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Sonntag, 03 Februar 2013 07:41

Volkstümliche Erzählungen aus Iran Teil 9

Volkstümliche Erzählungen aus Iran  Teil 9
Zu den Merkmalen der Volksliteratur  gehört, dass Märchenfiguren  entweder beliebt oder  verhasst sind.  In allen Märchen über Könige treffen wir zu  Hofe zwei
gegensätzliche Menschentypen an. Einen böswilligen, der Zwietracht stiftet und Schlechtes tut und einen guten, der großherzig und  gütig  ist .Ein Teil solcher Märchen widmet sich der Beschreibung  der Auseinandersetzung zwischen guten und schlechten  Ministern am Königshof, der Zwietrachtsschürung und heimtückischen Pläne des einen und der weisen Planung und Vereitelung von Sabotagen durch den anderen.

 

In der langen iranischen Erzählung Samak-e Ayyar kommen zum Beispiel zwei Minister vor. Der eine ist Haman, ein weiser Mann und beliebt und der andere der verhasste übelgesinnte Wezir Mehran.Bei Volksmärchen fallen auch öfters technische Fehler oder ermüdende Wiederholungen auf.  Zum Beispiel wiederholen sich  die Beschreibung der einzelnen Eigenschaften  von Helden, die in den Kampf ziehen. Je jünger die iranischen Volksmärchen sind, desto mehr nehmen  eigenartigerweise Erzählpannen  zu. Zum Beispiel geschieht in dem langen Märchen Samak-e Ayyar niemals etwas Unlogisches  oder es kommt kein sinnloser Satz vor. Aber in den Märchen, die nach dieser Erzählung geschrieben wurden,  wie dem „Ramuz-e Hamzeh“ oder dem „Eskander-„ oder auch „Darab-Nameh“ begegnen wir Helden, die mehrmals getötet werden, aber wieder den Kampfplatz betreten. Natürlich lässt der Autor manchmal ganz bewusst in seiner Geschichte etwas geschehen, was nicht möglich ist.  Es kann sein, dass dem Erzähler eine Stelle in seiner Geschichte besonders gut gefällt und witzig oder interessant erscheint, so dass er nicht so schnell davon loskommt. Aber dabei kann es passieren, dass so viele Wiederholungen auftauchen, dass das Märchen langweilig wird.  Dass man solche Erzählpannen  oder Wiederholungen in Kauf nahm, kann daran liegen, dass jemand der das Märchen mündlich vortrug damit rechnete, dass für einige das Märchen neu und daher interessant  war und sie sich nicht an diesen Mängeln stören würden.

 

 

Wir setzen nun, liebe Freunde die Geschichte vom letzten Mal fort. Sie erinnern sich, dass sie von einem jungen kahlköpfigen Mann  handelte. Er hatte den Tieren geholfen und die Tiere versprachen ihm seine Hilfe. In Volksmärchen kommt es oft vor, dass Tiere sich dankbar zeigen.

Der junge Mann wollte um die Hand der Königstochter anhalten. Aber der König hatte bislang alle Freier ausgeschaltet.  Der kahlköpfige Freier machte sich auf den Weg zum Königspalast.  Unterwegs half er den Ameisen über den Fluss und einem hungrigen Monster und einem frierenden Monster. Und jedes Tier schenkte ihm ein Haar und versprach, dass es ihm in der Not helfen werde.

Der König  hatte den kahlköpfigen Burschen in ein überheiztes  Badehaus bringen lassen. Bis dahin hatte er jeden hartnäckigen Freier in dieses Bad geschickt und diese waren nicht wieder lebendig herausgekommen , weil das Bad schrecklich heiß war.

Doch der kahlköpfige junge Freier, konnte mit Hilfe  eines der Monster  heil und gesund den unfreiwilligen Badehausbesuch überleben.

Da stellte der König eine weitere Bedingung, nämlich dass der Jüngling  300 kg Reis und 300 kg Fleisch  verspeist.

 

Sie brachten das Essen und erklärten dem Kahlköpfigen, was sich der König ausbedingt hatte. Da strich der junge Bursche sich über die Glatze und während er sich nachdenklich am Kopf kratzte, fiel ihm das erste Monster ein, dass so hungrig gewesen war. Da holte er das Haar dieses Monsters hervor und steckte es in Brand. In einer Sekunde  stand das erste Monster vor ihm und machte sich mit großem Appetit über die 300 Schüsseln mit Reis und Fleisch her.

Da brachte man dem König die Nachricht: „Eure Majestät lebe hoch. Der Glatzkopf hat alles Essen verspeist und nicht ein Reiskorn zurückgelassen. Der König meinte: „Diesmal werde ich dafür sorgen, dass er nicht mehr mit heiler Haut davon kommt!“

Der König ließ eine  Weizen-, eine Gerste- und eine Linsenladungen vermischen und ordnete an, der junge Mann müsse Gerste, Weizen und Linsen wieder von einander trennen. Wenn er das nicht bis zum Morgen schaffte, werde es ihm das Leben kosten.

 

Der junge Mann wusste sogleich, dass er die dritte Bedingung nicht erfüllen kann. Da fiel ihm der König der Ameisen ein. Er holte das Ameisenhaar hervor und zündete es an. Auf einen Schlag versammelte sich ein Heer von Ameisen vor ihm: Und der König der Ameisen fragte: „Junger Mann! Was können wir für dich tun?“

Der Jüngling zeigte auf den Weizen mit der Gerste und den Linsen und sagte: „Der König hat gesagt, die müssen bis morgen alle voneinander getrennt sein. Wenn, nicht will er mich töten.“

Da sagte der Ameisenkönig: „Junger Mann! Ruh du dich aus und mach dir keine Sorgen! Lass uns das erledigen!“

Der Kahlköpfige hatte sich gerade zum Schlafen hingelegt, als er den König der Ameisen hinter seinem Ohr sagen hörte: „Gibt es noch etwas zu oder können wir gehen?“

Da sprang der junge Mann auf und sah, dass Weizen, Gerste und Linsen alle säuberlich getrennt aufgehäuft waren.

Da bedankte er sich bei dem Ameisenkönig und die Ameisen zogen davon.

Der junge Mann aber ging zum König und sagt: Hoch lebe der König! Die dritte Bedingung ist auch erfüllt.Was befehlt ihr jetzt?

 

Der König aber sagte: „Nun, es ist nicht richtig, noch eine Bedingung stellen. Das Schicksal will, dass ich dir meine Tochter zur Frau gebe. Aber junger Mann! Du musst wissen, dass das gelbe Monster sich in meine Tochter verliebt hat.“

 

Die Tochter des Königs wurde also mit dem jungen kahlköpfigen Mann vermählt. Als er sich mit ihr auf den Heimweg machte, begegneten sie unterwegs dem gelben Monster.

Das gelbe Monster hatte von der Heirat erfahren. Es kam herbeigeritten, fesselte den Kahlköpfigen und warf ihn in einen Brunnen.

 

Der junge Mann im Brunnen sah im Brunnen lauter Leichen liegen.  Da  kroch er unter sie. Das Monster aber hatte einen langen Dolch. Mit dem riss es einer der Leichen den Bauch auf und dachte, es sei der Kahlköpfige. Er glaubte der Kahlköpfige sei tot, nahm die Tochter des Königs und brachte sie in seinen Palast.

Nach ein paar Tagen schaffte der Kahlköpfige es irgendwie, aus dem Brunnen heraus zu kommen.  Dann machte er sich auf den Weg  und kam zum Palast des gelben Monsters. Er sah die Königstochter am Fenster stehen. Als sie den Kahlköpfigen erblickte, war sie außer sich vor Freude:“ O Kahlköpfiger, du lebst ja noch!“

Da rief der Kahlköpfige : „Ja, ich erzähle dir später, was passiert ist. Nun aber muss ich gehen. Gleich kommt das Monster und wenn es mich sieht, wird es uns beide umbringen. Aber frage heute abend das Monster, woher es sein dreifüßiges Pferd hat.“

Der Kahlköpfige ging.

Schon bald darauf kam das gelbe Monster zu der Prinzessin. Diese fragte ihn: „O Monster: Woher hast du dieses Pferd mit den drei Füßen?“

Das Monster fragte: „Wozu willst du das wissen?“

Da sagte die Königstochter: „Entweder du sagst mir, woher du es hast, oder ich tue mir etwas an!“

Das Monster  sagte: „Nun , dann hör mir gut zu: Ich habe am Meer Gerste gestreut. Als die Gerste gesprossen war, kam das dreifüßige Pferd und begann davon zu fressen. Da habe ich es eingefangen. Aber die Mutter von diesem Pferd hat 6 Füße und ist nicht so schnell zu fangen. Sie kann noch schneller laufen als dieses Pferd. Wenn sie sich umdreht und wiehert, wird jeder der auf dem dreifüßigen Pferd sitzt mit einer solchen Wucht abgeworfen, dass er 70 Meter in der Erde versinkt.“

 

Am nächsten Tag erfuhr der Kahlköpfige alles von der Königstochter. Da ging er ans Meer, säte eine Handvoll Gerstenkörner und wartete, bis die Gerste aufging. Es dauerte einige Zeit, als er schließlich das sechsfüßige Pferd kommen sah und hinter ihm 6 Pferde mit drei Füßen.

Der Kahlköpfige fing das sechsfüßige Pferd ein, bestieg es, ritt zum Palast des Monsters und ließ die Königstochter hinten aufsitzen. Das gelbe Monster aber verfolgte sie sofort auf dem dreifüßigen Pferd. Als es ihnen nahe gekommen war, drehte der Kahlköpfige den Kopf des sechsfüßigen Pferdes um . Die  Stute erblickte ihr Fohlen und wieherte. Das dreifüßige Pferd  warf das gelbe Monster ab und das gelbe Monster versank 70 m in der Erde.

Der Kahlköpfige und die Königstochter stiegen vom 6-füchsigen Pferd ab und dieses kehrte mit seinem Fohlen in seine Heimat zurück. Der Kahlköpfige und seine Frau aber begannen ein gutes Leben in ihrer Stadt.

 

 

 

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