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Mittwoch, 02 März 2016 18:06

Zeitgenössische iranische Kunst und Globalisierung

    In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten moderne Kunstströmungen an verschiedenen Orten der Welt ein.  Die Werke und  geistigen Richtungen dieser Bewegung  bewirkten auch im Iran einen Wandel in Gemäldekunst, Skulpturen, und Fotografie.

 

Die Innovationen der iranischen Kunst begannen bei der Begegnung der iranischen Gesellschaft und ihrer Intellektuellen mit europäischem Gedankengut und der Bekanntschaft mit neuen Techniken wie der Malerei mit Ölfarben und neuen Mitteln der Kunst wie Fotoapparate.

                

Im Gefolge der Europareisen der Qadscharenherrscher und der Rückkehr von Iranern, die im Ausland studiert hatten, schlossen die Iraner über die traditionellen Mal- und Kalligrafie-Stile hinaus mit neuen Kunststilen Bekanntschaft. Durch den Kunstmaler Kamal ol Molk (1847-1940)wurde die erste iranische Kunstschule im westlichen Stil begründet. Danach haben die gesellschaftlichen Wandlungen, die infolge der Ereignisse unter der Pahlavie-Dynastie erfolgten, eine Tendenz zur Innovation unter den Künstlern verstärkt.

Das erste Institut,  welches offiziell diese Tendenz förderte, war die Fakultät für Schöne Künste der Teheraner Universität.

                                

Auch wenn viele zeitgenössische Künstler in den drei Jahrzehnten  vor dem Sieg der Revolution sich dieser Tendenz anschlossen, so gab es auch neue Kunstschulen im Iran, die für die spezifisch iranische Kunst nach neuen Methoden suchten und die einheimische  Kunst grundsätzlich beeinflussten.

Die Saqqakhaneh – Schule  ist die bekannteste dieser Bewegungen für moderne Kunst im Iran . Sie konnte in gewissem Umfange eine innovative Kunst im Iran mit  bodenständigen Merkmalen begründen.

Der Sieg der Islamischen Revolution im Jahre 1979 und danach der auferlegte Krieg hatte eine tiefe Wirkung auf die iranische Kunst .

Die westlichen Kunststile oder westlich orientierte Innovationen rückten in den Hintergrund.   Aber Wandmalerei und Fotografie erfuhren  einen erheblichen Aufschwung  und es entstanden herausragende Kunstwerke, die von der religiösen Atmosphäre und der Heiligen Verteidigung geprägt waren.  Die zeitgenössischen iranischen Künstler  können inzwischen  Werke mit typisch iranischen Merkmalen auf der Welt vorstellen.

Am 23. Februar fand im Teheraner Museum für zeitgenössische Künster ein Seminar zu dem Thema „Zeitgenössische iranische Kunst und die Globalisierung“ statt. Auf dem  Veranstaltungsprogramm standen mehrere Vorträge, zwei Expertensitzungen und die Vorführung von zwei Filmen.     Dieses Seminar war Gastgeber von Künstlern und Kultur- und Kunstsachverständigen aus dem Inland.  Es wurden Themen behandelt wie „Der Begriff Zeit und Ort in der zeitgenössischen Kunst“, „Iranische Kunst  an den Horizonten der Wandlung“, und „neue Medien und Globalisierung der zeitgenössischen iranischen Kunst“.

Mohammad Resa Moridi , Universitätsdozent und Schriftführer des Seminars sprach über die  Begriffe Zeit und Ort in der zeitgenössischen Kunst.  Er sagte :die moderne Kunst ist eine Kunst , die nicht an einen Ort gebunden ist und die die Universalität der Kunst hervorhebt und fuhr fort:    „Im Zeitalter der Globalisierung , wo man versucht alles von der Ortsgebundenheit loszulösen, gibt es dennoch in der zeitgenössischen Kunst eine solche Ortsgebundenheit...  Im Gegensatz zu der Angleichung der Kulturen betonen die Gegner dieses Prozesses die Wahrung der einheimischen Identität und Kultur. Untergehende Kleinkulturen widmen sich  der Rekonstruktion der nationalen und regionalen  Kulturen und die einheimischen traditionellen Künste  werden in Reaktion auf die moderne Globalisiserungsbewegung  in  Form von Kleinkulturen  wiederbelebt.

Die zeitgenössische Kunst ist nicht nur eine  Chance für die regionalen und lokalen  Künste sondern eine Möglichkeit den Kleinkulturen Beachtung zu schenken.  Im Gegensatz zu den Kunststilen in der Kunstgeschichte  ist die zeitgenössische Kunst kein einheitlicher Begriff.  Sie hat weder eine bestimmte Form noch einen bestimmten Inhalt. Aber es ist zu sagen, dass sie in eine bestimmte Richtung geht und sich auf die rekonstruierte Geografie bezieht.“

Behruz Daresh ist  Skulpteur und Universitätslehrer. Er sprach über den Begriff der „zeitgenössisch“ und erklärte:  Zeitgenössisch-Sein beinhaltet das Hinweisen auf die Mängel und Lücken der Epoche, in der der Künstler lebt. Denn die Kunst drückt Dinge aus, die noch nicht gesagt wurden. Daher müssen wir erst unser Zeitalter kennen und dann auf die Mängel und Lücken hinweisen.“

Dieser Künstler sagte weiter: „Die Globalisierung ist ein unausweichbarer Prozess, denn ohne Globalisation können wir diese Erdkugel nicht erhalten.  Globalisation ist die Einigung über die Angelegenheiten der Erdkugel und  durch Globalisation  können wir ihre Vernichtung verhindern.

Also müssen wir alle unsere Möglichkeiten auf der Erde vereinen und uns angesichts der Mängel  auf dieser Erdkugel etwas ausdenken.“

Behruz Daresh unterstrich:  Die Globalisierung wirkt sich auf die Kunst aus. Denn das Format der heutigen Kunst ist universal geworden, .

Daresh unterstrich:  „Genauso wie wir unausweichlich Iraner sind, was uns natürlich eine Ehre bereitet,  ist auch die Globalisation unausweichlich. Zugleich beabsichtigt die Globalisation nicht die Zerstörung der Kleinkulturen, sondern die zukünftigen Menschen bewegen sich auf zwei Ebenen – der regionalen Ebene, die ihre besondere Kultur hat und der Weltebene. Wir befinden uns heute zwischen diese beiden Strömungen, von denen keine die andere  ablehnt. Wir müssen auf beide Aspekte achten.“

Auf dem Seminar zeitgenössische Kunst Irans und Globalisierung  untersuchte Waliullah Kavoosi , Autor und Übersetzer von Kunstbüchern, die einheimischen Wurzeln und die  globalen Methoden  in der innovativen  Schönschreibekunst im Iran, der Türkei, Ägypten, Tunesien und Algerien.

Er sagte, dass die Kalligrafie seit mehr als 1000 Jahren ein Privileg der muslimischen Kunst ist und erklärte: „Durch Erfindung des Drucks, wurde die Kalligrafie an den Rand gedrängt, aber die muslimischen Künstler waren darum bemüht, die Anwendung der Schönschreibekunst zu erhalten. Sie  wählten dafür drei Wege,  die sich an  der zeitgenössischen Kalligrafiekunst abzeichnen.“ Kavoosi führte Bilder von verschiedenen Kalligrafien aus dem Iran, der Türkei und der arabischen Welt vor.  Er sagte:  „Die einen haben den Weg zur Fortsetzung der Traditionen in der Islamischen Welt gewählt und Interessierte aus Europa und den USA sind in die Islamischen Länder gereist, um diese Kalligrafie zu erlernen.

Den zweiten Weg wählten die Künstler, die die Technik des Druckes  und der Graphik nutzten und auf diesem Wege ihre Kunst den aktuellen Tendenzen anpassten.

Der dritte Weg war  die Kombination von Kalligrafie und Gemäldekunst und sie  bescherte der Welt der Kalligrafie einen Wandel.“

Hamid Resa Shesh Jawani , ein Dozent für  Wirtschaftskunst an der Universität, sagt über die zeitgenössische Kunst Irans, die Weltmärkte und die rechtlichen Pflichten:  „Im heutigen Jahrhundert vollzieht sich eine Verlagerung von der Industriewirtschaft in Richtung der  Kreativwirtschaft. Deshalb  haben Kunst und Kultur mehr denn je an Bedeutung gewonnen.  Sie haben  einen Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt zahlreicher Länder und Wachstum hervorgerufen.  Heute hat die Kunst den Sektor wirtschaftlicher Investitionen  in diesen Ländern betreten und  wird wie eine Ware betrachtet, in die man investieren kann.“

Shesh Jawani sagte weiter:  „Die zeitgenössischen Künstler sind sich ihrer Rechte bewusst, was sich enorm auf ihren Erfolg auswirkt. Daher ist die Anerkennung des copy-rights zum Vorteil der Künstler. Wir sollten diese Gesetze wegen der Bedeutung der zeitgenössischen Kunst und dem Austausch zwischen den Ländern auf dem Gebiet der Kultur und Kunst und weil die Kunst wie  in anderen Ländern zum Bruttosozialprodukt beisteuert, akzeptieren.  Wir brauchen zurzeit Einrichtungen die die Rechte des Künstlers verteidigen.“

Auf dem  Seminar wurde auch darüber gesprochen und dafür geplant, dass Iran Mitglied in den internationalen Künstlervereinigungen werden sollte.  Außerdem wurden Möglichkeiten  für Unterrichtslehrgänge und die Kommunikation mit  Künstlern anderer Länder  erörtert.

 

 

 

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