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Samstag, 16 Februar 2013 08:15

Volkstümliche Erzählungen aus Iran Teil 11

Volkstümliche Erzählungen aus Iran Teil 11
  Sie haben über die verschiedenen Eigenschaften von volkstümlichen Erzählungen und Märchen erfahren. Diese Erzählungen machen den wichtigsten Teil der mündlichen Literatur aus,
und Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass diese mündliche Literatur ein wichtiger Rückhalt für die Kultur eines Landes ist und sie bereichert.  Im Iran haben viele verschiedene Völker gelebt und daher ist seine Folklore umfangreich.  Zum Glück wurde ein Teil davon schriftlich festgehalten.  Die volkstümlichen Erzählungen umfassen Matal und Mathal, Fabeln, Lieder, Märchen, Erzählvorträge, Trauerelegien oder auch Heldenepen.

Unter „Matal wird eine kurze Erzählung verstanden. Sie ist unterhaltsam und manchmal in Reimform. Matal sind  für Kinder und Heranwachsende gedacht. Die Figuren in einem „Matal“  sind meistens Tiere oder Dinge in der Natur  und manchmal auch Menschen. Ein Matal hat  auch einen erzieherischen Wert.  Durch ein Matal  schließt das Kind Bekanntschaft mit der Natur in seiner Umgebung und wird mit seiner Heimat und deren Sitten vertraut.

 

In dem Buch „Tarich Adabiyat Kudakan dar Iran“ (Geschichte der Kinderliteratur im Iran) steht über   das Matal und Matal-Lieder: „Zu den üblichen und wertvollen Arten der Kinderliteratur gehören die Matal und die Matal-Lieder, in denen Erzählung und Dichtung miteinander verschmelzen.  Ein Teil der heutigen Kinderdichtung ist die Fortsetzung dieser melodischen Erzähllieder. Allgemein hat ein Matal einen spielerischen Charakter. Die Vermischung von Text und Spiel ist eines der Merkmale eines Matals.  Diese Kombination von Text und Spiel  ebenso wie die Kürze und melodische, rythmische Struktur , zeigen, dass diese Matal für kleine Kinder gedacht waren. Sie waren eine Vorstufe für Erzählungen.“

Typisch für ein Taraneh-Matal – einem Erzähllied, ist der Versuch, das   Kind in die Geschichte einzubinden.

 

Wir verschieben weitere Erläuterungen aufs nächste Mal , denn nun ist die Fortsetzung des Volksmärchens von voriger Woche an der Reihe.

 

Sie erinnern sich: Ein Fuchs hatte einem Müller sein Mehl gestohlen und der Müller hatte ihn eingefangen. Der Fuchs bat um Gnade und versprach dem Müller, den Schaden wieder gutzumachen und ihm reichlich zu nutzen, falls er ihn freilässt. Der Fuchs  brachte den Müller , dem er den vornehmen Namen Tusali Beyg gab als Freier zum Königspalast. Unterwegs  warf er alle Klamotten und Lumpen, die er vorher eingesammelt hatte in den Fluss und erzählte dann dem Schah, alle Geschenke, die Tusali Beyg für ihn hatte bringen wollen, seien in den Fluss gefallen. Auch Tusali Beyg hätte er aus dem Wasser ziehen müssen. Der König schickte dem Freier  daraufhin königliche Gewänder. Auf Anweisung des Fuches sollte der Müller dann in diesen stolzen Gewändern vor den König treten, mit lauter Stimme grüßen und sich nicht anmerken lassen , dass er bislang noch nie die Pracht eines Königspalastes zu Gesicht bekommen hat.

Fuchs und Müller machten sich auf den Weg zum Palast.

 

Beim Betreten des Palastes grüßte der Fuchs laut und vernehmlich. Aber der Müller, oder besser gesagt Tusali Beyg, war so überwältigt von der Pracht am Königshof, dass er den guten Rat des Fuches sofort vergass. Da stand er nun da und kam nicht aus dem Staunen heraus . In jeder Richtung gab es etwas zu sehen: dort die prächtige Decke, dann die Palastwände und der Thron, die Hofleute usw.  Da sagte der König zum Fuchs:

„Ich habe das Gefühl, für deinen Herrn ist all dies hier ganz neu. Er scheint so etwas noch nie zu Gesicht zu bekommen haben.“

Der Fuchs  aber meinte: „Eure Majestät lebe hoch! Ich bitte euch! Ihr scheint nicht zu verstehen, was mein Herr wirklich denkt!“

„Ja, was denn?“ fragte der König.

Der Fuchs: „Ganz einfach! Er will  sagen: Du meine Güte! Sieh nur wie es mir ergangen ist, dass ich bei all meinem Reichtum die ausgedienten Kleider des Königs tragen muss!“

Der König ärgerte sich,  ließ sich jedoch nichts anmerken. Stattdessen ordnete er an, man solle ein  maßgerechtes Gewand für Tusali Beyg schneidern und ihm im Palast ein gutes Zimmer  zuweisen.

Es vergingen einige Tage.

 

Der Fuchs erschien wieder vor dem König: „Eure Majestät! Wir sind doch nicht hierher gekommen, nur um zu essen und zu trinken. Mein Herr ist reich und wir haben um die Hand deiner Tochter angehalten. Gibst du ihm nun deine Tochter zur Frau oder nicht?!“

Der König schwieg und dachte nach.

Da sagte der Fuchs: „Schweigen bedeutet Zustimmung! Herzlichen Glückwunsch also!“

So kam es, dass die Königstochter mit Tusali Beyg vermählt wurde. Die Königstochter erhielt eine große Aussteuer. 40 Sklaven und 40 Sklavinnen, 40 Kamele, 40 Maultiere und 40 Pferde mussten sie tragen.

Die Karawane setzte sich in Bewegung. Aber der Müller schalt den Fuchs: „Wo sollen wir denn jetzt hinziehen? Etwa in meine alte Mühle?“

Der Fuchs aber sagte: „Lass uns die  Sachen erst einmal hinausbringen in die Steppe.“

In der Streppe trennte er sich von der Karawane und machte sich  auf den Weg zu den sieben Elefanten, die in einem prächtigen Palast auf einem Berg lebten.

Er grüßte sie freundlich und sagte dann:

„Seht ihr den Staub dort in der Ebene?“

„Ja,“ sagten die Elefanten!

Der Fuchs wieder:  „Ja, das ist die Karawane der Königstochter. Sie ist unheilbar krank  und die Ärzte haben gesagt, sie wird nur geheilt, wenn sie sich mit Elefantenöl einreibt.

Nun wisst ihr Bescheid. Ich denke es ist besser, wenn ihr von hier weggeht.

Ihr seid stark, aber gegen das Heer des Königs kommt ihr nicht an.“

Da suchten die Elefanten schnell das Weite  und der Fuchs bereitete den Palast auf Tusali Beyg, dessen Gemahlin und ihren Hofstaat vor.

Der Palast war noch viel prächtiger als der des Königs.

 

Der Müller war mit der Königstochter in den prächtigen Palast eingezogen. Eines Tages fragte ihn der Fuchs: „Ich habe dir viel Gutes beschert. Nun sag mir, wie du mich nach meinem Tod beisetzen wirst?“

Der Müller sagte: „Ich werde dein Bild mit Smaragden umrahmen lassen und dich feierlich  begraben lassen.“

 

Einige Tage  später stellte sich der Fuchs tot. Als der Müller ihn sah, stieß er mit seinem Fuß gegen ihn um zu sehen, ob er noch lebte. Nachem  er sicher war, dass der Fuchs tot ist, rief er einen Sklaven und befahl: „Nimm diesen Fuchs beim Schwanz und wirf ihn in die Schlucht.“

Da richtete sich der Fuchs auf und rief: „Müller, du bist wirklich undankbarl! Ich hab dir so vieles verschafft und nun willst du mich in die Schlucht werfen! Gleich werde ich die Elefanten holen.“

 

Die Königstochter hatte alles gehört und begann zu jammern: „O weh,  du bist nur ein Müller und ich habe nichts davon gewusst!“ Der Müller flehte: „Verzeih mir, Fuchs, verzeih mir!“

Der Fuchs sagte: „Diesmal verzeih ich dir!“

Aber die Königstochter jammerte nur noch lauter.

Da rief der Fuchs: „He, du Hirtentochter. Was ist los! Ist ein Müller etwa nichts wert?! Du warst doch selber eine Hirtentochter und bist nun die wichtigste Dame im Land.“

Da fasste sich die Frau des Müllers und sagte nichts mehr.

Ein paar Tage später stellte sich der Fuchs erneut tot.

Der Müller kam näher und meinte wieder, er sei tot. Da befahl er seinem Sklaven: „Vergrab den Kadaver, damit er keinen Gestank verbreitet“.

Kaum hatte er das gesagt, da sprang der Fuchs auf: „He! Jetzt werde ich dir nicht mehr verzeihen! Bereite dich darauf vor, dass die Elefanten kommen und dich zertrampeln.“

Soviel der Müller auch jammerte. Der Fuchs hörte nicht auf ihn. Er ging durch Berg und Tal, bis er die Elefanten fand. Zu diesen sagte er: „Hört! Damals habe ich euch einfach irgendwas erzählt und ihr habt es geglaubt  und euren schönen Palast stehen lassen. Der Müller hat die Königstochter geheiratet und vergnügt sich in eurem Palast, und ihr habt kein Zuhause mehr.“                                       Die Elefanten sagten zueinander: „Das ist ein listiger Fuchs. Vielleicht will er uns dem Feind ausliefern.Einer von uns sollte ihn anleinen, damit er nichts anstellt.“

Sie banden den Fuchs mit einem Seil an einem Elefanten fest, den sie zum Palast schickten.

 

Der Müller aber  hatte sich überlegt, was er machen sollte, wenn der Fuchs die Elefanten bringt. Er hatte ja noch nicht einmal Waffen in seinem Palast. Da sah er auch schon

den Fuchs zusammen mit einem Elefanten vor sich. Der Müller fragte: „Du alter Fuchs. Dein Vater schuldet mir 7 Elefanten und nun bringst du mir nur einen mit!  Wenn du mir nicht auch die anderen sechs bringst, werde ich dir das Fell abziehen und es mit Stroh ausstopfen!“

Als der Elefant dies hörte, ergriff er eiligst die Flucht. Der Fuchs aber, der an einer Leine an seinem Bein festgebunden war, überlebte dies nicht und wurde zerfetzt.

Als der Elefant zu seinen Freunden kam sagte er: „Dieser Fuchs wollte uns in den Tod schicken. Der Vater dieses Fuchses schuldete dem Müller 7 Elefanten. Aber wir haben Glück gehabt. Es war gut, dass wir nicht alle hingegangen sind. Wer weiß was mit uns geschehen wäre.“

 

Der Fuchs war also tot und der Müller hatte seine Ruhe. Es möge alles, was ihm zuteil wurde, auch euch zuteil werden.

 

 

 

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