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Sonntag, 10 März 2013 04:23

Noruz in der iranischen Folklore (1) (musikalische Noruzbräuche)

Noruz in der iranischen Folklore (1) (musikalische Noruzbräuche)
  Ein wichtiger Teil der Folklore eines Volkes ist die Folklore zu Kalenderereignissen, nämlich Bräuche, Zeremonien und Ansichten, die für ein bestimmte Zeit im Jahr gelten. Diese Folklore ist eine wichtige Quelle für die mündliche Volksliteratur.
Sie ist im Iran umfassend. Ein Teil von ihr wurzelt in der vorislamischen Geschichte und Kultur der Iraner und ein anderer beinhaltet ihre islamischen Überzeugungen. Die Bräuche vor und nach dem Islam haben sich oftmals miteinander vermischt und gegenseitig beeinflusst.

 

Das Noruzfest wird gemäß dem iranischen Sonnenkalender begangen. Es geht auf alte Mythen zurück, ließ sich aber, nachdem die Iraner Muslime wurden, erheblich vom Islam beeinflussen, wie man zum Beispiel an dem arabischen Gebet zum Jahreswechsel sieht, oder daran, dass der Koran und der Gebetsstein und Gebetsteppich auf das festliche Noruz-Tuch gelegt werden.

 

Noruz nimmt im Volksmund der Iraner einen wichtigen Platz ein. In vielen Teilen des Volksmundes spiegeln sich die Noruz-Sitten und –Überzeugungen wieder , zum Beispiel in Gedichten, Märchen, Mathal (Parabeln und Sprichwörtern), Gebeten und Hymnen.

In zwei Beiträgen werden wir uns speziell mit den Noruzliedern , die sich Noruzchaani nennen befassen und außerdem Noruzerzählungen und –märchen betrachten.

Leider wurden nicht alle Erzählungen , Parabeln und Gedichte , die zu Noruz unter den Iranern üblich waren schriftlich festgehalten.

Ein besondere Noruzbrauch im Iran ist das Noruzchaani - das heißt der Gesang von Liedern und Melodien zum Neuen Jahr. Dieser Brauch dient dazu, den Frühling anzukündigen und ist seit alten Zeiten in den verschiedenen Teilen Irans in unterschiedlicher Form üblich gewesen.

In seinem Buch über die Musikgeschichte schreibt Hussein Maschhun über das Noruzchaani, dass diese Noruzlieder in vielen iranischen Städten, insbesondere in den nördlichen Provinzen Gilan, Mazanderan und Gorgan (heute Golestan) vor und während des Neujahrs gesungen wurden und schon sehr alt sind.

 

Trotz der gesellschaftlichen Entwicklungen und dem Einfluss der Technik auf das Leben der Menschen in der Stadt und auf dem Land , ist immer noch hier und da im Iran das Noruzchaani Brauch. Schon vor dem Anbruch des Frühlings wird durch die Noruzlieder auf den Straßen und vor den Häusern das herannahende Noruzfest angekündigt. Gesungen wurden und werden sie meistens von zwei oder mehreren jungen Leuten. Oder auch von Kindern: Der polnische Iranist Aleksander Chodzko (1804 – 1891), der als russischer Diplomat eine Zeitlang im Iran gelebt hat, erwähnt in seinem Buch mit dem Titel „Beispiele für Volksdichtung im Land der Perser“ das Noruzchaani und schreibt, dass die Kinder an die Häuser kommen, Noruzlieder singen und ein gutes neues Jahr wünschen.

 

Die Noruzsinger ziehen meistens 15 Tage vor dem Noruzfest durch die Straßen. In ihren Liedern besingen sie Noruz und den Frühling, die Propheten und die Imame . Ihre Lieder enthalten auch Gebete. Das Noruzchaani wird gemeinsam gesungen: Einer ist der Vorsänger und mindestens ein zweiter begleitet ihn auf einem Instrument und mit Gesang. Der Vorsänger stimmt je nach dem wer, für wen sie ihr Ständchen halten, ein besonderes Lied an und dann folgen ihm die anderen im Chor. Manchmal singen alle von vorneherein im Chor.

Ein bekanntes Noruzlied , das im Kern aus der Zeit vor dem Islam stammt, hat zum Beispiel folgenden Text:

Gol dar Golestan amad, bolbol be bustan amad , ey umat-e Mohammad Noruz-e Sultan amad.

Die Blume ist in den Garten gekommen, die Nachtigall in den Rosengarten, o Volk des Mohammad, Sultan Noruz ist gekommen

Der antike Brauch des Noruzchaanis dient zwar der Unterhaltung aber auch der Pflege der iranischen Kultur.

Noruz ist ein ewiges Erbe. Die Noruzlieder sorgen für Fröhlichkeit. Da das Noruzchaani im Freien stattfindet, müssen die Begleitinstrumente laut genug sein. Daher wird in die Sorna (eine Art Oboe) geblasen und eine größere Trommel geschlagen.

 

Die Reime eines Noruzchaanis sind sehr einfach gestaltet. Sie wurde von normalen Bürgern gedichtet. Musikanten und Dichter sind Laien. Öfters wird im Liedtext ein kurzer Satz wiederholt. Natürlich ist das Noruzchaani von der in der jeweiligen Gegend üblichen Folklore geprägt. Meistens besteht der Text aus einem Wechsel zwischen Fragen und Antworten.

Oft ist es die Zusammenfassung von Geschichten.

Immer handeln sie vom herannahenden Frühling und seit Jahrhunderten kündigt das Noruzchaani an, dass der kalte Winter zu Ende geht , das Wetter wieder warm wird und die Pflanzen gedeihen und Blüten tragen werden.

In den Reimen der Noruzchaani geht es immer um Frühling und das Neue Jahr, um die Lobpreisung des Schöpfers und die Beschreibung der Natur, die Beschreibung des Propheten und der Imame und dessen bzw. deren Ehrung.

Die schriftlich festgehaltenen Beispiele für Noruzgedichte zeigen, dass es sich im Kern um kleine gereimte Lieder mit patriotischem iranischem Charakter handeln . Die meisten Noruz-Sänger – die Noruzchaan halten sich an die alte iranische Musik-Tradition der Improvisation . Ein guter Noruz-Sänger ist daran zu erkennen, wie gut er improvisieren kann.

 

In den meisten Gegenden von Iran, insbesondere im Elborsgebiege im Norden ist es üblich dass sich der Noruzsänger zum Schluss in eine paar Stegreif-Reimen seinen Namen und seinen Heimatort nennt. Dann fordert er seine Begleiter auf, sich ebenso in ein paar Reimen vorzustellen und über ihren Beruf und ihren Stand zu berichten.

Einige Noruzsänger dichten aus dem Stegreif ein paar lustige Reime, wenn die Leute vor deren Haustür oder Geschäftsladen sie gesungen haben, kein Trinkgeld geben.

Dauernd kommt im Noruzgesang das Wort Noruz und Frühling vor, besonders natürlich das Wort Noruz.

 

Eyde churamun umad – schadi wa chandun umad, modschdeh dehi be dustan – noruz sultun umad –

Unser grünes Fest ist gekommen, fröhlich und lachend ist es gekommen – gebt den Freunden schöne Nachricht – Sultan Noruz ist gekommen.

 

Soweit über die Noruzlieder. Im zweiten Beitrag werden wir über die Geschichten und Märchen zu Noruz sprechen. Wir wünschen Ihnen eine frohe Zeit, so grün wie der Frühling.

 

 

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