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Donnerstag, 21 Januar 2016 06:09

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (93)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (93)
Sie erinnern sich, dass wir von den Divs sprachen. In der Folklore  ist „div“ die Bezeichnung für alle übernatürlichen und gefährlichen Wesen und über Volksmärchen hinaus steht Div für Ahriman, Iblis, Satane, Riesen, Dschinne, Dawal Pa  und Nasnas  und weitere bösartige Wesen.

Dawal Pa und Nasnas sind Phantasiefiguren. Davon sieht der erste bis zur Taille wie ein Mensch aus, aber seine Beine sind ineinander verzwirbelt. Der zweite ist ein böses menschenähnliches  Wesen mt furchterregender Gestalt.

Im Schah Nama von Ferdowsi  sind der Teufel und Div in der Geschichte  vom Sahak Mardusch – einem König mit einer Schlange auf den Schultern –ein und dieselbe Person.    Über die Geschichte der Schlange, die dem Sahak aus der Schulter wuchs schreibt er erst dass Ahriman (der Teufel) sie hervorgerufen hat und dann  einige Doppelverse weiter erklärt er, dass es der Div war.  Außerdem verwendet Ferdowsi  an einer anderen Stelle des Buchs der König  den  Begriff Div-e Mardom womit er  gleichzeitig ein Nasnas, einen Dschin und Satan meint.

          

Zakariya Qazwini bezeichnet  in seinem Buch „Adschaib al Machluqat“ (die Kuriositäten unter den Geschöpfen)  die  Dschinne, Satane und Riesen als Div.  Zum Beispiel bezeichnet Qazwini einen Teufel namens  Menha als einen Div, der die frommen Gottesdiener zur Selbstverzückung verführen will, damit er sie vernichtet. Qazwini führt das Beispiel von einem frommen Mann an, der in einer Klause lebt. Er  erzählt: „Einmal hatte er einen Gast. Da erschien plötzlich  beim Fastenbrechen vor dem Gottesdiener eine Lampe  und etwas zu essen.  Der Gast fragte erstaunt, was es damit auf sich hat. Da sagte der Gottesdiener: `Das geht schon einige Tage so, damit ich mir einbilde, ich hätte es durch  spirituelle Größe bewirkt! Aber heute morgen habe ich begriffen dass es Satan ist, der dies tut.`  

Kaum hatte der Gottesdiener das gesagt, da verlöschte die Lampe und verschwand,“ so Qazwini weiter…

              

Und nun ist wieder unser Märchen an der Reihe:  Malek Mohammad und der einbeinige Div.  

 

Ein König hatte 6 Söhne von seiner ersten  und einen siebten namens Malek Mohammad von seiner zweiten Gemahlin. Er schickte seine sieben Söhne  auf die Suche nach dem Papagei im goldenen Käfig. Die ersten sechs Söhne  verloren beim Glücksspiel all ihr Geld und mussten betteln gehen oder hart arbeiten. Unterdessen hatte Malek Mohammad die Prinzessin eines anderen Königsreiches vor einem Div gerettet. Er hatte dem Div einen Fuss abgeschlagen und ihn verjagt. Malek Mohammad durfte die Prinzessin heiraten. In der  Stadt des Wesirs fand er seine Brüder wieder. Er gab sich ihnen zu erkennen und sie gingen gemeinsam auf die Suche nach dem Papagei im goldenen Käfig.  Sie kamen in ein anderes Königsreich und der König vermählte  seine sieben Töchter mit diesen sieben Prinzen. Die jüngste Prinzessin gab er dem  Malek Mohammad zur Frau . Aber Malek Mohammad sagte zu ihr: Ich habe einen wichtige Aufgabe vor mir, und muss mich auf den Weg machen um sie zu erfüllen. Es ist ein gefährlicher Weg. Wenn ich nicht mehr zurückkomme, dann sollst du wieder heiraten.“

Die anderen Brüder verbrachten einige Tage nach der Hochzeit in dieser Stadt und baten dann den König um Erlaubnis, auf Reisen zu gehen. Dann verabschiedeten sie sich von zuhause  und machten sich auf den Weg. Es vergingen einige Tage und Nächte, bis sie d schließlich am 4. Tag kurz vor Mittagszeit an einer Burg angelangten.  Malek warf ein Hakenseil auf die Mauer hoch, und stieg in Gedanken an Imam Ali auf die andere Seite der Burgmauer hinüber. Von innen öffnete er seinen Brüdern das Tor. In der Burg gab es sieben Ställe, und sieben Strohkrippen und sieben Kammern. In jeder Kammer stand ein Topf mit Reis auf dem Feuer.

Aber kein Mensch war zu sehen.

Malek Mohammad sagte: „Lasst uns jeder ein Zimmer nehmen. Es geschehe was Gott will!“

                         

Jeder ging in eine der Kammern . Malek Mohammad machten sich Sorgen wegen seiner Brüder.  Genau um die Mittagszeit betrat ein schönes Mädchen fröhlich das Zimmer von Malek Mohammad.  Es setzte sich in eine Ecke und begann zu weinen und zu schluchzen. Also fragte Malek Mohammad verwundert:  „Warum weinst du?“

Das Mädchen: „O Prinz Malek Mohammad! Ich bin die jüngste  von sieben Schwestern. Wir sind Peris (Elfen, Feen) und kennen alle Geheimnisse.   Wir wissen, dass du nach dem goldenen Käfig mit dem Papagei suchst. Du sollst wissen, dass wir beide füreinander bestimmt sind. Meine Schwestern sind neidisch auf mich und sie wollen dich töten.  Versteck dich zusammen mit deinen Brüdern, bevor sie kommen.“

Malek Mohammad sagte seinen Brüdern Bescheid und sie versteckten sich. Da kamen die sechs anderen Peris in ihre Kammern. Sie merkten dass jemand dort gewesen war. Sie  eilten also zu ihrer jüngsten Schwester und riefen: „Jemand war in unseren Kammern!   Du warst als erste hier und weißt bestimmt wer es war. Sag es uns oder wir bringen dich um.“

Da sagte die jüngste Peri : „Ich sag es euch, wenn ihr mir schwört, ihnen nichts anzutun.  Wir sollten sie lieber jeden Tag auf die Jagd schicken. Dann brauchen wir das selber nicht mehr zu tun und können uns bequem ausruhen.“

Die Schwestern nahmen den Vorschlag an.

            

Die jüngste Peri ging Malek Mohammad und seine Brüder holen und sagte zu ihnen: „Ich habe euer Leben gegenüber der Bedingung erkauft, dass ihr sofort auf die Jagd für uns geht!“

Malek Mohammad und seine Brüder waren einverstanden, sie bestiegen ihre Pferde.

Die kleine Peri raunte Malek Mohammad ins Ohr : „Macht euch schnell auf und davon, sonst werdet ihr euer Leben verlieren. Wenn ihr in diese Richtung geht, kommt ihr an einen Fluss an und dann können meine Schwestern euch nichts mehr antun.“ Dann zupfte sie sich ein Haar aus, gab es Malek Mohamamd und sagte: „O Malek Mohammad. Solltest du einmal Sehnsucht nach mir haben oder in Not geraten sein,  dann streiche über dieses Haar und ich werde sofort kommen.“„ 

Die sieben Brüder machten sich auf den Weg:  dem Anschein nach, um auf die Jagd zu gehen. Aber sie hatten es eilig den Fluß zu erreichen.  Unterdessen saßen die sieben Schwestern zusammen und unterhielten sich angeregt.  Sie warteten darauf, dass die sieben Prinzen von der Jagd zurückkehren. Nach einiger Zeit sagte die älteste von den sieben Schwestern.  „Lasst uns vom Dach aus sehen, was sie tun.“ Sofort sprang ihre jüngste Schwester auf und rannte mit dem Fernrohr aufs Dach.  Sie sah, dass Malek Mohammad und seine Brüder noch nicht am Fluss angelangt waren.  Also ging sie zu den anderen zurück und sagte: „Sie sind noch auf der Jagd.“

 

Die Schwestern unterhielten sich weiter. Doch bald  wollte die große Schwester wieder aufs Dach steigen.  Wieder kam ihr  die Jüngste  zuvor und stieg schnell aufs Dach. Sie sah durch das Fernrohr, dass die Brüder immer noch nicht beim Fluss  angelangt sind. Als  sie zurückkam, sagte sie zu ihrer großen Schwester: „Sie sind auf dem Rückweg.“

Alsdann unterhielten sich die Schwestern weiter, bis es schließlich kurz vor Sonnenuntergang war.

  Die große Schwester nahm sich diesmal selber das Fernrohr, stieg aufs Dach und sah, dass die sieben Brüder nahe beim Fluss sind.  Da wusste sie was los ist, stieß sie einen spitzen Schrei aus, und alle sieben Schwestern schwangen sich auf ihr Pferd und ritten den sieben Prinzen hinterher.

                

Malek Mohammad dachte unterwegs die ganze Zeit an die Worte der kleinen Peri und als er hinter sich sah, erblickte er plötzlich die sieben Schwestern. Da schickte er seine Halbbrüder voraus, damit sie sich retten.  Sie sagten : „Wieso bleibst du zurück? Sie werden uns doch gleich einholen!“ Aber Malek Mohammad sagte: „Zieht bitte weiter: Es ist nicht schlimm wenn ich  sterbe ich bin ja nicht euer leiblicher Bruder. Aber wenn einer von euch getötet wird, wird es für euch alle schlimm sein!"  

Die sechs Brüder  erreichten den Fluss und führten ihre Pferde durch das Wasser. Aber als Malek Mohammad dies tun wollte,  hatte ihn die große Peri eingeholt  und hielt den Schwanz seines Pferdes fest.

Die kleine Schwester zog den Säbel. Sie schnitt dem Pferd von Malek Mohammad den Schweif ab und Malek Mohammad konnte entkommen.

Die große Peri schimpfte mit ihrer jüngsten Schwester: „Was hast du nur gemacht!?“

Die kleine Schwester antwortete: „O Schwester! Gott hat es so gewollt, dass sie uns entfliehen.  Ich wollte ihm mit dem Säbel auf den Kopf schlagen aber mein Säbel hat den Schwanz des Pferdes getroffen. Nun ist es einmal geschehen, und es lässt sich nichts mehr machen.“

Die Peris durften nicht den Fluss überqueren und so kehrten sie verärgert in ihre Burg zurück.

Malek Mohammad und seine Brüder waren am anderen Ufer des Flusses angelangt. Er sagte zu ihnen:

„Meine Brüder! Wir sind noch einmal mit dem Leben davon gekommen. Kehrt  zu euren Gemahlinnen zurück. Ich werde alleine nach dem Käfig mit dem Papagei suchen. Und wenn ich heil zurückkehre, ziehen wir gemeinsam in  die Heimat.  Die Brüder waren einverstanden. ...    

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