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Montag, 02 Februar 2015 06:07

Iranische Architektur und Kultur (Teil 77)

 Al-Hamra-Palast in Granada Al-Hamra-Palast in Granada
Wir haben bereits über den Einfluss der iranischen Architektur   in Asien  gesprochen.  Die iranische Bauweise wirkte sich auch auf Gebiete im Westen aus.


 Wie die  Geschichte bezeugt, fanden nach der Ausdehnung des Islamischen Reiches auf  Gebiete  wie das heutige Spanien und Portugal  die Errungenschaften der Iraner in Wissenschaft, Handwerk, Literatur und Medizin auch Einlass in Europa und wirkten sich auf den Fortschritt diese Kontinents aus. Schon in der vorislamischen Zeit hatten iranische Völker wie die Meder, die Parther und die Achämeniden  auf diesen Kontinent Einfluss ausgeübt. In dem Buch „Orienthandel im Mittelalter“  steht über die Präsenz der Kultur und Kunst der Iraner in Europa: „Die Iraner haben in allen Epochen die Wege nach Europa gekannt und sind ungehindert auf ihnen gereist. In Russland, Deutschland, Schweden, England und sogar in Island wurden eine große Zahl von iranischen Münzen gefunden, die aus der Zeit der Sassaniden stammen.“

Die Wandreliefe waren eine Kunst, die durch die iranischen Völker nach Europa insbesondere nach Spanien gelangte. Talbut Rice, der amerikanische Architekturexperte schreibt in seinem Buch „Iran und Byzanz“:  „Wenn die iranische Architektur anfangs keinen Einfluss auf die Baukunst von Byzanz gehabt hätte, wären wir heute nicht Zeuge all dieses Fortschritts.  So ruhmreiche Architektur in  Byzanz wie die Sophienkirche (Hagia Sophia)   wäre nie zu ihrer Vollendung gelangt, wenn nicht ausreichend genug Elemente der iranischen  Kunst und  Architektur angewendet worden wäre.“

Rice verweist daraufhin auf die Muster und Motive der iranischen Kunst und schreibt:  „Eines der bekanntesten Tiermotive in der iranischen Kunst ist der Kampf zwischen Löwen und  Stier.  Dieses Motiv wurde im Westen weitgehend nachgeahmt.  Ein  bekannter Schatz in Ungarn liefert   ein deutliches Beispiel für die Inspiration durch die iranische Kunst  und wurde weltberühmt.“

Die architektonischen Methoden Irans haben auch tiefen Einfluss auf die Bautraditionen  in Spanien gehabt, dazu gehören, die Anwendung von Gewölbedekor, Kuppelbau, Minarette, Gebetsnischen, Stuckwerkverzierung und Inschriften, Kachelmosaik und Inschriften im Kalligrafiestil Naskh, Sols und Kufi.

In Spanien gibt es viele Gebäude, die verschiedene islamische und insbesondere iranische Architekturformen präsentieren.  Insbesondere im Andalusien, im Süden des Landes, sind sie anzutreffen und es handelt sich um Moscheen, Grabstätten, Madressah, Karawansereien, überdachte Bazaare, Wasser-  und Badehäuser aber auch Wohnhäuser , deren innerer Aufbau der iranische Bauweise entspricht.

Die islamischen Baumeister in Spanien haben in großem Umfange Wert auf die Ausschmückung der Gebäude von innen und außen gelegt. Paläste,  Moscheen und Gartenanlagen  wurden in Anlehnung an die iranische Bauweise und islamische Kultur errichtet.

Ein bewundernswertes Beispiel ist die Hauptmoschee von Cordoba, die  128 n.d. H. also   ca. 745 n.Chr. erbaut wurde. Diese Moschee weist  1392 Marmorsäulen auf, welche durch Halbbögen miteinander verbunden sind. Vorher waren  solche Torbogenbauten in Spanien überhaupt nicht üblich gewesen. Die Torbögen mit ihren Kuppeln an einigen  Abschnitten des Bauwerkes erinnern unbestreitbar an die Kuppelbauten, die in großer Zahl  in ganz Iran gebaut wurden. Das Mosaik in der Gebetsnische mit den Pflanzenmotiven und den Koraninschriften deutet  ebenso unverkennbar auf den  Architekturdekor im Iran hin.

Heinrich Glück hat in einem Artikel den Stand  der Kunst im Europa gegen Ende des Mittelalters beschrieben und weist dem Orient  bei der Entstehung der Renaissance eine große Bedeutung zu. Er schreibt, dass das   Italien  des Mittelalters vom südlichen Sizilien bis zum Westen (Spanien) und zum Osten (Byzanz) zum großen Teil  von der östlichen Kultur beeinflusst wurde.  Erst die Seldschuken und dann die Ottomanen hatten  die vollendeten Bautraditionen, welche im Iran verankert waren, mit nach Kleinasien gebracht und von da aus nach Europa ausgeführt. Mit diesen Traditionen sind das Baumuster  der 4-Eywan-Moschee und die Kuppelbauten mit symmetrischer Zentralachse gemeint.

 

Einige europäische Autoren wie Heinrich Glück haben die Konstruktion des St.Peters-Dom als deutliche Nachahmung  der Entwürfe von Kamaleddin, dem iranischen Baumeister betrachtet. Dieser   hat in Iran und der Türkei Bauwerke entworfen und später hat Donato Bramante sich bei dem  Grundentwurf für den Sankt-Petersdom  von den Entwürfen Kamaleddin inspirieren lassen . Auch wenn der Grundplan von Michelangelo für den Bau des Petersdoms verwendet wurde, so hat Michelangelo selber geschrieben: „Wenn jemand sich von Bramante abkehrt, hat er sich von der Wahrheit abgekehrt. Ich habe mich nach seinem ersten Grundplan gerichtet.“ Man kann  daraus demnach schließend, dass sogar der Kuppelbau des St. Petersdom in Rom nicht ohne Einfluss der iranischen Baukultur entstand.

Zwischen der Vorstellung Europas und des Ostens  von einem Garten bestehen deutliche Unterschiede.  Wie die Funde von Archäologen untermauern, haben die Könige in Andalusien in verschiedenen Epochen, zahlreiche Gärten anlegen lassen, die dem östlichen Muster insbesondere dem iranischen Modell aus der Zeit der Achämeniden gehorchen. Diese Gärten waren durch 3 Hauptmerkmale gekennzeichnet: Ein von einer Mauer umgebenes Gelände, Bäume, die ein fortschrittliches Bewässerungssystem verlangten und Pavillons  für eine kurze Unterkunft. Zwar hatte der iranische Gartenbau einiges mit dem im Mittelmeerraum gemeinsam, aber  für die Muslime war ein Garten von besonderer Bedeutung. Im Islam gilt das Paradies - die ewige Bleibe der  Guten, als ein wunderbarer Garten mit duftenden  Früchten, wunderschönen Blumen, plätschernden Bächen und schattenspendenen Bäumen. Diese Elemente  inspirierten die Muslime bei ihrem Gartenbau.

Im Koran wird das Paradies als Dschanat – als Garten bezeichnet und dieses Wort kommt daher in den Bezeichnungen einiger  Königliche Gartenanlagen vor. Zum Beispiel der Dschanat-ul Aref – der Garten der Weisen-  in Granada. Über dem nördlichen Toreingang steht die Sure Fath  geschrieben, in der den Gläubigen schöne Gärten versprochen werden. Weltreisende wie Marco Polo  haben  von der Ähnlichkeit der Gärten und des Paradieses für die Muslime geschrieben . Im iranischen Gartenmodell liegt in der Mitte ein Wasserbecken und Wasserrinnen und Bäche werden zu den Blumenbeeten und Bäumen gelenkt.  Das Wasser wird auch durch unterirdische Tunnel – die sogenannten Qanat an  die gewünschten Stellen gebracht. Diese Technik aus dem Osten finden wir im Palast von Cordoba wieder.

Die Innenhöfe im Al-Hamra-Palast in Granada zeigen, dass man sich bei dem Entwurf der Gartenanlage nach dem iranischen Gartenmodell  richtete. In Andalusien wurden beim Bau von Springbrunnenanlagen Tierfiguren verwendet, wie wir sie im Iran häufig  sehen.

Hinsichtlich der kreuzförmig angelegten Gärten in Europa ist zu sagen, dass sie mit den 4-Garten-Modell der Iraner zusammenhängen, von denen das älteste Beispiel  im Pasargad-Palast , der vor 3000 Jahren errichtet wurde, zu finden ist.  In der Stadt Qasr Schirin hat Chosro der Zweite (590-bis 628 n. Christus)  einen Palast auf einer hohen Terrassenanlage bauen lassen. Diesem Gebäude liegt eine großes Wasserbecken gegenüber, welches  wie ein kleiner See anmutet. Dieses Modell diente beim Bau von Palästen und  Residenzen in Europa als Vorbild.

Ein original  iranisches Bauelement sind die großen Säle innerhalb der  Gartenanlagen.  Die Gebäudeausschmückungen in Cordoba sehen denen in Iran sehr ähnlich. Man braucht sich nur den großen Zentralspavillon im Garten von Madinat-ul Zahra in Cordoba anzusehen. An die iranische Bauweise erinnern auch der kreuzförmig angelegte  Innenhof aus der Zeit von Abdul Asis in Valencia, die Reste des Palastes in Malaga, das Dschafariyah-Schloss in Zaragossa sowie der Löwen-Hof von Al Hamra.

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