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Freitag, 23 September 2011 01:52

Iranische Architektur und Kultur- Teil 4

Iranische Architektur und Kultur- Teil 4
Wir berichteten beim letzten Mal von den Palastanlagen der Achämeniden, die circa von 700 bis 300 vor Christus auf der iranischen Hochebene herrschten. 

Mit ihrer prächtigen Hochburg Persepolis nördlich vom heutigen Shiraz demonstrierten diese Könige ihre Macht. Der Mazedoner  Alexander aber hat diese Palastanlage bei seinem Feldzug durch den Iran in Brand gelangt und geplündert. Nach der Eroberung durch Alexander herrschten eine Zeitlang  die griechischen Seleukiden über das Land.

Die Seleukiden beteten eine Vielzahl von Göttern an und schrieben ihnen menschliche Gestalt und menschliches Verhalten zu. Unterdessen hatten die zaroastrischen Iraner ein anderes Gottbild.  Eine kulturelle Annäherung wurde nicht nur durch diese  Glaubensunterschiede  sondern auch dadurch erschwert, dass die Griechen unter der Bevölkerung Massaker angerichtet und sie ausgeplündert hatten. Die Seleukiden  blieben daher fremde Eroberer im Land.  Die Unversöhnlichkeit zwischen ihnen und der Bevölkerung ist auch daran zu sehen, dass die griechischen Seleukiden  außerhalb der iranischen Städte eigene Burgstädte errichteten und dort ihre eigenen Bräuche weiterpflegten.   Dafür zeugen die Reste von Bauwerken und   Skulpturen griechischer Götter, die man in Zentral- und West-Iran gefunden hat.

Die griechischen Seleukiden wurden im Iran von dem iranischen Stamm der  Parther besiegt und viele ihrer Bauwerke wurden zerstört.  Unter der Arsakidendynastie baute   dieser Stamm ein großes Reich auf. Es fand ein neuer iranischer Architekturstil Verbreitung.  Die Parther bestimmten zunächst die Stadt Nessa oder Nissa , heutige  turkmenische Hauptstadt Iqschabad, zu ihrem Sitz. Da sie ursprünglich  Viehzüchter und Bauern gewesen waren, gestaltete sich ihre Bauweise anfangs sehr einfach. Für ihre spätere Bauweise sind die viereckigen  Innenhöfen mit umliegenden  Terrassen typisch.

Unter der Arsakidendynastie wurde  viel Wert auf Ausschmückung der Gebäude von innen und außen  gelegt. Die Fassaden wurden bemalt und mit Stuckwerk verziert. Ein anschauliches Beispiel liefert der Kuh-Chadscheh-Tempel in Nordsüden Irans.

Zu den Bauelementen aus der Arsakidenzeit gehören vor allen Dingen Gewölbe und Torbögen , manchmal auch Säulen. Der Anahita-Tempel in Kangavar , Westiran, ist ein architektonisches Meisterwerk aus dieser Zeit.

Die Parther bzw. Arsakiden verwendeten Lehm und Lehmziegel, und manchmal  gebrannte Ziegel und Steinblöcke als Rohmaterial. Die Städte , die in dieser Zeit neu errichtet wurden, hatten einen runden Grundriss und waren mit einer hohen Stadtmauer versehen.  Seit wann Städte kreisförmig gebaut werden, weiß man nicht so genau. Jedenfalls waren auf diese Weise erbaute Städte leichter zu verteidigen.

Die große Palast- und Tempelanlage Kuh Chadscheh in Sistan, Ostiran, stammt ebenso aus der Zeit der Parther. Sie ist auf einer Insel in der Mitte des Hamun-Sees errichtet worden.  In dieser Anlage gab es schön verzierte Holztore, große Terrassen-Vorbauten und einen großen  Feuertempel sowie Wandbemalungen in gelb, grün, hellrot, braun und blau. Insgesamt zeichnet sich die Bauweise zur Zeit der Parther und Arsakiden durch folgende Elemente aus:

Optimale Nutzung einheimischen Baumaterials,  entwickelte Techniken beim Kuppelbau, Verzicht auf zu hohe Bauwerke, außerordentliche Vielfalt an Mustern und Bemalungen.

Interessant sind die Frauenbildnisse aus jener Zeit. Frauen tragen auf den Reliefs und Abbildungen ein langes Gewand, das bis zu den Knöcheln reicht und über diesem Gewand noch einen langen Übermantel. Meistens schmückt ihr Kopf ein besondere Haube  mit zusätzlichem Kopfschmuck.  Es ist zu erkennen, dass die Frauen im Iran schon  vor dem Islam eine Art Hidschab trugen.

Die Kunst der Achämeniden und der Parther und zum Teil auch der Seleukiden bilden die Grundlagen für die Kunst der darauffolgenden Herrscher in Iran, nämlich die Sassaniden, die 224 nach Christus zu herrschen begannen. Unter den Sassaniden sind starke Tendenzen zum Nationalstolz in der Kultur, der Politik und sogar bei den religiösen Überzeugungen der Iraner zu verspüren.  Felsenreliefe finden weite Verbreitung. Dargestellt wurden meist Szenen aus dem Leben der Könige, wie Verleihung von Amtstiteln, Besiegung des Feindes, und Empfänge und Zeremonien am Königlichen Hofe.

Die Reliefs aus der Sassanidenzeit sind zahlreich und groß, wir treffen sie in den westiranischen Provinzen Kermanschah und Azarbeidschan und im südiranischen Fars zusammen mit Bauwerken dieser iranischen Herrscherdynastie an.  Zum Glück sind die dargestellten Persönlichkeiten auf den Reliefs leicht zu identifizieren, denn meistens steht in einer Inschrift auf Mittelpersisch und Griechisch, oftmals auf der Abbildung der Pferde oder im oberen Teil des Reliefs eingemeißelt, um wen es sich bei den abgebildeten Figuren handelt.

Von Chosro dem Zweiten, einem der letzten Sassanidenkönige sind mehrere Denkmäler hinterblieben. Das bedeutendste ist das Wandrelief des Eywan Taq Bostan in Westiran. Dieser Eywan besteht aus einem großen Torbogengewölbe, welches in den Felsen gehauen wurde. Die Rückwand  dieses Gewölbes gliedert sich in zwei Teile . Auf dem oberen Wandabschnitt wird die Krönungszeremonie des Königs gezeigt.  Der Reiter auf dem unteren Wandabschnitt des Felsenreliefs stellt Chosro der Zweite auf seinem bekannten Pferd Shabdiz.

Auf den Seitenwänden des Bostan-Torbogens  sind Jagdszenen zu sehen. Hertzfeld, ein bekannter Historiker, betrachtet diese Steinmetzarbeiten als Beweis dafür, wie fortgeschritten die Malerei im Iran war. Auf der rechten Seitenwand des Torbogens wird eine Hirschjagd und auf der linken Seite eine Wildschweinjagd abgebildet.  Jagdort ist ein Sumpf- und Schilfgebiet. Der Schah und seine Gefolge sitzen in großen Booten und Wächter begleiten sie  auf Elefanten. Auch einige Harfenspieler sind zu sehen. Die  Tierkörper in diesen Abbildungen sind auffallend detailliert herausgearbeitet.

Aber die Sassaniden bauten nicht nur Paläste und setzten sich Denkmäler.  Sie errichten auch Feuertempel, Karawansereien und Burgen. Nach den Palästen waren die Feuertempel wichtiger Bestandteil der Baukultur. In diesen Tempeln pflegten die Anhänger Zarathustras ihre religiösen Bräuche. Damals war die Religion Zarathustras offizielle Religion der Iraner.

Feuertempel werden auf eine bestimmte Weise gebaut. Die Bauweise ist bis heute erhalten geblieben und die Anhänger dieser Religion haben auch ihre neuen Tempel nach dieser antiken Bauweise erbaut.

Bei der Beschreibung der Bauweise der Sassaniden müssen wir auch das Taqe Kasra - auch:  Eywan Madain genannt - erwähnen. Dieses große Bauwerk liegt heute im Irak. Es wurde aber von den iranischen Sassanidenherrschern in deren damaligen Machtbereich erbaut und weist   architektonische  Elemente deren Bauweise auf.

Das bedeutendste Element dieses Palastes ist der große Eingang. Es ist wie ein riesiger breiter Torbogen. Dieser führte zu einem rechteckigen Saal.  Am das Zentrum des Bauwerkes schlossen sich  Gänge, Kammern und Säle an, über denen sich Kuppeldächer wölbten.  Der Hauptsaal wurde über 150 Fensteröffnungen mit Licht von außen versorgt.  Das Bauwerk wurde auf einem großen Mauerwerk und ohne Säulen errichtet. Er war anscheinend mit bemaltem bunten Stuckwerk verziert, das leider nicht erhalten geblieben ist.

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