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Montag, 10 Oktober 2011 03:48

Iranische Architektur und Kultur- Teil 7

Iranische Architektur und Kultur- Teil 7
Schams Moali Qabus Ibn Woschmgir, war einer der bekannten  Ziyaridenkönige. Es heißt, dass sich   keiner mit ihm im Gefecht messen konnte. Er soll seine Untertanen nicht gerecht behandelt haben.

So kam es, dass ein Sklave ihn ermordete. Vermutlich wurde er an einer Stelle im Norden Irans beigesetzt, über der sich heute ein alter Turm erhebt, der nach ihm  benannt wurde. Sie werden in diesem Teil  mehr über  die architektonische Schule erfahren, zu der dieses Bauwerk dass sich Gonbad-i Qabus nennt, gehört.

Die Rasi-Bauweise gilt als 4. iranische Architekturschule, welche bei Übernahme  architektonischer Momente ihrer Vorläufer  einen neuen Baustil einführte. In der Rasi-Bauweise sind Spuren der Prachtbauten der Perser und  Parther und die Feinheiten der Architektur der Khorassanischen Schule enthalten.  Die Wiege dieser Bauweise steht eigentlich in Nordiran. Aber die Idee kam aus der Stadt Rey , auch Ras genannt.

Der Rasi-Stil fand unter den Ziyariden  im 10. bis 11. Jahrhundert  Verbreitung und dauerte bis zu der Herrschaft der Chorazmschahs .Die Rasi-Schule führte circa 300 Jahre lang im Iran zur Aufblüte der Architektur.

Im 8. und 9. Jahrhundert nach Christus begann , nachdem sich im Iran einzelne lokale Regierungen  eigenständig gemacht hatten,  eine Renaissance der iranischen Wissenschaft und Literatur im Rahmen der Islamischen Zivilisation.  Die wichtigsten Gründe waren:

- das islamische Weltbild hatte frühere Weltanschauungen verdrängt und die vorislamische Klassengesellschaft gab es nicht mehr, so dass alle Bevölkerungsgruppen im Iran sich Wissen aneignen konnten

- In China war das Papier erfunden worden und im 1. Jahrhundert nach der Hidschra (7. Jahrhundert nach Christus)   nach Samarkhand gebracht worden. Die Erfindung des Papiers sorgte im Iran für einen großen Fortschritt der Wissenschaft und der Verfassung von schriftlichen Werken.

- Es bestand die Möglichkeit der Begegnung verschiedener Ansichten und der Nutzung der Früchte dieses geistigen Austauschs.

Auch die Architektur wurde von den Fortschritten, die in dieser Zeit in Wissenschaft , Kultur und Kunst erreicht wurden, stark begünstigt.  Einige haben daher die Rasi-Epoche als Renaissance der iranischen Kunst bezeichnet. Aber von der Kunst dieser Epoche ging leider beim  Einfall der Mongolen sehr viel verloren.

Die Rasi-Bauweise wurde in der Stadt Rey, die südlich des heutigen Teherans liegt, begründet. In Rey oder auch Ras wurden viele Bauwerke aufgrund dieses neuen Stils gebaut.  Es heißt, dass Rey bzw. Ras sehr groß war und zwar steht in dem Werk „Haft Aqlim“ geschrieben, dass es in Rey 600 Tausend Theologieschulen und Chaneqah (Derwischhäuser) gab. Ebenso hatte diese Stadt 400 öffentliche Bäder, tausendsiebenhundert Minarette und 15 tausend Brunnen.

Einige Autoren schätzen die Bevölkerung von Rey zu ihrer Blütezeit auf anderthalb Millionen Einwohner. Diese Stadt wurde aber 617 nach der Hidschra (circa. 1220 nach Christus) von den Mongolen zerstört und von ihrer Kultur und Zivilisation blieben nur wenige Spuren erhalten. Die Stadt Rey, der einst der Name „Braut der Welt“ verliehen worden war, erholte sich nie wieder von diesem schweren Schlag.

Die Rasi-Bauweise wurde besonders bei der Errichtung von Moscheen und Turmgrabstätten verwendet. Diese Grabtürme waren oftmals im Grundriss mehreckig und sie waren zylindrisch. Bei manchen war das Mauerwerk aus Ziegeln verziert.

Der bekannteste dieser Grabtürme ist der Gonbad Qabus, von dem wir in der Einleitung sprachen. Dieser Turm  wurde 1006 nach Christus in der nordostiranischen Stadt Gorgan, Provinz Golestan, erbaut. Er ist das Wahrzeichen dieser Stadt und  einer der höchsten Ziegelstaunbauten der Welt . Dieser Turm ist circa 55,5 m hoch und wurde auf einer Anhöhe von 15 m errichtet. Der Turm wird nach oben hin schmäler und trägt eine Inschrift mit Angaben über den Erbauer und das Baujahr. Der Innenraum hat einen Durchmesser von 10 m. Die Dachkuppel ist zweischalig.

In der Rasi-Bauweise wurden bei einigen Moscheen aus der Khorassanischen Epoche die Säulen in der Nähe der Gebetsnische und in der Mitte entfernt. Der Gebetsraum wurde erweitert und mit 4 umliegenden Vorterrassen versehen. Dächer wurden in Kuppeln verwandelt.   Einige Historiker sind der Meinung dass die Moschee von Zawareh  die erste Moschee war, die mit 4 Vorterrassen gebaut wurde. Errichtet wurde sie 1135 n. Chr. von Mohammad Esfahani. Diese alte Moschee liegt im Kellergeschoss und im nördlichen Teil des heutigen Moscheegebäudes. Die Decke des Gebetsraumes ist sehr hoch und eine Kuppel wölbt sich über ihm. Die alte  Moschee von Zawareh weist wunderschöne Stuckwerkverzierungen auf.

In der Rasi-Bauweise wurden die Kuppeln zumeist zweischalig angelegt. Ihre  äußere Gestalt war unterschiedlich. Die Kuppeldächer wurden mit  kleinen und größeren Ziegelfragmenten  verziert und überall waren Inschriften mit Worten aus dem Koran in Kufi-Schrift und manchmal auch in der Schekasteh-Schrift zu sehen. Die Inschriften entstanden durch entsprechende Anordnung von Ziegelfragmenten oder Kachelstücken im Mauerwerk.

Weitere Flächenverzierungen an Wänden und Dächern wurden mit Stuckwerk vorgenommen. Es gab verschiedene Methoden wie Schir-Schekari, Bardschesteh und andere. Dargestellt wurden Blüten und Pflanzenranken.  Eine besondere Methode war Gadsch-Taraschi: Dabei wurde   mehrfarbiger Gips  vermischt und sobald er fest war, wurden verschiedene Formen herausgeschnitten und wie Kacheln nebeneinander  dekorativ  zusammengefügt.

Wie aus historischen und literarischen Quellen hervorgeht legten die Ghaznawiden (10. bis 11. Jahrhundert) und ihre Nachfolger großen Wert auf  Architektur. Es wurden viele beachtliche Bauwerke errichtet. Einige Historiker erwähnen eine Moschee in Ghazna, die wegen ihrer Schönheit die „Braut des Himmels“ genannt wurde.  In dieser Zeit liebten die Könige es, ihre Größe durch Prachtbauten zu demonstrieren. Gemäß den Chroniken dauerte der Bau einer dieser Paläste ganze 40 Jahre und kostete ungefähr 7 Millionen Drachmen.

Wie gesagt war das Stuckwerk typisch für die Rasi-Architekturepoche. Der bekannte Historiker Oteybi    berichtet über  die Bemalung der Regierungspaläste dass sie an einen Frühlingsgarten erinnerte. Er schreibt: „Manchmal verzierten sie auch die Ziegelwände auf eine Weise mit bemalten Stuckwerk, dass sie wie bunte Stoffe wirkten.“

Ein wichtiges Merkmal der Razi-Architekturepoche  ist  die Entstehung der zweischaligen Kuppeln. Einige europäische Historiker wie  Du Villar glauben, dass die zweischaligen Kuppeln als erstes in Mittelasien entstanden, aber es ist folgendes zu beachten, nämlich dass in Mittelasien nicht wie in Iran mit gebrannten Ziegelsteinen, sondern vor allen Dingen mit Steinblöcken gebaut wurde.

Die Kuppeln werden deshalb zweischalig genannt, weil sie sich aus einer niedrigeren und einer höheren Kuppelschale zusammensetzen. In der  Rasi-Epoche war die innere Kuppel aus  Ziegelsteinen ein  relativ flaches Gewölbe, während man der  äußeren Kuppelschale   eine relativ spitz zulaufende ellipsenförmige Gestalt gab. Ein anschauliches Beispiel liefert die Freitagsmoschee von Isfahan, deren mathematisch genauen Grundlagen der deutsche Wissenschaftler  Schröder gelobt hat.

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