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Freitag, 20 März 2015 03:39

Iranische Architektur und Kultur (80)

Iranische Architektur und Kultur (80)
Wir stellen Ihnen zum Abschluss unserer Reihe über die iranische Architektur und Kultur  noch einen weiteren  bekannten iranischen Architekturkünstler vor. Es ist Mahmud Maherul Naqsch.

 

Mahmud Maherul Naqsch wurde 1922 in Isfahan geboren. Er beherrscht meisterlich die Architektur und das Handwerk des Kacheldekors. Aus seiner Kindheit und Jugend berichtet er: „Mit 5 verlor ich meine Mutter. Zum Studium kam ich nach Teheran, wo ich nach dem Zweiten Weltkrieg ansässig wurde. Mein Vater war ein traditioneller Baumeister und schon als Kind hegte ich eine eigenartige Liebe zur Architektur, zum Kachelkunstwerk und schönen Farben. Auf dem Gymnasium verlangte der Mathematiklehrer geometrische Zeichnungen. Ich sagte: „Ich kenne mich mit Gereh-keschi aus“. Gereh-Keschi sagt man zu einem Kachelwerk, bei dem Kacheln mit verschiedenen Mustern und in mehreckigen geometrischen Formen nebeneinander zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden.  Danach wollte mein Lehrer bis zum Ende des Schuljahrs von mir, dass ich alle  Muster, die ich im Kopf habe, zu Papier bringe.“

 

 

Zu den wichtigsten Tätigkeiten von Mahmud Maherul Naqsch gehört die Islimi-Musterung von Kacheln im Stil der Saffawidenzeit.  Islimi-Muster sind Pflanzen und Naturmotive. Maherul Naqsch hat einige Zeit an der Universität Ilm wa Sanat im Fach Architektur Vorlesungen gehalten, aber die meiste Zeit hat er  der Forschung über die iranische Kachelkunst gewidmet.  Er hatte stetiges Interesse an dieser Kunst sowie am  Entwurf von Kuppelbauten, wofür zahlreiche Beispiele seines Wirkens überall im Iran zeugen.

 

 

Mahmud Maherul Naqsch sieht  die Glanzepoche iranischer Kachellegekunst in den Kachelmosaiken  aus der Zeit der Timuriden und in den  siebenfarbigen Kacheln der Saffawidenära.  Bislang hat er 25 verschiedene Bücher über die Kachelverzierung  und die Architektur herausgegeben, darunter: Wissenschaftliche Grundlagen eines Bauwerks, Technische Grundlagen eines  Bauwerks und Die Architektur der Hakim-Moschee in Isfahan.

 

Entwurf und Durchführung in der iranischen Kachellegekunst ist ein Werk das er vor einiger Zeit herausgegeben hat. In 5 Bänden  legt er hierbei das Wissen und die Geheimnisse der Kunst der Kachelverzierung und der geometrischen Muster leicht verständlich dar, und liefert damit ein Lehr- und Nachschlagewerk für Studenten. Im Vorwort es vierten Bandes schreibt er:

 

„Einzelne Linien scheinen unbedeutend, während jedoch ihre Gesamtheit  eine Bewegung auslösen oder Gedanken wiedergeben.  Auf einer Seite werden die Bewegungen, die den Linien mitgegeben werden, zusammengefasst, damit sie den Betrachter auf sich aufmerksam machen.  Diese Bewegung entspringt dem Denken der Person, die diese Linien verschiebt… Natürlich spielen  die Arbeitsmittel (wie Pinsel, Bleistift , Kreide, Öl- und Wasserfarben) eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Linien. Aber von entscheidender Bedeutung ist die Fertigkeit  dessen, der das Muster kreiert.“

 

Dann verweist Maherul Naqsch auf die Bedeutung des Bildners und Kachelkünstlers und sagt: „Ein Maler kann gestützt auf seine Fertigkeiten ein schönes Muster hervorbringen. Aber die Linien werden vom Betrachter unterschiedlich interpretiert. Manchmal scheinen sie grob und manchmal fein, manchmal stark und manchmal schwach. Hier muss der Künstler spüren, wo er welche Art von Linie verwendet. Jede Linie ruft ein bestimmtes Gefühl im Betrachter hervor. Manchmal strahlt  ein Muster Ruhe  auf den Betrachter aus und manchmal bringt es ihn in Erregung.

 

 

    Mit zahlreichen Bildern und Entwürfen legt Maherul Naqsch Beispiele für Inschriften vor, in denen der Name Imam Alis a.s. in den verschiedensten Formen vorkommt.  Maherul Naqsch sieht in der Kenntnis und dem Studium dieser  Art von Entwürfen und Schriften eine wichtige Voraussetzung für die Betrachtung der iranischen Architektur in der Islamischen Ära.  Zum Beispiel sind sehr viele Torbögen von Moscheen und religiöse Lehrstätten im Iran mit bekannten Worten des Propheten des Islams ((s)) in Form von Inschriften verziert. Folgendes Hadith (Überlieferung) weist zum Beispiel auf das  hohe  Wissen des Propheten (s) und Imam Alis (a) hin, nämlich „Ich bin die Stadt des Wissens und Ali ist das Eingangstor zu dieser Stadt“.

Dieses überlieferte Prophetenwort wird seit Jahrhunderten gerne von versierten Kalligraphen bei Inschriften verwendet. Beim Nastaaliq-Schriftstil  wird hierbei das arabische Wort Al Ilm – was „das Wissen“ bedeutet. gedehnt und der Name Alis darüber gesetzt. Ein Beispiel ist an dem Tor, welches das Lehrzentrum  Daral Schafa in der Pilgerstadt Qum mit der Theologieschule Feysieh verbindet, zu sehen.

 

Maherul Naqsch wurde 2003 als qualifzierter Forscher  und als „auserlesener Diener des Heiligen Korans“ im Bereich der islamischen Architektur und Kachelverzierung gewürdigt.  Maherul Naqsch ist der Überzeugung, dass die iranische Architektur bereits seit den vorchristlichen Achämeniden glanzvoll gewesen ist. Auch die Tadsch Mahal in Indien, die zu den  Weltwundern zählt, hat ein iranischer Baumeister namens Issa SchiRasi errichtet.

 

 Maherul Naqsch ist der Ansicht, dass die Kunst der Kachelverzierung  in der iranischen Architektur mit der Islamischen Ära im Iran begann und sagt, weil der Islam die Bildhauerei und Abbildung von Menschen und Tieren nicht erlaubte, haben die Künstler versucht, neues in der Malerei und der Architektur zu schaffen.

                  

Maherul Naqsch ist fast 90 Jahre alt aber immer noch in seinem Fach aktiv. Er stellte in der Exposition „Iran, Heimat der Lobpreisung“, welche im München am 18. Dezember 2010 begann und bis zum 15. Februar dauerte, seine jüngsten Werke aus.

Auf der Eröffnungsfeier sagte Maherul Naqsch über die iranische Architektur: Wir haben diese Kunst aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit geerbt und es gibt Beispiele für sie auf der Welt. Zur Wahrung der Kunst der iranischen Kachelverzierung haben wir zahlreiche Bücher herausgegeben und weltweit Ausstellungen abgehalten.“ Auf dieser Ausstellung wurde die größte siebenfarbige Kachel der Welt, auf dem der Name Imam Ali a.s. zu lesen ist, feierlich enthüllt. Diese Kachel ist 60 mal 60 cm groß und ein Meisterwerk Maherul Naqsch.

                      

Hiermit liebe Freunde geht nun unsere Reihe „Iranische Architektur und Kultur“ zu Ende. In 80 Programmen waren wir bestrebt, ihnen einen Eindruck von den Merkmalen iranischer Bauweise und Beispiele für diese Architektur vorzustellen.  Ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung der iranischen Architektur ist der Zusammenhang mit den Überzeugungen der Menschen im Iran und den architektonischen Bauwerken.

 

 

 

 

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