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Donnerstag, 12 März 2015 00:43

Iranische Architektur und Kultur (79)

Seyyed Hadi Mirmiran Seyyed Hadi Mirmiran
    Inzwischen haben Sie einen Eindruck von der iranischen Architektur gewonnen. Diesmal möchten wir Ihnen einen bekannten zeitgenössischen  Architekten und seine Bauwerke vorstellen. Es ist Seyyed Hadi Mirmiran.

 

Zuerst sollten wir seine Ansichten über die iranische Architektur betrachten. In einem Interview schildert er sein großes Interesse an der iranischen Architektur. Er ist der Überzeugung, dass die iranische Architektur zu einer der besten auf der Welt gehört. Er sagt: „Diese Architektur hat Fortbestand. D. h. seit der Ära der Achämeniden bis Ende der Qadscharen wird sie fortgesetzt und aus allen diesen Epochen sind wichtige Beispiele erhalten geblieben und haben  in der Architekturgeschichte der Welt eine Wirkung hinterlassen. Tachte Dschamschid (Persepolis) der Ewyan Madain, die Sultaniyeh-Kuppel sind typische Beispiele für eine Baukunst, die bis heute erhalten blieb.“ 

                                   

 

 Seyyed Hadi Mirmiran wurde im Winter 1945 in der Stadt Qazwin, westlich von Teheran geboren. Er schloss 1968 an der Fakultät der schönen Künste der Teheraner Universität sein Studium der Architektur ab. Viele Jahre hat er Architektur gelehrt und über Kunst und Architektur Artikel und Bücher verfasst. Er entwarf zahlreiche Gebäude im Iran und in anderen Ländern.

 

Mirmiran zählt wegen zahlreicher Stadtentwürfe, erfolgreicher Teilnahme an allen wichtigen Architekturwettbewerben im In- und Ausland  und dem Erhalt der Auszeichnung für Kultur und Kunst  zu den bekanntesten Gesichtern in der zeitgenössischen Architektur und dem Städtebau Irans. Besonders gelungen  waren sein Projekt für die Wiederbelebung des Karimchani-Komplexes in Schiraz, der Wiederbelebung und Verbesserung  der Anlage des alten Platzes und der Atiq-Freitagsmoschee in Isfahan und  das Projekt der Tschahar-Bagh-Straße in Isfahan.

  

Hadi Mirmiman ist nach einer schweren Erkrankung im Jahre 2006 verstorben.

 

Die Liebe Mirmirans für die Werte der alten iranischen Architektur und  sein Respekt für sie war ganz offensichtlich. Für Mirmiran war es unabdingbar, den Geist der früheren iranischen Architektur mit dem technischen Fortschritt von heute zu kombinieren. Heute können seine Schüler sein theoretisches und praktisches Erbe nutzen.

 

Mirmiran war der Ansicht, dass der Iran hinsichtlich der Architektur eines der Länder ist, welches auf diesem Gebiet auf ein wertvolles historisches Erbe zurückblicken kann und Iran dürfe daher nicht einfach die Architektur anderer Länder nur nachahmen.  Er studierte die moderne Architektur auf der Welt und vermengte dann ihre positiven und kreativen Momente mit der iranischen Baukunst. Darin sah er den notwendigen Weg für Innovation der Architektur.

 

Zu den Forschungsthemen, mit denen sich Mirmiran beschäftigte gehörten: Neue Strömung in der architektonischen Tradition, Vitalisierung und Beseelung historischer Teile iranischer Städte, die Form in der zeitgenössischen Architektur der Welt, die Architektur unter den Quadscharen, Wohnungsbau in modernen iranischen Städten, Projekt der Wiederbelebung des kulturellen- historischen Teil Schiras, Bau der Kulturzentren in der Islamischen Republik Iran, Entwurf der Nationalbibliothek Iran, Spiegel Architektur, Transparenz in der Architektur, und Einfluss der Islamischen Architektur auf Bauwerke der Christen und Juden.

Zu den Entwürfen dieses iranischen Architekten gehören der Entwurf für das Zentralgebäude des iranischen Erdölunternehmens, der Entwurf für das Gebäude der  Nationalbibliothek Japans in Kanazawa, der Zentralkomplex des Energieministeriums, die Provinzverwaltung Teherans, und das Nationale Wassermuseum Irans.       

 

Der Entwurf der Nationalbibliothek Japans in der Stadt Kanazawa wurde 1996 von Mirmiran angefertigt.  Er beruht auf der Kombination von drei Räumen verschiedenen Charakters:  Zwei würfelartige Gebäude, mit einem  Leerraum dazwischen. Einer dieser Würfelbauten  ist aus Stahl und dunkel  und dient als Bucharchiv und der andere Würfelbau ist gläsern  und dient weiteren anderen  Funktionen dieser Bibliothek.

 

Ein weiteres Bauwerk, das Mirmiran schuf, ist das Gebäude der iranischen Botschaft in Bangkok. Beim Entwurf ließ er sich von der iranischen Architektur inspirieren und entwarf ein von einem Garten umgebenes palastartiges Bauwerk. Ein schmales Gebäude am Hauptweg des Gartens erinnert an die Eingangsbauten zu iranischen Gärten. Eine Springbrunnenanlage verbindet das Hauptgebäude mit dem Eingang. Wasser ist ein wichtiges Element in iranischen Gärten. 

 

Der Kerngedanke der Architektur des Botschaftsgebäudes in Bangkok besteht darin, die geschlossenen Räume zu reduzieren und die offenen Räume auszudehnen.  Außerdem wurden die Elemente Spiegelwerk, Glas, Wasser und Licht bewusst im Inneren der Anlage verwendet um eine helle Raumatmosphäre zu erzielen.

 

 

Mirmiran pflegte zu sagen: „Die iranische Architektur beruht auf Prinzipien. Sie hat zum Beispiel immer versucht, von der materiellen zu einer immateriellen Beschaffenheit zu gelangen, oder mit anderen Worten von der Materie zum Geist, architektonisch ausgedrückt, durch Verminderung der Masse   die Vergrößerung des Raums anzustreben.… dieser Versuch ist bei der Architektur Irans deutlich zu erkennen.“

 

Mirmiran sagt über die Ausdehnung des Lichtes in der iranischen Architektur: „Der Umgang der iranischen Architektur mit Licht oder mit Wasser galt  dazu der Materie ihr Gewicht zu nehmen und eine Raumerweiterung zu erzielen.  Der Weg zur Raumvergrößerung besteht nicht darin, zum Beispiel Wände weniger mächtig zu bauen. Das Licht, welches in der historischen Moschee Scheych Lotfullah (in Isfahan) durch die Fenster in der Kuppel einfällt, lässt den Menschen Beruhigung und Frieden verspüren…. Ich habe anfangs gedacht, die großen Wasserbecken mit ihren Spiegel gleichen Wasserflächen sind lediglich Maßnahmen zur Verschönerung, aber jetzt glaube ich, dass diese Dinge die Architektur schwereloser machen.  Das architektonische Bauwerk verliert als Spiegelbild im Wasser in Wahrheit seine materielle  Beschaffenheit. Es ist wie mit den 40-Säulen-Palast in Isfahan, wo man (wenn man nämlich zwischen dem Spiegelbild der 20 Säulen und den 20 tatsächlichen Säulen steht) nicht genau weiß ob er nun 40 oder 20 Säulen hat.“

 

Gemäß Wunsch und  Empfehlung Seyyed Hadi Mirmirans wurde zur Verbreitung und Ergänzung der neuzeitlichen iranischen Architektur eine Institution namens Stiftung der Mirmiran-Architektur nach seinem Tod gegründet.  Einer der Grundpläne dieser Stiftung ist die Verleihung eines jährlichen Preises als Preis der Stiftung der Mirmiran-Architektur. Am 23. April, dem Todestag von Mirmiran wird nun dieser Preis jährlich verliehen. Der 23. April ist auch der Jahrestag der Geburt des großen iranischen Wissenschaftlers, Dichters und Baumeisters Scheych Bahai. Er hat im 16. Jahrhundert gelebt.  Seit mehreren Jahren werden nun die Gedenkfeiern für diese beiden großen Künstler,  nämlich Mirmiran und Scheych Bahai zusammen begangen.

 

 

 

 

 

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