Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Freitag, 09 Januar 2015 04:25

Iranische Architektur und Kultur (Teil 75)

Grabstätte des Timur Lang in Sarmakhand Grabstätte des Timur Lang in Sarmakhand
   Kulturen und Zivilisation gehen über geographische Grenzeinteilungen hinaus. Hierfür liefert die kulturelle Verbindung Irans zu zentralasiatischen Ländern ein gutes Beispiel.

  Zwischen diesen benachbarten Gebieten gibt es seit langem starke kulturelle und geschichtliche Beziehungen. Die richtige Kenntnis dieser Beziehungen und der Geschichte lässt uns die kulturellen Verhältnisse in dieser Region besser verstehen.  Deshalb wollen wir in unserem Programm über die iranische Architektur auch einen Blick auf die Architekturgeschichte in Zentralasien werfen und die Spuren der iranischen Architektur in dieser Region vorstellen.

Mit Gründung der Sowjetunion Anfang des 20. Jahrhunderts kamen gewaltige Probleme auf die alten  zentralasiatischen  Städte mit muslimischer Bevölkerung und  ihrem Kulturerbe zu. Der Bevölkerung fiel es schwer, sich  der neuen Ideologie und den speziellen sozialistischen Lebensweisen anzupassen. Bei den staatlichen Programmen  zur Veränderung der Struktur der Städte und Stadtviertel wurde die Bevölkerung dazu angeregt, die traditionellen Städte zu verlassen und in moderne Städte umzusiedeln. Es stand sogar die Zerstörung historischer Gebäude auf der Tagesordnung und  das historische Erbe in diesem Gebiet war in Gefahr. Die Sowjetunion legte keinen Wert auf das Kulturerbe der Bevölkerung dieser Gebietsteile, so dass auf diese Weise ein beachtlicher Teil der kulturellen Vergangenheit in Zentralasien verlorenging. Dieser destruktive Prozess brach jedoch mit dem Zerfall der Sowjetunion ab und die Bevölkerung wandte sich allmählich wieder ihrer ursprünglichen Identität zu.  Der Kulturaustausch zwischen den unabhängig gewordenen zentralasiatischen Ländern nahm zu und die Bewohner dieser Region widmeten dem Kulturerbe aus der Vergangenheit wieder größere Aufmerksamkeit.

Insgesamt existiert es in den zentralasiatischen Städten eine Summe von historischen Bauwerken  und Anlagen.

Das Bild von Städten wie das historische Sarmakhand, wird eindeutig von Mausoleen geprägt. Deren  Stattlichkeit weist auf die Bedeutung der Persönlichkeiten hin, die hier beigesetzt wurden und zeugt für ihren Einfluss auf Leben und Kultur der Bevölkerung in dieser Region hatten.

 

Sarmakhand ist die größte Stadt mit tadschikischer Bevölkerung, liegt aber heute in Osbekien. Sie ist eine der ältesten Städte der Welt. Diese Stadt liegt an einer zentralen Stelle  der ehemaligen Seidenstraße. Diese Straße stellte in der Alten Welt die wichtigste Verbindung zwischen West und Ost dar. Zu den wichtigsten  historischen Gebäuden in Samarkand gehören das Mausoleum von Emir Timur und   Schah-i Zandeh, die  Bi-Bi-Chanom-Moschee und  weitere.

Alle Mausoleen sind Teil eines  größeren Gebäudeverbandes und liegen in Nachbarschaften von religiösen Stätten wie Moscheen und theologische Schulen.  Die Einwohner von Samarkand halten ihre religiösen Feiern und Zeremonien in den Stätten neben diesen Grabmälern ab oder nutzen diese Anlagen in ihrer Freizeit für  Spaziergänge.

Eine Anlage in Sarmakand nennt sich Gurmir  oder Maqbar Timur (Grabstätte des Timur Lang) -    Diese Anlage besteht aus einer Grabstätte, einer Madresseh – theologischen Schule-  ein Chaneqah – ein Treffpunkt für die Verehrer Imam Alis -  und einem großen Saal.  Die Gebäude sind  um einen quadratischen Platz angeordnet. Timur Lang hat nach dem Tod seines Enkels im Jahre 1402 n. Chr. den Bau dieser Ruhestätte angeordnet. Die Anlage wurde großartig ausgeschmückt. Das Bauwerk hat eine zweischalige Zwiebelkuppel.  Den unteren Rand der Kuppel ziert eine Inschrift im Kufi-Stil. Die Kuppel und deren Innenflächen sind mit glänzendem Kachelwerk verziert. Die Kuppel ragt circa 34 m in die Höhe. Ihr Erbauer war der Iraner Mohammad Ibn Mahmud Isfahani. Es wurde also iranische Bautechniken verwendet.  Die Gräber in diesem Mausoleum wurden mit Ganzplatten aus Marmor bedeckt und  mit Pflanzenmotiven verziert.

Ein weiteres Gebäude ist das Scheych Ahmad Yassawi-Mausoleum, des bekannten Sufi von Samarkand. Auch dieses Bauwerk zeigt typische Merkmale der iranischen Baukultur. Es ist rechteckig und die Außenwände schmücken Inschriften und Ziegel- Stalaktitenwerk. Die schöne Kuppel schmücken blaue Kacheln.

Die Timur-Epoche war trotz inländischer und externer  Konflikte  für die Islamische Kunst von großer Bedeutung. Das wichtigste Merkmal aller architektonischen Bauten war die Beachtung der symmetrischen Aufteilung. Bekannte Beispiele aus dieser Epoche sind die Schah-i Zandeh-Anlage in Samarkand und die Guhar-Schad-Moschee in Maschhad.  Die  Schah-i Zandeh -Anlage ist an ihren zwei Kuppeln zu erkennen.  Die Mosaike und symmetrisch gestalteten Kachelbeläge und Verzierungen mit goldfarbenen Blätterranken und schönen Blütenmotiven vertreten zusammen mit den Stuckwerkverzierungen anschaulich die iranische Architekturkunst. Die Nachfolger  Timur Langs  ließen in Groß-Khorassan und im heutigen Iran gewaltige Bauten errichten. Wir haben bereits in früheren Teilen dieser Sendereihe  einige von ihnen vorgestellt, wie zum Beispiel die  Blaue Moschee von Tabris – Masdsched-e Kabud genannt.

                              

Eine andere Stadt, die viele Beispiele für Architekturkunst im iranischen Stil aufweist, ist Marw. Marw ist eine der Städte des Alten Khorassans und hat mehrere  Jahrtausende über großen Einfluss auf Kultur und Zivilisation in  Zentralasien und Iran ausgeübt. Diese historische Stadt  liegt heute in der Republik Turkmenien. Seit 1999 steht sie  wegen ihrer besonderen historischen und kulturellen Werte auf der Liste für das Weltkulturerbe.  Die Spuren der Geschichte zeugen davon, dass es in dieser Gegend  schon im 3. Jahrtausend vor Christus städtisches Leben gegeben hat.

 

Marw wurde warscheihnlich unter Kyros , dem Stammvater der Achämeniden errichtet und zur Zeit der Arsakiden war diese Stadt ebenso von Bedeutung. Nach der Verbreitung des Islams gehörte Marw zu den wichtigen Städten im Islamischen Reich. Diese Stadt wurde auch Schahr Muhadscherin – Stadt der Einwanderer genannt, denn es siedelten dort viele aus arabischen Gebieten und aus Asien an und beeinflussten auf diese Weise die Kultur der Stadt. Viele einflussreiche Persönlichkeiten in Marw sind Iraner gewesen. Die Glanzepoche der Stadt fällt in die Epoche der Seldschuken. Unter Sultan Sandschar, dem Seldschuken, erlebte sie eine solche Aufblüte, dass sie  als die zweitwichtigste Kulturstadt der Region nach Bagdad  galt.

Die Mausoleen aus der Zeit der Seldschuken sind zweifelsohne wichtige Architekturwerke in der Stadt Marw. Es hat den Anschein, dass sie in Anlehnung an den bekannten Grabturm Gonbad Qabus im iranischen Gorgan (Provinz Golestan) gebaut wurden. Gonbad Qabus ist das bekannteste Beispiel für einen Grabturm.  Tughral , der erste Seldschukenkönig der in Rey verstarb, liegt wahrscheinlich in dieser ehemals bedeutenden Stadt, die sich heute an  Südteheran anschließt, in einem Turm gleichen Namens begraben.  Dieses Bauwerk ist ein typisch iranischer kegelförmiger Kuppelbau.  Die Sultan-Sandschar -Grabstätte  in Marw liegt inmitten eines Geländes namens Sultan-Qal´eh und erinnert an die Glanzzeit der seldschukischen Baukunst. Ihr Erbauer war Mohammad Asis aus Sarchas in Khorasssan.  Das  Mausoleum entstand Anfang des 12. Jahrhunderts nach Christus.  Es ist quadratisch und besteht aus gebrannten Ziegeln. Der Durchmesser der Kuppel beträgt 18 m. Diese Kuppel war einmal mit türkisfarbenem Kachelwerk verziert. Dies ist leider nicht erhalten geblieben. Diese Mausoleum ähnelt der Gonbad Sultaniyeh oder Maqbareh Oljaito in Sendschan/Iran.  Auch ähnelt die Art der Verzierung der Kuppel den Innenausschmückungen bei iranischer Baukultur. Im nächsten Programm wollen wir auf die Bauwerke in Buchara hinweisen.

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren