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Dienstag, 20 Januar 2015 06:21

Iranische Architektur und Kultur (Teil 76)

Iranische Architektur und Kultur (Teil 76)
Wir haben in vorherigen  Beiträgen über den Einfluss der iranischen Architektur auf die Baukultur in einem Teil von Asien hingewiesen.

Wir haben Bauwerke in Indien und mittelasiatischen Ländern genannt, die entweder von der iranischen Baukultur beeinflusst wurden, oder die Baumeister aus dem Iran errichteten oder verzierten. Die Stadt Buchara, welche heute im Süden von Osbekien liegt, ist eines der besten erhalten gebliebenen  Beispiele für die Baukultur und den Städtebau in Zentralasien.

Die historischen Bauwerke in Buchara zeigen, dass diese Stadt  ihre wichtigste Glanzzeit zur Zeit der Samaniden erfuhr. Damals entwickelte sich Buchara zu einer der größten Städte in der Region.

Zahlreiche historische Bauwerke und Stätten liegen in der Altstadt von Buchara. Eines der schönstes ist das Kalan-Minarett. Dieses Minarett ist Wahrzeichen von Buchara. Zusammen mit der Kalan-Moschee und der Mirarab-Madresseh bildet es einen großen Komplex im Herzen der Altstadt von Buchara. Das Kalan-Minarett wurde im 12. Jahrhundert nach Christus erbaut. Es ist 48 m hoch.  Der Minarettturm ist mit Dekorwerk aus Ziegeln und Kacheln  in blauer Farbe verziert. Kacheln wie diese wurden in verschiedenen Gebieten des Irans zur Gebäudeverzierung verwendet.

Buchara war die Hauptstadt der iranischen Herrscherdynastien der Samaniden und Taheriden.  Yaqubi,  ein Historiker, der im 3. Jahrhundert nach der Hidschra (9. Jahrhundert nach Chr. ) gelebt hat, schreibt in seinem Buch Kitab-ul-Buldan: Buchara ist eine Stadt, deren Bevölkerung sich  aus Arabern und Iranern zusammensetzt.  Außerdem ist gemäß Geschichtsschreibern wie Masudi im 4. Jahrhundert  Buchara nach Beginn der Islamischen Ära,  das iranische Kultur- und Literaturzentrum gewesen. Deshalb ähnelt die Baukultur dieser Stadt sehr der iranischen Baukunst.

 

Die Anlage Naqschbandiyah in Buchara weist viel Ähnlichkeit mit iranischen Baukomplexen auf. Diese Anlage besteht aus einer Madressah – einer Theologieschule also, einer Moschee und  einer Ruhestätte. In der Mitte liegt ein großer Zentralhof mit schönen Grünanlagen. Die verschiedenen Bäume und Beete erinnern an die typischen 4-Gärten Anlagen im Iran.  Auch ähneln die Arabesken-Muster auf Türen und Wänden an die Islimi-Muster an iranischen Gebäuden.  Zu dieser Stätte gehört auch ein Saqchaneh – für Trinkwasser – welches wie die iranischen Bauten dieser Art angelegt ist. Typisch ist auch das rechteckige Becken im Hof, an dem die rituelle Waschung vor dem Gebet vorgenommen werden kann.

 

Weitere  Gemeinsamkeiten dieser  Gebäudeanlage  im iranischem Baustil des 7. und 8. Jahrhunderts  sind außerdem : die Beachtung der Regeln der Symmetrie im Bau der Madressah, die Holzverzierungen an der Decke der Säle und der Eywane, das Fehlen von Abbildungen des Menschen und von Tieren.  Der Ziegelsteindekor an diesem Bauwerk wurde wie es zur Zeit der Timuriden üblich war, vorgenommen.

In Zentralasien sind viele große Karawansereien und Badehäuser und Bazaare gebaut worden.  Beim Bau dieser Anlagen spielten die örtlichen Verwalter und wohlhabende Handelsleute eine wichtige Rolle und die meisten der Gebäude wurden gestiftet.

 

Khiveh ist eine Stadt, die zur Zeit der Timuriden zu Ruhm gelangte. Dort gibt es eine Festung. Sie galt dem Schutz dieser Stadt und ihre Mauern erreichten mehr als 10 m Höhe. Diese Itschan- oder auch Ischan-Burg war die letzte Raststation für die Karawanen, die von Khiveh aus in das Gebiet, welches sich heute Iran nennt, weiterziehen wollten. Diese Festung ist im Stil iranischer Burganlagen gebaut.  Zu ihr gehören mehrere Minarette. Die Stadtstruktur dieser Festung und ihre Gebäude  wurden in Anlehnung an die iranische Baukultur entworfen. Diese Stadt  wurde wegen ihrer interessanten Bauweise  in die Weltliste der antiken Städte eingetragen.  

 

 

Afghanistan gehört auch zu dem geografischen Gebiet, welches unter dem Einfluss der iranischen Kultur und Architektur gestanden hat. Zahlreiche Moscheen in diesem Land sind aufgrund  der originalen islamischen und iranischen Baukultur errichtet worden. Dies weist darauf hin, dass muslimische Baumeister aus dem Iran in dieser Region waren.

 

Schahrokh, der Sohn des Timurlan und seine Gemahlin Guharschad, haben 1401 nach Christus die Stadt Hirat zur Hauptstadt  der Timuriden ernannt. Im 15. Jahrhundert nach Christus erlebte diese Stadt  ihre goldene Epoche. Sie wurde wegen der Gemäldekünstler  und Baumeister, die sie hervorbrachte, als besondere Stadt im Asien betrachtet. Es entstanden sehr schöne Moscheen und Paläste. Sie zieren auch heute noch diese Stadt. Eine Madressah und ebenso eine Moschee, die 12 Minarette  aufwies, wurde auf Anweisung von Guharschad errichtet. Es blieben aber nur 5 Minarette erhalten.

 

Die Madressah Guhar-Schad in Hirat weist 4 Eywane (Vorterrassen) also auf. Diese Moschee wurde zur Zeit der Timuriden von Qawamuddin Schirasi erbaut. Qawamuddin Zeynuddin Schirasi ist ein namhafter iranischer Baumeister.  Er hat auf Anweisung von Guharschad im Jahre 818 nach der Hidschra – circa 1415 nach Christus die Guharschad-Moschee in Mahdschad, im iranischen Khorrassan gebaut.  Er erbaute auch die Madressah Chargard, die Ologh-Beyg-Ruhestätte in Sarmakhand und die Goharschad-Madressah und Moschee in Hirat.  Zu den Gemeinsamkeiten dieser Bauwerke gehören die Kuppel, der Ziegelsteindekor an den Deckenrändern und die Verkleidung von Stalaktitendekor mit blauen und roten Kacheln auf weißem Grund. Alles zeugt dafür,  dass die iranische Architektur in den Islamischen Gebieten verbreitet war.

 

Das Bahramschah-Minarett in der afghanischen Stadt Ghazni ist ein weiteres Beispiel für Bauwerke, die unter dem Einfluss der iranischen Kunst entstanden.  Bahramschah hat im 11. Jahrhundert nach Christus gelebt und heute noch existiert der hohe Grabturm  über seiner Ruhestätte.  Die Verzierungen an diesem Minarett verleihen ihm einen prächtigen Anblick. Das Minarett ähnelt stark einem Minarett welches 100 Jahre vorher in der Nähe von Kerman, im Iran errichtet wurde.

 

In der Islamischen Ära wurden Karawansereien so angelegt, dass sich um einen Zentralen Innenhof die Gästekammern für die Reisenden befanden und dahinter breite Gänge  für die Tiere eingerichtet wurden.  In den meisten Karawansereien lagen an den Seiten des Innenhofes noch  zwei oder vier Vorterrassen. Dieses Baumuster für iranische Karawansereien diente als Vorlage für die Karawansereien in vielen anderen Ländern wie Pakistan, Afghanistan, Indien und Zentralasien.  In Afghanistan blieben einige Karawansereien erhalten die sehr dem Baustil der Karawansereien im Iran ähneln. Zum Beispiel eine Karawanserei, die in der Nähe von Tasch Kurgan in Afghanistan liegt. Sie gleicht sehr der Karwanserei von Gaz im Iran, sowohl vom architektonischen Entwurf her als auch von der Gestaltung der Außenfassade und dem Baumaterial. Der Ziegelwerkdekor an diesen beiden Karawansereien und ihre sonstigen Ausschmückung sind sich so ähnlich, dass man annehmen kann, dass  sie von demselben Baumeister stammen.

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