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Donnerstag, 27 Oktober 2011 05:41

Iranische Architektur und Kultur- Teil 9

Iranische Architektur und Kultur- Teil 9
Wie wir sagten ist die Bauweise in der Gegend von Aserbeidschan Ausgangspunkt für die Persische und Azari- und Isfahaner  Bauweise gewesen. Als ein Teil der arischen Völker vom Norden her kommend  in Richtung des heutigen Iran herbeizogen, durchquerten sie auch die Gegend von  Aserbeidschan und sahen dort Terrassenbauten mit Säulenreihen aus Holz , schöne Türme und große Säle in den Erdgeschossen.  Als sie sich schließlich in ihrer neuen Heimat, dem heutigen Iran niederließen,  ahmten sie diesen Azari-Stil nach.

Auch noch unter den  Saffawidenkönige wurden bei den Bauwerken in Isfahan  Jahrhunderte später  architektonische Elemente des Azar-Stils  aus Maraagheh und Bonab im iranischen Aserbeidschan verwendet. Auf  diese Isfahaner  Architekturschule werden wir  später noch zurückkommen.

Natürlich  kommt die Kunst der Baumeister Aserbeidschans im Azari-Baustil am meisten  zum Ausdruck. Ein typisches Merkmal der Azari Baukunst ist die doppelschalige Kuppel.  

Der ehemalige Leiter der Fakultät für Architektur in Florenz, Italien, Professor P. Sanpaolesi hat Jahre lang Untersuchungen an dem Kuppelbau von iranischen und italienischen Bauwerken durchgeführt. Er hat über  den Einfluss des Soltaniyeh-Bauwerkes im Iran auf die italienische Architektur geschrieben.

In dem Kuppelbau  der Santa-Maria-del–Fiore-Kirche in Florenz sieht er eine Nachahmung der Soltaniyeh-Kuppel in der iranischen Stadt Sandschan und schreibt:  „Die Iraner haben mit ihrem großen Eifer, Glauben und Talent, eigene neue Formen in der Literatur, Dichtung, Kunst und den klassischen Architekturstilen hervorgebracht, und  technische Phänomene  an andere Länder weiter gegeben. Ein Beispiel dafür ist der Bau neuer zweischaliger Kuppeln, mit parallel nahe zu einander angeordneten  Schalen  aus Ziegelsteinen, ohne Verwendung irgendeines Gerüstes.  Diese Bauweise reiste von Soltaniyeh viele Kilometer weiter und wurde viele  Jahre später beim Bau der Santa-Maria-del-Fiore-Kirche in Italien verwendet.“

Professor Sanpaolesi  schreibt weiter, dass es vor dieser Kirche in Florenz an keinem anderen Ort in  Italien  eine ähnliche Gebäudeform gegeben hat und ist der Überzeugung, dass  die Bauweise dieses Kuppelbaus  bei den Iranern entlehnt wurde.

Das Soltaniyeh-Bauwerk hat einen achteckigen Grundriss und weist einen Innendurchmesser von 26 m auf.  Über diesem Achteck wölbt sich eine Kuppel,  deren schmale Spitze  in einer Höhe von  54 m liegt.  Die Innenwände sind mit  Ziegel- und Kachelwerk verkleidet und  teilweise mit Gips überzogen.  Die Außenwände  wurden mit Tonplatten und Ziegelsteinen abgedeckt.  Etwas besonderes an diesem Gebäude sind 8  kleine Minarette, die ringförmig die Kuppel umschließen.  Die Soltaniyeh weist 8 hohe Vorterrassen und 50 Kammern auf.  Bei religiösen Zeremonien oder Feiern versammelten sich die Frauen auf den Terrassen und die Männer ließen sich im unteren Stockwerk nieder.

Die Soltaniyeh, das Herz der  gleichnamigen Herrscherstadt  der Ilchane,  wurde 1313 nach Christus auf Befehl eines der Ilchane namens Al Dscheitiu von dem Baumeister  Ali Schah errichtet und bei einer prachtvollen Zeremonie unter Anwesenheit des ganzen Herrscherhofes  eröffnet.  In einigen Quellen heißt es, dass Al Dscheitiu Muslim geworden war. Er  wünschte sich in diesem Gebäude begraben zu werden, und ihm schwebte vor, dass die Hauptstadt der Ilchane für ihren Glanz  berühmt bleiben würde. Doch nach seinem Tod, verließen die meisten Einwohner   Soltaniyeh , wo sie  unter Zwang  angesiedelt worden waren. Die Stadt Soltaniyeh zerfiel.  Heute sind nur noch der Soltaniyeh-Prachtbau und einige Bauernhäuser in der Nähe erhalten. Weitere Reste der Hauptstadt der Ilchane  wurden bei archäologischen Ausgrabungen gefunden.

Aber die Stadt Sandschan die nur 30 km weiter entfernt liegt und vor dem Ilchanen-Sitz Soltaniyeh erbaut wurde, gibt es heute noch und sie ist lebendiges  Zentrum der gleichnamigen Provinz.

In der Zeit von 1381 bis 1392 nach Christus drang ein Kriegsherr namens Timur mit seinen Horden in Chorassan, Fars den zentralen- und den nördlichen Gebieten ein und richtete überall Blutvergießen an. Die Timuriden herrschten 100 Jahre lang. Nach der Besatzung vieler iranischer Städte ließ Timur eine große Zahl von Künstlern mit ihren Familien  in seinen Sitz in Transoxanien holen. 

Wer einen Künstlerauftrag von Timur erhielt, bekam es mit der Furcht zu tun. Zum Beispiel wird berichtet: „Als er einmal eine Moschee besichtigte, deren Bau er in Samarqand angeordnet hatte, und feststellte dass der Eingang zu niedrig war, ließ er die gesamte Moschee zerstören und den Baumeister töten. Die Moschee musste in einer Woche wieder aufgebaut werden.“

Nach Timur  versammelte auch sein Sohn   Künstler aus ganz Iran um sich. Er holte sie nach Harat (heutiges Afghanistan) , welches er zur neuen Hauptstadt Irans gewählt hatte. So wurde Harat zu einem Zentrum für die verschiedensten Künste, darunter auch für die Architektur.

Die ältesten Gebäude aus der Zeit der Timuriden  stehen in Zentralasien, Turkmenien und in den Städten Sarmaqand und Buchara.  Auch in Balch und   Harat und Mezarscharif  (heutiges Afghanistan)  blieben eindrucksvolle Bauten iranischer Baumeister erhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei religiöse Bauwerke.  In diese Zeit fällt auch das Baujahr,  welches  an der  Gebetsnische in der Hauptmoschee von Yazd in Zentraliran, verzeichnet ist,  nämlich das Jahr 1375 . Diese Dschame`- Moschee in Yazd wurde mit glasierten bunten Kachelmustern verziert. Es handelt sich um  eines der ersten  Bauwerke  zu Beginn   der Timuridenära.

Unter den Timuriden wurden die Grundelemente im  Moscheenbau zur Zeit der Seldschuken beibehalten.. Und zwar lag ein rechteckiger großer Hof in der Mitte, an den sich 4 Säulengänge bzw. –Vorterrassen und eine großer Saal mit einem Kuppelgewölbe anschloss.  Die Minarette standen meisten an allen vier Seiten des Bauwerkes und an der größten Säulenhalle.

Es wurden auch viele größere Grabstätten gebaut. Eine solche Grabstätte bestand aus einem quadratischen Raum mit einer niedrigen Kuppel, meistens in Form eines Zwiebeldaches.  Die Wandbemalungen mit menschlichen Figuren, Pflanzen und Blüten erinnerten an die Kunst  des Fernen Osten. Beliebte Motive waren Wasserlilien, Vögel und Wolken.  In vielen Fällen zierten  zusätzlich  Koranverse, Gottesnamen und der Name des Propheten Mohammad s.a.a.s. , in  schöner  Kufischrift die Mauerwände.

14o4 wurde die Grabstätte des Timur namens „Gur mir“ auf dem alten Friedhof der Stadt Sarmarqand errichtet. Sie ist innen quadratisch und von außen 8-eckig und trägt eine zweischalige Kuppel, die von außen mit 64 länglichen Einschnitten versehen ist. Das Gebäude ist 32 m hoch und mit bunten Kacheln und geometrischen Mustern verziert. Auf allen Wänden der Grabstätte sind zahlreiche Inschriften auf Arabisch und Persisch zu sehen.  Später wurden weitere ähnliche Bauwerke in der mittelasiatischen Stadt Sarmarqand aber auch in Buchara errichtet. Die meisten dieser Grabstätten  gehörten den Herrschern.

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