Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Donnerstag, 08 Dezember 2011 05:21

Iranische Architektur und Kultur Teil 13

  Im letzten Teil haben wir begonnen über die Besonderheiten der iranischen Architektur zu sprechen und dabei als erstes typisches Merkmal die Ordnung genannt. In diesem erfahren Sie mehr über die Entstehung iranischer Städte.
In der iranischen Geschichte war der geographische Raum teilweise größer als das historische Fars und das heutige Iran. Zu dem Iran gehörten auch Großkhorrassan und Teile des heutigen Afghanistans sowie Transoxaniens. Obwohl vor Verbreitung des Islams im Iran die Nomadenstämmen ein sehr einfaches Leben führten begann sich der Städtebau in diesen Landen bereits vorher, unter den Achämeniden und Sassaniden, zu entfalten.

Auch in der islamischen Zeit betrieben zum Beispiel die Abbassiden und Seldschuken ernsthaft Städtebau im Iran. Kleinere Siedlungskerne erfuhren deutlich eine Weiterentwicklung. An den Beispielen, die von diesen Spuren der Zivilisation erhalten blieben ist, zeichnet sich spürbar eine planmäßige Regelung im Städte – und Wegebau und ein organischer Zusammenhang zwischen Straßenbild und anderen architektonischen Räumen und den typischen äußeren Merkmalen von Städten ab. Diese Städte besaßen typischer Weise Stadttore, Stadtplätze eine Brücke und einen Bazaar, Moschee und theologische Schule (Madresseh) sowie Einrichtungen zur Abwehr feindlicher Angriffe. Sie lagen an Flüssen oder wurden über unterirdische Kanäle oder künstliche Flusskanäle mit Wasser versorgt.

 

Hassan Saltanzadeh schreibt in seinem Werk "Städtische Räume in historischen Strukturen Irans" über die besonderen Ordnungsmerkmale bei der Gestaltung von Straßen und Wegen in iranischen Städten:

Die Räume und Teile des Verbindungsnetzes gehorchte einer organisierten und geordneten Beziehung zu den anderen städtischen Räumen und Bestandteilen, denn die Art der Gestaltung der städtischen Räume und Bestandteile entlang der Wege, wurde von dem Verhaltensmodell und der Kultur der Mitglieder der Gesellschaft beeinflusst. Die historischen Städte Irans entstanden nicht wie viele heutige Städte gemäß momentanen Bedürfnissen einzelner Bevölkerungsgruppen. Vielmehr entstanden sie im Einklang mit materiellen und immateriellen Bedürfnissen der Gesellschaft und wuchsen allmählich.

 

Hassan Sultanzadeh schreibt weiter in seinem Buch über städtische Räume in der Geschichte Irans hinsichtlich des Baumustern alter iranischer Städte: An der Hauptstraße zu einer Stadt lagen nahe vor dem Stadttor die Friedhöfe und normalerweise stand neben dem größten

von ihnen die Ruhestätte einer wichtigen religiösen Persönlichkeit. In der Stadt selber mündete die Fortsetzung der Landstraße danach in den Bazaar (die Marktanlage) und den Stadtplatz und es zweigten sich größere Straßen von diesem Stadtplatz ab, die zu den Stadtvierteln und Wohngebieten und so weiter führten.

 

In iranischen Städten galt unabhängig von ihrer Größe der Bazaar als wichtigster Ort des Kontaktes. Zum Bazaar mit seinen Geschäftsläden und Lagerräumen und zu seiner unmittelbaren Umgebung gehörten Karawansereien , die Hauptmoschee der Stadt und andere größere Moscheen sowie die theologischen Lehrstätten. Der Bazaar lag somit im Brennpunkt der Begegnung, der Wirtschaft und der Kultur einer Stadt. Er spielte eine zentrale Rolle im städtischen Gesellschaftsleben.

In großen Städten wie Isfahan, Tabris, Schiras und Teheran wurden öffentliche Bauwerke wie Moscheen, Schulen, Badehäuser und Karawansereien fast immer an den Hauptstraßen errichtet, wenn die Struktur der Stadt nichts anderes bedingte, denn es gab dichte und auseinander liegende Stadtstrukturen.

Das äußere Bild architektonischer Räume bestand in den historischen Städten, in denen meist dicht nebeneinander gebaut wurde, aus einem gleichmäßigen Nebeneinander von einfachen Flächen und Fassaden. Aber die äußerliche Einfachheit täuschte und innerhalb der Gebäude selber tat sich oft eine überraschende Vielfalt auf.

Die Außenwände der Bauten, insbesondere in Süd- und Zentraliran bestanden aus sonnengetrockneten oder gebrannten Ziegelsteinen oder waren mit einer Schicht aus Stroh und Lehm überzogen. Daher boten Städte Stadt nach außen hin farblich und vom verwendeten Material her ein sehr einheitliches Gesamtbild. Dazu trug die Tatsache bei, dass die vor Ort vorhandenen Rohstoffe für das Baumaterial verwendet wurden. Einige Bauwerke insbesondere religiöse hoben sich durch die Verwendung von bunten Kacheln und Gipswerk von anderen Bauten ab.

In dicht bevölkerten Städten waren die Nebenstraßen und Sackgassen oft sehr schmal, die Hauptstraßen dagegen breit. Die Tschahar-Bagh-Straße in Isfahan und die Ala`-adduleh-Straße im Alten Teheran sind anschauliche Beispiele dafür.

Bauwerke wie die Hauptmoschee und große Pilgerstätten weisen in den historischen Städten Irans ähnliche Strukturen auf. Sie haben mehrere Eingänge. In den kleinen Städte gelangten man durch diese Ein- bzw. und Ausgänge von einem Stadtteil in den anderen. Viele im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben wichtigen Baueinheiten lagen in der Nähe der Moscheeneingänge wie heute noch das Beispiel der Imam-Moschee in Teheran, der Atiq-Hauptmoschee in Shiraz und der Pilgermoscheen in Qum und Maschhad zeigen.

Die Eingangstore dieser religiösen Stätten waren Versammlungsort der Bevölkerung zu verschiedenen Anlässen ähnlich wie heute einige Gebäude in modernen Städten eine solche Funktion übernehmen.

 

Der Empfang oder das Abschiedsgeleit für Gäste ist eine alte Sitte im Iran. Diese Zeremonien fanden früher meistens an den Eingängen zu den wichtigen Gebäuden einer Stadt statt. Wenn ein Bürger auf Reisen, insbesondere auf eine Pilgerreise, gehen wollte, wurde er von dort aus bis zum Stadttor begleitet. Die Begleitzeremonien beim Abschied und Empfangsfeiern bei der Rückkehr wurden von Angehörigen oder Freunden organisiert.

 

In den alten iranischen Städten herrschte also eine sehr einladende Atmosphäre . Die meisten Straßen in den alten iranischen Städten waren gepflastert wobei längliche oder quadratische Steine verwendet wurden. Ein Beispiel ist der Naqscheh-Dschehan-Platz in Isfahan -heute Imam-Platz genannt- . Dieser riesige Platz umfasst 85 tausend Quadratmeter. Früher wurde auf diesem Platz Pferdepolo gespielt.

Am Naqscheh-Dschehan-Platz in Isfahan liegen zwei große Moscheen, ein Prachtpalast der Saffawiden sowie ein länglicher Bazaar. Dieser Platz ist mit seinen vielen historischen Bauwerken regelrecht ein Museum. Nicht unweit von dieser historischen Anlage liegt die Tschahar-Bagh-Allee auf beiden Seiten des Zayandeh-Rud Flusses. Ähnlich wie hier, im historischen Isfahan gestalten senkrechte und waagerechte Koordinaten die Struktur alter iranischer Städte.

 

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren