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Donnerstag, 25 Dezember 2014 03:59

Iranische Architektur und Kultur (Teil 74)

Iranische Architektur und Kultur (Teil 74)
 Sie haben bereits viel über die Merkmale typisch iranischer Architektur erfahren und wir haben auch in den letzten Beitragen wieder einige historische Bauwerke im Iran vorgestellt.

Die Geschichte Irans ist recht bewegt und die jeweiligen Bedingungen in den einzelnen Geschichtsepochen  fanden Niederschlag in der Bauweise. Zum Beispiel entstand nach der Ankunft des Islams eine neue  Baukultur, die von der Islamischen Kultur beeinflusst war. Typische Beispiele liefern die  religiösen Stätten und Lehrzentren  und Wohnhäuser. Die Bauweise erfuhr daraufhin unter den Buyiden und den Seldschuken einen auffallenden Wandel. In dieser Zeit entstanden sehr schöne Bauwerke.  Arthur  Pope der amerikanische Iranist und Historiker bezeichnet die Veredlung und Verfeinerung vorhergehender Baukunst  als islamisch-iranische  Errungenschaft.

Der Islam erreichte im 12. Jahrhundert nach Christus den Norden Indiens und beeinflusste nach und nach die Kultur und Kunst in diesem Teil der Welt. Die Bauweise in dieser Gegend verschmolz mit der iranisch-islamischen Architektur und es wurde ein neuer Stil begründet. Dieser prägte den Bau von Moscheen, Grabstätten, Palästen und Festungen und verlieh der indischen Architektur einen besonderen Glanz. Bengalen, Keschmir, Pandschab und Dekkan  gehören zu den Gegenden in denen die Baukultur  weitgehend Spuren der iranischen Baukunst trägt, zum Beispiel das Mausoleum von Humayun  in Delhi. Diese Ruhstätte besteht aus Stein und ist wie im Iran mit Kachelwerk geschmückt und die erste indische Ruhestätte, die in einem Garten gebaut wurde.

Humayun war der zweite Herrscher des Großmongulreichs  in Indien. Er konnte, nachdem er 15 Jahre lange am iranischen Königshof Zuflucht gesucht hat, mit Hilfe des Königs Tahmasp  dem Ersten in sein Land zurückkehren. Humayun war ein großer Freund der Kunst und Wissenschaft und hatte eine große Büchersammlung zusammengestellt. Aber nach seiner Rückkehr nach Indien verstarb er bald. Seine iranische Gemahlin hat  ihm zu Gedenken, inspiriert von dem iranischen Grabstätten- und Gartenbau 1562 die Humayun-Grabstätte  in einem schönen Garten bauen lassen. Die Bauarbeiten dauerten 8 Jahre. Dieses Bauwerk in Indien weist völlig iranische Merkmale auf. Geschickt wurden  Kachelwerk und Steinflächen miteinander kombiniert.  Einen schönen Anblick bieten auch die Vorterrassen und die Bogendecken und  schmalen Kuppeln. Diese große Ruhestätte wurde mit roten Steinplatten geschmückt und die Gartenanlage, in der sie liegt, ähnelt dem iranischen Vier-Gärten-Modell. Ähnliche Gärten finden wir auch im iranischen  Isfahan.

 

Garry Martin beschreibt in seinem Buch „Die Architektur der Islamischen Welt“ über 30 bekannte Bauwerke in Indien an denen deutlich islamisch-iranische Bautraditionen   beachtet wurden. Dazu zählen Gebäude wie die Rote Burg in Agra, die Quad Islam-Moschee in Delhi,  das Quadmenar in Delhi, und die Ruhestätte Itimad ud Daulah in Agra.

 

Mit dem Bau des Quadmenar setzte die iranische Baukultur ihren Fuß auf indischen Boden. Es handelt sich um einen schlanken prächtigen Turm, den der erste muslimische Herrscher in Indien gegen Ende des 12. Jahrhunderts nach Christus in Delhi errichten ließ.  Die Höhe dieses Minaretts beträgt heute ungefähr 73 Meter. Es ist das höchste Steinminarett auf der Welt.  Das zweite Stockwerk dieses Minaretts im iranischen Stil ist wunderbar mit Koranversen verziert.

 

Ein wichtiger Punkt in Bezug auf die Gebäude, die im iranischen Stil und durch iranische Baumeister in Indien gebaut wurde, betrifft die Ausschmückung.   In der  prunkhaften  indischen Bauweise  werden viele geometrische Muster und Pflanzenmotive und grelle Farben verwendet, wie an den meisten Bauwerken in diesem Land zu sehen ist.  Demgegenüber sind die Bauwerke im iranischen Stil weniger grell gestaltet und an ihren Kachelwerk, dem iranischen Garten und dem Bau im 4-Eywan-Muster zu erkennen.

Im Iran ist der Bau einer Grabstätte  als Gedenkstätte für die Großen der Religion oder wichtige Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft eine gängige Sitte. Sie wurde besonders unter den Seldschuken üblich. Die indischen Moguls haben teilweise diese Methode übernommen und begannen für ihre Persönlichkeiten Grabstätten zu errichten.

 

Das Tadsch Mahal zählt zu den Meisterwerken der Weltarchitektur.  Es ist im iranischen Baustil gestaltet und wird daher zu den Bauwerken gezählt, die unter dem Einfluss der iranischen Baukultur entstand.

Tadsch Mahal ist eine stattliche Ruhestätte in der Nähe der Stadt Agra, 200 km entfernt von Delhi. Der 5. Großmogul Indiens, Schah Dschihan ließ diese Ruhestätte in Gedenken an seine iranische Gemahlin Mumtaz Mahal errichten. Schah Dschihan rief für die  Errichtung dieses Mausoleums über den Grab seiner Frau 2000 Künstler und Baumeister aus verschiedenen Teilen Asiens insbesondere aus Iran herbei. Mit dem Bau wurde 1632 begonnen. Das Gebäude war 1647 zu Ende gebaut.

 

 

Hambly Gyvyn , Autor des Buches „Die Städte im Indien der Mogulen“ schreibt:  „Was  ein Forscher der Islamischen Architektur beim Anblick der Tadsch Mahal als erstes feststellt sind die iranischen Ursprünge dieses Bauwerkes.“  Er bezeichnet Tadsch Mahal  als Sinnbild der Architektur aus der Saffawidenzeit und als prächtiges Beweisstück für den Einfluss der iranischen Genialität auf die  Baukunst in Indien.

In den Chroniken wird nicht  auf den konkreten Baumeister   von Tadsch Mahal hingewiesen. Aber in einigen Büchern ist von einem Baumeister namens Ahmad Lahuri die Rede, der außerdem auch die Rote Burg in Delhi gebaut hat.  Es taucht aber auch der Name Ostad Issa auf, ein Meister  aus dem iranischen Schiras.  Alle Inschriften auf den Wänden von Tadsch Mahal  hat jedenfalls ein Künstler namens Emanat Chan Schirasi angefertigt. Er gravierte diese schwarzen Inschriften in Tholth-Schönschrift  auf weißem Marmor ein.

Über  dem  Hauptgebäudetrakt ruht eine zwiebelförmige Kuppel. Sie ist zweischalig und ragt  50 m in die Höhe. An den vier Seiten der Hauptkuppel schließen sich 4 Bögen mit kleineren Kuppeln an . Ähnliches finden wir auch bei der Grabstätte Amir Ismalel Samani in Buchara. An allen vier Ecken der Tadsch Mahal ragt ein Minarett in die Höhe.  Dadurch zieht das Hauptgebäude als erstes alle Blicke auf sich. 

 

Tadsch Mahal ist insgesamt 58 m hoch und 56 m breit und wurde auf einer großen Marmorplattform errichtet.  Es liegt in einem großen Garten von 18 Ha, den ein Bach durchströmt.  Die Grünanlagen sind nach dem iranischen 4-Garten-Prinzip aufgeteilt.  Tadsch Mahal besteht aus weißem Marmor. Dschihan Schah wollte in der Nähe für sich selber einen Grabstätte aus schwarzem Marmor bauen lassen. Aber so weit kam es nicht. Er starb vorher und  wurde  neben seiner Gemahlin beigesetzt.  Neben dem Hauptgebäude sind zu beiden Seiten zwei kleinere Gebäude zu sehen. Außerdem liegt in der Nähe der Ruhestätte auch eine Moschee mit drei Kuppeln, die aus rotbraunem Sandstein gebaut wurde.  Tadsch Mahal wurde 1983 als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt. Bei einer internationalen Umfrage im Jahre 2007 wurde  diese Ruhestätte als eines der sieben Weltwunder unserer Zeit befunden.   

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