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Montag, 18 Januar 2016 06:14

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (92)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (92)
  Auch heute geht es um die Figur des Divs in den iranischen Volksmärchen mythologischen Ursprungs. Sie wissen, dass dieser Dämon die Ausgeburt des Bösen ist und eine Lebensflasche besitzt, Menschenfleisch verzehrt und sich verwandeln kann.

 

Diese Dämone werden in den Mythen vom Helden unterworfen. Der besiegte Div muss dem Helden dienen.  Um einen Dämon zu unterwerfen müssen ihm Metallringe oder Hufeisen übers Ohr gehängt werden. Das macht sie zahm und für immer untertan. Der Div liefert dem Helden etwas aus, zum Beispiel ein Haar oder eine Feder. Dieser muss das Haar oder diese Feder anzünden, wenn er will, dass der Div erscheint.

Im Schah Nama des Ferdowsi stellen sich einige Divs in den Dienst des legendären Nationalhelden Rostam und helfen ihm aus schwierigen Lagen heraus. Zum Beispiel helfen  die Dämone  Aulad   und Arzhang  dem Rostam, nachdem er sie besiegt hat, die Haft Khan (die sieben Prüfungen) erfolgreich hinter sich zu bringen.  Auch in den mythologischen Volksmärchen, die stark vom Schah Nama beeinflusst sind, begegnen wir hin und wieder einem Div, der sich in den Dienst eines Helden stellt. Im Eskandar nama des Manutschehr Khan Hakim hilft  ein besiegter Dämon dem  Saadan Pahlavan bei der Suche nach einem Schatz..  Auch verteidigt der Div, den Sohn des Eskandar (Alexander), Taifur.

        

Ein  Div tritt in Form einer Windhose  in Erscheinung und verschwindet auf die gleiche Weise. Das nennt sich auf Persisch: „tanureh keschidan“ bedeutet : der Div bewegt sich mit raschen Selbstumdrehungen durch die Luft. In vielen Volksmärchen kommt daher oft der Satz vor: Der Div wirbelte um sich selber herum und stieg in die Luft.  Übrigens sagt man deshalb im Persischen auch anstelle von Gerdbaad (wörtlich: runder Wind –gleich Wirbelwind) auch Div-Baad. (Div-Wind). Wenn der Schatten eines Divs auf jemanden fällt, jemanden den Div sieht  und sich vor ihm fürchtet oder der Div in seinen Leib schlüpft, dann heißt es dass diese Person Divsadeh oder Diwaneh ist, d.h. ihr Verhalten ist wie das eines Divs oder ein Div steckt in ihr.   

In der iranischen Mythologie sind die Divs Zauberer. Im Schah Nama des Ferdowsis  lässt der Weiße Dämon in der Episode  Kay Kavous  eine schwarze Wolke über dem Heer der Iraner aufziehen und schließlich alle erblinden. In den Volksmärchen können  Dämonen andere verhexen.

                

Damit sei der Theorie für dieses Mal Genüge getan. Wir sollten uns nun der Fortsetzung des  Volksmärchens „Malek Mohammad und der einbeinige Div“ zuwenden.

 

Sie erinnern sich, dass ein König demjenigen von seinen sieben Söhnen die Thronfolge versprach, der  ihm den goldenen Käfig mit dem Papagei beschafft. Malek Mohammad, der jüngste der Prinzen und Stiefbruder  der anderen – hatte auf der Suche nach dem Papagei  in einer anderen Stadt die Tochter des Königs vor dem Div gerettet. Er hatte diesem Div einen Fuß abgeschlagen und der König hatte ihn mit seiner Tochter vermählt.  Der Wezir , der die Prinzessin für seinen Sohn gewollt hatte versuchte Malek Mohammad zu verleumden, doch dafür büßte er seine Zunge ein.  Während die Stiefbrüder von Malek Mohammad auf ihrer Reise ihr Geld verspielt hatten und arbeiten oder betteln mussten, war Malek Mohammad Schwiegersohn des Königs geworden.

 Einen Tag nach der Vermählung wollte sich Malek Mohammad die Stadt des Wesirs anschauen. Der König schickte ihm Geleitsleute und Soldaten mit.

                         Unterdessen arbeiteten die sechs Brüder von Malek Mohammad in der Stadt des Königs als Gehilfen  oder sie gingen betteln.  Als  sie erfuhren dass der Schwiergersohn des Königs  sich die Stadt des Wesirs anschauen will, gingen sie auch in die Stadt. Die drei Brüder, die betteln gingen,   sagten zueinander: „Die Stadt des Wesirs hat drei Tore. Jeder von uns stellt sich vor ein Tor, bereitet eine Wasserpfeife vor und überreicht sie dem Schwiegersohn des Königs. Das wird ihm vielleicht gefallen und er wird uns eine Gunst erweisen.“

 

Malek Mohammad kam am ersten Tor vorbei. Er sah schon von weitem dort einen Jüngling mit einer Wassserpfeife in der Hand stehen. Der Jüngling trat vor und Malek Mohammad erkannte ihn. Aber sein Bruder erkannte ihn nicht. Er gab Malek Mohammad  die Wasserpfeife. Der  nahm  ein paar Züge, gab die Wasserpfeife zurück und ritt weiter. Am zweiten und dritten Tor ereignete sich das Gleiche. Malek Mohammad ließ sich nichts anmerken, nahm ein paar Züge aus der Wasserpfeife, die ihm seine beiden anderen Brüder anboten und ritt weiter. Auch diese Brüder erkannten ihn nicht, aber Malek Mohammad erkannte sie.

 

 Malek Mohammad ritt zu dem Stadtplatz, wo das Fest anlässlich seines Besuches stattfinden sollte. Er stieg vom Pferd ab und setzte sich auf den vergoldeten  Sitz.

Da sah er wie der Besitzer des Badehauses seinem Gehilfen eine Ohrfeige versetzte und dabei rief: „Du Stümper! Gleich will der Schwiegersohn des Schahs ins Bad kommen und du stehst hier noch tatenlos herum! Heize sofort das Bad auf!“

Als Malek Mohammad genauer hinsah, erkannte er in dem Bademeisterlehrling seinen eigenen Bruder.

Da sah er aber auf der anderen Seite, wie der Koch seinem Lehrling gerade eine Ohrfeige versetzt und hörte diesen schimpfen: „Gleich ist Mittag und der Schwiegersohn des Königs will etwas zu Essen von mir. Und du stehst hier tatenlos herum!“ Malek Mohammad  schaute wieder genauer hin und   stellte fest, dass der Lehrling des Kochs sein eigener Bruder ist.

 

 Da drehte er sich nach dem Geschäft des Kaleh-Pas um, der gerade seinem Gehilfen eine Ohrfeige versetzte und schrie: „Morgen früh wird der Schwiegersohn des Königs von mir ein Kaaleh paatscheh (kräftigende Speise aus Schafskopf und –keulen zubereitet)  verlangen. Was stehst du also hier herum?!“

Auch diesmal  merkte Malek Mohammad, dass der Gehilfe des Schafskopfkoches sein Bruder ist. Da  konnte er es nicht mehr aushalten und befahl den Soldaten  die Stadt des Wesirs anzugreifen.

 

Der Wesir, der seine Zunge eingebüßt hatte, kniete vor Malek Mohammad nieder und mit Gesten flehte er ihn an, dass er seine Soldaten zurückhalten soll. Da sagte Malek Mohammad: „Das tu ich nur, wenn  du den Koch, den Bademeister und den Kaleh-Pas holen lässt.“

Der Wesir ließ die drei holen und da befahl Malek Mohammad, dass ihnen eine gründliche Prügel erteilt wird, damit sie nicht mehr wehrlose Gehilfen schlagen.  

 

Malek Mohammad, der seine Brüder gut kannte, wusste, dass sie das Glücksspiel liebten und dachte,  ihr Geld ist bestimmt bei den Glücksspielbetreibern, sonst müssten sie jetzt nicht schuften und betteln. Also ließ er alle  Glücksspielbetreiber rufen und gründlich verprügeln. Dann sagte er, indem er auf seine drei Brüder zeigte:  „Gebt ihnen alles zurück!“

Die Glücksspielbetreiber händigten ängstlich alle Juwellen und Goldmünzen, die sie den drei Fremden abgenommen hatten, wieder aus.

Malek Mohammad  befahl, dass auch die drei Bettler vor den drei Stadttoren herbeigeholt werden. Als sie kamen,

zog Malek Mohamamd  seine 6 Bruder in einen stillen Winkel und sagte: „Schaut mich gut an! Ich bin euer Bruder!“

Da ging den Brüdern von Malek Mohammad ein Licht auf. Beschämt senkten sie den Kopf. Aber Malek Mohammad wollte nicht, dass sie sich noch mehr schämen und sagte: „Es ist etwas passiert, was nicht hätte passieren sollen! Aber kehrt nun mit mir in die Stadt des Königs zurück!“ Dann befahl er, dass seine Brüder in Prinzengewänder gekleidet werden. Sie zogen mit Malek Mohammad in die Stadt des Königs zurück und kehrten im Palast ein.

Malek Mohammad sagte zum König: „Majestät! Meine Brüder sind gekommen und ich muss mit ihnen fortziehen und den goldenen Käfig mit dem Papagei finden.

               

Der König gestattete Malek Mohammad, dass er mit seinen Brüdern weiterzieht. Die sieben Brüder machten sich auf den Weg bis sie schließlich in die Nähe einer Stadt kamen.  Zufällig sah der König dieser Stadt vom Palastdach  aus die sieben jungen Reiter herbeikommen. Er dachte bei sich:  „Sie sehen aus wie Adelige. Ich werde meine sieben Töchter an diese Jünglinge vergeben!“

Der König schickte Malek Mohammad und seinen Brüdern einige seiner Leute entgegen. Diese führten die Fremdlinge in die Stadt. Der König war hocherfreut als er erfuhr, dass alle sieben Brüder Königssöhne sind. Nachdem er ihnen einen Gastmahl bereitet hatte,  sagte er: „Ihr Prinzen: Ihr sollt wissen, dass ich sieben Töchter habe und sie mit euch vermählen will.“

Malek Mohammad und seine Brüder nahmen den Vorschlag an. Da ließ der König die Stadt schmücken. Es wurde 7 Tage und Nächte lang gefeiert und am 7. Abend vermählte der König seine 7 Töchter mit den 7 Brüdern.

Fortsetzung folgt

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