Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Dienstag, 16 September 2014 02:43

Ein kleines Paradies fein geknüpft

Ein kleines Paradies fein geknüpft
In diesem Programm erfahren sie über den echten iranischen Teppich und seine Geschichte, sowie  eine Teppichausstellung, die vor kurzem stattfand.Wenn wir die die Geschichte des iranischen Teppichs

zurückverfolgen , können wir nicht genau die Anfänge identifizieren, und uns nur  auf den Inhalt von alten Schriftstücken , in denen der iranische Teppich als Kunst der Iraner genannt wird, stützen.  Aber diese  zeugen davon, dass der iranische Teppich schon zu damaligen Zeiten eine solche Qualität besaß und bekannt war, dass die Geschichtsschreiber ihn erwähnten.

 

Die älteste Spur für die Teppichkunst im Iran  treffen wir in der Bronzezeit an und zwar handelt es sich um Gegenstände für das Knüpfen oder Weben, die in den Gräbern aus der Kupferzeit in Turkmenien und im Norden Irans gefunden wurden. Im Gebiet (Schahr-e Suchteh) im Südosten Irans hat man Schilfteppiche und Stoffe und Gegenstände zum Weben und Knüpfen aus der Zeit 2800 bis 2500 vor Christus gefunden.  Der  griechische Schriftsteller und Feldherr Xenophon (um 430-350 v. Christus) erklärt in einem seiner Texte:  „Die Iraner legen sich beim Schlafen einen Teppich unter, damit ihre Schlafstätte weicher wird.“

 

Außerdem steht im   Chinesischen Jahresbuch  Sui Su zur  Zeit der Herrschaft der Sassaniden im Iran , dass China Wollteppiche aus dem Iran einführte.

                        

Die Anhaltspunkte über die Art der Gewebe aus dem Iran in der vorislamischen Zeit sind sehr verstreut, aber die wenige Beweise die noch verblieben, sind dokumentieren, dass die Anfertigung von Teppichen und die angewandten Techniken sich im Laufe der Zeit weiterentwickelten und ihren Höhepunkt im 5. und 6. Jahrhundert nach Christus erreichten.  Zum Beispiel war der bekannte Baharestan-Teppich ein perfektes Beispiel für diese iranische Kunst und ein Prunkstück am Königshofe der Sassaniden. Er liefert mit seiner Musterung und Farbe ein prächtiges Beispiel  der Kunst iranischer Teppichknüpfer. Der Engländer Cecil Edwards der als Experte für den Persischen Teppich bekannt ist,  behandelt in seinem Buch über den persischen Teppich hinsichtlich dessen Musterung die Frage,  ob die Muster und Ornamente  der iranischen Teppiche jedes eine bestimmte Sicht- und Lebensweise wiederspiegeln.  Er schreibt: „Die iranischen Teppich-Designer beabsichtigen durch  Symmetrie und Schönheit Freude zu erregen.  Die Anregungen zur ihren  Teppichmusterung entnehmen sie dem reellen Leben (der Natur) oder externen Quellen. In beiden Fällen muss man vorsichtig sein eine Verbindung zwischen diesen Ornamenten und Mustern  mit sufistischem und mystischen Denken zu sehen. Denn oftmals sind die Formen nur eine stilisierte im Laufe der Zeit entstandene Formen von Tieren, Pflanzen und Vögeln .“

 

Der iranische Teppich lässt sich nach der Musterung in zwei großen Gruppen einteilen: nämliche Teppiche mit einem Muster im geometrischen Stil und Teppiche mit Mustern im kurvilinearen auch florarem Stil.  

Die Teppiche im geometrischen Stil setzen sich aus waagerechten, senkrechten und schrägen Linien zusammen. Dabei wiederholen sich in verschiedenen Abmessungen die Motivmuster über den ganzen Teppich verteilt.  Solche Teppiche werden von den Nomaden geknüpft und jeder hat seine eigene Ornamente.  Aufgrund der  typischen Musterung eines solchesn Teppichs lässt sich feststellt , bei welchem Nomadenstamm und in welcher Gegend er geknüpft wurde.

Der iranische Teppich zeichnet sich durch komplizierte und symbolische Ornamente aus. 

Bei den kurvilinearen Teppichmustern  hat sich der Designer vor allem von der Natur inspirieren lassen.  Naturnahe Muster wie Bäume, Blumen, Vögel und Wolken sind die wichtigsten Elemente dieser floraren Teppiche . Allerdings sind diese Muster mit der Zeit vereinfacht und abstrakter geworden, wobei aber die Ornamente selber komplizierter gestaltet wurden.

Eine weiterverbreitete Musterung ist die Medaillonmusterung, insbesondere bei größeren Teppich. Sie wird Tarh-e Latschaki genannt. Dabei befindet sich in der Mitte des Teppichs ein ellipsenförmiger oder manchmal auch fast rhombusförmiger Rahmen,.  Dieses Medaillon wird innen und außen mit Einzelmustern verziert. Das ganze nennt sich Turandsch.  

                          

Die Betrachtung der Symbolik in der Musterung von iranischen Teppichen ergibt einen Zusammenhang mit den religiösen Überzeugungen, denn diese Musterung enthält   Symbole  und Zeichen für die Gärten des Paradieses und kommt ein wenig der Beschreibung des Eden im heiligen Koran und der Überlieferung nahe.

In der  die symbolische Darstellung der Paradiesgärten auf  iranischen Teppichen insbesondere auf den Teppichen aus der Saffawidenzeit ( 1502-1722 )  spiegelt sich nach Meinung von Forschern die Absicht zur Verbildlichung hoher immaterieller Werte wieder. Zugleich geben die iranischen Teppiche mit Gartenmotiven  auch Aufschluss über die  traditionelle iranische Bau – und Gartenkultur.

 

Vor kurzem fand in Teheran im Iranischen Haus der Künstler ein Seminar und eine Ausstellung zu dem Motto der symbolischen Darstellung des Paradieses auf iranischen Teppichen statt.

Diese Ausstellung hatte verschiedene Abteilungen, zum Beispiel mehrere Galerien mit alten Teppichen, Gemälden und Fotos von Teppichknüpferinnen  und Knüpfwerken. In dieser Ausstellung waren auch die Werke der Gebrüder Miri zu sehen, die im Laufe von vielen Jahren zahlreiche Fotos zum Thema Teppich angefertigt haben. Dieser Teil der Ausstellung war besonders stark besucht.

Die Zeremonie zur Eröffnung der Ausstellung für handgeknüpfte Teppiche  fand in Anwesenheit iranischer Künstler und des japanischen Botschafters  im Iran, sowie des deutschen Teppichexperten Peter Renz und einer großen Anzahl von Freunden der iranischen Teppichkunst im Haus der Künstler statt.  Parallel zur Ausstellung lief ein viertägiges Seminar am gleichen Ort, auf dem nicht nur Künstler und Experten sprachen, sondern auch mehrere Dokumentarfilme zum Thema Teppich vorgeführt wurden.  Einer dieser Filme war der Film „Gereh“ (Knoten) von Ramin Heydari Faruqi, bei dem das Thema Paradiesgarten in iranischen Geweben  untersucht wurde. In diesem Film wurden iranische Maler, Graphisten und Architekten über die iranische  Kunst und speziell die Teppichknüpftkunst befragt .

Weitere Filmen waren O Tapete Voadar  „der fliegende Teppich “) von dem portugiesischen Regisseur  Mario Grillo (1958) und „deracht-e sochangu“ (der sprechende Baum) von Aliresa Qasamchan.

 

Auf der Konferenz über das iranische Paradies auf  Teppichen wurden unter anderem in den Referaten über folgende Themen gesprochen: Der Teppich zwischen Kunst und Nicht-Kunst , Wirkung des Teppichs auf die Lebensqualität,  Phantasie und Märchen beim iranischen Teppich, Entdeckung von vier verschiedenen Inschriften auf dem Muhtascham-Teppichen, sowie Neuigkeiten über die Scheich Safi – Teppiche.

 

Eine der Galerien in dem Haus der Künstler war dem  Baummotiv auf iranischen Teppichen  gewidmet, denn der Baum spielt mit seinen  Farben und seiner Gestalt  in den verschiedenen Jahreszeiten eine wichtige Rolle auf alten iranischen Teppichen . Der Baum hat  in der iranisch-islamischen Kultur eine symbolische Bedeutung und in heiligen Büchern wird er häufig erwähnt.  In der erwähnten Galerie waren kostbare Teppiche mit Baummotiven zu sehen.

Insgesamt lässt sich zu dem Teheraner Seminar und der  Ausstellung zum Thema „Paradiesbilder auf iranischen Teppichen“ sagen, dass die Tradition des Teppichknüpfens im Iran ein einmaliger Zweig der iranischen Kunst bildet.  Eine Anzahl von handgeknüpften iranischen Teppichen zählen zu den besten  Kunst- und Dekor bzw. Gebrauchsgegenständen der Welt.   Trotzdem es heute viele Fälschungen auf dem Markt gibt, ist der originale iranische  Teppich weiter berühmt. Aber leider ist die Verwendung von handgeknüpften Teppichen wegen dem Aufkommen der maschinell hergestellten Teppiche verblasst, wenn auch jeder Iraner stolz darauf ist, wenn er ein solches Exemplar nationaler Kunst zu Hause haben kann, denn ein solcher Teppich präsentiert iranische Geschichte und iranische Kultur und Identität.  

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren