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Donnerstag, 22 Dezember 2011 16:07

Iranische Architektur und Kultur Teil 15

Eine Unterkunft als Ort der Ruhe und Bleibe ist eines der elementarsten Bedürfnisse des Menschen. Dieser Ort ist der persönlichste Bereich des Menschen. Das Zuhause gibt dem Menschen als erstes das Gefühl der Zugehörigkeit. Hier sammelt er seine ganz privaten Erfahrungen.
Zuhause kann er sich alleine oder mit seiner Familie zurückziehen. Francis Bacon sagt: „Die Häuser sind zum leben und nicht zum anschauen dar. Daher ist ihre Funktion wichtiger als ihr Äußeres, es sei denn ein Haus kann beide Aspekte miteinander vereinen.“

Ein Heim gewinnt eine vollständigere Bedeutung, wenn eine Familie dazu gehört, diese kleinste gesellschaftliche Einheit. Im Osten ist ein Haus nicht nur ein Ort zum Wohnen, sondern ein Ort in dem sich die Persönlichkeit des Menschen gestaltet und ein Ort für die Gefühle zwischen den Mitgliedern einer Familie.

Die Familie ist eine nach innen gerichtete Einheit.

In einem Land wie Iran wurden früher viele Häuser nach den Familien benannt, die sie bewohnten, wie zum Beispiele in Kaschaan das Haus der Burudscherder oder das Haus der Tabatabais. Die Benennung nach der Familie stand für deren gutes Ansehen.

In der Vergangenheit haben die iranischen Baumeister sich ganz auf die Innenräume von Häusern konzentriert und gestalteten das Äußere bewusst einfach. Von außen gab es für das fremde Auge nichts von der abwechslungsreichen Gestaltung im Inneren, dem vertrauten Reich der Familie zu sehen.

In Städten, die wenigsten zum Teil alte Baustrukturen bewahrt haben, weisen die Mauern vieler Häuser keine Fenster auf. Der Eingang besteht aus einer großen Holztür. Durch diese kommt man zunächst in einen Gebäudeteil der sich Haschti nennt. Es ist ein schmaler Eingangsflur, der zum Innenhof des Hauses, dem Hayat, führt, mit Steinplatten ausgelegt und überdacht ist. Er wird rechtwinklig zum Eingang angelegt und lässt keinen Blick in das Innere des Hauses zu. Am Ende des Flurs öffnet sich vor uns ein weiträumiger Innenhof in rechteckiger Form und gibt uns einen ersten Eindruck von der schönen Innenarchitektur eines typisch iranischen Hauses. An den Seiten dieses Hofes liegen Vorterassen. Dahinter die Türen und Fenster der Zimmer. Verwandte und enge Freunde werden nach dem Empfang an der Haustür in den Teil des Hauses der sich Andaruni (Innensphäre) nennt eingeladen. Fremde werden in das Empfangszimmer, das Biruni (Außensphäre) geführt.

Früher wurde der Innenhof von großen Häusern so angelegt, dass man das Sonnenlicht nutzen konnte, vor der Stürmen in den ariden Gebieten sicher war und angenehme Windbrisen Einlass fanden. Der Innenhof war quadratisch, recht- und manchmal auch achteckig und lag meistens zwei Treppenstufen niedriger als die Straße, um für mehr Schatten und Kühle im Sommer zu sorgen. In der Mitte des Hofes lag ein rechteckiges oder rhombusförmiges mit blauen Kacheln ausgekleidetes Wasserbecken. Dieses schöne Becken waren von Beeten mit Schatten spendenden Bäumen und bunten Blumen umsäumt. Einige Wasserbecken bestanden auch aus Stein und hatten einen Abfluss. Manchmal schmückte dieses Wasserbecken im Hof eine schöne Springbrunnenanlage, welche für kühlere Luft im Hause sorgte.

Die alten iranischen Häuser hatten meistens zwei Innenhöfe. Um den ersten Innenhof herum reihten sich schmale Sitzterassen. In den Häusern der Wohlhabenden galt dieser erste Hof mit den anliegenden Zimmern dem Empfang von Gästen. Die Türen und Fenster zu den Zimmern waren mit kleinen bunten Fensterscheiben verziert.

Der erste Innenhof des Hauses stand über einen Gang mit dem inneren Hof, dem Hayat Andaruni oder Hayat Chalwat in Verbindung. Der Hof für die Privatsphäre war ebenso rechteckig und von kleinen Gängen, Terassen, und Zimmern umgeben. Hier kehrten nur die Bewohner des Hauses ein und aus. Auch in diesem Privathof gab es in der Mitte ein Wasserbecken. Es war kleiner und aus Stein. Fremde durften diesen Bereich nicht betreten und so waren die Hausbewohner ganz unter sich. Im Sommer wurden Holzpritschen im Hof aufgestellt und die ganze Familie versammelte sich mit Beginn des Sonnenuntergangs bis zum späten Abend an diesem schönen Ort. Oftmals schlief man in ariden Gebieten in den Sommernächten auf dem flachen Dach.

Der verstorbene Mohammad Karim Pirnia, Meister der traditionellen iranischen Architektur berichtet:

Den Iranern war das Privatleben und seine Unantastbarkeit wichtig. Die dementsprechend gestaltete iranische Architektur wurde daher auch als Darungara – als „nach innen gerichtet“ bezeichnet. Die einzelnen Glieder eines Hauses wurden um einen Hof herum angeordnet und damit wurde eine Trennung von der Außenwelt vollzogen, zu der ein Eingangsflur die einzige Verbindung war. Die nach innen gerichteten Häuser in den warmen und trockenen Gebieten sind wie ein kleines Paradies mitten in der Wüste. … Pirnia schreibt weiter: Der Eingang zu den Häusern wies manchmal zu beiden Seiten eine Sitzfläche zum Ausruhen auf. An den beiden Türhälften waren zwei Türklopfer angebracht, der eine war hammerförmig und kräftig und löste einen tiefen Klopfton aus. Er war für die Männer gedacht. Und der andere war ringförmig und ergab einen hellen Ton beim Anklopfen. So konnten die Bewohner des Hauses an den verschiedenen Klopftönen erkennen, ob weiblicher oder männlicher Besuch vor der Tür stand.

Die alten iranischen Häuser wurden mit Rohziegeln, den so genannten Chescht oder gebrannten Ziegeln, den Adschor errichtet. Aus einer Masse aus Lehm, Stroh und Kieseln wurde mit Hilfe einer Holzform meist quadratische Ziegel geformt. Auch die gebrannten Ziegel hatten verschiedene Formen und wurden für Raumdecken und zur Verzierung verwendet.

Der Dachbau war je nach klimatischen Bedingungen verschieden. In warmen Küstengebieten wie am Persischen Golf wurden die Häuser mit Strohmatten und Hölzern abgedeckt. In Gebieten mit gemäßigtem Klima benutzte man ebenso Holzstangen und deckte diese zusätzlich mit breiten Holzplanken ab. Das Dach wurde mit einem Belag aus Lehm und Stroh versehen. In den Gebieten mit häufigem Niederschlag wie an der Küste des Kaspischen Meer wurden nach Anbringung einer Lage von Holzstangen meistens Tonkacheln zur Abdeckung benutzt und es wurden Schrägdächer angelegt.

 

Türen und Fensterrahmen der alten Bauwerke waren alle aus Holz. Einige Fenster bestanden aus mehreren kleinen Fensterchen, welche sich jedes getrennt durch eine Hebelvorrichtung nach oben hin öffnen ließen. Die Fenster, die alle zum Hof hin lagen, waren mit buntem Glas versehen und ihre Rahmen waren bemalt oder mit Intarsien verziert. Die Empfangszimmer hatte meist fünf Fensterpartien zum Hof hin und wurden daher pandschari genannt. (Pandsch bedeutet 5)

Dies waren also einige generelle Besonderheiten des traditionellen iranischen Häuserbaus, wie er einmal fast im ganzen Iran üblich war

 

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