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Montag, 19 Dezember 2011 03:19

Iranische Architektur und Kultur Teil 14

Wir haben bereits zusammen mit ihnen den besonderen Aufbau von typisch iranischen Städten und Bauwerken betrachtet und gesagt, dass die Gebäude in alten iranischen Städten sich schon aufgrund der ausschließlichen Verwendung von lokal vorhandenem Baumaterial nach außen hin sehr ähneln und ein einheitliches Bild liefern. Wir möchten heute über Symmetrie und Ausgewogenheit in der Struktur von iranischen Bauwerken sprechen.

In der gesamten Iranischen Kunst spielt das Viereck als geometrische Grundform und das Kreuz aus zwei sich mit 90 Grad überschneidenden geraden Linien, die durch ihre Überkreuzung zu vier Linien werden eine wichtige Rolle. Dieses Strahlenkreuz war für die Iraner der Antike Sinnbild der Sonne und Ordnung im Dasein. Wir sehen, dass in historischen Kunstwerken und besonders in der Architektur vor und nach Beginn der Islamischen Ära Strahlenkreuz, Viereck und Würfel als ästhetische Grundformen und -muster dienten.

Gebäude wurden viereckig angelegt und selbst die Grundmauern zu einem runden Kuppelgewölbe waren im Grundriss viereckig. Bei einem kleinen Vergleich mit der typisch westlichen Bauweise während der Renaissance im 14. und 15. Jahrhundert nach Christus hebt sich dieses charakteristische Merkmal der alten iranischen Baukunst deutlicher ab. Der italienische Architektur Leon Battista Alberti, 1404 bis 1472, hat damals in seinem Werk über die Architektur geschrieben:

 

„Der Grundriss religiöser Bauwerke muss entweder rund sein oder einem Kreisabschnitt entsprechen, denn der Kreis ist generell die vollständigste und natürlichste geometrische Form...“ Alberti war der Ansicht, dass eine Kirche nur als vollständiger oder teilweiser Rundbau Aufmerksamkeit erregen kann. Nachdem er diese Theorie herausgegeben hatte, wurden viele Kirchen nach diesem Muster erbaut.

Später hat Leonardo Da Vinci versucht, eine Neuerung einzubringen und achteckige und quadratische Grundrisse für den Kirchenbau vorgeschlagen. Dabei zog er die geometrischen Erkenntnisse des Griechen Euklid heran,

aber die quadratische Bauweise der Iraner geht schon auf die iranische Antike zurück.

Außerdem wurden im Westen nur die Prachtbauten und großen Kathedralen auf dem Prinzip des Vierecks oder Achtecks erbaut, während im Iran alle Bauwerke, von den Moscheen und Palästen bis zu den einfachen Häusern und Pilgerstätten in entfernten Gegenden viereckige Grundrisse aufweisen und das Quadrat als geometrische Grundform auch heute noch beliebt ist.

Symmetrie bedeutet, dass beide Seiten zu einer in der Mitte gelegenen Achse sich entsprechen. In der iranischen Architektur gibt es einen Ausdruck der auf die Symmetrie in einem Gebäude hinweist und zwar den Ausdruck „tschahar taqi“ . Tschahar taqi, was soviel wie 4 Gewölbe bedeutet stellt eine elementare Grundform iranischer Bauweise dar und zwar ein viereckiger Bau , dessen 4 Eck- oder Grundmauern symmetrisch zueinander mit Mauerbögen versehen sind, die in das Dachgewölbe übergehen. Tschahar taqi bedeutet allgemein , dass die um ein zentrales Symmetriekreuz in alle vier Richtungen angeordneten Gebäudeabschnitte sich symmetrisch zueinander gestalten. Die tschahar – Taqi –Symmetrie verleiht einem Gebäude Regelmäßigkeit und Ausgewogenheit.

Die Symmetrie in der iranischen Architektur scheint offensichtlich den Erscheinungen und den geometrischen Prinzipien der Natur abgeschaut. Allgemein übernimmt die Symmetrie im ästhetischen Empfinden iranischer Künstler eine wichtige Rolle.

 

Nicht nur die Symmetrie sondern auch die Ausgewogenheit und Harmonie ist ein typisches Moment iranischer Architektur.

Trotz Unterschiede zwischen den verschiedenen Abschnitten sollte eine Gebäudeanlage in ihrer Gesamtheit immer ein harmonisches Bild liefern. In der iranischen Architektur bietet die Gebäudeanlage des Naqsche-Djehan-Platzes in Isfahan aus der Zeit der Saffawiden, 1502-1722, hierfür ein anschauliches Beispiel. Baulich gesehen sind die 4 Seiten dieses riesigen Platzes alle von einander verschieden und bieten kein symmetrisches Bild, aber seine architektonischen Einheiten sind so angeordnet, dass sie in ihrem Gesamtbild zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Bei der Gewinnung von einem ausgewogenen Gesamtbild spielen sowohl die horizontal als auch die vertikal angeordneten Bestandteile der Architektonik und sogar die Funktion der Gebäude eine Rolle.

Die 4 wichtigsten architektonischen Einheiten am Naqscheh-Dschehan-Platz von Isfahan, der heute Imam-Platz genannt wird, sind der Bazaar , der Ali-Qapu-Palast, die Imam-Moschee und die Scheych-Lotfollah-Moschee. Jedes dieser Bauwerke hat seine eigene besondere Gestalt und Funktion . Dieser historische Platz in Isfahan ist den Architekturexperten im In- und Ausland wegen seiner trotz fehlender Symmetrie vorhandenen Ausgewogenheit ein Begriff. Die Bauwerke an den vier Seiten des Platzes unterscheiden sich nicht nur von der Struktur und Gestalt her sondern dienen auch verschiedenen Zwecken. Viele Bürger der Stadt besuchen heute noch täglich diesen Ort. Natürlich bot sich zur Zeit der Saffawiden noch ein viel bunteres Bild an diesem Platz, an dem sowohl die Residenz des Königs lag, als auch ihr gegenüber das Lehrzentrum der Scheych-Lotfollah-Moschee und auf der nächsten Seite rechts die Versammlungsstätte der Betenden, nämlich die Isfahaner Freitagsmoschee , sowie auf der nächsten Seite links der Bazaar. Imam-Moschee und Bazaar werden heute noch von den Isfahaner Bürgern aufgesucht. Ansonsten ist der Naqsche-Dschehan-Platz ein obligatorisches Besuchsziel aller Touristen aus dem In- und Ausland.

Auch die alten Häuser wurden nach dem Prinzip der symmetrischen Anordnung um ein Koordinatenkreuz aufgeteilt. So haben die Innenhöfe an allen vier Seiten Vorterrassen, die so genannten Eywan. Die wichtigste Vorterrasse mit ihren Eingängen zu den Zimmern liegt entweder auf der Nord- oder der Südseite. Speicherräume oder sanitäre Anlagen werden an der Ost oder Westflanke des Gebäudes vorgesehen. Normalerweise wird einer Seite des Innenhofes eine größere Bedeutung in der Wohnpraxis zugedacht, was an ihrer besonderen Gestaltung zu sehen ist. Ein weiterer Aspekt in typisch iranischen Wohnhäusern ist der kleine oder stille Haushof „Hayat Kutschek“ oder Hayat Chalwat“ genannt. Er liegt getrennt neben dem zentralen Innenhof des Hauses und ist nur über einen kleinen Gang mit diesem verbunden. Die iranische Wohnkultur fordert einen inneren und einen äußeren Wohnbereich, biruni und daruni genannt.

 

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