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Donnerstag, 06 Oktober 2011 05:36

Iranische Architektur und Kultur- Teil 6

Iranische Architektur und Kultur- Teil 6
 Dieses Mal  wollen wir über Beispiele der islamischen Architektur in den ersten Jahrhunderten nach der Hidschra sprechen.
Der französische Architekt  Le Corbusier  bezeichnet die Architektur als ein prächtiges Spiel mit beleuchteten Formen und eine verkörperlichte geistige Ordnung. Er sagt: ...  „Wir sehen, dass die Architektur uns näher ist als jede andere Kunst, ohne dass wir sie als Kunst bezeichnen.“ Wir können dem Zitat von Corbusier noch hinzufügen, dass die Verkörperung des Denkens eines Erbauers mit seiner Einstellung zum Dasein und Menschen zu tun hat.

Was der Mensch erbaut, ist vom Material her gesehen eine Kombination von Wasser, Erde, Gestein und weiteren Baumaterialen, aber die Gestalt, die der Erbauer dieser Materialmischung gibt ist das Ergebnis seiner geistigen Tätigkeit  und seiner Kenntnis.

Es sind mehr als 1400 Jahre her, dass der Islam im Iran einzog. Vor dem Islam kam die iranische Baukunst vor allen Dingen in den Prachtbauten der Könige  zum Ausdruck. Typisch für diese Baukunst waren  hohe Gebäude mit zahlreichen Säulen und Reliefarbeiten auf den Steinwänden. Außerdem wurde das sogenannte Tschahar-Baqh-Modell  befolgt und es wurden quadratische Bauten angelegt.

 Im ersten Jahrhundert nach der Hidschra, entstand die Khorassanische Architekturschule im Iran, die sich bis zum 4. Jahrhundert nach der Hidschra behaupten konnte. In jener Zeit, d.h. 7. bis 10. Jahrhundert nach Christus  kam es in dem nordostiranischen Khorassan zu den meisten kulturellen Wandlungen. In dem weiträumigen Khorrassan finden wir die ersten Spuren der islamischen Kunst und Architektur im Iran. Von dort aus fand diese Kultur in die anderen Teile Irans Verbreitung. Die  Khorassaner Bauweise lehnt an islamische Werte an und ist dem alltäglichen Leben der Bevölkerung angepasst. In der Khorassanischen Bauepoche legte man vor allen Dingen Wert auf Schlichtheit .

 Eines der Bauwerke, welches schon immer einen wichtigen Platz in der iranischen Architektur eingenommen hat, ist die Moschee. Die ersten Moscheen in Iran richteten sich nach dem Modell der ersten Moschee des Islams, nämlich der Moschee des Propheten in Medina, - Nachdem der Prophet ein Grundstück für den Bau dieser Moschee gekauft hatte, ließ er von dem nächsten Berg Felsbrocken für die Mauern holen. Diese Felsbrocken wurden ohne Mörtel übereinander geschichtet und diese Mauer wurde  so hoch angelegt, dass der größte Einwohner von Medina mit zum Himmel ausgestreckten Händen darin aufrecht stehen konnte.  Nach Errichtung der Mauer um den Gebetsort  wurde ein Teil des Mauerwerkes  mit Holz und Leder abgedeckt so dass ein quadratischer Gebetsraum von 65 mal 75 m  entstand.

Die Muslime im Iran bauten ihre Moscheen auf ähnliche Weise. Sie waren sehr einfach. Es wurde das vor Ort vorhandene Baumaterial verwendet und  auf alle überflüssigen Elemente verzichtet. Eines der anschaulichsten Beispiele für die Khorassaner Bauweise ist die Fahradsch-Hauptmoschee in der Nähe der Stadt Yazd. Sie wird als die älteste Moschee in Iran betrachtet.

Der verstorbene Architekt und Experte für islamische Architektur, Mohammad Karim Pirnia hat ein Buch über die besonderen Merkmale der Fahradsch-Moschee bei Yazd geschrieben.

Über seine erste Besichtigung dieser Moschee vor circa 50 Jahren schreibt er: Vor vielen Jahren wurde ich auf der Rückkehr von Baafq auf das Minarett der Fahradsch-Moschee, welche inmitten der weiten trockenen Wüste lag, aufmerksam. Ich fuhr in die  Abzweigung ein und  zu der kleinen Ortschaft, um mir die Moschee anzusehen.  Eine Anzahl von Einwohnern Farahdschs hatte sich bei dem Minarett versammelt und als sie erfuhren, dass ich Architektur studiert haben und mich für Archäologie interessiere, baten sie mich, ihnen bei der Untersuchung der Geschichte dieser Moschee zu helfen.    

Ich hatte ein originelles und zugleich einfaches und schönes Bauwerk aus großen sonnengetrockneten Ziegeln vor mir, dessen Außenfassaden aus Lehm waren. Eine schöne verschlungene Stuckwerkverzierung brachte mich zunächst auf den Gedanken, dass dieses Bauwerk aus der Zeit der Sassaniden stammt. Aber nachdem ich im Innenraum einer Gebetsnische und schlichter Gestaltung begegnete und mich davon überzeugte, dass man sich an die Gebetsrichtung gehalten hatte, war ich mir sicher, dass es sich hier um eine Moschee handelte,  die in den ersten Jahren nach der Einkehr des Islams im Iran gebaut worden war.

Die Freitagsmoschee von Fahradsch hat einen sehr einfachen Grundriss. Der Gebetsraum ist durch drei Eingänge erreichbar, von denen der mittlere größer ist. Auf der Nordseite des Gebetsraums sind 4 Plattformen die miteinander verbunden sind. Die Gebäudedecke ist eine einfache Halbkuppel und die Gebetsnische (Mihrab)  ist eine Wandnische, die in Richtung der Kaabeh in Mekka zeigt.  Interessant ist, dass  die Wände Abbildungen von Hauseingängen, wie es  sie in der Zeit der Sassaniden gab, aufweisen.  Vielleicht wollte der Erbauer dieser Moschee damit an die  prachtvolle Bauweise zur Zeit der Sassaniden erinnern.

 Zu den weiteren Beispielen für die Khorassaner Schule gehört das Tarichchaneh Damghan. Auch dieses Gebäude ist eine Moschee. Die Stadt Damghan liegt ungefähr 340 km östlich von Teheran.  Im Mittelpunkt dieser alten Moschee liegt ein quadratischer Gebetsraum.  Die Gebäudedecke ist niedriger als in der Fahradsch-Moschee aber erinnert mehr an architektonische Momente der vorislamischen  Zeit, insbesondere der Ära der Sassaniden. Die Wände weisen viele kleine Nischen auf und einige Verzierungen ähneln den Zinnen der Persepolis in Fars .  In einigen historischen Quellen steht, dass es unter dieser Moschee Verstecke gab,  in denen die Bevölkerung während des Krieges oder in unruhigen Zeiten ihr Eigentum verbarg. Von diesen unterirdischen Gängen und Verstecken ist heute nicht mehr viel zu sehen.

 

Es gibt genügend Anhaltspunkte dafür, dass es historisch gesehen nicht richtig ist, wenn einige  Orientialisten  die Khorassanische  Bauweise als arabischen  oder ummayyidischen und abbassidischen Baustil bezeichnen.  Die neue iranische Architektur fußte auf islamischem Denken und stand in einigen Formen der Oberflächengestaltung unter dem Einfluss der sassanidischen Architektur.  Andere Länder und Völker in benachbarten Gebieten wie die Türken und die Araber haben , weil sie selber keine erwähnenswerte Architektur besaßen, keinen Einfluss auf die Architektur eines Landes wie Iran , welches auf mehrere Jahrtausende Erfahrung auf diesem Gebiet blicken konnte, ausgeübt.   

Die Khorassanische Bauweise war bis Ende der Samanidenherrschaft (999 nach Christus) besonders in Khorassan und in Zentraliran weit verbreitet. Die meisten erhalten gebliebenen Bauwerke sind Moscheen. Im Laufe der Zeit wurde das schlichte Grundmodell dieser Moschee verfeinert und wurden auch im Inneren   Verzierungen vorgenommen. Repräsentative Bauwerke aus dieser Zeit sind die Dschame`-Moschee von Isfahan,  Ardestan , Nain und Tabris.

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