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Sonntag, 03 Januar 2016 12:03

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (89)

Volkstümliche Erzählungen aus dem Iran (89)
  Wir beginnen heute ein neues iranisches Volksmärchen. Zuvor aber erst wie immer unser theoretischer Teil.Wir haben von den Dämonen in den iranischen Volksmärchen gesprochen.

Es sind übernatürliche Wesen und in der iranischen Mythologie treten sie als Verkörperung des Bösen auf und leben  unter der Erde.  Dämone sind in der mündlichen und schriftlichen Persisch-Literatur  die Helfer des Ahriman – des Bösen, oder sie sind seine Geschöpfe  oder sogar sie selber sind Ahriman- der zerstörerische Geist.  Ein Dämon – zu Persisch Div – ist hässlich und ähnelt keinem Menschen. Meistens hat er mehre Köpfe sowie Hörner, einen Schwanz und riesige Ohren. Die dunkle Haut ist pelzig behaart, zwischen den schwulstigen Lippen ragen lange Zähne wie die Hauer eines Wildschweines hervor. Manche Dämonen sind blauäugig. 

Der Dämon ist meistens dumm , manchmal aber auch listig.  Dämonen sind oft Menschenfresser.  Sie bemerken schnell den Geruch von Menschen. Allerdings tritt diese   Eigenschaft  erst in den  Volksmärchen auf. In der bekannten  mythologischen Werken ist sie nicht anzutreffen.

Diese menschenfressenden Dämonen lassen sich jedoch sehr leicht von dem Helden der Geschichte überrumpeln.

Die Dämonen in den iranischen Volksmärchen (die Divs)  können auch zaubern und ihnen stehen andere Waffen zur Verfügung als den Menschen. Sie können  ständig in eine andere Gestalt schlüpfen: Oftmals verwandeln sie sich in Tiere wie  Esel, eine Schlange, ein Reh, ein Pferd, oder auch in einen Drachen oder Löwen. Manchmal treten sie auch in Gestalt einer schönen Frau auf.

Der iranische Literatur Abu Taher Tarsusi , der im 12. Jahrhundert nach Christus gelebt hat, schreibt in seinem Werk  „Darab Nama“ : „Als der Held der Geschichte einer weißen und einer schwarzen Schlange begegnet und die  schwarze tötet, sagt die weiße Schlange zu ihm: Ich gehören zu den Peris (Elfen) und die schwarze Schlange, die du getötet hast, ist ein Dämon.  Seine Heimat liegt hinter den Bergen und der riesige Drache, der aus dem Gebirge herausschaut und aus diesem Meer trinkt ist in Wirklichkeit ein Dämon der in die Haut eines Drachens geschlüpft ist.“

Die Dämonen in diesen mythologischen Märchen sind Diebe. In dem Märchen Malek Dschamschid und der Div, der Äpfel stohl,  hält ein Dämon ein junges Mädchen, das er entführt hat, sieben Jahre lang in einem Brunnen gefangen.

Wenn ein Dämon ein junges Mädchen entführt und es ihn nicht heiraten will, dann wird es vom Dämon verhext. In der langen Erzählung „Amir Arsalan-Namdar, tauchen viele eigenartige Weisen auf, der bekannteste von ihnen ist Fulad Zareh Diw – der Stahlschild-Dämon. Zusammen mit seiner Mutter die ebenso  eine Dämonin und eine Zauberin ist, führt er einen Kampf gegen die anderen. Ein großer Teil dieser Geschichte handelt von der Hexerei und ihren Kämpfen.  Ein weiteres furchterregendes Wesen ist Alhak Div . Alhak Div hat selbst vor dem Stahlschild-Dämon keine Angst und lässt ihn nicht in Ruhe.

          

Soweit für heute über die Theorie von der iranischen Märchenfigur des Dämons. Es folgt nun die Volkserzählung Malek Mohammad wa Div jek Pa – „Malek Mohammad und der einbeinige Dämon“.

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Es war einer und einer war nicht. Außer Gott war keiner!

Mit diesem wörtlich übersetzten Spruch beginnt jedes iranische Märchen.

Also: Es war einmal in alten Zeiten ein König, der hatte sieben Söhne.  Sechs Söhne waren von einer Frau und der siebte von einer anderen. Der König nannte diesen siebten Stiefbruder „Malek Mohammad“.  Eines Tages hatte der König einen Traum: Er sah über seinem Kopf einen goldenen Käfig mit einem wunderschönen Papagei. Als er aufwachte, grübelte er lange darüber nach, was dieser Traum zu bedeuten habe.  Einerseits liebte der König Papageien und so hegte er nach dem Traum den Wunsch, dass ihm sobald wie möglich der goldene Käfig  mit dem schönen Papagei gehöre werde und auf der anderen Seite hatte er schon seit langem vor , selber einen seiner Söhne zum Nachfolger zu ernennen,  damit sie  sich nicht nach ihm  um die Macht streiten. Nach diesem Traum kam er auf den Gedanken alle sieben Söhne auf die Probe zu stellen um seinen Nachfolger zu bestimmen.

                     

Der König rief seine sieben Söhne und sagt: „Ihr seid alle sieben meine Söhne und für mich alle gleich und ich weiß nicht, wem von euch ich den Thron und meine Krone überlassen soll.  Ihr müsst mir den Papagei im goldenen Käfig bringen. Wer das tut, der wird nach mir König werden.“

 

Die sechs leiblichen Brüder sprangen sofort auf und machten sich auf den Weg, damit sie den Papagei und den goldenen Käfig herbeischaffen. Sie gingen von Stadt zu Stadt und von Land zu Land und fragten überall nach dem Papagei im goldenen Käfig. Aber schließlich kehrten sie mit leeren Händen zurück. Sie sagten: „Majestät! Wir haben die ganze Welt abgesucht, aber nicht gefunden was du gerne haben möchtest.“

Der König wurde nachdenklich. Vielleicht hatte er seinen Söhnen eine Aufgabe gestelt, die sie gar nicht erfüllen können. Da aber stand sein siebter Sohn, Malek Mohammad auf und sagt: „Werter Vater! Wenn du es mir erlaubst, werde ich ausziehen und den Papagei im goldenen Käfig suchen.“

Der König sagte: „Obwohl deine  Brüder zu sechs waren und älter sind als  du, haben sie nichts erreicht. Nun willst du es ganz alleine schaffen?“

Malek Mohammad antwortete: „Auch ich werde jetzt danach suchen und vielleicht will Gott, dass ich es bin, der diesen Papagei und den Käfig findet.“  Der König sagte: „Gut dann gehe, wenn du darauf bestehst. Wenn du sie herbeibringst, wirst du König werden.“

Malek Mohammad schnürte also sein Reisebündel. Er steckte auch einige Juwellen ein und dann sattelte er sein Pferd und ritt davon.

              

Doch was machten die Brüder von Malek Mohammad?. Der älteste von ihnen war am eifersüchtigsten . Er versammelte die anderen und sagte:“Ich bin mir sicher, dass Malek Mohammad den Papagei und den goldenen Käfig herbeibringen wird. Kommt lasst uns hinter Malek Mohammad herreiten. Nicht dass wir leer ausgehen.“

Die anderen Brüder waren einverstanden. Sie bestiegen ihre Pferde und verfolgten ihren Stiefbruder wie ein Schatten. Schließen überraschten sie ihn in einer einsamen Ebene. Sie rissen Malek Mohammad vom Pferd herunter und verprügelten ihn . Bevor sie wegritten schoben sie dem halbtoten Bruder noch die Satteltasche mit den Juwellen unter den Kopf, damit jemand der seine Leiche findet damit seinen Leichentuch und sein Begräbnis bezahlt. 

Es wurde dunkel und Malek Mohammad lag immer noch regungslos auf dem Boden. Im Traum begegnete er   Imam Ali (a) . Der Imam sagte zu ihm:  „Jüngling! Steh auf und schnall deinen Gürtel fest.“

Malek Mohammad, der sich vorher noch nicht einmal vom Fleck rühren konnte, fühlte sich plötzlich ganz gesund und stand vor dem Imam auf. „Der Imam sagte zu ihm“: Ab nun sagt immer `O Ali!` wenn es ein Problem gibt. Dann wird es gelöst werden!“

Nachdem der Imam des gesagt hatte, wurde er unsichtbar.     

Und Malek Mohammad wachte auf. Da sah er dass  sein Körper völlig heilig ist und an keiner Stelle schmerzt. Er blickte um sich und sah sein Pferd auf ihn warten. Malek Mohammad freute er sich. Er bestieg sein Pferd mit Zuversicht und machte sich, von einer neuen Kraft beflügelt, auf den Weg.

Die  sechs Brüder Malek Mohammads waren unterdessen  in einer anderen Stadt angelangt.  Sie machten einen kleinen Ausflug durch die Stadt und zufällig gerieten sie in die Gasse, wo die Glücksspieler waren. Da sie das Glücksspiel liebten  und vergessen wollten, dass sie ihren Bruder Malek Mohammad verprügelt hatten, gingen sie ins Spielhaus. Im Nu hatten sie alles Geld verloren und besaßen noch nicht einmal mehr das Geld für eine Übernachtung.  Drei von ihnen gingen betteln und die drei anderen gingen arbeiten: Einer  beim   Kaleh-Paz (dem Schafskopfkoch),  einer im Badehaus und der dritte als Kochlehrling.

          

 

Zufällig kam Malek Mohammad in dieser Nacht in dieselbe Stadt wo drei seiner Brüder bettelte. Es war schon dunkel. Malek Mohammad erkannte niemanden. Auf der Suche nach einer Bleibe, klopfte er bei  einer alten Frau an. Die öffnete ihm die Tür.

Malek Mohammad sagte: „ O Mütterchen, ich bin fremd in dieser Stadt und weiß nicht wo ich bleiben kann. Kann ich vielleicht diese Nacht in deinem Haus verbringen?“

Die alte Frau blickte ihn an. Er  schien ihr ein Edelmann zu sein.  Da fasste sie sich ein Herz und sagte: „Mein Jüngling! Wenn es dir bei den Armen gefällt, kannst du gerne bleiben!“

Malek Mohammad trat ein. Die alte Frau lebte mit ihrer einzigen Tochter zusammen. Malek Mohammad bemerkte wie arm sie sind.  Da nahm er ein Schmuckstück aus seiner Satteltasche und sagte zu ihr: Das kannst du verkaufen und mit dem Geld ein gutes Essen für euch und mich  kochen.

...

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

 

 

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