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Montag, 03 Dezember 2012 08:54

Volkstümliche Erzählungen aus Iran Teil 3

Volkstümliche Erzählungen aus Iran  Teil 3
Beim letzten Mal hatten wir über die die kurzen Volksmärchen im iranischen Volksmund gesprochen. Es gab auch lange Volksmärchen, die von Wandererzählern vorgetragen wurden. Diese erschienen
auf dem Bazaar oder an einem belebten Platz in der Stadt. Schnell waren sie von Zuhörern umringt und diese fanden sich prompt am nächsten Tag wieder an der gleichen Stelle ein, um die Fortsetzung zu hören. Seit den Saffawidenherrschern (16. und 17. Jahrhundert nach Christus) begannen diese Straßenkünstler in den Kaffeestuben aufzutreten und präsentierten dort ihre Erzählkünste.

Die langen Volksmärchen sind im Gegensatz zu den kurzen, von denen es lange Zeit nur mündliche Überlieferungen gab, schon relativ früh schriftlich festgehalten worden. Bei diesen Erzählsitzungen notierten Schreiber die Geschichten welche vorgetragen wurden. Von einer volkstümlichen Geschichte gab es öfters verschiedene Manuskripte, weil sie von verschiedenen Erzählern vorgetragen worden waren, und diese etwas dazu dichteten oder etwas wegließen.

 

Die Mehrheit der längeren Volksmärchen und Erzählungen entstand in der Zeit der Saffawiden. Doch es gibt noch ältere volkstümliche Geschichten. Die wichtigsten sind in fünf Büchern festgehalten worden, die nacheinander Samak Ayyar, Eskandar-Nameh, Darab-Nameh, Firuzschah-Namen und Qeseh Hamzeh heißen. Es sind Geschichten in Prosa und oft Heldenepen. Einige Forscher stufen sie im Gegensatz zu den Epen der klassischen Literatur, die der aristrokatischen Schichte zugeordnet wurden, als Volksepen ein. Dabei sind jedoch viele Meisterwerke der offiziellen Literatur wie Forschungen beweisen, aus dieser Folklore hervorgegangen. Eine nähere Untersuchung der Epen in der volkstümlichen und der gehobenen Literatur weisen auf einen gemeinsamen Ursprung hin. Der einzige Unterschied entstand daraus, dass die einen Epen vom Volksmund mündlich an die nächste Generation weitergegeben wurden, während die berühmten Autoren der klassischen Farsi-Literatur wie Ferdowsi, den Sauerteig, den ihnen die Volksliteratur lieferte, denkerisch und literarisch überarbeiteten.

 

 

Die Volksmärchen werden nach dem Inhalt unterschieden. Sie handeln von Gefechten, von der Liebe oder auch der der Religion. Es sind auch Fabeln darunter. Die volkstümlichen Erzählungen geben uns Inforamtionen über die früheren Bräuche. Damit haben ihre Erzähler einen Beitrag zur Geschichtsschreibung geleistet. Die Prosa der Folklore ist phantasievoll und gefühlsbetont. Der Erzähler will den Zuhörer oder Leser unterhalten und mitreißen. In den meisten langen volkstümlichen Epen, wie denen im Eskandar-, Darab- und Firusschah- Nameh treten Könige und Prinzen als Helden auf. Im Qeseh-Hamseh ist es ein Adeliger. Nur in der langen Geschichte Samak Ayyar haben wir einen Helden aus der Mitte des Volkes vor uns. In diesen Erzählungen übernimmt auch die Frau oft eine wichtige Rolle, wie sie an unserer heutigen Geschichte sehen. In diesen Geschichten vermischen sich hin und wieder historische Ereignisse mit Märchen und Sagen.

 

Nun aber folgt ein konkretes Beispiel in Form einer Geschichte aus der Sammlung „Farhang-e Afsanehhaye mardom-e Iran, ein Sammelband iranischer Volksmärchen.

 

Ein junger Jägersmann, der Mohammad hieß und bei seiner Mutter lebte, erlegte einmal ein großes Tier mit einem leuchtenden Fell. Am nächsten Tag machte er sich auf den Weg zum Palast, um dem König das Fell zu bringen und eine gute Belohnung zu erhalten. Unterwegs begegnete er dem Wezir des Königs und der wollte ihm das Fell abkaufen. Aber Mohammad war nicht damit einverstanden. Und so kam es, dass der Wezir ihm grollte.

Als der König das prächtige Fell sah, gab er dem Wezir Anweisung, Mohammad eine gute Belohnung dafür zu geben. Der Wezir nahm Mohammad mit. Aber statt ihm seinen Lohn zu überreichen, führte er ihn in einen stillen Winkel und verprügelte ihn. Sein Hass auf Mohammad war groß und deshalb stachelte er den König an, er solle Mohammad auffordern, einen Palast aus Elefantenknochen zu bauen. Der König hörte auf seinen Wezir und verlangte von Mohammad einen solchen Palast. Traurig ging Mohammad nach Hause.

 

Mohammads Mutter fragte ihn, was ihm fehle und als sie erfuhr, was sich zugetragen hatte, weihte sie ihren Sohn in das Geheimnis der Elefantenjagd ein. Sie sagte:

„Besorge dir auf dem Bazaar ein wenig Betäubungspulver. Es gibt da eine Quelle, wo die Elefanten jeden Abend zum Sonnenuntergang ihren Durst stillen. Das Pulver schütte ins Wasser. Die Elefanten werden den Geruch des Pulvers im Wasser verspüren und nichts trinken. Aber es gibt einen Elefant, der humpelt. Er kommt als letzter und wird von dem Wasser trinken und deshalb werden auch die anderen von dem Wasser trinken. Sie alle werden bewusstlos werden und du kannst sie dann erlegen.“Der junge Mann tat wie seine Mutter gesagt hatte und so gelangte er an so viele Elefantenknochen, dass er damit einen Palast bauen konnte. Doch wieder erhielt er vom Wezir nicht die Belohnung des Königs ausgehändigt, sondern eine tüchtige Portion Prügel verabreicht.

Dieses Mal verlangte der König auf Ratschlag des Wezirs von Mohammad, dass er das Pferd des Windes (Asb-e Baad) einfängt. Doch wieder stand die Mutter Mohammads ihrem Sohn mit hilfreichem Rat zur Seite und so konnte ihr Sohn auch das Pferd des Windes einfangen und zum König bringen.

Da redete der wütende Wezir auf den König ein, er solle Mohammad zum Kaiser von China schicken, damit er dessen Tochter herbeiholt.

Diesmal wusste Mohammads Mutter keinen Rat. Aber Mohammad machte sich trotzdem auf den Weg nach China.

 

Unterwegs begegnete Mohammad einem Hirten. Dieser entschloss sich Mohammad zu begleiten, nachdem er über das ganze Abenteuer erfahren hatte. Nach enigen Tagen sahen sie einen schlafenden Mann von riesiger Gestalt und mit grimmigem Gesicht. Die Sonne schien, aber es war kalt. Der Hirte rüttelte den Riesen wach. Als dieser wach wurde, hellte sich seine Miene plötzlich auf und im gleichen Augenblick wurde es richtig warm. Mohammad und der Hirte erzählten dem Riesen von der Geschichte. Der Riese fasste den Entschluss die beiden zu begleiten. Er sagte, sie sollten seine Schultern besteigen. Dann setzte er sich so schnell wie der Wind in Bewegung und bald hatten sie eine Stadt erreicht und fanden ein Gasthaus. Die Gastwirtin berichtete ihnen von den Schwierigkeiten des Weges und sagte: „Das Mädchen, nachdem ihr sucht, ist meine Nichte. Ihr müsst erst zum Kaiser von China gehen. Vor seinem Palast liegt ein großer Steinbrocken. Auf diesem lasst euch nieder. Jeder der ein Anliegen hat, muss sich auf diesen Stein setzen. Wenn man euch dann fragt, was ihr wollt, so bittet um die Hand des Mädchen. Ihr Vater wird einige Bedingungen stellen, die ihr erfüllen müsst. Dann schickt er euch zu dem Palast des Mädchens. Dieser ist aber verzaubert und daher müsst ihr aus einer Quelle, die unterwegs verdeckt von Gestrüpp liegt, trinken und sagen: Oh, welch ein kostbares Wasser. Es ist wie Rosenwasser und Nektar! Außerdem müsst ihr zwei Dornensträucher, die ineinander verhakt sind, voneinander trennen und an jedem ein rotes Taschentuch festbinden.

 

Mohammad und seine Freunde machten sich auf den Weg. Am Palast angelangt, ließen sie sich auf dem großen Stein nieder. Der Kaiser stellte drei Bedingungen. Erstens: Sie mussten drei Kutschenladungen mit Reis essen. Dies besorgte der Riese. Zweitens: Sie mussten 40 Schüsseln Tränen weinen. Da füllten sie 40 Schüsseln mit Wasser und fügten etwas Salz hinzu, so dass der Kaiser und sein Hof dachten, es seien Tränen. Die dritte Bedingung lautete, dass Mohammad in einem Trog mit kochendem Wasser baden müsste.

Als Mohammad den Trog mit kochendem Wasser besteigen wollte, verzog der Riese das Gesicht, das Wetter kühlte sofort ab und Mohammad konnte sich sorglos in dem abgekühlten Badewasser waschen. Da die drei Bedingungen erfüllt waren, verriet der Kaiser, wo der Palast seiner Tochter lag.

Unterwegs taten die drei das, was die Tante des Mädchen gesagt hatte, und konnten das Mächen aus dem Palast holen. Dann kehrte jeder von ihnen in seine Heimat zurück.

 

Mohammad brachte die chinesischen Prinzessin zum König seines Landes. Die Prinzessin bat den König, sich 40 Tage im Hause von Mohammads Mutter ausruhen zu dürfen. Der Wezir aber sagte zum König: „Dieser Mohammad kann alles. Am besten befiehlst du ihm, er soll eine Nachricht von unseren Vorfahren bringen.“ Der König sagte dies zu Mohammad und Mohammad erzählte es dem Mädchen. Die Prinzessin riet ihm, er solle den König um 40 Tage Frist bitten.

Dann ließ Mohammad einen starken Mann holen und gab ihm den Auftrag neben dem Friedhof einen tiefen Brunnen auszuheben . Am 40. Tag verfasste das Mädchen ein Schreiben in der Schrift ihres Vaters und setzte den kaiserlichen Stempel darunter. Darin wurde der König im Namen des Kaisers von China aufgefordert sich zusammen mit dem Wezir von Mohammad zu einer Begegnung mit seinen Vorfahren führen zu lassen.

Der König und der Wezir folgten Mohammad zum Friedhof. Mohammad schickte sie die Leiter im Brunnen herunter, versetzte ihnen dann einen Tritt, so dass sie hinabstürzten und starben.

Dann nahm Mohammad seine Mutter und die Prinzessin mit in den Palast. 40 Tage lang feierten sie ihre Hochzeit und übernahmen das Regiment.

 

 

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