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Mittwoch, 03 September 2014 20:36

Hörerpostsendung am 31. August 2014

Hörerpostsendung am 31. August  2014
Bismillaher rahmaner rahim Bei Ihnen liebe Hörerfreunde ist heute der letzte Tag im August, ein Sonntag, und hier in Iran haben wir schon den 9. Tag des letzten Sommermonats, des Schariwar. Die Tage sind schon viel kürzer geworden und um acht Uhr abends ist es dunkel. Es ist also nicht zu verkennen, dass sich der Sommer dem Ende zuneigt. Obwohl es im Sommer hier sehr heiß war und auch heute noch heiß ist, stimmt es einem doch etwas wehmütig, denn auch der Sommer ist eine besondere Jahreszeit.

 

Gut, dass es die Jahreszeiten überhaupt gibt, denn dadurch haben wir immer eine schöne Abwechslung im Jahreslauf und können so viele Wandlungen in der Natur erleben.

Zu den Besonderheiten im Jahreslauf gehören aber nicht nur der Wechsel der Jahreszeiten und die damit verbundenen Feier- und Festtage, sondern auch ganz persönliche Tage im Leben jedes Menschen, wie zum Beispiel der Geburtstag. Und da wir heute am letzten Tag des Monats August, der noch dazu ein Sonntag ist, auch ein Geburtstagskind unter den Hörerfreunden haben, wollen wir ihm gleich zu Anfang der Sendung herzlich gratulieren. Nun sind Sie sicher gespannt wer es ist. Also wir wissen nur von diesem einen Geburtstagskind und entschuldigen uns schon jetzt bei den anderen, von denen wir es nicht wissen, dass sie heute Geburtstag haben. Also herzlichste Glückwünsche an Günter Schmidt in Nürnberg!

Ob Herr Schmidt wohl heute bei unserer Sendung zuhören kann? Ich denke eher nicht, denn wenn man schon mal an einem Sonntag Geburtstag hat, dann wird das sicher auch richtig an diesem Tag gefeiert.

Der vorerst letzte Empfangsbericht von Herrn Schmidt für uns war vom 8. Juni und wir sind gespannt, wann weitere folgen.

 

Fest- und Feiertage im Jahreslauf sind für manchen unserer Hörerfreunde auch eine Gelegenheit unsere Sendungen zu hören. So heißt es nämlich in der Mail der Familie Fuhs aus Österreich vom 16. August:

"Liebe Redaktion in Teheran, Wir möchten uns wieder mal bei Ihnen per Mail melden. Dank des Feiertags kam ich wieder dazu, IRIB zu hören! Bitte um QSL-Bestätigung! Herzliche Grüße aus Wien, Ihr Hörer Gereon Fuhs und Ehefrau Brunhild"

Am 15. August hat uns die Familie Fuhs über die 9860 kHz gehört und zwar mit SINPO-Werten von 4 und 5. Der Feiertag den sie nutzten um dies zu tun war der katholische Feiertag Maria Himmelfahrt, der entgegen zu Österreich in Deutschland nur im Saarland und in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischen Einwohnern in Bayern Feiertag ist.

Wir haben auch noch eine interessante Information zu diesem Feiertag gefunden, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Die Katholische Kirche feiert Mariä Himmelfahrt am 15. August traditionell mit einer Kräuterweihe, die dem Glauben nach Krankheit und Unglück fernhalten soll. Verschiedene Kräuter werden zu einem Bündel verschnürt, während des Gottesdienstes geweiht und zu Hause getrocknet. Für jenes Kräuterbündel sind sieben Hauptkräuter vorgesehen: Arnika, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Salbei, Spitzwegerich und Wermut. Diesen sieben Kräutersorten werden weitere Kräuter beigefügt, so dass sich die Anzahl zu einer magischen Zahl summiert: 9, 12, 15 oder 19. Die Verbindung zur Jungfrau Maria erklärt sich aus einer Legende, die besagt, dass das leere Grab Marias einen Kräuterduft ausgeströmt habe. Auch ein Beiname der Mutter Gottes, die in alt-christlichen Gebeten „Blume des Feldes und Lilie der Täler“ genannt wird, stützt das Brauchtum der Kräuterweihe am Feiertag Mariä Himmelfahrt.

Dank der Familie Fuhs haben Wir und unsere Hörer somit auch gleich noch unser Wissen erweitern können. Leider können wir Ihnen die schönen Ansichtskarten, die der Mail von Gereon Fuhs per Scan beigefügt waren, nicht zeigen, aber wir sagen Ihnen was drauf zu sehen ist, und zwar sind es Sehenswürdigkeiten der österreichischen Hauptstadt, wie Rathaus, Riesenrad, Schloß Belvedere und die Karlskirche, und auf einer weiteren Ansichtskarte einige schöne österreichische Landestrachten. Vielen Dank also nach Wien für die Mühen!

 

Einer, der die Zeit findet uns regelmäßig zu hören, aber nicht immer die Zeit hat uns zu schreiben, ist Antonio Mateo. Das bestätigte er uns am 25. August:

"Hallo liebe Redaktion, wollte mich noch mal melden, dass ich Ihre Programme nach wie vor regelmäßig höre. Leider komme ich nicht immer aus Zeitgründen dazu, Ihnen zu schreiben. In der Hörerpostsendung von heute hörte ich von einer "Flaute" im Briefkasten, das motivierte mich sofort zu schreiben. In einer Zeit, wo die Kurzwellenstationen immer weiter aus Spargründen reduziert werden, freue ich mich eine interessante Stimme aus dem Iran zu hören!

Nochmals beste Grüße und machen Sie weiter so.
Ihr Radiofreund
Antonio Mateo Grevenbroich"

Da sind wir aber froh, dass jemand aus dem Hörerkreis auf unsere Anspielung auf das Sommerloch bei der Hörerpost reagiert hat. Schönen Dank Herr Mateo. Aber Herr Mateo ist nicht der einzige, der beim ausfüllen des Sommerlochs helfen wollte, das beweist die nächste Mail vom 28. August für die wir jetzt schon herzlich danken:

"Sehr geehrte deutsche Redaktion von IRIB!

 Das sogenannte Sommerloch möchte ich nutzen, um mich wieder einmal mit einem Hörbericht bei Ihnen zu melden und mitzuteilen, dass ich weiterhin die deutschsprachigen Programme aus Teheran einschalte. Das Signal ist hier in Süwest-Deutschland problemlos aufzunehmen. So ist es eine Freude den abwechslungsreichen Programmen zuzuhören. Insbesondere Ihre ausführliche Berichterstattung über die militärischen Konflikte im Nahen Osten ist für mich wichtig und von großem Interesse. Dafür gilt mein besonderer Dank. Bleibt zu hoffen, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen, in Lybien, Syrien und dem Irak, die insbesondere die Zivilbevölkerung mit Tod, Zerstörung und Elend treffen, ein baldiges Ende finden werden. Der Iran nimmt unter den islamischen Staaten diesbezüglich eine wichtige Vermittlerrolle ein.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass exakt vor 100 Jahren der erste Weltkrieg ausgebrochen ist, an dem 30 Länder beteiligt waren und der über 15 Millionen Menschen das Leben kostete.

 

Nun zu meinem heutigen Empfangsbericht, der hoffentlich für Sie und die technische Abteilung von Interesse ist.

Über eine Bestätigung mit einer schönen QSL-Karte würde ich mich wieder sehr freuen. Dafür danke ich herzlich im Voraus.

Ich grüße Sie alle ganz herzlich und freue mich auf ein baldiges Wiederhören auf KW,

 Ihr Hörer Jörg-Clemens Hoffmann aus Alsbach"

 

Ein aufmerksamer Hörer bzw. Leser unserer Website ist Herr Armin Bindzus und wir danken ihm dafür, dass er uns schon ein paarmal auf Tippfehler aufmerksam gemacht hat. Leider fehlt es uns an ausreichend Leuten, die solche Fehler verhindern.

Ansonsten ist Herr Bindzus zufrieden mit uns, wie er am 27. August schrieb:

"Liebe Redaktion,

danke für Ihre hochwertigen Beiträge!

Wir freuen uns, Ihr Programm während unseres Urlaubs in Spanien auf Kurzwelle zu empfangen!

Herzliche Grüße Armin Bindzus aus

Weil der Stadt"

 

Also dann noch einen schönen Urlaub und Danke!

Glücklicherweise ist der Tenor der meisten Zuschriften an unseren Sender ähnlich und wir danken allen Hörerfreunden an dieser Stelle einmal ganz besonders für Ihre freundlichen Stellungnahmen. Dass dies aber nicht selbstverständlich ist, dafür haben wir auch Material in unserer Postmappe.

Wenn es nach Herrn Torsten Behrens ginge, dann sollten wir uns die ganze Arbeit sparen, denn ihm gefällt unser Programm überhaupt nicht. Hören Sie, was er uns am 24. August geschrieben hat:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
könnten Sie mir bitte einmal verraten, warum das deutsche Programm extrem langweilig ist? 

Ihr Radioprogramm macht keinen Spaß - viel zu lange und langatmige Nachrichten, dazu noch extrem schwer zu verstehen und auch ihre anderen Sendungen sind an Langeweile kaum noch zu überbieten.

Entschuldigung, aber das können andere ausländische Sender wesentlich besser!  

Mit freundlichen Grüßen Torsten Behrens"

Natürlich sind wir für Kritik offen, das haben wir Herrn Behrens geschrieben, und um Vorschläge zur Änderung unseres Programms gebeten. Anstelle von brauchbaren Vorschlägen kam bald weitere Kritik:

"Sehr geehrte Frau Sheikholeslami,
haben Sie vielen Dank für Ihre e-Mail.
Dass das deutsche Programm von IRIB langweilig und eintönig ist, liegt doch auf der Hand. Ellenlange "Nachrichten", gepaart mit Propagandamusik am Anfang und sehr lange Koranrezitationen. All das ist für den Hörer nur ermüdend und uninteressant. Ich denke, Sie wissen, wie man z.B. in Europa Rundfunk macht, aber anscheinend scheint dies IRIB nicht zu interessieren.
Stattdessen setzt man auf langweilige, langatmige und dumme Propaganda und man glaubt offenbar bei IRIB tatsächlich, wir Hörer würden das interessant und vielleicht noch unterhaltsam finden.
Die Sprecher sind deshalb schwer zu verstehen, weil diese oft  unverständlich und monoton sprechen. Das Deutsch nicht deren Muttersprache ist, kann man ihnen natürlich nicht zum Vorwurf machen - aber es klingt alles sehr "lustlos" und nicht gerade überzeugend. Auch dies ist für den Hörer ermüdend.
Mein Fazit: Das deutsche Programm von IRIB sollte lieber eingestellt
werden. Wieviele Stammhörer haben Sie? 10, 20 oder 30? Die gleiche
Langeweile stellt sich bei mir ein, wenn ich das deutsche Programm von
"Radio Pjöngjang" verfolge - der gleiche, dämliche Schwachsinn. Die
reinste Schlaftablette, wie IRIB.

Mit freundlichen Grüßen, Torsten Behrens"

 

Ja liebe Hörerfreunde, was meinen Sie, sollten wir dem Vorschlag dieses Herrn folgen???  Ihre Briefe und Mails sprechen eine andere Sprache, und das haben wir Herrn Behrens auch in einer weiteren Mail mitgeteilt und ihm mehrere lobende und freundliche Meinungen von Hörerfreunden als Beispiele zugesandt.

Niemand ist gezwungen unsere Sendungen zu hören, auch das haben wir Herrn Behrens geschrieben. Jedem steht es offen IRIB einzuschalten oder nicht – und deshalb machen wir weiter, wenn wir auch nicht die Massen erreichen, so sind unsre Programme doch eine Alternative für Viele, die eben nicht auf allgemeingefällige und nach Massen heischende Radioprogramme stehen. Wichtiger sind uns Sendungen, die Seele und Geist des Menschen erreichen und Informationen bieten, die man nicht überall finden kann.

Auch Herr Oliver Fülla aus Fachbach scheint mit uns und auch unseren Frequenzen zufrieden zu sein, denn am 10. August konnte er uns mit seinem Sony ICF-SW 7600 G mit Aktivantenne AN-LP1 mit guten SINPO-Werten von vorwiegend 4 und 3 empfangen. Dazu schrieb er dann noch:

"Liebe Freunde bei IRIB,
herzlichen Dank für die freundlichen Grüße und die wunderschöne Kachel, die ich zum Jahreswechsel von Ihnen erhalten habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Bedanken möchte ich mich auch für die schöne QSL-Karte, mit der Sie meinen letzten Empfangsbericht bestätigt haben.

Jetzt bin ich nach längerer Zeit endlich wieder einmal dazu gekommen, Ihnen einen Bericht über Ihre Kurzwellensendungen zu schreiben.
Der Empfang auf der neuen Abendfrequenz 9860kHz ist meistens brauchbar. Im Gegensatz dazu kommt die Parallelfrequenz 7410KHz meistens schlechter herein. 
Hoffentlich senden Sie noch lange Ihr deutschsprachiges Programm auf Kurzwelle und im Internet.
In der heutigen Sendung äußerte ein Hörer den Wunsch nach mehr Informationen zu gespielten Musiktiteln. Dem stimme ich zu. Ich denke, eine kurze Vorstellung der Interpreten und des Liedtextes wären eine sinnvolle Bereicherung.
Sehr dankbar wäre ich Ihnen auch für eine neue QSL-Karte als Bestätigung für diesen Bericht.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und eine angenehme Sommerzeit!
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Fülla"

Na ja, da haben wir eine Hörerbitte in dieser Mail, die wir hoffentlich gleich erfüllen können, denn jetzt kommt unser Musikstück, mit dem wir nun den Hauptteil der Hörerpostsendung abschließen wollen. Aber auch die Fortsetzung der Sendung hat mit einem unserer Hörerfreunde zu tun, wenn er auch seit einiger Zeit nicht mehr als solcher aktiv in Erscheinung tritt.

Wir hoffen unser Musikstück hat Ihnen gefallen und Sie sind nun eingestimmt auf den abschließenden musischen Teil unseres heutigen Treffens mit der Hörerpost. Seit Mai haben wir nichts mehr von dem langjährigen Hörerfreund, der unter die Buchautoren gegangen ist, gehört. Nun kam folgende Mail, die allerdings nicht alleine an uns gerichtet war, sondern an verschiedene Leute:

"Liebe Freunde,
es ist soweit. Nächste Woche erscheint mein neuer Roman "Schmetterlingsliebe". Die ebenso poetische wie faszinierende Liebesgeschichte von Liang Shanbo und Zhu Yingtai neu erleben - dem malerischen Zauber ostchinesischer Landschaften erliegen - das sind die beiden Leitmotive.
Ab sofort bei mir bestellbar (ab Mitte September auch in den Buchhandlungen) - auf Wunsch gern auch handsigniert und mit original chinesischem Namensstempel (mit roter Tinte aus Schanghai). 
Ich lege dieser Mail ein paar Kost- und Leseproben bei - in Kürze wird auch meine Website aktualisiert. Viel Spaß beim Schnuppern.
Ich freue mich auf eure Post.
Viele Grüße Euer Helmut Matt"

 

Auf dem Umschlag des Buches "Schmetterlingsliebe" von Helmut Matt steht zur allgemeinen Einführung:

Die Poesie eines Volkes ist immer auch Ausdruck der Poesie seiner Landschaft. Schmetterlingsliebe – das bewegende Schicksal von Liang Shanbo und Zhu Yingtai ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch das wohl berühmteste Liebesdrama des chinesischen Altertums. Vollkommen neu erzählt, mit aktuellen Verweisen  ins heutige Leben und in die heutige Landschaft des östlichen China entfaltet sich die Geschichte in zarten, poetischen Bildern und lenkt den Blick auf ein Thema, das an vielen Orten der Erde auch in unseren Tagen noch immer aktuell ist: Die Rolle der Frau in der Gesellschaft, ihr Recht auf Teilhabe an Kultur, Bildung, Wissenschaft und Politik. Seit vielen Jahrhunderten erzählt man sich die Geschichte der Schmetterlingsliebenden – ebenso alt, ja um vieles älter ist die bis heute ungelöste Frage der Gleichberechtigung. Noch immer gibt es Länder und Kulturen, in denen Frauen in ihren Rechten massiv beschnitten und vom kulturellen Leben ihrer Gesellschaft in starkem Maße ausgegrenzt sind.

Helmut Matt hat seiner Mail auch ein paar Seiten seines neuen Buches beigefügt und daraus wollen wir nun vorlesen und hoffen damit das Hörerpost-Sommerloch einigermaßen adäquat aufzufüllen. Der Titel dieses Buchabschnittes heißt:

Das kluge Mädchen

Im Südosten des Landes, nahe der Bucht von Hangzhou, fließt der Fluss Cao E durch malerisches Berg- und Hügelland hinunter in fruchtbare Ebenen. Dort, wo die letzten Erhebungen sich in der Weite verlieren, liegt ein Ort mit Namen Shangyu. Heute hat Shangyu, das zur Provinz Zhejiang gehört, fast 800.000 Einwohner – in alter Zeit jedoch lebten nur wenige Familien in dem kleinen Dorf am Ufer des Cao E.

Es geschah vor langer Zeit – es war wohl in den Jahren der östlichen Jin-Dynastie in der Mitte des vierten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Damals regierte im Reich der Mitte der Kaiser Mu.

Die meisten Familien jener Tage lebten von den Erträgen ihrer Äcker und Wiesen. Auch Familie Zhu besaß Felder zur Bewirtschaftung. Mit Fleiß und Ausdauer hatte Herr Zhu Gongyan es zu einigem Vermögen gebracht. Zusammen mit seiner Frau bewohnte er ein großes, schönes Haus, umgeben von liebevoll angelegten Gärten am Rande des Dorfes. Acht Söhne hatte Frau Zhu ihrem Mann schon geschenkt und schließlich, als wirklich niemand mehr mit einem weiteren Kind gerechnet hatte, machte ein Mädchen das Glück der Familie vollkommen.

Das Kind erhielt den Namen Yingtai. Die Freude des Ehepaars Zhu über den unverhofften Nachzügler war kaum zu beschreiben. Sie liebten das Nesthäkchen über alles und ließen ihm viele Freiheiten – weit über das übliche Maß hinaus.

Das China jener Tage war eine Welt der strengen Sitten und strikten Regeln. Traditionelle Werte bestimmten den Status der Mitglieder einer Lebensgemeinschaft – von der Familie im Kleinen über die Dorfgemeinschaft bis hinauf zum Staatswesen. Die Rollen waren klar definiert und strikt nach Geschlechtern kategorisiert. Der Mann als der Ernährer hatte die Macht, der Ort der Frau war Heim und Herd – und die Erfüllung der „ehelichen Pflichten“ war ihre wesentliche Bestimmung. Zu den weiblichen „Pflichten“ gehörten damals die Schönheitspflege und beispielsweise das Brechen und Abbinden der Füße.

Später heißt es dazu in diesem Buch: Das schmerzhafte Brechen und Abbinden der weiblichen Füße war in China eine Sitte, die weit in die Zeit der frühen Dynastien zurück reicht und erst im zwanzigsten Jahrhundert im Zuge der revolutionären Umwälzungen abgeschafft wurde. „Lotosfüße oder „Lilienfüße“ nannte man das Ergebnis dieser qualvollen Tortur. Durch extremes Einbinden und Knochenbrechen verkrüppelte man die Füße der Frauen – einerseits, um ein tradiertes Schönheitsideal zu erhalten, andererseits sicher auch zur Durchsetzung männlicher Vorherrschaft in der Gesellschaft des alten Chinas. Selbst nach dem offiziellen Verbot im Jahr 1911 wurde diese „Tradition“ heimlich noch bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fortgeführt. Eine Frau mit „Lilienfüßen“ war nicht in der Lage, eine längere Strecke Weges auf eigenen Beinen zurück zu legen. Für solche Zwecke gab es Sänften, in denen die Frauen getragen wurden. Für Frauen aus ärmeren Familien gab es meist überhaupt keine Möglichkeit, ihr Haus jemals zu verlassen.

Im alten China galt es als selbstverständlich, dass Frauen von Bildung, Wissenschaft und Kunst weitgehend ausgeschlossen waren – diese sozialen Bereiche waren ausschließlich den Männern vorbehalten. Solche aus heutiger Sicht archaisch anmutenden gesellschaftlichen Regeln und moralischen Zwänge bestimmten das Gefüge der chinesischen Gesellschaft über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende in nahezu unveränderter Weise.

Bildung und Wissen galten für die Frauen im alten China als praktisch nutzlos. Nur sehr wenigen Frauen jener Zeit, wie beispielsweise der Historikerin Ban Zhao aus Angling in der heutigen Provinz Shaanxi, gelang es, an der Welt der Bildung und Wissenschaft teil zu haben. Die Geschichte des alten China ist eine Domäne der Männerwelt.

Herr Zhu Gongyuan legte großen Wert auf die Ausbildung seiner Söhne. In der Studierstube seines Hauses unterrichteten stets die besten Lehrer. Seine Söhne solten einmal in Handel, Gewerbe und  Verwaltung gute Positionen bekleiden.

Die kleine Yingtai war noch keine vier Jahre alt, als sie sich regelmäßig zu ihren Brüdern in die Studierstube setzte und ganz mucksmäuschenstill den Ausführungen der Dozenten lauschte. Es dauerte nicht lange, bis sie sich auch aktiv am Unterricht beteiligte und die Anwesenden mit ihrer außerordentlichen Auffassungsgabe ein um das andere Mal in Erstaunen versetzte.

Immer wieder schüttelten hingegen die Eltern verwundert den Kopf. Was sollte das Kind auch später in ihrem Leben mit all den Dingen anfangen, die es da hörte?! Alles Wissen, das für die berufliche Entwicklung der Söhne einmal von hohem Wert und Nutzen sein würde, war für das Mädchen doch gänzlich ohne jeden praktischen Zweck. Dennoch ließ man sie gewähren. Sicher würde Yingtai von alleine auf andere Gedanken kommen – spätestens dann, wenn sie einmal das heiratsfähige Alter erreicht haben würde.

Wie es weiter geht in dieser Geschichte, die in einer so ganz fernen Kultur im alten China spielt, ja das verraten wir Ihnen vielleicht ein andermal. Aber Sie gehen sicherer, wenn Sie sich das Buch von Helmut Matt vielleicht kaufen. Noch ist der Sommer nicht vorbei und wenn das Wetter mitspielt, dann wird es vielleicht noch so manche Gelegenheit geben, in diesem so weit zurückreichenden und doch so gegenwartsbezogenen Buch – vielleicht in einem Liegestuhl oder auf einer Decke unterm Apfelbaum, am Strand oder in einer anderen abgeschiedenen Ecke, zu schmökern.

Ihnen allen liebe Hörerfreunde damit erstmal einen guten Abend und eine gute Zeit, bis wir uns wiederhören in einer Woche zur gewohnten Stunde.

Choda hafez  - Gott schütze Sie!

 

 

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