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Freitag, 04 März 2016 08:45

Hörerpostsendung am 28.02.2016

Hörerpostsendung am 28.02.2016
Bismillaher rahmaner rahim   -   Solange es die gute alte Post gibt, wird auch unsere Hörerpostsendung nicht ohne Material bleiben, das wir Ihnen liebe Hörerfreunde an den Sonntagabenden vorlesen können. Aber, dass das gute alte Postsystem in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft Geschichte sein wird, das müssen wir dann sicher –wenn auch mit Bedauern- akzeptieren.

Aber noch sind sie aktiv, die Postbotinnen und Postboten, und wir hoffen, dass sie noch recht lange vielen Menschen eine Freude machen, wenn sie an ihrer Tür erscheinen.

Ein Beispiel für ein solch freudiges Ereignis dokumentierte uns unser Bruder im Islam Frank-Luqman Bresonik in seinem Brief, den er wie immer liebevoll per Hand und in Großbuchstaben verfaßt hat. Frank-Luqman nimmt auch zu aktuellen Ereignissen Stellung und worum es dabei geht, das erfahren Sie gleich, denn Herr Radschabi möchte seinen Brief zu Anfang der heutigen Sendung vorlesen. Unser Aufnahmeleiter Herr Mahbod möchte aber zunächst ein paar schöne Klänge für Sie spielen und danach geht es dann los mit der Post.

"Gladbeck 16. Januar 2016

Bismillahir rahmanir rahim !! As salamu aleikum wa rahmatullahi wabarakatuh.

Liebe Brüder und Liebe Schwestern der Stimme der IR Iran!

Mit dieser Zuschrift möchte ich in diesem noch recht jungen Jahr 2016 unsere langjährige freundschaftliche Verbindung und Korrespondenz fortsetzen.

Euch allen wünsche ich für die kommende Zeit alles erdenklich Gute und friedvolle Monate. Heute bekam ich zur Mittagsstunde von der hier im Revier zuständigen Briefbotin Eure gut gefüllte Postsendung überreicht, und möchte nun meinen großen Dank für die DVDs und die Festagsgrüße zu Euch ins Teheraner Funkhaus senden. Mit allem habt Ihr mir eine ganz phantastische Freude bereitet. Wenn es heute noch die Zeit erlauben sollte, werde ich mir eine dieser DVDs ansehen und Euch in meinem nächsten Brief diesbezüglich Bericht erstatten. Sicherlich habt auch Ihr von den jüngsten Übergriffen in Köln im zu Ende gehenden Jahr 2015 Kenntnis nehmen können. Es ist meines Erachtens sehr schlimm, was sich in dieser besagten Silvesternacht vor zahlreichen Schaulustigen seitens nordafrikanischer alkoholisierter Männer, die sich Muslime nennen, zugetragen hat, aber es ist auch ein Produkt des Westens, eines Rechtsstaates der auf vielen Gebieten versagt hat und in dem die Sicherheit in vielerlei Hinsicht ins Wanken kommt. Es sind die Früchte der Regierung Angela Merkel, die jetzt bitter und später sicherlich vielerorts in Deutschland noch viel bitterer schmecken werden.

Nur einige Wochen danach mussten deutsche Touristen im türkischen Istanbul durch einen Selbstmordanschlag ihr Leben lassen, gefolgt von Terroristen in Hurghada, Ägypten, bis zu den Schreckensmeldungen aus Indonesien. Die Welt steht also trotz unzähliger Friedenswünsche zum Jahresbeginn nach wie vor Kopf.

Herr Bresonik berichtet weiter:

Bilal, so heißt mein deutscher muslimischer Glaubensbruder, der mit seiner libanesischen Frau für eine Woche lang in dem überfallenen 4 Sterne Hotel in Hurghada (Ägypten) ein paar Tage ausspannen wollte, doch am 2. Urlaubstag wurde die Reise für beide zu einem Alptraum, denn sie flohen mit Todesangst vor den Verbrechern, die sie und andere Gäste erschießen wollten.
Doch zum Glück waren Sicherheitskräfte vor Ort, die diesem fürchterlichen Dilemma ein Ende bereiteten. Bilal wechselte mit seiner Frau nach dem Überfall das Hotel und ist mit Angst im Nacken nun wieder in Deutschland.

Auch ich werde zukünftig arabische Länder meiden und meinen Urlaub in diesem Jahr inshaallah in Sachsen verbringen und eventuell mal einen Ausflug nach Polen unternehmen.

Abschließend möchte ich Euch noch wissen lassen, dass ich die Hinrichtungen in Saudi-Arabien verurteile. Der ständige Haß unter Sunniten und Schiiten muß endlich aufhören.

Auch wir Muslime sollten im Allgemeinen in Frieden miteinander leben. Schiiten und Sunniten sollten sich die Hände reichen, denn ALLAH ist bestimmt nicht darüber glücklich, dass sie sich stets bekämpfen und unser großer und liebenswerter Prophet Muhammad, der Frieden und der Segen sei auf ihm,wäre es sicherlich auch nicht.


In diesem Sinne alles erdenklich Gute für Euch und Euer Land!!

Frank-Luqman"

Wir danken Herrn Bresonik für seine Zeilen mit den teilweise authentischen Berichten, die ihm sein Freund vermittelte. Außerdem danken wir auch für seinen Empfangsbericht und stimmen mit ihm überein, dass die Versöhnung der muslimischen Glaubensrichtungen eine große Notwendigkeit ist.

Die Themen in Frank-Luqmans Brief betreffen aber nicht nur die Muslime, sondern auch die Nichtmuslime und deren Probleme untereinander. Da kommen uns die Worte des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac, gerade recht. Zugeschickt hat sie uns unser aufmerksamer Hörerfreund Paul Gager, der eine Meldung über den "Tag der offenen Moschee" am 11. Februar, in einer österreichischen Tageszeitung entdeckt hatte. Die Worte von Herrn Sanac lauten:

"Zusammenleben in Vielfalt erfordert ein Aufeinanderzugehen, damit aus dem Nebeneinander ein Miteinander werden kann."

Da geben ihm sicher die meisten von uns recht. Aber die von Herrn Bresonik geschilderten Ereignisse kann man natürlich nicht übergehen und muss auch Verständnis dafür aufbringen, wenn viele Menschen dann gegenüber Ausländern und Flüchtlingen eine andere Meinung haben.

Schon lange vor solchen sehr bedauerlichen Ereignissen, wie z.B. in der Silvesternacht in Köln, haben wir eine Zuschrift zum Thema Flüchtlinge aus dem Hörerkreis bekommen, aus der wir – ohne den Namen des Absenders zu nennen – heute vorlesen wollen:

"Früher sprach man von "Migranten", "Asylbewerbern" usw. Heute gibt es nur noch "Flüchtlinge". Mit diesem Begriff, und das ist ein Mittel der Propaganda, erzeugt man Wärme und Mitleid. Es hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der derzeitigen Migranten aus den Balkanländern, aus Nord- und Schwarzafrika sowie den Ländern östlich Irans stammt. Gerade heute früh wurde im "Deutschlandfunk" wieder eine große Gruppe so genannter "Flüchtlinge" präsentiert, die kein Arabisch, sondern Farsi sprach - aus Afghanistan und West-Pakistan stammend - auf der Suche nach einem besseren Leben (was ja durchaus verständlich ist). Warum hat sich die diese Gruppe Farsi sprechender Menschen nicht in den benachbarten friedlichen Iran durchgeschlagen, wo man doch sogar sie selbe Sprache spricht? Es ist klar, die Antwort muss ich wohl nicht geben.

Hinzu kommt, dass eine sehr große Zahl dieser Leute, die aktuell nach Deutschland streben, nicht direkt aus Kriegsgebieten kommt, sondern schon seit Monaten bzw. gar Jahren in der Türkei und anderen befriedeten Gebieten lebt. Einmal davon abgesehen, dass solche Migranten überhaupt nicht asylberechtigt sind: Ist es nicht eine Tatsache, dass ein Mensch, der sich in Lebensgefahr befindet nicht unbedingt nach "Germany" strebt, was derzeit die meisten dieser Flüchtlinge im Sinn haben, sondern dass es doch erst einmal Nebensache ist, wo man seine Haut in Sicherheit gebracht hat.

Hauptsache für Menschen in Kriegsgebieten ist  es doch, überhaupt zu "überleben" und sich in Räume zu retten, in denen nicht geschossen wird. ...

Aber viele arabisch sprechende Menschen nutzen einfach die Gunst der Stunde. Sie werfen ihre Pässe weg, was an sich schon strafbar ist, kaufen sich syrische Papiere oder kommen ganz ohne Identifikation hier an. Unser Grenzschutz, der sonst doch immer so übergenau ist (man denke z.B. mal an die Kontrollen an Flughäfen), winken das alles durch - wohl auf Anweisung unserer hilflosen und unfähigen Regierung.

Hinzu kommt noch, dass selbst die Syrer, die hier ankommen, sich vor ihrer Reise nach Europa zu einem großen Teil schon in Regionen aufgehalten haben, in denen kein Krieg herrscht - und somit überhaupt nicht asylberechtigt sind. Dass die Menschen in den Lagern der Türkei und Jordaniens unter schlimmen Bedingungen leben müssen und weder EU, noch UNO sich bisher darum gekümmert haben (von den USA oder den Saudis will ich ja schon gar nicht sprechen), das ist wirklich eine Schande und mit ein Grund für die Völkerwanderung.

Ja, ein unerschöfliches Thema."

 

Ein unerschöpfliches Thema, da hat unser Hörerfreund recht. Aber es ist nicht nur unerschöpflich, sondern auch sensibel und heikel. Trotzdem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen und müssen uns mehr an den ja auch vorhandenen positiven Seiten dieses Themas orientieren.

Eine Orientierungshilfe findet sich sicher in dem Buch "Allahs Sonne lacht über der Alster" von dem deutschen Schriftsteller und überzeugten Muslim Peter Schütt, welches er schon lange vor der aktuellen Flüchtlingskrise, nämlich 2001 geschrieben hat. Die 2003 verstorbene weltbekannte deutsche Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel hat das Vorwort für dieses Buch verfaßt:

"Peter Schütt breitet ein buntes Bild möglicher Begegnungen vor dem Leser aus und rührt dabei die Saiten der Herzen an. Daher wird das Buch, wie zu hoffen ist, viele Menschen ansprechen und auch ein wenig dazu beitragen, dass wir uns der Begegnung mit unseren muslimischen Nachbarn freuen und hinter der scheinbaren Verschiedenheit, hinter den Schleiern der Unwissenheit, erkennen, wieviel wir aus solchen Begegnungen lernen können. Ein verständnisvolles Lächeln erleichtert das Zusammenleben."

Einen ganz anderen Aspekt der Flüchtlingskrise beleuchtet unsere Hörerfreundin Martina Pohl in ihrer Mail vom 14.Februar 2016:

"Liebe Redaktion in Teheran,

die vierte Syrien-Geberkonferenz ist zu Ende gegangen. Mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung braucht dringend Hilfe. 70 Prozent der Flüchtlinge leben unter der Armutsgrenze. Nun sollen zusätzliche Finanzmittel verstärkt für die schulische Ausbildung verwendet werden. Viele dieser Kinder haben seit Jahren keinen Unterricht mehr gehabt. Andere wiederum müssen durch Gelegenheitsjobs den Eltern dabei helfen, über die Runden zu kommen. Frau Merkel hat recht, wenn sie auf der Konferenz mit Nachdruck hingewiesen hat, Zusagen auch einzuhalten. Es gab in der Vergangenheit immer wieder einzelne Staaten, die zwar Gelder versprachen, geflossen ist dann aber gar nichts. Unter anderem sind die skandinavischen Länder, die Schweiz oder Deutschland äußerst freigiebig, was man von Frankreich oder Saudi-Arabien nicht behaupten kann. Auch China könnte generöser sein.

Generell fließt das Geld großzügiger, wenn es sich um Naturkatastrophen handelt. Es gibt dann nämlich nur Opfer und keine Täter.
Häufig wird bei kriegerischen Auseinandersetzungen der Bevölkerung eine Mitschuld zugewiesen, weil sie die eine oder andere der Kriegsparteien unterstützt. Auch bei der humanitären Hilfe verschwindet nicht wenig in korrupte Kanäle. Eine Beendigung des Syrienkrieges ist noch in weiter Ferne. Sollte eines Tages wieder Frieden einkehren, werden wiederum Milliarden für den Wiederaufbau benötigt. Kriege richten nur unsägliches Leid und Zerstörung an. Dies wird aber die Menschheit nie begreifen. Die Rüstungsindustrie produziert Waffen ohne Ende. Der Markt ist gewaltig, die Nachfrage riesig. Eine friedliche Welt ist Utopie und niemals erreichbar.
Viele Grüße von Martina"

Frau Pohl macht uns mit Ihrer Mail nun aber gar keine Hoffnung und auch unser Hörerfreund Stefan Lipsius ist in seiner Mail zum Thema eher pessimistisch:

"Ich war letzte Woche wieder im Kosovo. Die sozioökonomische Lage ist dort trostlos und die politische auch nicht viel besser... Und die Nachrichten aus Syrien mit den bis zu 70.000 Flüchtlingen, die sich zur türkischen Grenze aufmachen, sind auch nicht gerade ermutigend. Uns stehen also auch für das Jahr 2016 eher unruhige Zeiten ins Haus. 

Einstweilen herzliche Grüße und Wünsche aus Kassel, Stephan Lipsius"

Die Schlußfolgerung unseres Hörerfreundes Dietmar Wolf reiht sich in die pessimistische Stimmung seiner Hobbykollegen ein:

Puh, das ist eine sehr schlimme Zeit, die wir da erleben…….

Aber hier ist seine gesamt Mail, die auch noch wieder andere Aspekte zur aktuellen internationalen Lage aufweist. In Zusammenhang mit einem bei uns gehörten Bericht über die Arbeit der westlichen Medien nach den Anschlägen in Paris schreibt er:

"Hierzu kann ich Ihnen nur danken, für Ihre treffende Analyse der westlichen Leitmedien um Reuters etc.. Dieses Problem ist mir auch schon länger aufgefallen, und bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, natürlich sind die 130 Toten von Paris sehr schlimm, nur was ist mit den ZIG-tausend Zivilisten im Irak, die im Bombenhagel der USA gestorben sind?

Was ist mit dem bombardierten Krankenhaus in Kunduz, dass aus Versehen!!!!!!!!…. so berichteten deutsche Medien!!! (mehrere Stunden lang!!!!) bombardiert worden ist. Wie viele zivile Opfer haben die Amerikaner hier bewußt in Kauf genommen…… auf der Suche nach Verbrechern?

Was ist mit den tausenden Agent Orange-Opfern in Vietnam, die heute noch in der 3.ten Generation mit Behinderungen auf die Welt kommen…. Wer hat doch gleich dieses „Entlaubungs-mittel" benutzt?

Ich finde, jeder Mensch der gewaltsam sein Leben verliert, ist ein Verlust für die Menschheit. Leider ist das Schuldbewusstsein der westlichen Medien und der Verantwortlichen nicht sonderlich ausgeprägt.

Jetzt ist ja Deutschland auch in den Syrienkrieg eingetreten und das Ganze ohne UN-Mandat, ich kann mich auch nicht dran erinnern, dass Herr Assad - der legitim gewählte Präsident Syriens - uns darum gebeten hat. Dies ist also quasi ein Kriegsverbrechen, was wir da begehen oder???

Puh, das ist eine sehr schlimme Zeit, die wir da erleben…….

Dietmar Wolf"

 

Sicher haben unsere Hörerfreunde recht, aber wir sind der Ansicht, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben dürfen, ganz besonders auch nicht für Syrien, wo es ja seit gestern einen Waffenstillstand gibt. Hoffen wir, dass er immer noch hält, wenn wir uns in der nächsten Woche hier in der Runde um die Hörerpost wieder treffen, dann hoffentlich mit angenehmeren Themen.

Eine gute Zeit, bis dann und Choda hafez- Gott schütze Sie!

 

 

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