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Montag, 16 Januar 2012 05:54

Iranische Architektur und Kultur (Teil 17)

In diesem Teil möchten wir über die Rolle des Lichtes in der iranischen Architektur sprechen.
Das Licht ist für die Weiterexistenz der Lebenswesen von Wichtigkeit und dies ist der Menschheit seit Ewigkeit bewusst. Eine der schönsten Arten des natürlichen Lichtes ist das Sonnenlicht. Deshalb hat man besonders in kalten Gebieten das Sonnenlicht verehrt. In den Religionen spielt das Licht immer eine Rolle.

In der Genesis des Alten Testamentes steht : Und Gott sprach "Es werde Licht!" Und im Koran lesen wir in der Sure 24 „Das Licht“ im Vers 5:

„Gott ist das Licht von Himmel und Erde.“

Schon in alten Quellen steht geschrieben, dass das Dasein aus dem Licht hervorging und das Licht über die Finsternis siegen wird und Dichter sehen im Licht den Sieger auf allen Kampfplätzen und die Quelle des Lebens und der Hoffnung.

In den islamischen Quellen wird Licht als Phänomen bezeichnet, dessen Ursprung außerhalb der materiellen Welt liegt. Licht ist Sinnbild der überirdischen Welt. Die iranischen Baumeister wussten den Wert des Lichtes zu schätzen und zu nutzen.

 

In alten Bauwerken versuchte man das natürliche Licht optimal zu nutzen und griff nur wenig auf das künstliche Licht von Fackeln und Lampen zurück. Man nutzte sogar das Licht des Vollmondes zur Monatsmitte und besonders in Wohnhäusern gab es einen entsprechend angelegten Gebäudeabschnitt der sich Mahtabi nannte, d.h. Mondlicht.

Besonders in den ariden und wüstennahen Gebieten Irans richtete sich die iranische Bauweise nach den Lichtverhältnissen durch die Sonne. Der Teil des Hauses, der vor allem im Winter benutzt wurde, lag an der Nordfront und mit den Fenstern zur Sonne. Er nannte sich Zemestun-neschin was ausdrückte, dass er im Winter bewohnt wurde. Und umgekehrt waren die Räume an der Südfront und mit dem Rücken zur Sonne für die heißen Tage im Sommer gedacht. Außerdem baute man Schattendächer oder Schattenmauern um grelles heißes Sonnenlicht abzuwehren. Die Schattenwände waren in Wahrheit Gittermauern, zudem gab es bunt verglaste Fenster aus vielen kleinen Fensterluken.

 

In Südostiran liegt in der Provinz Sistan wa Balutschistan eine historische Anlage namens Schahr-e Suchteh. Die verbrannte Stadt. Es sind Reste einer Hochkultur im antiken Iran. Wie die Häuser zeigen wurden die Zimmer fensterlos erbaut und es gab nur eine Eingangstür.

In der Zeit der Elamer im Westiran, d.h. circa 1300 bis 1400 vor Christus finden wir die ersten Glasfenster vor. Als ältestes Beispiel für den Fensterbau im Iran kann auf das Modell der Mederburgen hingewiesen werden. Auch die Assyrer versahen ihre Türme mit Fenstern um Licht ins Bauinnere einzulassen.

Von der Persepolis – im Inland als Tachte Dschamschid bekannt , welche nördlich von Schiraz liegt, und aus der Zeit der Achämeniden stammt, sehen wir, dass über den Toren Fensteröffnungen lagen, durch die Licht in die Bauwerken einfiel. Laut Untersuchungen waren die Palastanlagen von Persepolis sogar so angelegt, dass man an dem Einfallwinkel des Lichtes und an den Schatten den ersten Tag im Jahr und den Beginn der einzelnen Jahreszeiten feststellen konnte.

 

Die Arsakiden versorgten besonders das Innere ihrer Paläste durch sichelförmige Spalten in den Holzdächern mit Licht. Diese Fensterluken ließen sich in Richtung Osten öffnen.

Unter den Sassaniden drang Sonnenlicht durch eine Öffnung im Kuppeldach ein. Manchmal wurde oben im Dachgewölbe auch eine Einrichtung zum Anzünden eines Feuers vorgesehen. Jedenfalls erfolgte die Innenbeleuchtung von dieser Kuppelöffnung aus. Bei Bauwerke im warmen Süden Irans zum Beispiel in Khuzistan wurden die Fenster ebenso in den Dächern der Häuser angebracht.

 

Als der Islam im Iran einkehrte, entfaltete sich die Nutzung entsprechend der neuen Bauweisen weiter. Auf der Suche der Lichtnutzung typisch iranisch-islamischer Architektur sollte man nicht zu den Palästen gehen, denn die besten Beispiele für die Nutzung des natürlichen Lichtes in dieser Zeit liefern die Wohngebäude.

Die architektonischen Elemente für die Verwendung von Licht in der typischen iranischen Architektur tragen verschiedene Namen wie Ruzan, Schabak und Roschandan und andere. Für den Schutz vor Licht-Überfülle verwendete man andere Elemente wie Rawaq (Säulengänge) und Sayehban (Schattenspender) .

 

Zum Schutz der Einwohner vor starker Wärme, grellem Sonnenlicht und Wetterwechsel, Sturm und heftigem Regen wurden zusätzlich zu Fenster und Türen noch weitere architektonische Elemente hinzugefügt. In den alten iranischen Häusern wurde vor den Fenstern, die aus Gips oder Holz waren, noch ein Gitterwerk aus Keramik oder Kacheln angelegt, dessen Kanten und Verzierungen zur Lichtbrechung oder besseren Lichtstreuung führten. Von außen her konnte man nicht ins Innere hineinschauen aber von innen her draußen gut sehen. Diese Art von Fensteranlagen wurden Schabaak genannt.

 

Eine andere Methode iranischer Baumeister zur Erhellung von Bauwerken war die Gewölbeöffnung.

Hierbei wurde wie bei den Sassaniden in öffentlichen Gebäudeanlagen - wie theologisch-wissenschaftlichen Lehrstätten und Bazaaranlagen - oben in den Dachgewölben eine große kreisförmige Öffnung belassen. Manchmal wurde dieses Ruzaneh auch mit Glas verkleidet. Doch in den Bazaaranlagen blieb die Öffnung zwecks Belüftung des Bazaars unverglast.

In einigen Bazaaranlagen wurden noch zusätzliche Fensteröffnungen im Gewölbe angelegt. Diese nannte man Roschandaan. Sie waren mehreckig und meistens rundherum schön verziert.

Zum Schutz vor Licht hat man sich auch mit schweren Vorhängen vor den großen Fenstern und den Eingangstüren beholfen. Der Gebrauch von Vorhängen wurde ab der Zeit der Safawiden in einigen Gebieten Irans üblich. Diese Vorhänge bestanden aus einer einfachen oder doppelten Lage von grobem Baumwolltuch oder aber auch aus Seide.

Solche Vorhänge wurden auch vor der Sitzterrasse – dem Eywan angebracht. Die Vorhänge vor den Fenstern wurden gegen Sonnenuntergang beiseite gezogen um weiterhin natürliches Licht zu nutzen. Und an warmen Sommerabenden versammelte sich die Familie auf diesen Terrassen zu einem gemütlichen Zusammensein bis zum späten Abend umeinander.

 

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