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Mittwoch, 18 Februar 2015 19:57

Iranische Architektur und Kultur (Teil 78)

Iranische Architektur und Kultur (Teil 78)
  Die Geschichte der Kunst und Architektur im Iran hat circa bis zu den Saffawiden eine kontinuierliche Entwicklung erfahren wobei sie im Großen und Ganzen trotz Wandlungen im Iran und Einflüssen von außen, ihren einheitlichen Charakter behielt.

Zur Zeit der Saffawiden (16 .Jahrhundert bis Mitte 17. Jahrhundert nach Christus) fanden die iranischen Künstler vermehrt Gelegenheit, sich mit der europäischen Kunst vertraut zu machen und sie haben zum Teil  westliche Kunst übernommen.  Das beste Beispiel für diesen Einfluss  können die Malereien im 40-Säulen-Palast in Isfahan sein.

       

Aber die Architektur selbst, erfuhr unter den Saffawiden keine außerordentliche Wandlung, bis eben auf Ausschmückungen  wie Stuckwerk und Kachelwerkverzierung.  Doch insgesamt entsprach  die räumliche Aufteilung von architektonischen Werken wie zuvor der alten iranischen Bautradition.

 

Aber im 19. Jahrhundert entstanden unter den Qadscharen die Bedingungen für einen Wandel in der iranischen Architektur. Die iranischen Baumeister wandten sich der Nachahmung einiger  westlicher architektonischen Elemente zu, veränderten die Form von  Torbögen, führten große Treppenaufgänge vor den Gebäuden ein und gestalteten Säulenkapitelle auf westliche Art. Manchmal richteten sie sich sogar beim Grundriss der Gebäude nach westlichen Mustern. Die Bauwerke Imarat, Daftarchaneh, Takiyeh Dulat, Firuse-Palast und Schams-ul Amareh in Teheran sind Beispiele für den Einfluss der europäischen Architektur.

             

Mit Beginn des Modernismus in Europa, hielt diese Entwicklung an und einige iranische Architekten, die in Europa studiert hatten, schufen moderne Architektur in ihrem Heimatland.

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts  gewann die Begegnung zwischen moderner und  traditioneller Baukunst an Bedeutung und  es entstanden verschiedene neue Stilrichtungen. Einige Architekten legten nicht so viel Wert auf die Wahrung der iranischen Bautradition und folgten ganz dem westlichen Modell. Eine andere Gruppe blieb hinsichtlich Entwurf  und Bau den Regeln und manchmal sogar der Methode der traditionellen Architektur treu.

 

Es gab aber noch eine dritte Gruppe. Ihre Vertreter  haben einige Elemente oder Formen der iranischen Baukunst mit der zeitgenössischen Bauweise kombiniert, um eine Verbindung zwischen der Tradition und dem Modernismus herzustellen oder besser gesagt: um der zeitgenössischen Architektur einen iranischen und traditionellen Charakter zu geben.

               Heute wollen wir einen iranischen Baumeister vorstellen, welcher anschaulich die Gruppe von Architekten präsentiert, die die iranische Tradition in der zeitgenössischen Ära pflegten.

Hussein Lorzadeh wurde 1907 in Teheran geboren. Sein Vater war Architekt. Zu den Bauwerken,  die sein Vater  entwarf und baute, gehört ein Teil der bekannten Madresseh Schahid-Motahhari und das mit Spiegelwerk versehene Hos-chaneh  in der Husseiniyeh Amir Bahador.

Er schickte seinen Sohn Hussein mit sieben Jahren zur Ausbildung in den damaligen Wissenschaften zur Schule. Husseins künstlerische Begabung war schon zu dem Zeitpunkt offensichtlich. Sein Vater führte ihn in die Architektur ein. Hussein besuchte nach dem Gymnasium die Kamal- ul-Molk Madressah, um Bildhauerei zu lernen. Er sagt darüber, er habe seinen Vater überredet, dass er ihn die Bildhauerei in dem Kamal-ul-Mulk-Akadamie erlernen lässt.

Lorzadeh erlernte auch die Architektur und öffnete eine Werk- und eine Ausbildungsstätte in diesem Fach. Einige seiner Bauwerke gelten als Meisterwerke iranischer Architektur. Er entwarf und baute das  Eingangstor für eine der alten Banken im Imam-Chomeini Platz in Teheran und den Toreingang der Madressah Daral-Fonun. Dies sind Beispiele aus dem Beginn seiner Tätigkeit als Architekt.

            

Lorzadeh wandte sich daraufhin der Restaurierung des alten Parlamentsgebäudes in Teheran zu. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten war sie schöner als zuvor.  Aber eines der schönsten Beispiele seiner Tätigkeit ist  die Ruhestätte Ferdowsi, des iranischen Eposdichters in Tuss, nördlich von Maschhad.  Anfangs wurde dieses Gebäude nach einem Entwurf von Andre Gaudart, dem französischen Architekten, bis zu den Eingangstreppen gebaut.  Aber Lorzadeh erklärte, dass dieses Grabdenkmal schließlich wie eine ägyptische Pyramide aussehen würde, was nicht zur Ruhestätte eines iranischen Dichters passe.  Daraufhin  wurde der Bau abgebrochen und die Fortsetzung der Bauarbeiten Lorzadeh überlassen. Er  kam   1932  nach Tuss. Für die Inschriften an dem Grabmal des bekannten Dichters eignete er sich Kenntnisse in der  Kalligrafie an. Die Ruhestätte Ferdowsi war fertig gestellt, als Hussein Lorzadeh  seinen 30. Geburtstag beging.

                   

 

Der Kulturkomplex Baghe Aramgahe  Ferdowsi liegt wie gesagt in der  Stadt Tuss - 20 km von Maschhad, Nordost-Iran, entfernt.

Der Entwurf für dieses Gebäude gleicht dem Grabmal des Achämenidenkönigs Kyros in der Provinz Fars.  Doch Lorzadeh hat islamische Elemente zur Geltung gebracht. Die Grundfläche des Gebäudes beträgt 945 Quadratmeter. Die besten Bildhauer haben hier Bilder aus dem Schahnameh des Ferdowsis auf die  Innenwände gezaubert.  Die Außenansicht des Gebäudes schmücken Dekorelemente aus der Zeit der Achämeniden, darunter fallen besonders die Säulen und die Säulenkapitelle ins Auge.  Die Reime, die auf alle vier Wänden des Mausoleums eingraviert sind, geben einen Eindruck von dem Geist und der Persönlichkeit Ferdowsis. Auch auf den breiten Eingangstreppen stehen Reime dieses berühmten Dichters geschrieben, ebenso Ebenso wie  Anmerkungen über den Bau dieses Grabmals. Ganz in der Nähe der Grabstätte wurde das Tuss-Museum errichtet.

                  

Jährlich suchen tausende dieses historische Gebäude, welches Lorzadeh errichtete, auf.

Lorzadeh hat nach Abschluss der Grabstätte für Ferdowsi mit dem Bau der Kuppel des Marmorpalastes in Teheran begonnen. Außerdem hat er Teile der Grabstätte Imam Husseins a.s. in Kerbala, Irak,  entworfen und restauriert und reihte sich zu den freiwilligen Baumeistern der Grabstätte dieses Heiligen. Lorzadeh konnte auf den Entwurf und Bau von 842 Moscheen zurückblicken, als er am Sommer 2004 im Alter von 98 Jahren starb.

 

Dieser berühmte Baumeister hat viele Bücher vorgelegt, darunter  „Wiederbelebung der vergessenen Künste“,  „Eine Gedichtssammlung“, Bilderbände mit seinen Entwürfen usw.

 Lorzadeh beherrschte so gut wie alle Faktoren der iranischen Architektur. In den Moscheen, die er erbaute, fällt die Feinheit und Genauigkeit der  Verzierungen und  Farbenwahl auf, ebenso die Orientierung  von Bemalungen in Richtung der Gebetsrichtung usw.

Typisch für seine Bauwerke waren auch die runden Bilder und Muster, genannt schamseh in Moscheen und an Gebäuden. Einige halten Lorzadeh für einen rein traditionellen Architekten, der nur für die Entwürfe seiner Moscheen bekannt ist. Aber er hat auch bei anderen Bauwerken gezeigt, dass seine Architektur echt iranisch ist. Er stützte sich auf das Wissen seiner Vorgänger, betrat die zeitgenössische Welt der Architektur und schuf traditionelle, unvergessliche Bauwerke. 

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