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Dienstag, 30 Dezember 2014 03:49

In Erinnerung an den iranischen Radiosprecher und Künstler Morteza Ahmadi

In Erinnerung an den iranischen Radiosprecher und Künstler Morteza Ahmadi
  Vor kurzem  verstarb Morteza Ahmadi, der sich nicht nur als Synchronsprecher und Theater- und Filmdarsteller Irans einen Namen gemacht hat, sondern auch als Sprechkünstler, Sänger, Forscher und Bewahrer der alten Teheraner Kultur.Wir möchten einen Blick auf sein Leben und sein Wirken werfen.

 

Morteza Ahmadi ist 1924 n. Christus in Teheran zur Welt gekommen. Nach seinem  Schulabschluss interessierte er sich für den traditionellen Kraftsport und Fussball und arbeitete sogar als Spieler und Trainer in einem Fussballclub . Danach engagierte er sich als Amateur-Theaterspieler  und 1942 gründete er zusammen mit einigen seiner Freunde in Teheran ein Theater namens  Tamascha chaneh-e Mah (das Mond (Monats) -Schauspielhaus). Seine Erfahrungen als Amateur-Schauspieler begann mit „pisch pardeh chani“. 

 

Beim Pisch pardeh chani handelt es sich um Theater-Vorspiele,  und zwar wird laut Morteza Ahmadi bei einem solchen Vorspiel in Musikbegleitung ein humorvoll umgedichtes bekanntes Folklorelied vorgetragen.    Morteza Ahmadi sagt über die Geschichte dieses pisch-chaneh-chanis: „Anfangs waren diese Vorspiele im Theater noch echte Satire,  die scharfe Kritik am Regierungsapparat enthielten, aber mit der Zeit flachten sie ab und es wurden dümmliche und primitive Texte verwendet. 

Zu Beginn wurde das Pisch-pardeh-chani – auch von einem kompletten Orchester begleitet . Jedes Schauspielhaus hatte  ein vollständiges Orchester , das zumeist vor der Bühne Platz nahm....“

 

 

Die  melodischen Theatervorspiele, die Morteza Ahmadi aufführte , waren  gesellschaftskritisch und hatten ihre Wirkung. Nach einer seiner  Aufführungen haben zum Beispiel Eisenbahnarbeiter gestreikt.  Einmal wurde einer seiner Vorführungen gestoppt und ein anderes Mal wurde er wegen dieser künstlerischen Tätigkeit im Theater vom Schah-Regime in eine andere Stadt verbannt. Mit 20 begann Ahmadi beim Teheraner Rundfunk  mit satirischen Stücken.  Schon bald hatte er einen großen Hörerkreis gefunden und wurde von den Bürgern zum beliebtesten Radiosprecher für satirische Programme gewählt.

Morteza Ahmadi interessierte sich aber auch für andere künstlerische Betätigungen. Immer mehr arbeitete er als Synchronsprecher für ausländische Filme und Animations, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden.  Ahmadi spielte auch in Fernsehserien und wurde als  Interpret für rythmische Liedertexte genannt Sarbi.

 

  1971 lud ihn der bekannte iranische Filmregisseur Ali Hatemi ein , ein solches rhytmisches Lied zu dem Film Hasan Katschal (Hassan der Kahlkopf)  in der Titelsequenz zu singen.  In den darauffolgenden Jahren hat Ahmadi diese neue Künstleraktivität weitergeführt. Er  wurde damit noch bekannter und hat auch mehrere Schallplatten herausgegeben. Seine Platten und CD´s enthalten über 400 verschiedene Sarbi- und 50  humorvolle Lieder. 

Gegen Ende der Quadscharen- und Beginn der Pahlavie-Dynastie  wurden die Bürger insbesondere durch die Konstitutionelle Revolution , mit der eine bedingte Monarchie angestrebt wurde, politisch und sozial bewusster.  In den Liedern,  die in dieser Zeit geschrieben wurden, fanden  die Nöte und Probleme der damaligen iranischen  Gesellschaft  einen Niederschlag und  waren sozial- und regimekritisch .  In einem  Pisch-pardeh - einem Theater-Vorspiel -  kam in Wahrheit die Stimme des kleinen Mannes zu Wort. Daher erregten diese Vorspiele auch die  Besorgnis der staatlichen Sicherheitskräfte, die nicht wollten, dass die Allgemeinheit zu sehr über die gesellschaftliche Realität  aufgeklärt wird.

Morteza Ahmadi hat ein Buch mit dem Titel Pisch pardeha (Theater-Vospiele) geschrieben und gegen Lebensende herausgegeben. In diesem Werk untersucht er die Ursprünge und Geschichte dieser Kunst. Das erste Pisch pardeh war ein spaßiger Liedervortrag namens Musarat-e Afiyun (Die Schäden von Opium). Es wurde auf der Kino-Theater-Bühne Sepah in Teheran vorgeführt  und erntete großen Applaus.

Ahmadi hat in seinem Buch humorvolle und satirische Texte und Gedichte  vorgelegt und sein Enkel hat sie durch die betreffenden Notentexte bereichert.

In den letzten Jahren erfreute sich die lustige Animation-Serie Schekarestan (Zuckerland) besonderer Beliebtheit bei den Fernsehzuschauern, was nicht zuletzt der passenden Stimme und dem Witz des Erzählers, nämlich Morteza Ahmadi zu verdanken ist,. Seine  spaßigen Kommentare  passten gut zu den  lustigen Zeichenfiguren in dieser Fernsehreihe.

 

Morteza Ahmadi hat in mehreren Büchern  Erfahrungen und Ergebnisse seiner  Recherchen auf verschiedenen Gebieten  festgehalten. Aus diesem Wirken resultierte  das Buch „Alte Dinge immer neu“. Es handelt  über Lieder, die bei den sogenannten Tacht-e Hozi-Schauspielen vorgeführt wurden.  Bei diesem Tacht-e Hozi – Theaterstücken war nicht ein Theatersaal Ort der Darbietung sondern das Theaterstück fand  auf einer Bühne statt, die über dem Wasserbecken (Hoz)  in einem Haushof aufgebaut wurde.

Ahmadi gab auch eine Biografie namens „Ich und das Leben“ heraus. Er veröffentlichte ebenso zwei Bücher  über Teheran und die Teheraner und ihre  besonderen Ausdrücke und Redewendungen.

 

Will man das Werk des  verstorbenen Künstler vorstellen, so sind gerade seine Recherchen über die Folklore und die Kultur der Teheraner Bevölkerung zu nennen.  Ahmadi hatte sich aus der Nähe mit den verschiedenen traditionellen Berufen und Handwerkern vertraut gemacht und kannte die besonderen Ausdrücke und Kultur derer, die diese Berufe ausübten.

Er nutzte diese Erfahrungen um die verschiedenen Menschentypen in seinen Radiosendungen darzustellen, schuf realistische Charakteren  und erwarb sich mit seiner Kunst noch mehr Freunde.

 

Der Kunstakademiker Davud Fathali Beygi, (1950)  , der sich unter anderem näher mit traditionellen iranischen Theater auseinandergesetzt hat, hat  die Bücher von Morteza Ahmadi studiert und findet die Biografie „Ich und das Leben“ und das Buch über die Teheraner Kultur sowie die Tacht-e Hozi-Theaterstücke besonders lesenswert.  In seinem Buch „Ich und das Leben“  schreibt Morteza Ahmadi darüber wie er zur Kunst kam  und über die Zeit, in der er bei Vorspielen und Theaterstücken mitwirkte und schließlich Schauspieler wurde. Gemäß Fathali Beygi geben die Erinnerungen von Ahmadi ein wichtiges Kapitel der zeitgenössischen Theatergeschichte Iran wieder.

Fathali Beygi  hebt auch das Buch über die Kultur der Teheraner hin, weil darin der Teheraner Dialekt und gesellschaftliche Aspekte der Teheraner Einwohner  beschrieben werden. Linguistisch gesehen ist dieses Buch für Fathali Beygi von großer Bedeutung.

 

Fathali Beygi  sagt über das Buch „Alte Dinge immer neu“: „Dieses Buch ist eine Sammlung von Liedern und alter Teheraner Musik. Hätte Ostad Morteza Ahmadi sie nicht in einem Buch zusammengestellt und dann als Musikalbum herausgebracht, wären sie nirgendswo in der Geschichte festgehalten worden und für immer verloren gegangen.“  

Für Kunstakademiker Fathali Beygi ist Morteza Ahmadi ein Mensch mit hohem Geist, großen Kenntnissen und Kultur. Ahmadi  besitzt für ihn eine   ansprechende Ausdrucksweise  und ist gleichzeitig offen für Kritik.

Morteza Ahmadi ist   am 21. Dezember 2014  im Alter von 90 in seiner Wohnung in Teheran verstorben. Tausende gaben ihm das letzte Geleit und dies zeigt die Beliebtheit dieses Künstlers. Möge er in Frieden ruhen und immer würdevoll in Erinnerung bleiben.

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