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Sonntag, 24 Februar 2013 07:52

Volkstümliche Erzählungen aus Iran Teil 12

Volkstümliche Erzählungen aus Iran  Teil 12
  Wir  begrüßen Sie zu einem weiteren Teil unseres Beitrages über die Volkstümlichen Erzählungen. Eine Art davon ist das Matal, eine kurze Geschichte,unterhaltsam und oftmals in rythmischen Reimen für Kinder, in denen von Tieren, der Natur und den Menschen die Rede ist. Eines der ältestens iranischen Kurzgeschichten dieser Art ist
„dawidam wa dawidam“ – ich bin gelaufen und gelaufen. Es ist ein Matal in Liedform – das sich Taraneh-Matal nennt, und handelt davon, dass man etwas hergibt und etwas anderes dafür erhält. Einige Teile dieses Matals treffen zwar nicht mehr auf das heutige Leben zu, dennoch besitzt dieses Matal immer noch Anziehungenskraft für Kinder. Es gibt je nachdem wo man sich im Iran befindet verschiedene Versionen von dem matal „dawidam wa dawidam“ Wir haben die Teheraner Version ausgesucht.

 

dawidam wa dawidam: – ich bin gelaufen und gelaufen

Sar-e kui residam,

Da bin ich an einem Berg angekommen

Do ta chatuno didam – ich sah zwei Frauen

Jekisch be man nun dad – die eine gab mir ein Brot

Jekisch be man Ab dad – die andere gab mir Wasser

Nuno chodam chordam – das Brot hab ich gegessen

Abo dadam be Sahra – das Wasser habe ich der Steppe zu Trinken gegeben

Sahra be man alaf dad – die Steppe gab mir Gras

Alafo dadam be bosi - das Gras gab ich der Ziege –

Bosi be man Schir dad die Ziege gab mir Milch

Schiru dadam be baqal – die Milch gab ich dem Krämer

Baqaal be man mawis dad – der Krämer gab mir Rosinen

Mawis ra dadam be Agha - die Rosinen gab ich dem Mulla

Aqa be man Dua dad – der Mulla gab mir ein Gebet

Duaro bastam be Bazum – ich band das Gebet um meinen Arm

Choda be man Schafa dad – Gott hat mich geheilt.

 

Ein Matal entspricht einer Kette von Ereignissen und jedes Glied im Matal ist die logische Fortsetzung des vorherigen und macht das Kind neugierig darauf, was wohl danach passiert.

Im Matal kommen Dinge vor, die das Kind aus seiner Lebensumwelt kennt und das hilft ihm dabei das Matal zu verstehen. Wir begegnen zum Beispiel Haustieren wie in „dawidam wa dawidam“, der Ziege.

 

Ein Taraneh-Matal muss lustig sein und Energie versprühen. Insgeheim verfolgt ein Taraneh-Matal das Ziel, dem Kind indirekt etwas beizubringen. Das Kind nimmt die geheime Botschaft zwischen den Zeilen in sich auf. Um die Geschichte lustiger zu gestalten, treten oft Tiere auf, die wie Menschen handeln.

Jedenfalls wird das Kind durch ein Matal mit der Gesellschaft und den Tätigkeiten in ihr vertraut.

In Matal wird ein Satz oft mehrmals wiederholt und dies ist ein Kunstgriff der unbekannten Künstler vergangener Zeit für die Kindererziehung. Denn Kinder haben Freude an Wiederholung . Sie haben auch Spaß an Nachahmung und möchten gerne, dass, was sie sehen und hören, nachahmen und wiederholen.

 

Liebe Hörerfreunde! Es folgt das Volksmärchen dieser Woche. In diesem geht es darum, wie man sein Eigentum schützen kann, wenn man stark ist. Es treten drei Söhne auf, aber nur einer davon wird zum Held der Geschichte.

 

 

Es war einmal ein Mann, der hatte eine Ziege. Eines Tages sagte er zu seinem jüngsten Sohn: Nimm die Ziege und bring sie auf die Weide.

Der Junge brachte die Ziege in die Steppe damit sie bis Abends grast. Am Abend fragte der Vater die Ziege: „Bist du heute gut satt geworden?“ Aber die Ziege log und sagte: „Ach was, es gibt ja gar kein Gras in der Wüste. Dein Sohn hat mich mitten in der Wüste an einen Pflock angebunden und ist spielen gegangen.“

Da ärgerte sich der Mann und er erteilte dem Jungen Prügel. Der Junge verließ beleidigt um Mitternacht das Haus und ging.

 

Am Morgen gab der Vater die Ziege seinem nächstälteren Sohn, damit er sie zum Weiden bringt. Auch dieser Sohn ließ die Ziege ausgiebig grasen. Doch am Abend passierte dasselbe wie eine Nacht zuvor. Die Ziege log , der zweite Sohn erhielt ebenos Schläge und verließ beleidigt das Haus.

Auch der älteste Sohn verließ schließlich aus denselben Gründen das Haus und dann brachte der Mann am nächsten Tag selber die Ziege ins Freie.

Als der Mann am Abend die Ziege fragte,: „Bist du heute gut satt geworden?“, sagte sie: „Gott möge dir verzeihen! Da wo du mich hingebracht hast, gab es doch nichts zu fressen.“

Da begriff der Mann, dass die Ziege lügt und er grundlos seine Söhne geschlagen hatte. Er band die Ziege an dem Schwanz seines störrischen Maultieres fest und ließ die beiden in der Steppe zurück.

Doch hört, was aus seinen drei Söhnen geworden war.

 

Der jüngste Sohn ging zu einem Hirten und arbeitete bei ihm, der zweitälteste wurde Lehrling eines Kupferschmiedes und der älteste Lehrling eines Steinmetzes.

Nach ein paar Jahren zog es den älteren Sohn zu seinen Eltern zurück. Er sagte seinem Meister: Ich will in meine Stadt zurück. Der Meister gab ihm eine Handmühle und sagte: „Was immer du essen willst, es genügt, wenn du diese Mühle drehst, dann steht es bereit.“

Der junge Mann nahm die Handmühle und machte sich auf den Weg. Umterwegs kam er an einer Mühle vorbei. Dort setzte er sich hin und wünschte sich Essen und drehte die Mühle. Da kam aus der Mühle Reis und gebratenes Huhn und Obst heraus. Aber der Müller hatte alles gesehen und nahm sich vor, dem jungen Burschen die Mühle zu stehlen.

Um Mitternacht tauschte er die geheimnisvolle Handmühle in der Hand des schlafenden Burschens gegen eine normale Handmühle um.

Als der Junge am Morgen aufwachte , setzte er seinen Weg in seine Heimatstadt fort. Zu Hause angekommen, sagte er zu seinem Vater: „Geh und bitte um die Hand der Tochter des Soundso. Mit dieser Handmühle können wir alles bekommen.“

Der Vater hielt um die Hand des Mädchens an. Am Hochzeitstag, als es Zeit für das Gastmahl war, drehte der Bräutigam die Mühle. Aber nichts von dem, was er sich wünschte, kam heraus. Da fiel die Hochzeit ins Wasser.

 

 

Der zweite Sohn wollte auch gerne wieder zurück nach Hause. Sein Lehrmeister, der Kupferschmied gab ihm einen Topf und sagte: Wenn du dir etwas wünschst, dann schlage mit dem Löffel auf diesen Topf und es wird bereitstehen.“

Der junge Mann machte sich auf den Weg . Er kam an der Mühle vorbei, wo auch sein älterer Bruder vorbeigekommen war. Da verspürte er großen Hunger. Also schlug er auf den Topf und da stand alles, was er sich gewünscht hatte, bereit. Der gemeine Müller hatte aber wieder zugeschaut. Des Nachts tauschte er den Topf des schlafenden jungen Mannes in einen normalen Topf um. Als der Junge nach Hause kam und heiraten wollten, passierte ihm am Hochzeitstag dasselbe wie seinem ältesten Bruder.

 

Aber der jüngste Sohn hatte beim Abschied vom Hirten als Erinnerung einen Knüppel erhalten. Er fragte, was dieser Knüppel alles kann. Da sagte der Hirt: „Wenn sich jemand mit dir streitet, dann sag: Spring heraus. Dann werden aus dem Knüppelknauf hunderte Männer mit einem Knüppel herauskommen. Wenn du sagst: spring rein, dann kehren sie alle in den Knüppelknauf zurück.“

Der Junge ging und ging, bis er wieder an jener Mühle vorbei kam. Da sah er, wie der Müller aus dem Topf und der Handmühle dauernd Reis mit Huhn herausholt und an die Leute verkauft. Er fragte den Müller: „Wo hast du diese Sachen her?“

Der Müller sagte: „Das geht dich nichts an!“

Da sagte der Junge zu dem Knüppel: „Spring heraus.“ 100 Männer mit Knüppeln fielen über den Müller her und der Müller war gezwungen, die Wahrheit zu sagen. An den Beschreibungen des Müllers merkte der Junge, dass der Topf und die Handmühle seinen Brüdern gehört. Er nahm sie und dann kehrte er in seine Stadt zurück. Als der jüngste Sohn zurückkehrte, begann ein schönes Leben für die drei Brüder. Sie heirateten und hatten es gut.

 

 

 

 

 

 

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