs älteren waren beim Glücksspiel bettelarm geworden, während Malek Mohammad dem Div einen Fuß abgeschlagen  und auf diese Weise die Tochter des Königs vom Nachbarreich vor dem Div gerettet hatte. Der König gab ihm zur Belohnung seine Tochter zur Frau. Schließlich fand Malek Mohammad seine Brüder wieder und sie begaben sich gemeinsam auf die Suche nach dem Papagei. Unterwegs vermählte ein König seine sieben Töchter mit den  sieben Prinzen. Die sieben Brüder setzten aber ihre Suche fort.  Beinahe wären sie von einigen Peris ums Leben gebracht worden.  Die jüngste Peri rettete sie jedoch.  Malek Mohammad bat seine Brüder zu ihren Gemahlinnen zurückzukehren, weil  die Suche gefährlich ist. Er machte sich mit der jüngsten Peri auf den Weg zu der Stadt wo der Papagei in dem goldenen Käfig im Palast der Tochter des Königs der Peris (des Elfenkönigs ) war. Malek Mohammad musste durch mehrere Tore hindurch, die von Divs bewacht wurden.  Die Peri verwandelte sich in eine Taube und setzte sich auf die Zinnen des Palastes um zu sehen wie Malek Mohammad gegen die Dämone kämpft, die die Eingänge zum Palast der Feenprinzessin  bewachen.   Am ersten Eingang sah Malek Mohammad den Div stehen, dem er damals, als er die Prinzessin retten wollte, den Fuß abgeschlagen hatte.

 

Als der einbeinige Div Malek Mohamamd sah, begann er zu zittern. Aber Malek Mohammad beruhigte ihn: „Keine Angst. Ich werde dir nichts antun, wenn du mir ein Schreiben ausstellst, dass ich die nächsten 6 Eingänge passieren darf.“ Der Div sagte: „Du kannst 5 Eingänge passieren, aber am letzten Eingang wacht mein Bruder. Du musst für ihn Geschenke mitbringen.“ Malek Mohammad sagte: „ Dann gib mir von den Datteln und dem Halwa (Süßspeise aus Mehl und Fett) , die du von anderen als Bestechung erhalten hast .“

Der Div gab Malek Mohammad aus Angst um sein Leben einen Korb mit Datteln, ein Tablett mit  Halwa und den Passierschein.    

Malek Mohammad machte sich auf den Weg. Mit dem Passierschein wurde er durch alle Tore durchgelassen, bis er schließlich am siebten Tor angelangt war. Als der Div, der dort Wache hielt, den Passierschein sah , sagte er:  „Erst muss du mir etwas Süßes geben, damit ich dich durchlasse.“ Malek Mohammad sagte: „Öffne den Mund!“ Dann schüttete er dem Div die Datteln und den Halwa in den Rachen.  Der Div schmatzte und sagte zufrieden: „Kein schlechtes Geschenk! Du kannst weitergehen.“

 

Malek Mohammad betrat den Palast der Tochter des Königs der Peris.  Er sah sie schlafen und über ihr den goldenen Käfig mit dem Papagei hängen. Zu allen ihren vier Seiten brannten Lampen. Er verschob die 4 Lampen und legte einen Brief über den Kopf der Prinzessin. In diesem Brief stand: „O Tochter des Königs der Peris. Ich, Malek Mohammad, habe mir den Papagei in dem goldenen Käfig genommen.  Wenn du mich finden willst, dann musst du selber in mein Land kommen.“

Malek Mohammad verließ den Palast und die Stadt. Da kam auch schon die Peri. Sie freute sich, als sie den Käfig mit dem Papagei in der Hand des Prinzen sah. Sie  verwandelte sich wieder  in einen Vogel und trug Malek Mohammad durch die Luft. Sie flogen bis zu der Burg wo die Peri wohnte. Dort nahm sich Malek Mohammad sein Pferd, das Esstuch und das Blashorn und zusammen mit der Peri ritt er in die Stadt des Königs , der seine sieben Töchter mit den sieben Prinzen vermählt hatte.  

Malek Mohammad  machte sich mit seinen  Brüdern auf den Heimweg.  Schließich kamen sie in der Stadt an, in der der einbeinige Div die Leute erpresste. Malek Mohammad ging zum Palast des Königs  und am nächsten Tag zog er mit seiner Braut und mit ihrer Aussteuer und den 6 Brüdern und deren Gemahlinnen  weiter. Doch was machten die 6 Brüder?

              

Die 6 Brüder wussten, wenn Malek Mohammad mit dem goldenen Käfig und dem Papagei in der Hand bei ihrem Vater ankommt, wird er zum König gekrönt werden  und sie werden ein Leben lang  Untertan von Malek Mohammad sein. Also berieten sie miteinander, was sie mit ihrem Halbbruder anstellen sollen, damit sie den Käfig mit dem Papagei an sich reißen können. Schließlich kamen sie an einen Brunnen an.

Da sagten sie: „Einer muss in den Brunnen heruntersteigen und Wasser hochholen.“

Malek Mohammad sagte: „Ich werde es tun, denn ich bin der Jüngste von euch.“

Er stieg hinunter, füllte den Eimer mit Wasser und schickte ihn hoch.  Als alle -  Menschen und Pferde - ihren Durst gestillt hatten, stieg Malek Mohammad in den Eimer, damit die anderen in hochziehen. Seine Brüder zogen ihn bis zur Hälfte des Brunnes hoch, aber dann schnitten sie das Seil durch und Malek Mohammad fiel in den Brunner herunter. Nun waren die Brüder sich sicher dass sie ihn los sind. Zusammen mit ihren Frauen setzten sie den Weg  in ihre Stadt fort.  Ihren Frauen drohten sie: „Wer etwas über diese Geschichte verrät, der wird seinen Kopf verlieren.“ Und die Frauen versprachen, nichts ausplaudern. 

Malek Mohammad lag bewusstlos im Brunnen. Als er zu sich kam, taten ihm alle Glieder weh. Er blickte zum Brunnenloch hoch, da sah er einen Mann am Brunnen stehen , der warf einen Eimer runter, um Wasser aus dem Brunnen zu holen.  Er erblickte Malek Mohammad, der in den Eimer steigen wollte und rief: „Bei Gott! Wer bist du denn? Gib mir erst Wasser. Ich habe großen Durst. Dann  werde ich dir jeden Wunsch erfüllen.“

Malek Mohammad sagte: „Ich möchte nur, dass du mich aus dem Brunnen herausholst.“ Der Mann war einverstanden.  Malek Mohammad füllte also erst den Eimer mit Wasser und dann ließ der Fremde den Eimer wieder herunter und zog Malek Mohammad aus dem Brunnen heraus.  Malek Mohammad fragte den Fremden: „Wer bist du denn?“

Der sagte: „Ich bin ein Händler und bin in Indien gewesen. Jetzt will ich in meine Stadt zurück .  Komm lass uns zusammen gehen. Ich werde dich zu einem Arzt bringen, damit er dich behandelt.“

 Malek Mohamamd war einverstanden. Da fiel sein Blick auf  das Esstuch, die Darwischschale und das Blashorn. Seine Brüder hatten sie achtlos neben dem Brunnen liegen lassen, weil sie sie für wertlos hielten. Mohammad Malek sammelte sie ein und dann trat er mit dem Händler den Rückweg in seine Stadt an.

Liebe Freunde! Überrascht haben wir festgestellt, dass gemäß Autorin dieser Sendung,  das  Märchen von Malek Mohammad in dem Buch „Afsanehaje Irani“ an dieser Stelle endet. Eigentlich war ja zu erwarten, dass er und nicht seine untreuen Brüder  schließlich Nachfolger ihres Vaters wird und den Thron besteigt. Es  gibt auch eine andere mündliche Version, in der das tatsächlich passiert, wie auch immer.

 Aber das Märchen vom Helden  Malek Mohammad kann eigentlich auch an dieser Stelle zu Ende gehen,  weil er ja im Besitz der Zaubermacht des Esstuches, der Bettelschale und des Blashorns blieb, und damit der wahre Sieger und mächtiger als jeder König geworden war.

 

 

 

   

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